Knochenfabrikhttp://www.pogoradio.de/wp-content/uploads/2013/09/auf-tour_20130831_8904-120x75.jpg 120w, http://www.pogoradio.de/wp-content/uploads/2013/09/auf-tour_20130831_8904.jpg 972w" sizes="(max-width: 456px) 100vw, 456px" />
Mittwoch abends bekam ich einen Anruf von Hasan, sie haben noch einen Platz im Auto und ob ich nicht mitfahren möchte.

Mit Knochenfabrik auf Tour, das hört sich spaßig an. Donnerstags mittags, Treffpunkt Proberaum. Mit leichtem Gepäck und allerlei Knabberspaß fuhren wir 6 Stunden lang durch die deutsche Prärie Richtung Spirit-Festival. Dort hatten Knofa gegen 22 Uhr ihren Auftritt. Auf der Hinfahrt merkte ich schon, dass das allgemeine Musikerleben hauptsächlich auf der Autobahn stattfindet. Das ist kein Spaß, besonders wenn man dann auch noch mit echten Musikern in eine Blechkiste gesperrt ist, die in voller Lautstärke Dire Straits hören und auch noch textsicher mitsingen können. Hasan, Claus und Achim, aus dem das Knofa-Trio besteht, hören in ihrer Freizeit am liebsten alle Musikrichtungen, die dem gemeinen Deutschpunker die Ohren bluten lassen. So auch mir, obwohl ich mich noch als musikalisch weltoffen bezeichnen würde. Aber alles hat seine Grenzen. Die Bordunterhaltung bestand hauptsächlich aus Lektüren wie der InTouch und anderen Käseblätter, die sich Claus an der Tankstelle besorgte. Alkoholische Getränke waren auf der Hinfahrt nicht vorgesehen, schließlich hatten die Herren noch am späten Abend vor ungefähr 2000 Festivalbesuchern ein ordentliches Set abzuliefern. Bei 6 Std. Fahrzeit wäre dies auch fatal geendet. Wir wären dann lallend aus dem Wagen gerollt und schon bei der Ankunft wie Zombies durch die Backstage-Area gestolpert.

Also nüchtern angekommen, nahmen wir erstmal unsere Freibons für Essen und Bier entgegen. Der Reisebus von Eisenpimmel rollte zur gleichen Zeit wie wir ein. Freudiges Wiedersehen. Cris Schwall war dort der Fahrer und auch Alex Schwers war wieder als williger Beitrinker am Start. (Korrektur: Alex saß auch hinterm Schlagzeug. Das habe ich jetzt erst auf den Fotos gesehen.)

Eigentlich sollte ich ja mitfahren, um für Knofa das Merchadising zu verkaufen. Sprich T-Shirts und Tonträger. Aber außer die letzte Single hatten sie den Rest vergessen oder gar nicht mehr auf Lager. Das sollte nicht mein Schaden sein. Ich half dafür Keith Klein von 2nd Destrict beim Merch-Stand von Eisenpimmel aus. Also ich holte immer Bier, dass der arme Mann allein und verlassen in dem leeren Flugzeug-Hangar nicht verdurstete.

Eisenpimmel mussten gleich nach der Ankunft auf die Bühne. Die Ruhrpott-Proleten mit Bärbel Rotzky und Siggi Katlewski sah ich nur von fern. Da das Gelände doch sehr weitläufig war und ich mit Bier holen und quatschen sehr beschäftigt war.
Danach stiegen Knochenfabrik auf die viel zu große Bühne. Die sahen dort oben ziemlich verloren aus. Da hätte noch locker das komplette ZDF-Fernsehballett Platz zum Tanzen gehabt.
Von weitem lauschte ich den Klängen von „Die Tochter vom Nachbar“ und „Filmriss“.

Das Spirit-Festival scheint mir ein ganz brauchbares Festival zu sein. Also den Teil, den ich sehen konnte. Die freundlichen Festival-Mitarbeiter hatten das professionell im Griff.
Irgendwann spielten Bad Manners, die haben wir uns von der Bühne aus angeguckt. Die fand ich erstaunlich gut, obwohl ich schon lange keinen Ska mehr höre.

Als meine Bier und Essensmarken sich dem Ende neigten, wurde überlegt wie wir denn zu unserer Übernachtungsmöglichkeit hinkommen. Da von uns keiner mehr fahren konnte, zwängten wir uns in den eh schon überfüllten Transporter von Eisenpimmel. Die wissen ja bestimmt wo es hingeht. Einer meinte noch das kostet nur 5 Euro pro Person, wenn die Bullen uns erwischen. Wir glaubten ihm auf’s Wort! Cris, der Fahrer und einzige nüchterne in unserem Haufen, wurde mit seinen Bedenken überstimmt.
Nachdem Bärbel sich die letzten Biere noch mal durch den Kopf gehen ließ, ging’s los. Etwas angeschlagen fuhren wir durch die Brandenburgische Provinz. Wie lange wir unterwegs waren, konnte später keiner mehr so genau sagen. Ich erinnere mich aber, dass wir irgendwann wieder zurück zum Festivalgelände gefahren sind, weil uns auf der Suche nach dem Gasthof das Bier ausging. Hasan holte Unmengen von Bier in Plastikbechern. Die Hälfte davon verschütteten wir im Bus.
Irgendwann erreichten wir die Schlafstätte und … (Filmriss) … schliefen.

Am nächsten morgen nach dem Frühstück erfuhr ich, dass ich die Ehre hatte im Hochzeitszimmer geschlafen zu haben. Das Zimmer hab ich fotografiert. Da sagen Fotos mehr als tausend Worte. Ein Hochzeitszimmer, das aus zwei verschiedenen, zusammengeschobenen Betten besteht, da kommt bestimmt Freude auf, in der Hochzeitsnacht. Na egal, andere Länder, andere Sitten.

Freitag: heute Abend stand Hannover auf dem Tour-Plan. Eisenpimmel und Knofa zusammen im MusikZentrum. 18 Euro im VVK. Wer zahlt den so viel Eintritt, hab ich mir gedacht.

Da ich keinen Bock mehr hatte, weiter mit Dire Straits und Accept gequält zu werden, tauschte ich mit Alex die Sitzplätze und er fuhr bei Knofa und ich bei Eisenpimmel mit. Vorher habe ich mich aber noch mal abgesichert, um nicht vom Regen in die Traufe zu kommen. Cris versicherte mir, dass im Auto keine Musik läuft. Er fährt ja auch immer die Kassierer und da darf auch keine Musik laufen. Sehr gut! Ein bisschen Erholung für die Ohren.

Wir verkürzten uns die Zeit im Stau mit heiteren Ratespielen. Nenne Bands, die wie eine Stadt heißen, oder ein Körperteil. Menschen mit Allgemeinbildung waren hier gefragt. Und die Bandmitglieder von Eisenpimmel haben reichlich davon.

Irgendwo auf dem Lande im Ostteil Deutschlands fanden wir ein Gasthaus mit gutbürgerlicher Küche. Kieth und ich bestellten sich das einzige vegetarische Gericht auf der Karte: verschiedene Gemüse in Bierteig. Sie nannten es Tempura. Wären wir nicht im Osten, hätten wir uns gewundert, dass anstatt Zucchini, Salatgurke in Bierteig verwendet wurde. Den anderen hat ihr Wildbret sehr gut geschmeckt.
Stunden später erreichten wir das MusikZentrum in Hannover. Großer Schuppen mit angeblichem Fassungsvermögen für 500 Besucher.

Nach kurzer Erfrischungspause im Backstage-Gebäude hieß es auch schon für Eisenpimmel auf die Bühne. 260 zahlende Gäste freuten sich auf den Auftritt. Ich sah mir das die meiste Zeit im Vorraum hinter dem Merch-Stand an. Dort war ich damit beschäftigt den willigen Konsumenten zu erklären, warum es keine Knochenfabrik-T-Shirts gibt und ihnen empfohlen, selbst welche zu basteln.

Knochenfabrik spielten als zweites. Da jede Band massig Zeit hatte, spielten sie ihr komplettes Set. Die Stimmung und der Sound waren einwandfrei. Knofa hatten sehr viel Spaß auf der Bühne.
Nachdem der letzte Gast die Halle verlassen hatte und auch im Backstage das Bier sich dem Ende neigte, fuhren wir mit Taxis zum Hotel. Das war nicht irgendeine Absteige, sondern das Plaza-Hotel in Hannover hinter dem Bahnhof. Aber egal, schnell die Sachen abgelegt und die Schlüssel verteilt. Ab geht’s in das Nachtleben der niedersächsischen Landeshauptstadt.

Mit den Taxis fuhren wir zu der einzigen Disse, die laut Veranstalter, noch was zu bieten hätte. Ich schaute mir den Laden an und entschied mich nicht rein zu gehen. Kein Bock auf so ne BWL-Coffee-to-go-Schickeria. Die anderen stürzten sich ins Nachtleben. Ich zog es vor, mit meinem Wegbier, wieder Richtung Hotel zu laufen. In der Hoffnung, vielleicht noch an einer Bude mit Bier vorbei zu kommen. Weit gefehlt. Da waren die Bordsteine hochgeklappt und außer Mac Donalds war da tote Hose.
Am nächsten Morgen um 7 Uhr weckte mich ein durchzechter Claus, der gerade sein letztes Bier an der Hotelrezeption leer getrunken hatte.

„He, Rüdi! Frühstücken!“ Klar, das ich da mich nicht lumpen lasse und kurze Zeit später mit Claus und ein paar anderen Verpeilten von Eisenpimmel am mächtigen Büffet stand. Aufgrund meiner fehlenden Schuhe hat mich das freundliche Personal wieder aufs Zimmer geschickt. Kein Problem, beim zweiten Anlauf hat’s geklappt. Nach dem Frühstück brachten wir Claus ins Bett. Er war doch etwas angeschlagen.

Um 12 Uhr ging es wieder zurück auf die Autobahn Richtung Heimat. Vorher holten wir noch das Auto im MusikZentrum ab. Alex, der schon wiedr mit Eisenpimmel im Bus Richtung Heimat saß, rief an und fragte, ob wir sein Schlagzeug gesehen hätten. Der Vollprofi hat sein komplettes Schlagzeug auf der Bühne vergessen gehabt. Dank Hasan fanden wir alle Teile wieder und verstauten sie in unserem überfüllten Mini-Van.
Hab ich schon gesagt, dass die ewige Fahrerei nervt? Aber sonst war alles vom Feinsten und so ein für mich kostenloser Urlaubstrip auf Bandkasse kann ich jedem empfehlen.
Rüdi



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