Human Parasit #9

| August 24th, 2010

http://www.pogoradio.de/wp-content/uploads/2010/08/Human-Parasit-282x400.gif 282w, http://www.pogoradio.de/wp-content/uploads/2010/08/Human-Parasit.gif 300w" sizes="(max-width: 120px) 100vw, 120px" />(A5, 60 Seiten, 2 Euro + Porto, www.myspace.com/humanparasit)
Kurz vorm zweistelligen Jubiläum haut uns der Exil-Gladbacher noch mal fix ’ne etwas abgespeckte Nummero Neune vorn Latz, die es trotz des geringeren Umfangs recht ordentlich in sich hat. Wage sogar fast zu behaupten, dass wir hier den knusprigsten Parasiten seit den alten Tagen (mit Sidekick Olli) vorliegen haben. Aber mal von vorne: Anstatt eines handelsüblichen Vorwortgesabbels gibt es sowas wie „Szenen einer Ehe“, während einem Urlaub an der rauen Ostsee. Inhaltlich nicht exorbitant aufregend, aber todschick geschrieben. Dann darf sich Bäppi mit der Tatsache rühmen, dass er als einer der ganz wenigen in diesen hektischen Zeiten noch so etwas wie ausführliche Leserbriefe erhält (könnte auch damit zusammen hängen, dass er nicht unter jeden Artikel ein penetrantes „Reaktionen bitte!“ setzt, wie anderweitig desöfteren zu beobachten …), auf die er dann ebenso ausführlich eingeht. Weiter geht’s mit ’ner Combo aus der „Nachbarschaft“, Alert aus Kiel nämlich. Deren Sangesboy Niklas erscheint dann auch als recht angenehmer & gesprächiger Inderwiu-Partner, und das trotz so origineller Dr. Sommer- Fragen wie der nach dem Helden der Kindheit, dem Berufswunsch als Kind oder nach den Zukunftsperspektiven der Band in Sachen MTViva … Bei den relevanteren Topics blinzelt hier und da zwischen den Lines hervor, dass der Herr Niklas schon fast ein wenig unter Grübelzwang leiden könnte – und zack, wenig später gibt er auch zu, und da zitieren wir ihn auch gleich mal, mitunter könne sich aus dem straighten Lebensstil ergeben, „der totale Kopfmensch zu sein und sich sein Leben viel zu oft komplizierter zu machen, als es eigentlich sein müsste. Das klingt vielleicht nach keiner großen Sache, ist häufig aber verdammt anstrengend.“ Meine Rede – kein anständiges Laster, keine anständige Kompensation. Resultat: Kompensation auf anderen Ebenen (Macht- & Manipulationsgeilheit, Egokrieg, Intrigenscheiß etc., wie es eben in unserer schönen Szene immer wieder zu beobachten ist). Enorm unterhaltsames Interview jedenfalls. Dann geht es ohne Verschnaufpause rüber zum nächsten Chinaböller D: Bäppi und Ina haben keine Kosten und Mühen gescheut, sich für „Das Quiz mit Jörg Pilawa“ zu qualifizieren. Dass es dann letztendlich doch nicht hingehauen hat, tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Sehr schön auch die Fotomontagen mit u.a. Jason Vorhees, der die Dschungel-Knalltüten heimsucht (oder sind die Bilder etwa auch geklaut?!). Beim nachfolgenden Antitainment- „Konzertbericht“ tritt zu Tage, dass Bäppi im praktischen Alltag gar nicht daran denkt, die Tiraden seines Ex-Mitbewohners aus MG für bare Münze zu nehmen („Gruppenrabatte auf Punkkonzerten“). Das E-Mail-Interview mit der Bassistin von Beyond Pink ist hingegen erst gar nicht ins Deutsche übersetzt worden – warum auch, hat Frau Lehrerin doch in leicht verständlichem Englisch zurück geschrieben und auch auf abenteuerliche Slang-Redewendungen verzichtet, so dass die Chose denn auch recht fluffig zu lesen ist. Das nächste Hochlicht ist die zweigeteilte Unterhaltung mit Haudegen Micha von Wohlstandsmüll bzw. ehemals Nasty Vinyl, die weit über den üblichen Frage-Antwort-Terz hinausgeht. Daneben tummeln sich noch Gastbeiträge von Herrn Fatal („Jahresrückblick“ 2009), dem Pirmasenser Grummelbä(h)r Andreas Crack (umfassende „He- Man“-Laudatio), Onkel Mechenbier (Exzesse beim Auftritt im leider kürzlich verblichenen Club Scheiße) und Nils Mosquito (die Ereignisse rund um den „Klimagipfel“ in Kopenhagen). Ala Tonträgern wurden, wie immer, lediglich ein paar Demos besprochen, weil, alles andere wäre ja Custom-Krams, und man muss ja auch schließlich klarstellen, dass hier die 100%-DIY-Schiene gefahren wird und so, noh… Umso ausladender dafür die Fanzine-Reviews, die es in solcher Ausführlichkeit wirklich nur bei Herrn Bäppler gibt. Was gerade hier (und auch bei seinen restlichen Artikeln) deutlich hervortritt: Der Herausgeber scheint mittlerweile nicht mehr ganz so verbissen an die ganze Sache heranzugehen, als in der jüngeren Vergangenheit, als hier und da noch ein paar mal zuviel Erklärbär-Essenz untergerührt waren. Eine Entwicklung, die äußerst begrüßenswert ist. Was man von manch anderen Schreiberlingen allerdings nicht unbedingt behaupten kann – so bekommt erstaunlicherweise u.a. auch die Bomben- Matriarchin gleich für zwei Erzeugnisse ihr Fett weg – was die „prominentere Variante“ (geile Floskel) angeht, kommt von Bäppi sogar der Vergleich mit Rita Kimmkorn. Very amusive (auch, wenn ich nach der erstmal googeln musste – aber es dürfte wohl keine Schande sein, die Alte nicht zu kennen…). Auch der Hang zum Erbsenzählen mit erhobenem Zeigefinger im „Influenza“ bleibt da unter anderem nicht unerwähnt. Irgendwelche „Gefälligkeits-Reviews“ für Freunde oder gute Bekannte sind also ebenfalls nicht Bäppis Ding, was die ganze Sache nur noch authentischer macht. Eine mir ziemlich nahe stehende Person ist im Übrigen felsenfest davon überzeugt, bei den Reviews sei wohl (gut versteckte) Ironie mit am Werk gewesen. Nun, Bäppi mag zwar bekannt sein für „Ironie, die keine ist, weil man sie nicht erkennt“ (Zitat Bomben-Micha), aber in diesem Fall teile ich diese Einschätzung nicht und nehme mal lecker alles für bare Münze. Und schließe mit dem Resümee, hier den unterhaltsamsten Parasiten seit der Nr. 4 vorliegen zu haben. Und das ist ja auch schon wieder ein Weilchen her, noh … Snitch



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