(CD, Southern Records)
Scheinbar konnten sich die Befürworter (vor allem Penny Rimbaud, Gee Vaucher und Steve Ignorant) der Wiederveröffentlichungen mit den Gegnern (Pete Wright, Phil Free, Eve Libertine) einigen und die remasterten Aufnahmen der Mitbegründer des DIY können nun endlich in einer fast unglaublichen Qualität erscheinen. Und was soll ich euch sagen, meine lieben Brüder und Schwestern, Crass sind auch nach über 30 Jahren unfassbar intensiv. Das Album hat so viel Atmosphäre von Wut und eben ausbrechendem Zorn, dass es nicht verwundert, dass Crass in vielen Belangen, die Punk ausmachten, das Maß aller Dinge sind. Crass waren und sind nämlich für einige grundlegende Veränderungen sowohl im Musikbusiness als auch der Kunst verantwortlich. Sucht man nach den Wurzeln von DIY oder dem für mich als Laien unbeschreiblichen Stil des Artworks landet man unweigerlich bei den Politpunks der damaligen Kommune im sagenumwobenen Dial House, in dem Mastermind Penny Rimbaud heute mit 65 Jahren immer noch lebt. Diese Truppe war maßgeblich an einer Revolution beteiligt, die man bis dato nicht kannte. Fuck Corporate Bullshit war keine leere Phrase, sondern ein tatsächlich gelebter Stil neben dem idiotischen Mainstream. Egal wie lange ich jetzt noch mit Superlativen um mich werfe, in diesen kurzen Worten werde ich nicht dem gerecht, worüber andere mehrere Bücher geschrieben haben. Wer auch nur ansatzweise etwas von Selbstbestimmung hält und deren Anfänge besser verstehen will, kommt hieran sowieso nicht vorbei! Bocky

DUMBELL – Death Ray

| Juli 12th, 2011

(CD, No Solution Records)
Drei Jahre lang war Dumbell-Mastermind Paul Grace krankheitsbedingt weg vom Fenster. Es scheint ihn wirklich ernsthaft gebeutelt zu haben – nicht von ungefähr kommt der Albumtitel „Death Ray“. Jetzt sind Dumbell zurück auf den Brettern, die die Welt bedeutet. Paul Grace verarbeitet in den 15 Songs viele seiner Gefühle, die er in den vergangenen Jahren durchlebt hat – Angst, Hoffnung, Lebenswille und den nötigen Humor, um die ganze Scheiße zu überstehen. Dumbell knüpfen da an, wo sie aufgehört haben. Auf ihrem vierten Longplayer bieten sie einmal mehr Power Pop, Rock und Punk. Amerikanisch geprägt. Ist zwar nicht unbedingt das, worauf ich mir täglich einen runter hole, aber kann mich als Vorspiel schon mal langsam in Stimmung bringen. Als Gast-Gitarristen wurden dann auch Bernadette von den Gee Strings und sogar Sonny Vincent ins Studio gezerrt. Das nur so am Rande, für diejenigen die auf Name-Dropping stehen. Aber mal im Ernst: „Death Ray“ ist ein ganz okayes PunkRock-Album, das mich zwar wegen Pauls Geschichte persönlich berührt, musikalisch aber nicht gerade vom Hocker reißt. Ich kann den ganzen Poser-Punk und vor allem -Rock – und Experten hören bestimmt auch noch Blues heraus – nur noch eingeschränkt hören. Für Dumbell mach ich aber manchmal eine Ausnahme. Obnoxious

Mad Sin – Burn And Rise

| Oktober 27th, 2010

(CD, PLY)
Die schlechte deutsche Übersetzung des neuen Album Titel der Berliner könnte „Wie Phönix aus der Asche“ heißen. Denn so ist das komplette 13. Werk von Köfte DeVille und seinen Mannen, die mal wieder eine Umbesetzung vorzuweisen haben, zu verstehen. Denn der Mastermind selbst hat quasi nen knapp 40 kg schweren Exorzismus hinter sich, der ihm sichtlich gut tut. Logisch hat sich das auch auf die Musik ausgewirkt. Von tatsächlich frisch beflügelten Songs ist hier die Rede. Diese kommen extrem leicht und locker rüber, gerade so wie man sich einen Neuanfang vorstellt. Erstaunlich wie es diese etablierte Band schafft sich nach so langer Zeit noch einmal fast komplett neu zu erfinden. Ihren Zenit hat die Combo aus der Hauptstadt auf jeden Fall noch nicht erreicht. Ganz im Gegenteil legt man neu geerdet eine Schippe oben auf und beweist, dass man sich seinen Status nicht ohne Grund erarbeitet hat. Mit diesem Album sind Mad Sin wieder dort wo sie hingehören, mit an die Spitze der verrückten Psychobillies. Bocky

crass(Taschenbuch, Subversive Zeiten, 330 Seiten, 24,95 Euro)
Nach Lektüre dieses Buches werden viele Crass-Jünger die englische Band, die den politischen Anarchopunk begründete, sicherlich mit anderen Augen sehen. Denn nicht nur die Aussage, dass sie selbst mit der damaligen Anarchopunk-Szene nichts zu tun hatten, oder haben wollten, ist erst einmal verwunderlich. Dann kann man sich immer noch fragen, ob das nun gewollt war oder nicht. Wie es dazu kam, wird von ganz von Vorne erklärt. Also mit den kompletten Hintergründen der einzelnen Bandmitglieder. Die schillerndste Person von allen ist natürlich Mastermind Penny Rimbaud, der bei Gründung der Band schon 30 Jahre alt war und beispielsweise die legendären Hippie-Festivals in Stonehenge mit begründete. Damit mag man ja noch zurecht kommen, aber Gee Vaucher war in ihren jungen Jahren in New York und arbeitete dort für die Times und Steve Ignorant, der charismatische Sänger, stammt ursprünglich aus der Bomberjacken tragenden Skinhead-Szene! Gefunden hatten sich alle irgendwie im berüchtigten Dial House außerhalb von London, in dem es ab einem gewissen Bekanntheitsgrad der Band keinen Alkohol und auch keine Zigaretten mehr gab. Das Haus gibt es übrigens heute noch, wie es jedoch um Alk und Zigaretten heute steht, weiß ich nicht. In einwandfrei fortschreitender Chronik wird die Geschichte um die Londoner Band erzählt. Also wie sie immer bekannter wurden und welchen Krieg sie nicht nur mit der Plattenindustrie kämpften, sondern auch mit Oi! Erfinder Gary Bushell oder warum sie John Peel nicht mochten und Discharge sie nicht. Dass Björk mit einer ihrer ersten Bands Kukl auf Crass Records erschien und Crass zeitweise mehr Platten verkaufte als AC/DC. Aufgebaut ist der Schinken wie viele Bandbiografien, so, dass die Bandmitglieder selbst zu Wort kommen. Weshalb man einige Geschichten erst nach und nach zusammensetzen kann und andere ganz anders erzählt werden oder gar enden. Für mich als bekennender Fan der Band, war das Buch eine großartige Unterhaltung, die wirklich viele unglaubliche Szenen und Tatsachen zu Tage förderte, die an sich einfach ganz anders vorgestellt hatte. Unter anderem eben auch die Tatsache, dass ihnen der Anarchismus-Stempel anfangs aufgedrückt wurde und sie in diese Richtung gedrängt wurden ohne, dass sie es unbedingt wollten oder wussten, was Anarchie bedeutet! Allerdings muss ich aber auch sagen, dass ich diese undogmatische Herangehensweise an dieses Thema von der Band schon wieder so sympathisch finde, dass ich auch in Zukunft sagen kann: Jep, ich bin Fan der Anarchopunker Crass!
Bocky

Egotronic-Interview

| Dezember 2nd, 2008

Am 28. November 2008 spielte Egotronic im JUZ Mannheim. Anschließend traf ich Sänger und Mastermind Torsun Backstage

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