(CD, Teenage Rebel Records)
Auf’s Back To Future-Festival bin ich dieses Jahr nur wegen zwei Bands gefahren. Wegen Klingonz – die ich 1988 mal zufällig am Covent Garden fast nackig und nur in bunten Baströckchen mit abgespecktem Rockabilly-Set sah, völlig begeistert war und endlich mal wieder sehen wollte – und wegen den Lokalen. Klingonz haben im wilden Osten durch ihre Bühnenshow bestochen, aber die Mülheimer haben einmal mehr vor versammelter Hütte die Meute so was von gerockt, dass mir vor lauter notgedrungenem Bierkonsum fast die Zähne aus dem Gesicht gefallen sind. Angefixt durch das Vorhören des neuen Albums „Söhne Mülheims“ hab ich die durchaus skeptischen Mitreisenden ziemlich kirre gemacht. Auf der Rückreise waren dann aber alle auf meiner Linie. Wir haben uns gegenseitig den Pillemann gezeigt, die Fotze geleckt und den Finger in den Arsch gesteckt. Dazu ständige Sprechchöre. Die Lokalmatadore haben mit ihrer Kunst auch den härtesten PC-Aktivisten geknackt. Geile Scheiße. Und die neue Scheibe? Gott! Funtastisch! Unschlagbar!!! Nach was weiß ich wie vielen Jahren endlich mal wieder ein neues Album. Eigentlich fehlen mir die Worte, um das in Worte zu fassen, wozu mir die Worte fehlen, um das in Worte zu fassen, wozu mir die Worte fehlen. Nur: „Söhne Mühlheims“ ist ein Meilenstein in der Musikgeschichte – so bescheuert muss man erstmal sein. Das schaffen nur die allerwenigsten. Ich liebe die Lokalmatadore und bewundere sie für ihre sozialkritischen Texte. Kaufen, Kaufen, Kaufen!!! Und dann: „Pipi machen, Zähne putzen, ab ins Bett“. Oder um es mal so zu sagen: „Du wirst immer nur verarscht“. Hier nicht! Das Meisterwerk der Lokalmatadore!!! Und jetzt: „Lass uns doch jetzt bitte saufen gehn.“ Bin dabei!!! Obnoxious

Die nächste große Neuheit bei Teenage Rebel Records, das neue Album der mächtigen Kassierer, der Band mit den verbesserten Gehirnen (wie soll man sich sonst solche Meisterwerke ausdenken können …) steht an.

Die Lokalmatadore haben zehn Jahre gebraucht, die Kassierer “nur” sieben, um ein richtiges neues Album zu veröffentlichen, aber besser Qualität als Quantität und am 24.09.10 ist es dann soweit:
DIE KASSIERER: PHYSIK
Als LP inkl. Download-Kupon sowie CD.
www.teenage-rebel.de
www.kassierer.com

cover_kaltfrontjpg(CD, Teenage Rebel)
Kaltfront kommen ursprünglich aus Dresden. Und zwar aus dem Dresden Ende der 80er. Also als die Tätära in ihrer Agonie lag und bald auch schon Vergangenheit war. Geboten werden auf dieser Zusammenstellung alle Songs der vier Demos von damals. Waviger Deutschpunk der etwas melancholisch-düsteren Sorte, der an Male, Fehlfarben und Fliehende Stürme erinnert. Die Soundqualität ist den Umständen entsprechend, wobei die Texte teilweise noch immer aktuell sind. Im Booklet sind von allen 20 Songs die Texte vertreten plus ein paar einführenden Worten zur Bandgeschichte. 2006 kam die LP raus, hier jetzt die CD inklusive sechs Bonustracks. Zwar nicht unbedingt einmalig, aber immerhin ein beeindruckendes Zeitdokument. Andererseits: Was interessiert mich die Scheiße von vor 20 Jahren? Naja, doch schon einiges!!! Antesten könnte sich durchaus lohnen! Obnoxious

www.kaltfront-dresden.de

(CD, Teenage Rebel)
1994 erschien der Longplayer zum ersten Mal, heute kommt er remastert und mit zusätzlichen sieben Titeln aus Sampler-Beiträgen und US-Veröffentlichungen in den Verkauf. Heikle Themen wie Gewalt in der Gesellschaft, Spannungen zwischen den Geschlechtern, Drogenkonsum u.a. werden direkt und kompromisslos angegangen. Vielschichtig und sensibel sind die Texte, die von Geschichten und Erfahrungen aus dem eigenen Leben und dem von Freunden berichten. Ein Stück Leben, das mittels der Musik an den Zuhörer getragen wird, ihn schockiert und nachdenklich zurück lässt. Richard

www.poebel-und-gesocks.com

(CD, Teenage Rebel)
Wir schreiben das Jahr 1982: Die Profis veröffentlichen bei Schallmauer ihr Debütalbum. Großes Staunen. Deutschsprachiger Modpunk aus Düsseldorf. Ebenso großes Aufsehen in der Szene. Danach von den meisten vergessen oder nie gekannt. 2008: Das Re-Issue der Platte via Teenage Rebel plus etliche (aufnahmetechnisch etwas rauere) Bonustracks, darunter auch vier Songs auf Englisch, die damals noch von der Vorgängerband The Stairs aufgenommen wurden. Cool Shit. Für Punkrocker mit Sicherheit gewohnheitsbedürftig, aber für alte Hasen und Über-den-Tellerrand-Gucker zweifellos viel mehr als ein Zeitdokument oder ein Stück Musikgeschichte. Oberflächlich könnte man Die Profis als seichte NDW-Band klassifizieren, aber das wäre kacke. Bezüge zu Style Council, Who, Jam, Stunde X, Östro 430 und KFC sind klar zu erkennen und das nicht nur im fetten Booklet (mit fast allen Texten). Wäre es eine aktuelle Band, würde ich schreien: „Mehr davon!“ Oder Die Profis würden mir komplett am Arsch vorbei gehen. Ich weiß es nicht. So aber würde ich meinen, dass man den Düsseldorfern unbedingt mal ein Ohr leihen sollte, vor allem wenn man so ein bisschen retro-mäßig drauf ist. Auf die eigene Art und Weise jetzt wirklich mal eine kühle Scheiße mit prägendem Gesangsstil. Obnoxious