Trust Fanzine wird 25 Jahre

| Mai 10th, 2011

Was man von dem Herausgeber des ältesten deutschen und international zweitältesten Fanzine halten soll, darüber scheiden sich die Geister.
Ich für meinen Teil lege dafür für Jan (fast) meine Hand ins Feuer.

Aber mal die persönlichen Befindlichkeiten außen vor gelassen, kann man sagen, was man will, das TRUST hat Pionier-Arbeit geleistet und ist mit Sicherheit extrem wichtig für die Punk- und HC-Szene der 80er und 90er gewesen. Aber auch heute noch erscheinen in dem Fanzine wirklich heraus ragende Artikel.
Dementsprechend soll das Jubiläum gebührend gefeiert werden. Hier was Dolf himself zum Action-Day zu vermelden hat:

TRUST NO BULLSHIT: 25 Jahre Trust Fanzine
Jubiläumsausgabe Trust # 148, Juni/Juli 2011
Jubiläumsfeier in Bremen am 3.6.2011 mit NO MEANS NO, LEATHERFACE, SEX JAMS

Das Trust Fanzine wird diesen Sommer 25 Jahre alt, damit ist das TRUST das zweitälteste Print-Fanzine für HC, Punk, Underground weltweit (das weiterhin in einer „Labor of Love“-Haltung publiziert wird). Wir feiern unser 25-jähriges Jubiläum mit der Jubiläumgsausgabe Trust # 148 und einem Konzert in Bremen (Schlachthof) am 3.6.2011 mit No Means No, Leatherface, Sex Jams plus Backissue Blowout.

Im Juni 1986 erschien die erste Ausgabe des TRUST-Fanzines, damals noch in Augsburg. Angeregt von amerikanischen Underground-Heften Anfang der 80er, die im Eigenverlag über Punk, Hardcore, Politik, Underground etc. fern von Anzeigendruck und journalistischer Ausbildung, sondern aus reiner Freude an Subkultur, Musik und geistig-revolutionärem Bewusstsein publizierten, gründeten u.a. Dolf Hermanstädter, Michael Alber, Tomasso Schultze und Anne Ullrich das TRUST. So etwas gab es in Europa und Deutschland noch nicht: ein Heft im Format DIN A4, das regelmäßig als überregionales Szene-Info-Medium alle zwei Monate erscheint – heute im 25. Jahrgang -, professionell vertrieben wird (seit einigen Jahren auch am Bahnhofskiosk) und dabei nur eine Regel hat: Was die aktiven Schreiber im Heft haben wollen, hat eine gute Chance, zu erscheinen. Keine Rücksicht auf Anzeigenkunden, keine Rücksicht auf (Szene-)Trends, kein Interesse an hippen Layout-Programmen, dagegen Interesse an Inh
alten und natürlich an spannender Musik. Was scheiße ist, ist scheiße und nicht „Schnittstelle von Kommerz und Underground“. Was geil ist, ist geil und nicht „unkonventioneller meta-referentieller No Wave Grrl Punk“. Dabei sind wir nicht anti-intellektuell, aber auch nicht Avantgarde, und auch nicht gegen alles, aber doch gegen das meiste.

Heute erscheint das Trust immer noch so: keine Tonträgerbeilage, schwarz-weiß, und wie ein guter Punk-HC-Song immer direkt und unverblümt. Das Trust ist heute neben dem Maximum Rock’n’Roll-Fanzine aus Kalifornien das zweitälteste Print-Fanzine für Punk/HC/Underground, dass noch erscheint. Wir waren mit die ersten, die die damalige Ablösung vom Punk in Deutschland durch Hardcore und sein Aufblühen in Deutschland, Holland, Italien, UK – live miterlebten und darüber schrieben. Namedropping? Spermbirds. Fugazi. SST Records. Negazione. Dischord. Nirvana (1988).

Die Berichterstattung veränderte sich in den Jahrzehnten so wie die Schreiber, man öffnete sich auch anderen Musikstilen, so fand man im Trust Berichte über Jazz, HipHop, Grunge, Metal. Pluralistisch? Ja, aber nicht beliebig. Während andere Hefte immer wieder Szene-Trends aufgriffen wie New-York-Hardcore Anfang der 90, den kalifornischen Pop Punk Mitte der 90, das Deutschpunk-Revival und die Chaostage und heute Blackmetal oder Doom – blieb das Trust immer distanzierter und verfolgte einen ganz eigenen Weg. Bis heute: in erster Linie Outgoing-Journalismus. Fans einer Band, eines Labels, eines Malers, Schriftstellers etc. gehen raus und suchen das Gespräch mit diesen – egal, ob diese lange nicht mehr aktiv, vergessen, unbekannt sind. Aktuelles Zeitgeschehen findet im Heft natürlich auch statt, jedoch seit dem Erfolg von Nirvana und Green Day noch kritischer: Seitdem bewiesen wurde, dass man durch alternative Musik Geld verdienen kann, wird „eine systemkritische Punkband
machen“ zunehmend zu einem konkreten Berufsbild für Jugendliche, komplett mit dem zugehörigen Outfit, Szenedrink, Schmuck, alles durchgeplant und durchgesponert auf Tour für Alkohol-Hersteller oder Bekleidungsfirmen.

Wir haben mit unserer Kritik oft recht gehabt. Schaut euch mal an, wer vor 14 Jahren noch gegen Majorfirmen war und wer heute als Singer-Songwriter uns alle nervt.

Bei aller Kritik, Diskussion, bei allem moralischen Impetus („Ihr (ergänze beliebige Crossoverschrottband) dürft nicht BLACK FLAG covern!“), allen Übertreibungen, Fehlern, Auseinandersetzungen von Schreibern live im Heft gegen den anderen Schreiber geführt, wussten wir immer schon eine Sache ganz genau: „Party for your right to fight“ ist ein guter Public-Enemy-Song. Will sagen: Bitte auch die Party nicht vergessen!

Und zu einer solchen laden wir alle Interessierten ein: Wir feiern 25 Jahre TRUST am Freitag, den 3.6. in Bremen im Schlachthof mit NO MEANS NO, LEATHERFACE, SEX JAMS. Dazu gibt es einen Backissues Blowout.

„Fuck you, pay us!“
TRUST FANZINE, Bremen, Mai 2011
www.trust-zine.de



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