(Taschenbuch, Bosworth, 511 Seiten, 29,95 Euro)
Ein Buch. Ein Gigant. Ein Totschläger. Für diejenigen die es nicht wissen: „Pogue Mahone“ ist Gälisch und bedeutet auf Englisch „Kiss My Arse“ (so die beiden Untertitel des Buches), auf Deutsch wiederum heißt das so etwa „Arschlecken!“. Pogue Mahone hieß die Band früher mal, bis sie sich, aus sagen wir mal wirtschaftlichen Gründen, in The Pogues umbenannt hat. Übrigens ähnlich wie Shane MacGowans Vorgängerband The Nipple Erectors (das übersetze ich jetzt mal nicht) als The Nips endete. Und da, oder schon etwas früher, beginnt Carol Clerk mit ihrer Band-History zu den Pogues. Was auf den folgenden 500 Seiten(groß und breit und in kleiner Schrift) folgt, ist ein absolutes Brett. Bretthart und brettschwer. Nicht zu lesen, aber sehr umfangreich und wenn’s auf den Kopf fällt, tut’s weh. Manchmal vielleicht sogar etwas zu ausschweifend. Zu jeder erdenklichen Minuten der Bandgeschichte kommen Pogues-Mitglieder, Tontechniker, Manager, Freunde und dahergelaufenes Volk zu Wort. Und jeder hat natürlich seine eigene Interpretation der Geschehnisse der langjährigen Pogues-Zeit. Das ist spannend, unterhaltsam, erstaunlich, bewegend, aufschlussreich und dicker als die Bibel. Als langjähriger Pogues-Fan ist man natürlich auf jedes Fitzelchen gespannt. Man will alles wissen: Wie viele Iren gab es eigentlich in der Band, wer hat welchen Song geschrieben, wer war auf wen eifersüchtig, wer hat Shane MacGowan immer am Micro-Ständer festgebunden, wer hat wen rausgeschmissen und wieder an Bord geholt, wer hat am meisten gesoffen und welchen Hintergrund hat Track 4 auf der zweiten LP. Auf wirklich alles bekommt man in „Die Geschichte der Pogues“ eine Antwort. Dem einen mag sie gefallen, dem anderen nicht. Aber man kann es ja nicht allen recht machen. The Pogues sind eine Band mit der sich viele Mythen verbinden. Kein Wunder denn mindestens sind drei Viertel der Band durchgeknallt bis zum Abwinken. Oder waren es zumindest zur Zeit des ernstzunehmenden Bestehen der Band. Und sie waren ständig auf Koks, Amphetaminen, Speed oder mindestens Alk. Da mag die Wahrnehmungskraft schon ein wenig schwinden. Erstaunlicherweise erinnern sich aber alle relativ gut. Spider Stacy zum Beispiel, der so gut wie keinen Gig auch nur annähernd nüchtern erlebt hat und ganz so nebenbei das Biertablett zum Instrument gemacht hat, indem er es sich bei Gigs ohne Rücksicht auf Verluste ständig gegen den Kopf gehämmert hat. Der beste Kumpel von Shane MacGowan übrigens. Kein Wunder. Von ihren fantastischen Wortduellen habe ich in diesem Buch allerdings zum ersten Mal gelesen. Wie auch von vielen anderen Sachen, die ich wie ein Schwamm in mich aufgesogen habe. Die Pogues sind für mich eine Kultband, die mich in meiner musikalischen und politischen Sozialisation im letzten Jahrtausend begleitet haben. Dafür bin ich ihnen bis heute dankbar. Sie haben mich viel gelehrt: das Saufen und das über den Tellerrand hinaus schauen, aber dabei trotzdem hard to the core bleiben. Danke dafür. Und danke für das Buch. Scheiß auf die Real McKenzies und den ganzen anderen Mist. Hier sind die Pogues. Ach ja: Viele s/w-Fotos gibt’s gratis noch dazu,denn die entsprechenden Seiten sind nicht nummeriert. Obnoxious



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