BITUME – Lolch

| Januar 3rd, 2011

(CD, Rookie Records)
Bitume sind trotz ihrer bisherigen vier Alben bis auf einige Sampler-Beiträge weitgehend an mir vorbei gegangen. Mit ihrem fünften Longplayer haben sie mich jetzt aber erwischt. Beim ersten Hören erinnerte es mich manchmal an die Skeptiker oder manchmal auch an die frühen Turbostaat (wenn auch nicht ganz so kryptisch) oder die Boxhamsters. Dann vernehme ich aber auch krachig-punkigen PowerPop mit geradlinigen Melodien, wobei aber auch die Breaks nicht vergessen werden. Geht insgesamt ganz gut nach vorne. Die Texte sind durchdacht (um das arg überspannte „intelligent“ zu umgehen). Durchgehend auf Deutsch halten Bitume den Finger in die Wunden. Teilweise handelt es sich dabei um sehr persönliche Themen, teilweise blicken sie aber auch mit kritischem Blick auf die „eigene“ Szene. Begleitet von schönen Chören und Background-Gesängen. Insgesamt ist „Lolch“ zwar nicht immer leicht zugänglich, dafür aber ziemlich ausgereift und auf jeden Fall etwas Eigenständiges, dem man sich nicht leicht entziehen kann. Antesten könnte sich durchaus lohnen. Obnoxious

TREVOLT – I All Hast

| November 20th, 2010

(CD, Heptown Records)
Wer zuerst denkt, man könnte den Album-Titel locker mal ins Enlische übersetzen und dann schon ein kleine Vorahnung von dem bekommen, was einen auf dem Debüt-Longplayer der Schweden erwartet, wird wohl an der Übersetzung des Wortes „Hast“ scheitern. Gibt’s nämlich nicht auf Englisch. Komisch, was jetzt? CD einlegen und abwarten. Was dann kommt, klingt zumindest sprachlich sehr exotisch. Die Lösung: Die Nordländer singen in ihrer Landessprache. Muss man sich erst mal dran gewöhnen. Aber ist das geschafft, dann passen Songstrukturen, Melodie und Gesang wie Arsch auf Eimer. Gibt den ersten Pluspunkt. Punkt Zwei und Drei gibt’s für den melodischen Pop Punk, der hin keineswegs lala-harmlos um die Ecke biegt, sondern schon ganz gut von hinten in die Kniekehle fährt. Schnell, energisch. Rasant und hastig. Sogar so hastig und hektisch, dass man glauben könnte, die drei Jungs haben Angst die nächste Bahn oder die Geburt ihres Erstgeborenen zu verpassen. In diesem Sinn würde die von mir jetzt ahnungslos in den Raum gestellte Übersetzung von „I All Hast“ zu „In aller Eile“ ziemlich den Nerv treffen. Keine Ahnung, ob das mit der Herleitung jetzt einigermaßen hinkommt, aber doch, doch das kann schon was und macht Spaß. Einer Live-Performance wäre ich nicht unbedingt abgeneigt. Wer auf Schweden und So Cal-Punk kann, könnte hier ein Ohr riskieren. Obnoxious

STONED ALIENS – Moralwaschtag

| November 19th, 2010

(CD, Alienated But Striving Records)
Zum 15-jährigen Bandbestehen „ballerten“ (wie sie es selbst schreiben) die Stoned Aliens (warum ein englischer Name, wenn man allergrößtenteils auf Deutsch singt?) ihren ersten Longplayer auf dem bandeigenen Label raus. Da haben sie scheinbar mächtig lange dran gefeilt. Unter „ballern“ stelle ich mir allerdings etwas komplett anderes vor, als den vorliegenden „Moralwaschtag“-Quatsch. Ich schwanke in meiner Beschreibung zwischen „bemühter Tote Hosen-Punk“, „sozialkritischer Studentenpunk“ und „idealistischer Gutmenschen-Punk“. Schöne Worte. Ist aber doch alles irgendwie auch der selbe Nonsens. Nonsens im wahrsten Sinne des Wortes, denn ich erkenne darin keinen Sinn und schon gar keinen tieferen. Man beruft sich auf Terrorgruppe und die frühen Boxhamsters. Haben sie bestimmt auch schon mal gehört. Aber verarbeitet? Mehr schlecht als recht. Politik kommt auch drin vor, Selbstironie wohl auch. Jedoch ist das alles auf so unterschwelligem Niveau, dass ich eigentlich keine Lust habe, mich mit der CD weiter zu befassen. Und deshalb tue ich es auch nicht! Obnoxious

(CD, Teenage Rebel Records)
10 Jahre nach den letzten Aufnahmen gibt es endlich mal wieder neues Material von den Ruhrpott-Assis. Sind zwar nur drei wirklich neue Songs – passend zum Veröffentlichungs-Termin an Ostern befassen sich alle mit dem leidvollen Thema Weihnachten – aber trotzdem handelt es sich bei „Punk Weihnacht“ um einen vollwertigen Longplayer. Wie kommt’s? Neben den drei Weihnachtsliedern gibt es nämlich den ungeschönten Live-Mitschnitt vom lokalen Auftritt der Jungs vom 24.10.2009 in der Hamburger Markthalle beim United Voices Festival. Klar sind hier alle Hits der letzten 28 Jahre am Start. Angefangen bei „König Alkohol“, „Herz aus Gold“ über „Ich geb mir die Hand“, „Fußball, Ficken, Alkohol“, „Geh wie ein Proll“ und „Fotze“ bis hin zu „Pillemann, Fotze, Arsch“. Alles mit dabei. Ruhrpott ahoi! Wer den PC-Orden und die Alice-Schwarzer-Anti-Sexismus-Plakette an der stolz gewölbten Titte trägt, kann hier mal drei Kreuze schlagen und die Lokalmatadore mit einem Bann belegen. Wer aber zum Lachen nicht unbedingt in den Keller gehen muss und auch das ein oder andere Bonmot verträgt, der kann, ja muss, hier begeistert sein. Bier aufreißen und mitgrölen lautet nämlich die Devise. Sehr feiner Vorgeschmack auf das im Sommer erscheinende neue Album der Lokalmatadore. Ich freu mich schon! Obnoxious

(CD, Wolverine)
Kopf dieses Trios ist Karl Cloey K., auch bekannt durch seine Aktivitäten bei Up To Vegas oder den Flintstones. „Walking Down 10th Street“ ist der zweite Longplayer seiner neuen Band. Es ist wenig erstaunlich, dass der Hörer hier soliden Psychobilly präsentiert bekommt. Dieser Musikrichtung wird ja des Öfteren vorgeworfen, wenig abwechslungsreich oder innovativ zu sein. Na ja, ganz kann man das nicht abstreiten, aber ich mag das Zeugs halt und daher ist es mir egal. So bleibt nur ein Fazit: Ein solides Psychobilly-Album ist eine große Sache. Toll. Klasse. Und die Band, die Innovativität am besten ignoriert hat, waren eh die Ramones – gefolgt von AC/DC und Mötörhäëd. Also … HH

Reviews

| Dezember 4th, 2009

CAR DRIVE ANTHEM – Time To Steal Away
(CD, Sums Records)
Ohje, ’ne amtliche Autofahr-Hymne klingt in meinem fahrenden Müllcontainer aber anders. Ein dahingehauchter Schmachtfetzen von Miss Stevie Hicks zum Beispiel, oder meinetwegen auch „Ein schöner Satz Reifen“ von Eisenpimmel. Aber bestimmt nicht diese schmalzgewichste Prinzessin-Lillifee-Version von Boysetsfire auf Valium. Tut mir leid, Jungs, da seid ihr beim Falschen gelandet (obwohl- eigentlich tut’s mir gar nicht leid, wenn ich ehrlich bin…). Und Tschüss. Snitch weiterlesen →

Nazi Dogs Interview

| Januar 22nd, 2008

Die Frage, ob man im dritten Jahrtausend noch „Retro“- Kapellen braucht, die weitestgehend authentisch den schlampigen Charme der 70er Sleaze-/Trash-/Rotzpunk-Ära in die Gegenwart transportieren, beantwortet sich von selbst, wenn man die vier Aachener auch nur ein einziges Mal in lebendig erleben durfte: Kein perfektionierter Livesound durch stundenlanges Klangchecken, kein Anbiedern beim Publikum oder ellenlange Ansagen, sondern einfach nur die volle Ladung verschwitzte, rotzige Energie des Ur-Punk mitten in die verwöhnte Fresse.
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Nazi Dogs Interview

| Januar 3rd, 2008

Die Frage, ob man im dritten Jahrtausend noch „Retro“- Kapellen braucht, die weitestgehend authentisch den schlampigen Charme der 70er Sleaze-/Trash-/Rotzpunk-Ära in die Gegenwart transportieren, beantwortet sich von selbst, wenn man die vier Aachener auch nur ein einziges Mal  in lebendig erleben durfte: Kein perfektionierter Livesound durch stundenlanges Klangchecken, kein Anbiedern beim Publikum oder ellenlange Ansagen, sondern einfach nur die volle Ladung verschwitzte, rotzige Energie des Ur-Punk  mitten in die verwöhnte Fresse.

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