(Taschenbuch, Ubooks, 199 Seiten, 13,90 Euro)
Ein Buch mit Fußnoten ist immer mit Vorsicht zu genießen. Fußnoten verbreiten immer so den verachtenswerten Charme einer wissenschaftlichen Arbeit. Und die sind meistens scheiße. Vor allem solche, die sich mit einem etwas abseitigen Thema beschäftigen. Nicht dass ich Alana Abendroths Buch jetzt unterstellen möchte, es wäre ihre Diplomarbeit in Vergleichender Ethnologie, aber vielleicht ist sie es ja doch. Und wenn ich sowas im Untertitel lese wie „Tattoos“, „Piercings“ und vor allem „Sacrifications“, dann will ich Blut spritzen sehen, live und in Nahaufnahmen, und zwar bis zum Abwinken! Das alles bietet aber „Body Modification“ nicht. Schade, denn das ist so gar nicht die Art von Büchern vom Ubooks Verlag. Aber immerhin gibt das Buch Einblicke in die Entstehungsgeschichte und Entwicklung der unterschiedlichsten Arten des Körperschmucks. Und zwar von Grund auf. Wer also etwas darüber erfahren möchte, welcher Seemann wann wo zum ersten Mal tätowiert wurde, welche Schickse ihr erstes Nabelpeircing gesetzt bekam und welche kulturellen Hintergründe darin verborgen liegen, der kann hier einiges erfahren. Statistiken, Abdrucke überlieferter Verbotsvorschriften und Quellenangaben inclusive. Wem das alles aber mehr oder weniger meilenweit am Arsch vorbei geht und nebenher sensationslüstern sich gerne mal das Tatöwier Magazin oder die St.Pauli Nachrichten unter der Bettdecke beguckt, der sollte auch weiterhin zur präferierten Fachliteratur greifen. „Body Modification“ ist ein Buch das neugierig machen kann. Viel mehr aber auch nicht. Es kratzt an der Oberfläche, kommt aber nicht so tief, dass der Lack Schaden annehmen könnte. Da hilft es auch nicht, dass Alana Abendroth in den letzten Kapiteln sich auch mal mit Themen beschäftigt, wie es denn sie ist, sich Metzgerhaken in Bauch, Rücken, Beine und Arme zu rammen und dann frei schwebend den Herrgott einen guten Mann sein zu lassen. Oder Implantante. Also Hörnchen im Kopf und den ganzen Scheiß. So ganz voller Endorphine. Zusammenfassend: Zum Einstieg ganz okay, aber nichts für Vollprofis, die eh schon drei Röhrchen im Pimmel stecken haben oder vor lauter lauter gar nicht mehr wissen, wie der Gatte an all dem Metall vorbeikommen soll. P.S.: Das Cover ist für Männer sexuell eventuell ansprechend, aber ich glaube die Alte hat so ziemlich einen an der Waffel. Obnoxious



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