SN-Punx #8

| Mai 15th, 2011

(A5, 32 Seiten, 1 Euro + Porto, www.sn-punx.de )
Das SN-Punx ist wohl eher ein kleines und relativ dünnes Fanzine, das sich auf die lokale Szene konzentriert – also auf Schwerin und Umgebung. Für mehr bietet der Inhalt aber auch kaum Ansatzpunkte. Okay, die Jungs sind mit ihrer Arbeit und ihrem Engagement am SN-Punx-Label und einigen örtlichen Einrichtungen (z.B. Café Subversiv) wahrscheinlich auch zu ausgelastet, um jetzt noch das große Presse-Ding auf den Markt zu schmeißen. Und so wird das Fanzine eher dazu genutzt, dem geneigten Lesevolk einen Rundbrief mit Erlebnisberichten zu präsentieren. Natürlich nicht ganz uneigennützig wird dann schon mal mit Borderpaki eine Label-Band gefeaturt. Kann man, muss man aber nicht. Heraus gekommen ist trotzdem ein ganz nettes Interview, in dem es um Bandgeschichte, das neue Album, das Taugenix und die heimatliche Szene in Neumünster geht. Ansonsten gibt’s wie gesagt hauptsächlich Berichte von irgendwelchen Fahrten zu Festivals und Konzerten. Das reißt mich jetzt nicht gerade vom Hocker und solche Artikel sind sowieso ja auch höchstens mal für Leute interessant, die die Schreiber auch kennen. Dem Rest dürfte das hier so ziemlich am Arsch vorbei gehen. Ist auch alles nur so semi-lustig bis zusammenhanglos und oberflächlich. Stöfn hat allerdings mal seine Gedanken zum Thema „Was darf ein Punk-Konzert heutzutage eigentlich kosten?“ zusammengefasst und ist zu einem sehr vernünftigen Ergebnis gekommen. Das könnte ich so auch unterschreiben. Und irgendwelche Hohlbirnen, die meinen sechs Euro für vier Bands wären deutlich zu viel, können mir sowieso gestohlen bleiben. Okay, das SN-Punx-Zine ist mir zwar inhaltlich viel zu dünn – ich meine nicht den Umfang, sondern das was in den Texten vermittelt wird – und hat nach oben noch ganz viel Luft, aber ich würde mal sagen, daran kann man was ändern. An der Attitüde gibt’s rein gar nichts auszusetzen. Bitte unbedingt weiter machen. Obnoxious

Steeltown Records aus Eisenhüttenstadt (mal ne gute Umsetzung eines Labelnamen!) verstehe ich irgendwie als ein Label, welches viel mit persönlichen Kontakten arbeitet. Sprich die Bandmitglieder und das Label kennen sich zumindest zum Teil relativ gut. Solche Sachen finde ich immer ne feine Angelegenheit. Also wenn man auch mal vom Tresen weg etwas gemeinsam verwirklicht. R.O.S. hauen hiermit ihr drittes und auch dieses Mal ein wieder dem Hardcore verschriebenes Album heraus. Nach fast 10 Jahren geht es der Band nach wie vor nicht um eine perfekte Umsetzung, denn vielmehr um Authentizität. Insofern kann man die Scheibe gerne als HC von der Basis beschreiben. Bocky

LOVE ACADEMY – s/t

| April 16th, 2011

(7“, Salon Alter Hammer, Kidnap Music, Dense Waves)
Da hat wohl jemand mal eine Scheibe von Trend im Schrank. Und von Fehlfarben. Kein Fehler! Love Academy – bescheuerter Bandname – machen ziemlich geile Mucke. Minimal-Punk trifft auf die Punk-Vorreiter der NDW. Trotzdem absolut am Puls der Zeit. Auch textlich. Ich kann darauf ganz gut. Geile Sache – kann ich nicht genug von bekommen. Alle Songs kann man sich online zur Probe hören. Ihr wisst schon wo. Aber das ist ganz klar kein Ersatz, denn die 7“ ist nicht nur musikalisch erste Sahne, sondern bietet auch rein optisch absoluten Genuss. Für die Sammler: Jungfräulichweißes Vinyl, komplett weißes Label ohne Beschriftung, serviert im Klarsicht-Plastik-Cover mit tricky Gestaltung plus Downloadcode. Was gibt es Besseres? Nichts. Zumindest für Indie-Punks. Alle drei Daumen hoch!!! Obnoxious

(CD, www.spezialisten-band.de)
Häää? Ich kapier’s nicht! Hab mir „Du verrückter Hund“ jetzt ein paar Mal angehört, aber wo die Töle jetzt begraben liegt, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Ist das musikalisch unterlegte Comedy mit NDW- und Rock-Einfluss oder ist es gottgewollte Scheiße? Die Spezialisten sind drei Herren gesetzteren Alters, die sich selbst nicht besonders ernst zu nehmen scheinen, aber trotzdem so ziemlich alles auf’s Korn nehmen, was ihnen vor die Büchse kommt. Definitiv kein Punkrock, obwohl schon das ein oder andere Riff geholzt wird. Trotzdem eher im langsameren Bereich der Rockmusik. Singen auf Deutsch und erinnern mich an Geier Sturzflug, Benny (bei „Gib niemals auf“) und Trio (mit mehr Text und weniger Minimalismus). Aber auch an Bata Illic, Rex Gildo und Udo Jürgens. Weiß der Teufel was die Jungs aus Münster sich so denken. Aber vielleicht ist es auch nur wie Kassierer oder Lokalmatadore ohne Fußball, Ficken, Alkohol. Nonsens-Mucke, die an die Schmerzgrenze geht. Aber nicht ohne – vielleicht sogar schon Kunst. Obnoxious

THE KLEINS – Pavlovian Dogs

| Februar 12th, 2011

(CD, RilRec)
Blöder Bandname, das! Irgendwie abschreckend, finde ich. Naja, was soll’s? Wenigstens ist ja das Cover ganz ansprechend. Also CD eingelegt und der Dinge geharrt, die da kommen. Ich höre 77er Punkrock aus England, so in Richtung The Adverts, – also durchaus nichts Schlechtes. Ich höre aber auch – und das überwiegend – irgendeinen neumodischen Melodic Westcoast-Rock-Kram, ziemlich beliebig und langweilig. Und insgesamt höre ich etwas, das so gar nicht mitreißend und so unspektakulär ist, dass es als Hintergrundgeräusch für einen ausgedehnten Badewannenaufenthalt prädestiniert sein könnte. Stört nicht, tut keinem weh, ist nicht unangenehm, weil nicht zu hektisch für ein entspannendes Bad. Mir ist das aber viel zu sauber – obwohl, passt ja zur Badewanne – produziert. Da spritzt kein Bier, es fließt kein Blut und es splittern keine Knochen. Die Kleins wecken keine „Pavlovian Dogs“ in mir, die immer wieder auf die Start-Taste drücken. Aber baden tue ich schon ganz gerne. Na, ich weiß auch nicht, mir ist das zu… mittel. Kein Fisch, kein Fleisch. Wie der Vegetarier sagt. Nerd-Info: Gibt’s auch als limitiertes Vinyl. Ganz in weiß. Wer’s unbedingt braucht … Obnoxious

(DVD + CD, www.sickofsociety.de )
Ach Gott, ach Gott. Wer braucht denn jetzt auch noch eine DVD mit den Ergüssen von Sick Of Society? Ich jedenfalls nicht. Wie dem auch sei: Auf der DVD befindet sich ein Mitschnitt der Release-Party von „Weekend Anarchy“, dem letzten Album der Gesellschaftskranken im Juni 2009 im Beteigeuze in Ulm. Visuelle Live-Mitschnitte irgendwelcher Bands interessieren mich aber nicht die Bohne. Ich wüsste nicht, warum ich mir den besoffenen Punk-Pöbel beim Musizieren und Pogen abends irgendwann mal nur so zum Spaß im TV ansehen sollte. Hab ich bessere Sachen zu tun. Ist mir zu langweilig. Immerhin wird die DVD durch Gimmicks aufgelockert, in denen die Band in gemütlicher Atmosphäre aus dem Nähkästchen plaudert. Das sind die besten Momente der DVD. Dazu gibt es noch ein paar Video-Clips zu einzelnen Songs, die Sick Of Society in der Vergangenheit mal produziert haben, Outtakes und ein gefaktes Meet & Greet. Auch ganz nett. Auf der beigelegten CD gibt es nochmal alle Songs des Konzert-Mitschnitts in Studio-Qualität. Die CD gefällt mir um einiges besser als die Versionen auf der DVD, weil Sick Of Society mir live zu metallisch sind, in ihren Studio-Versionen aber durchaus das ein oder andere Mal durch coole Punkrock-Songs zu gefallen wissen. Aber letztendlich wollen sie ja ihre DVD verkaufen. Und die kann ich hier beim besten Willen nicht empfehlen. Die Aussagen der Band sind mir dafür oft auch schon zu platt. Obnoxious

Panx Not Dead #4

| September 5th, 2010

(A4, 48 Seiten, 1,50 Euro + Porto, www.punkid.info / punxnotdead-zine@web.de)
Wenn ich mich richtig entsinne habe ich vor etwa anderthalb Jahren die Debüt-Ausgabe des PND im Punkrock!-Zine besprochen. Trotz inhaltlicher Mängel fand ich es damals so richtig geil, dass ein junger Bengel wie Motte es auf die Reihe kriegt im Alleingang ein Fanzine auf die Reihe zu bekommen. Noch mehr freut es mich, dass Motte inzwischen mit seiner Ausgabe 4 immer noch am Start ist. Cool Shit. Inzwischen ist das Heft um satte 38 Seiten gewachsen und sich trotzdem treu geblieben – gutes altes Schnipsel-Layout. Auch inhaltlich und stilistisch hat sich einiges getan. Kein Wunder, denn Motte ist seit dem 16. Dezember ja auch schon 15 Jahre alt – da kann man einiges erwarten! Dass Motte nicht blöd ist, merkt man auf den ersten Blick. Er beherrscht die deutsche Rechtschreibung, kann gerade Sätze bilden und hat ziemlich vernünftige Ansichten. Dass er auf eine Waldorfschule geht, sehr wahrscheinlich seinen Namen tanzen kann und das auch noch gut findet, sei ihm mal an dieser Stelle verziehen. Aber das wird schon noch. Steiner war ein Arschloch! Im jugendlichen Leichtsinn vergisst man das manchmal. Aber egal, Motte steht auf jeden Fall ganz weit auf der richtigen Seite. weiterlesen →

Plastic Bomb #70

| August 30th, 2010

(A4 + CD, 80 Seiten, 3,50 Euro, an vielen Bahnhöfen)
Das Überraschendste der Ausgabe ist wohl der sang- und klanglose Abgang von Swen Bock, einem der beiden Begründer dieser Fanzine-Institution. Etwas befremdlich finde ich ein paar Aussagen von Abgefuckt-Liebt-Dich-Macher Jan Rakete, die darlegen, dass er wohl nie sonderlich tief in dem ganzen Punkfilm drin war. Ober das als Chef des größten deutschsprachigen Punkportals gewesen sein muss, ist mir grad mal egal. Stattdessen beschäftigte ich mit Telemark, die etwas bescheuert daher kommen und der halbe Tourbericht über Oi Polloi roppt auch nur bedingt. Dave Dictor hingegen erweist sich als äußerst interessanter Gesprächspartner gegenüber Helge, der zu meinem Lieblingsbomber wurde. Irgendwie war ich dann auch schon fast durch. Klar, die Story über die Pestpocken wurde noch gelesen und auch die Rubrik „Anders Leben“ gecheckt. In letzterer fand ich vor allem den Teilartikel über schwule Pornos gut beleuchtet und auch die Aussagen von Seein‘ Reds Jos. Klar is die Bombe ein gutes und wichtiges Heft, aber in letzter Zeit geht sie mir nicht mehr so gut ab. Mich beschleicht das Gefühl es könnte an der, zumindest mir so vorkommenden, lieblosen Aufmachung liegen. Bocky

Human Parasit #9

| August 24th, 2010

(A5, 60 Seiten, 2 Euro + Porto, www.myspace.com/humanparasit)
Kurz vorm zweistelligen Jubiläum haut uns der Exil-Gladbacher noch mal fix ’ne etwas abgespeckte Nummero Neune vorn Latz, die es trotz des geringeren Umfangs recht ordentlich in sich hat. Wage sogar fast zu behaupten, dass wir hier den knusprigsten Parasiten seit den alten Tagen (mit Sidekick Olli) vorliegen haben. Aber mal von vorne: Anstatt eines handelsüblichen Vorwortgesabbels gibt es sowas wie „Szenen einer Ehe“, während einem Urlaub an der rauen Ostsee. Inhaltlich nicht exorbitant aufregend, aber todschick geschrieben. Dann darf sich Bäppi mit der Tatsache rühmen, dass er als einer der ganz wenigen in diesen hektischen Zeiten noch so etwas wie ausführliche Leserbriefe erhält (könnte auch damit zusammen hängen, dass er nicht unter jeden Artikel ein penetrantes „Reaktionen bitte!“ setzt, wie anderweitig desöfteren zu beobachten …), auf die er dann ebenso ausführlich eingeht. weiterlesen →