(Taschenbuch, Edition Tiamat, 399 Seiten, 19,80 Euro)
Lester Bangs ist (oder besser gesagt: war) eine Legende des amerikanischen Musikjournalismus. Und das zu Recht. 1982 starb er an einer Medikamentenunverträglichkeit. Und zwar nicht im direkten Zusammenhang mit Drogen. Eher an den Spätfolgen.Kurz nachdem er den Exzessen abschwor … Zu schneller Entzug, da wird der Körper böse! Also immerhin ein halber Rock’n’Roll-Tod. Ein ganzer hätte aber besser zu ihm gepasst. Er: Ohne Rücksicht auf Verluste. Gnadenlos. Zu anderen und zu sich selbst. Seine Plattenreviews, Kommentare und Berichte waren berühmt, berüchtigt und gefürchtet. Lester Bangs hat nie ein Blatt vor den Mund genommen und er schrieb so wie ihm das Maul gewachsen war. Seit 1969 schrieb Banks für den Rolling Stone, bis er vier Jahre später dort wegen einer despektierlichen Plattenbesprechung vor die Tür gesetzt wurde. Also zog er von Kalifornien nach Detroit und schrieb fortan für das Magazin Creem und setzte dort seine Karriere fort. Nebenher schrieb er noch für New Musical Express, The Village Voice, Penthouse und Playboy. Ähm, hmm, ja … Was ihn so einzigartig machte war sein sehr subjektiver, manchmal schon fast egozentrischer Schreibstil. Er schaute nicht nach links oder rechts. Was ihm nicht gefiel, war abgrundtiefe Scheiße und er konnte Bands und ihre Platten so in der Luft zerrissen, dass man sich als Betroffener für die nächste Zeit gar nicht mehr aus dem Haus traute. Und er war beliebt in der Szene in New York, sehr beliebt, alle wirklich alle wollten mit ihm um die Häuser ziehen. Lester Bangs war ein Hooligan – der bestgehasste Hooligan des Musikjournalismus. Nicht umsonst wird er oft als Gonzo-Journalist bezeichnet. Was das bedeutet? Objektivität fällt unter den Tisch. Der Schreiber ist der Star und steht im Mittelpunkt. Alles andere ist zweitrangig. Realität, Autobiographisches und Fiction vermischen sich. Das ursprüngliche Thema geht schnell mal den Bach runter, man schweift ab. Man benutzt einen Haufen Schimpfwörter, ist sarkastisch und polemisch. Und man nimmt natürlich einen ganzen Haufen Drogen. Exzessiv. Eigentlich alles was man bekommen kann – zumindest fast alles außer LSD, Koks und Aitsch. Und Gonzo-Journalismus ist eigentlich gar kein Journalismus, sondern Literatur. Ein Name gefällig: Hunter S, Thompson! Klingelt’s jetzt? Nach dieser Gleichung wäre Lester Banks also der Hunter S.Thompson des Musikjournalismus und deshalb heißt das Buch im Untertitel auch „Rock’n’Roll als Literatur und Literatur als Rock’n’Roll“ – das passt. Herausgegeben wurde es von keinem Geringeren als Marcus Greil und umfasst ausgewählte Essays von Lester Banks. Zum Inhalt will ich jetzt eigentlich nicht weiter groß was sagen, außer: Es gibt zum Beispiel Artikel über The Clash und Richard Hell. Aber lasst Euch überraschen. Ich jedenfalls bin ein Fan von Lester Banks. Nein, ich will sein wie Lester Banks. Das schriftstellerische Potential wäre vorhanden, aber mit 33 sterben …? Das klappt nicht mehr. To old to die young … Buch kaufen und echte Literatur entdecken! Obnoxious



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