Archiv für Punkrock!-Fanzine

V.A. – This Is Peterborough Too!

| September 8th, 2010

(CD, Rowdy Farrago Records)
Jessas, wo zum Teufel liegt denn eigentlich Peterborough? Mitten im Nichts von England und dann noch ein bisschen nach rechts. Aber ist ja auch ziemlich egal. Die Jungs vom Rowdy Farrago Label, dem Headquarter von den Destructors, haben sich die Mühe gemacht, ihre Heimatstadt nach Bands abzugrasen, die einigermaßen erträgliche Musik fabrizieren. Und das jetzt schon im zweiten Jahr. Ich kenne die Vorgänger-Compilation zwar nicht, aber im Booklet heißt es in den einleitenden Worten, die Szene hätte sich ziemlich gewandelt (rockiger und garagiger), was nicht zuletzt an den bescheuerten Maßnahmen der lokalen Politiker-Kaste liegt. Wie gesagt, mir fehlt der Vergleich, aber auf dem vorliegenden Sampler tummelt sich eine breite Mischpoke von Indie, Punk, Hardcore, Screamo, Pop und einigem anderen mehr. Kann man sich mal anhören, muss man aber auch nicht. Neue erschöpfende Erkenntnisse wird man nicht finden. Das Problem solcher lokaler oder regionaler Kreuzüber-Sampler ist einfach, dass sie außerhalb der Stadtgrenzen kein Schwein interessieren. Meistens zu Recht. Und so dürfte es auch bei „This Is Peterborough Too!“ sein. Kann man nichts dran ändern – auch wenn es vom Label gut gemeint ist. Natürlich ganz getreu dem edlen Motto: Support your local scene. Aber Peterborough ist jetzt halt mal nicht gerade ein Vorort von Frankfurt, Mannheim oder Castrop-Rauxel. Das Supporten muss ja irgendwo aufhören. Da muss man schon Grenzen ziehen! Obnoxious

FRENZY – In The Blood

| September 8th, 2010

(CD, PLY)
Steve Whitehouse gehört zwar nicht zu den Gründervätern des Rocka- / Psychobilly, steht aber immerhin auch schon seit über 20 Jahren unermüdlich mit seinem Upright Bass auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Ebenfalls gehört er nicht zu jenen Musikern, die schräge Experimente wagen, zumindest werden die nicht veröffentlicht. So ist ihm und seinen beiden anderen Mitgliedern eine sehr feine Billy-Scheibe gelungen, die schon ein bisschen mehr ist als nur solide. Eben das genau ist sicher auch der Grund, weshalb die Band ihren Status inne hat. Auf sie ist einfach Verlass, wenn es um guten, treibenden und nicht unnötig aufgemotzten Rockabilly Deluxe geht. Wer mit dem Genre herzlich wenig zu tun hat oder nur Mad Sin kennt, sollte ruhig mal antesten. Dann wird man schon verstehen, warum es ne Menge Leute gibt, die sich für diesen Sound begeistern können. Bocky

(A4, 48 Seiten, 3 Euro + Porto, ROMP Info- und Plattenladen, Steinenstr. 117, PF 6633, 6000 Luzern 6, Schweiz)
Hier liegt nun das ROMP vor mir, ein Anarchopunk-Fanzine aus der Schweiz, welches mir trotz seiner 20-jährigen Geschichte bis dato völlig unbekannt war, und erinnert mich so rein optisch sehr ans Plastic Bomb mit seinem farbigen Umschlag, dem A4-Format und dem allgemeinen Layout. Inhaltlich ist es jedoch quasi das genaue Gegenteil, im ROMP geht es fast ausschließlich um politische Themen aus aller Welt, nur acht Seiten des Hefts sind Bandinterviews, Plattenreviews gibt es fast keine. Ansonsten gibt es Berichte über diverse Squats, ein Sammelsurium von Meldungen aus aller Welt, was zur Stadtentwicklung, Punk in Bogota, Anarchist Black Cross in Kolumbien, Demütigung von Inhaftierten, Palmfett, ein Kreuzworträtsel und ein Kochrezept. Das ist ja alles in allem sehr informativ, jedoch muss man sich für die Lektüre auch echt mal ’nen Moment Zeit nehmen, so schnell ’nen Artikel beim morgendlichen Stuhlgang lesen ist nicht drin. Auf jeden Fall liegt der Schwerpunkt allemal auf „Polit“ und weniger auf „Punk“. Wie gesagt, informativ ist das Zine allemal, der „Entertainment-Faktor“ geht aber gegen Null … Chris

(Hardcover, Ox-Verlag, 178 Seiten, 29,80 Euro)
Boah ey, was für ein unglaublich geiles Buch ist das den eigentlich? Ganz großes Lob an den Szene-Fotografen Christoph Lambert, der irgendwann in den 80er Jahren mal angefangen seine Konzert-Besuche auf Fotos festzuhalten. Letztendlich dabei herausgekommen ist das Buch „We Call It Punk – When Energy Meets Attitude“. Präsentiert werden Live-Fotos von 77 Bands zwischen den Jahren 1989 und 2008.

Das besondere daran ist, dass alle Bands oder zumindest eines der Bandmitglieder jeweils einen Kommentar zu den Fotos geschrieben hat. Das sind dann nicht nur schlichte und verwässerte Erinnerungen von alten Männern (und wenigen alten Frauen), sondern tiefe Einblicke in die damalige Zeit und die alten Punkrock- und Hardcore-Ideale, die es heutzutage leider oftmals nur noch bis zur Schaufensterauslage bei H&M schaffen. Die beigefügten Erzählungen sind oft sehr persönlich und bewegend, wobei die Texte und Fotos oftmals regelrecht zu kommunizieren scheinen. weiterlesen →

THE AMPHETAMEANIES – Good One Go

| September 7th, 2010

(7″, Rat Race)
Keine Ahnung wie viele Ausgaben das Album der Glasgower 9 köpfigen Ska-Kapelle zurückliegt, aber damals wie heute lobe ich diese Formation über den grünen Klee! Zwar machen die Schotten beileibe keinen traditionellen Ska, wie ihn der handelsübliche Purist mag. Aber ihr grandioser Mix zwischen skalastigen Hooks und dem Retro-Sound des Domino-Label (Franz Ferdinand, Arctic Monkeys) ist schon beeindruckend. Dementsprechend verwundert die Tatsache, dass diese Band so wenige kennen. Oder täusche ich mich und rede ich mir das nur ein. Egal, diese Single kann jedem ans Herz gelegt werden, der auf Vinyl steht, nen breit gefächerten Musikgeschmack hat und Interesse an zwei wirklich tollen Liedern. Bocky

Panx Not Dead #4

| September 5th, 2010

(A4, 48 Seiten, 1,50 Euro + Porto, www.punkid.info / punxnotdead-zine@web.de)
Wenn ich mich richtig entsinne habe ich vor etwa anderthalb Jahren die Debüt-Ausgabe des PND im Punkrock!-Zine besprochen. Trotz inhaltlicher Mängel fand ich es damals so richtig geil, dass ein junger Bengel wie Motte es auf die Reihe kriegt im Alleingang ein Fanzine auf die Reihe zu bekommen. Noch mehr freut es mich, dass Motte inzwischen mit seiner Ausgabe 4 immer noch am Start ist. Cool Shit. Inzwischen ist das Heft um satte 38 Seiten gewachsen und sich trotzdem treu geblieben – gutes altes Schnipsel-Layout. Auch inhaltlich und stilistisch hat sich einiges getan. Kein Wunder, denn Motte ist seit dem 16. Dezember ja auch schon 15 Jahre alt – da kann man einiges erwarten! Dass Motte nicht blöd ist, merkt man auf den ersten Blick. Er beherrscht die deutsche Rechtschreibung, kann gerade Sätze bilden und hat ziemlich vernünftige Ansichten. Dass er auf eine Waldorfschule geht, sehr wahrscheinlich seinen Namen tanzen kann und das auch noch gut findet, sei ihm mal an dieser Stelle verziehen. Aber das wird schon noch. Steiner war ein Arschloch! Im jugendlichen Leichtsinn vergisst man das manchmal. Aber egal, Motte steht auf jeden Fall ganz weit auf der richtigen Seite. weiterlesen →

(7´´, Shit! Attack Records)
Grrr, das Bühnendebüt der beiden Tübinger habe ich aufgrund herannahender Demenz verpasst und somit auch die Knutschorgie mir Dieter von Teese anbot. Kacke, nicht mal einen der von Teeses bekomm‘ ich gebacken, selbst wenn ich aggressiv dazu aufgefordert werde! Fast genauso großartig wie diese Knutschorgie sind die sieben kurzen und kurzweiligen Songs, bei denen ich immer vorm Spiegel stehe und übe Knutschflecke auf meinen Arm zu zaubern. Denn genauso jugendlich und unverdorben sind diese Lieder mit tollen Titeln wie „Zerfickt die Ozonschicht“ oder „Paffen wie Pennäler“. Richtig geraten, BB aus Tübingen kloppen 1A in die gleiche Kerbe wie Napoleon Dynamite, sind aber um einiges aufgeregter. Schon jetzt ein Trash-Klassiker. Mach hin, das Teil ist auf 300 Einheiten limitiert. Bocky

BEAT THE RED LIGHT – s/t

| September 5th, 2010

(CD, TNS Records)
Die Voodoo Glow Skulls könnten einem einfallen, wenn man dieses kleine Album mit nur fünf Songs von Beat The Red Light hört. Bei mir ist es zumindest so. Wobei ich sagen muss, dass mir die Voodoo Glow Skulls wesentlich besser reinlaufen, denn der Ska-Core, den die Engländer hier bieten, kann mich nicht wirklich hinter dem Ofen hervor locken. Sie selbst, oder zumindest das Label, bezeichnen die Mucke als Mischung von Slayer und Slackers, wobei ich Slayer hier nicht ganz nachvollziehen kann. Dazu fehlt mir der nötige Wumms. Schnelle Ska-Parts wechseln sich mit langsamen Ska-Parts ab und beide langweilen mich auf die Dauer. Fünf lange Songs, alle so um die fünf Minuten, plus einem Hidden Track Ska-Massaker, in einer knappen halben Stunde braucht eigentlich kein Mensch. Obnoxious
www.myspace.com/beattheredlight

EMPOWERMENT – s/t

| September 3rd, 2010

(7“, Red Giants Records)
Alter, astreiner Oldschool NY Hardcore direkt aus Stuttgart asozial! Wie n’ schweres Weltriegs-Moped blubbern Empowerment los, um dann mit fetten, sägenden Gitarren alles um zu ballern. Die Leute von Empowerment haben alle ihr festes Fundament im Hardcore, sind schon länger als gestern dabei und spielen einfach die Musik die sie wahrscheinlich Anfang der 90er Jahre am Hardcore begeistert hat. Was heute so sauer aufstößt an Bands die einen relativ heavyen Sound spielen, ist oft grenzdebiles Bollo-Verhalten und unklare politische Äußerungen. Empowerment spielen hier eindeutig in einer eigenen Liga und machen keinen Hehl daraus, dass Bonehead-Pfosten direkt was auf’s Maul bekommen, wenn sie nur irgendwo den Weg der Stuttgarter kreuzen. Das versteht dann auch der letzte Provinz-Fascho weil Empowerment nämlich auf Deutsch singen und das macht einen verdammten Unterschied und lässt mich den Bogen zu Rawside spannen, von denen und von True Blue, Sidekick und Team Killer sind ebenfalls Leute an Bord. Das Demo der Band ist inzwischen ausverkauft und die Picture-Single hier, mit den wieder aufgelegten Songs vom Demo ist auch kein Schnäppchen, aber wohl die schickste Platte die ich mir in letzter Zeit gekauft habe. Die farbige, natürlich auch limitierte, Picture mit abgesägtem Pferdekopf/gezeichnetem Bandprofil kommt im Pizzakarton mit Badge und Button und dem Text-Sheet auf zusammengehefteten Quittungen. Aussagekräftig und musikalisch eine absolute Wucht, Empowerment! Dennisdegenerate

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