Archiv für Reviews

SS-Kaliert – Subzero

| August 2nd, 2011

PLY
Die Mühen der letzten Jahre haben sich ausgezahlt und so sind die Stylo-Ruhrpott-Assis nun bei einem recht fetten Label gelandet. Dementsprechend steht ihnen die saubere Produktion gut zu Gesicht. Damit ist aber keineswegs gemeint die Band wäre softer oder für ne breitere Masse tauglicher geworden. Nein, die haben lediglich zum Vorgänger “Addiciton” ne Schippe an Wums und Wucht zugelegt. Man kann zu solchen Postprodukt-Mitteln stehen wie man will, dem Quintett tat es gut. Gesang und Schlagzeug haben jetzt noch mehr Saft und Bennis Gitarre bratzt, wo sie sägen soll und fetzt ohnegleichen, wenn die Solis die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Scheibe ist kompromissloser Streetpunk, der die Faust vielleicht in der Hose ballt, aber sich schon kurz danach ihren Weg in dein Esszimmer bahnt. Aufräumen ist danach auf gar keinen Fall mehr möglich, Renovieren mit etwas Glück, Umziehen doch sicher am wahrscheinlichsten! Wut schnaubender Hardcore-Punk von einer fantastischen Liveband, die ab September wieder vereinzelt Konzerte gibt. Bocky

Destiny Records
Lies das Berliner Label vor gar nicht allzu langer Zeit das zweite Album der Kanadier auf uns los, legt man mit „Legends Never Die” das erste Album aus 2006 für den deutschsprachigen Raum nach, um die Vollständigkeit zu wahren. Ob man das ne feine Sache findet sollten jene entscheiden, die sich mit Celtic-Folk-Punk richtig gut auskennen. Also jene die Dropkick Murphys oder Flogging Molly in und auswendig kennen. Ich für meinen Teil finde es ne feine CD, die gut auf jeder trinkwütigen Party laufen kann. Damit dürfte klar sein, worum es der Band geht. Stellt euch also einfach The Real McKenzies mal nicht als Schotten, sondern als Iren vor und schon habt ihr das richtige Bild. In diesem Sinne: Slàinte. Bocky

Wolverine Records
Die kleine, süße Kitty macht mal wieder, was sie am besten kann: Männer für ihre schöne Stimme begeistern. Auf dem neuen Album hört sich das auch wesentlich offener und poppiger an, als noch auf dem Album zuvor. Insofern kommen die Wiener nicht umhin sich mit solchen Größen wie Deadline oder The Creepshow vergleichen lassen zu müssen. Ich finde jedoch, dass es weder das eine noch das andere ist. Ich finde Kitty steht dazwischen und ist quasi etwas wie ein Bindeglied. Ziemlich poppiger Billy, den man hier elf Mal geboten bekommt. Da bin ich wirklich mal gespannt, wie die Ösis sich schlagen und wünsche ihnen nur das Beste. Bocky

Fysisk Format
Als ich das Anschreiben über dieses Duo bekam, wollte ich unbedingt hören, was die für nen Sound machen, weil ich Nintendo-Core bisher nur vom Namen her kannte. Nun gut, der leitende Kopf des Projekts sagt zwar, dass der Sound nichts mit Nintendo zu tun hat, womit er wohl recht hat, aber Elektro ist ganz klar mit im Spiel. Next Life ballern fette Gitarren nach draußen und unterlegen die Songs mit Elektrosounds, die aus Spielen der 1980er oder frühen 1990er Jahren stammen könnten. Wer sich nur halbwegs vorstellen kann, wie das klingt, weiß dass das ne sauinteressante Sache ist! Unbedingt anchecken, fetzt wie das damals das erste mal das indizierte Barbarian zu zocken! Bocky

RADIO CITY ROCKERS – s/t

| Juli 27th, 2011

(CD, Rundling)
Och, ich weiß auch nicht. Die Radio City Rockers kommen irgendwo aus Sachsen und machen zwar durchaus tanzbaren Ska-Dingsbums auf Deutsch, aber mich nervt das irgendwann. Okay, die Songs der fünf Jungs haben eine Aussage, aber der Party-Faktor geht dabei extrem flöten. Interessant find ich den old schooligen NDW-Einfluss. Aber was damals noch frisch und dynamisch war, löst heute eigentlich nur noch ein etwas zögerliches Mitwippen aus. Zumindest in den besseren Momenten. Ansonsten viel zu hymnisch und angestrengt. Einige Songs erinnern auch einfach zu stark an die Ärzte, die Terrorgruppe und die Ramones. Ist man da vielleicht zu sehr in Richtung „Erfolg“ ausgelegt? Wie dem auch sei, meine Tasse Bier ist das nicht. Im Endeffekt finde ich die selbstbetitelte CD der Radio City Rockers für zu harmlos, zeitweise sogar langweilig, weil alles irgendwie absehbar ist. Insgesamt also überflüssig. Aber man kann es sich wie immer auch einfach mal bei meinraum anhören. Dort kann man gegebenenfalls auch Kontakt aufnehmen und für 10 Öre plus Porto das schmale Booklet inclusive CD bestellen. Ich würde es aber nicht tun. Obnoxious

CYANIDE PILLS – s/t

| Juli 27th, 2011

(CD, Damaged Goods)
Ick freu mir, in einem der beiden Mutterländer des Punk gibt es doch noch neuere Bands von deren Existenz man auch diesseits des Ärmelkanals Kunde bekommt. England hat eine frische, junge und großartige Kapelle, ich bin begeistert. Zwar sind deren Haupteinfluss – The Briefs – (Anm. Obnoxious: Oh…, ich dachte in England wäre der Haupteinfluss die Themse, aber so kann man sich täuschen…!) kaum zu überhören, aber das schert mich einen Dreck. Schließlich haben die Amis einfach aufgehört ohne dass es jemand wollte! Sprich die Jungs aus Leeds, und nicht aus London, spielen allerfeinsten Poppunk, um nicht zu sagen verlieren sich darin. Das soll aber auf jeden Fall positiv gemeint sein. Denn die 19 Songs machen im Gesamtpaket richtig viel Spaß und ich kann von der Unbeschwertheit fast nicht genug bekommen. Das ist 77er-Punk, wie ich ihn mag, frei von der Leber weg, ohne auf Konventionen – außer auf die eigene Freude – Rücksicht nehmend. Bocky

Twisted Chord goes History oder so ähnlich könnte man diese Veröffentlichung untertiteln. Dementsprechend ist die Doppel-Lp auch aufgemacht. Sie erscheint zwar nicht im Klappcover, was aber schon wieder authentisch für die 90er wirkt. Neben den zwei schwarzen Rundlingen gibt es eine Posterbeilage und ein 16-seitiges Booklet in einem ansprechenden Format. Aus letzterem entnehme ich, dass die Band im Jahr 2000 ihr letztes Konzert in Offenburg gab während eines zweitätigen Festivals gab und danach beschloss sich aufzulösen, weil es an der Zeit war und sich auf dem Festival, Punks gegenseitig die Fresse polierten. An das Festival kann ich mich noch dunkel erinnern und an eine der Boxereien auch. Da wurde nem Depp die Nase gebrochen, weil er ne Frau antatschte. Wie dem auch sei, mein erstes Dekadent Konzert, war gleichzeitig mein letztes. Vom Sound her war die Band sehr von den alten englischen Polit-Punks beeinflusst und die Stimme der Sängerin ganz schön gewöhnungsbedürftig. Denke man liest heraus, dass es der Band mehr um den Inhalt, denn um die Musik ging. Grundsätzlich ja nicht schlecht, aber Bands wie Crass haben das um einiges besser gestaltet. Aber was soll’s hierbei geht es um ein geschichtliches Projekt. Auch diese Twisted Chords Scheib kommt mit einem Downloadcode. Bocky

Never Built Ruins – s/t

| Juli 20th, 2011

Die acht Songs der ersten 12“ drücken ohne Vorwarnung von Beginn an los und weisen gleich in welche Richtung es geht. Melodisch bratzender Sound, bei dem ich die Verweise auf Motörhead gar nicht und auf D-Beat nur bedingt verstehe. Egal. Was gefällt sind die mehrstimmig gewaltig anmutenden Chöre bei einer Hardcore-Anarcho-Punk Band. Das könnte der Sound zur Apokalypse sein, die man dann unbedingt mit erleben möchte. Wenn man einigen Textzeilen folgt, dann dürfte der Tag des jüngsten Gerichts nicht mehr allzu weit entfernt sein. Ein Teil der Vinylauflage von Twisted Chords kommt in deckend weißem Vinyl und alle haben einen Downloadcode beiliegen. Bocky

Ruins / Kyrest – Split LP

| Juli 20th, 2011

Alleine schon der fette Karton und das düstere Artwork, in dem das hellgrau transparente Vinyl daher kommt, überzeugt und könnte ein Grund sein diesen Output haben zu wollen. Aber auch die Songs der auf 500 Einheiten limitierten Scheibe können ordentlich was. Ruins sind im Vergleich zu der voran gegangenen Single sehr düster geblieben und haben ihrem Sound noch einige Zentner an Gewicht zugeladen. Alex vom Label spricht von Neo-Crust und könnte damit gar nicht mal so Unrecht haben. Kyrest stehen Ruins insofern in nicht viel nach, knarzen aber nicht so wuchtig überzeugend, was aber nicht zwangsläufig als Nachteil gewertet sein muss. Mit Downloadcode von Rising Riot Records, bzw. hier: http://risingriot.blogspot.com/p/downloads.html Bocky