Reviews 2009

| März 8th, 2010

.. noch ein paar Reviews …
A BIT OF BRAINDEAD – Totally Wrecked

(7“, Rising Riot/Thrashbastard/Yellow Dog)
Brett! Die vier Jungspunde aus Berlin reissen mit ihrer Erstveröffentlichung Mauern ein. Laut, schnell und mit einer Abrissbirne, der auch Fort Knox nicht standhalten könnte. Schnellkerniger Thrashpunk vom Allerfeinsten. Normalerweise ja nicht unbedingt meine Baustelle, A Bit Of Braindead belehren mich hier aber eines besseren. Angepisst und wutig schreien sie ihren Frust der Welt entgegen. Sieben Songs auf einer kleinen Scheibe unterzubringen will erstmal geschafft werden. Ja gut, eigentlich kein Problem, aber ich meine, sieben wirklich gute Songs, die das Wohnzimmer-Moshpit so richtig zum Austicken bringen. Geile Sache. Kurz und prägnant auf den Punkt gebracht. Dazu kommen ein erstklassiges Cover-Artwork, fettes Klappcover und Blut, das aus allen (also beiden) Rillen spritzt. Format und Mucke passen wie Arsch auf Eimer. Bitte dabei bleiben. Alles andere wäre „wasted“.Uneingeschränkte Empfehlung für Menschen die mit dem Kopf durch die Wand gehen. Obnoxious

Across The Border – Hag Songs
(CD, Twisted Chords)
Wenn diese Band in Karlsruhe oder Umgebung zum Tanz aufspielt, dann kommen da gerne auch mal Besucherzahlen in hoher dreistelliger Zahl zusammen, hin und wieder sogar vierstellig. Interessant finde ich das weniger, weil die Band Irish Folk, als vielmehr deshalb, weil sie in ihren Texten extrem politisch engagiert sind und das live auf jeden Fall anbringen. Deshalb umso erfreulicher, dass der Mix zwischen Party und Aussage stimmt. Mit Hag Songs liegt jedoch kein neues Album vor, sondern der Debüt-Klassiker von 1994, der schon seit langen Jahren ausverkauft ist. Wie es sich für ein Re-Issue gehört ist es im originalen Layout wiederveröffentlicht und hat alle Texte dabei. Als Zusatz für die Neuauflage gibt es zwei Gast-Stories von Klaus N. Frick, der in zwei kurze Artikeln seine Beziehung zur Band sympathisch wiedergibt und der Hit „I can’t love this country“ wurde zusammen mit dem Rapper Chaoze One in einer 2.0 Version neu aufgenommen. Wie man lesen kann, ist dies eine liebevoll ausgearbeitet Neuauflage, die in erster Linie nicht auf den schnöden Euro zielt. Bocky

A GOOD DEED – s/t
(CD, Concrete Jungle)
Im Augenblick kommen so viele gute neue Sachen auf Concrete Jungle Records raus, da ist es zu verkraften, wenn mal was dabei ist, das mir nicht so reingeht. A Good Deed sind aus der schwedischen Streetpunk-Band The Confession hervorgegangen und spielen jetzt deutlich ruhigere und auch etwas melancholischere Stücke, die an Gaslight Anthem oder die oft zitierten Against Me! erinnern, dann aber an die raueren Tage. Beim ersten Hören ging mir die Stimme des Sängers tierisch auf den Sack, das hat sich inzwischen relativiert, trotzdem ist irgendein Zweifel geblieben. Wider erwarten bleibt der Song „Paranoid“ dieser Vier Song-EP irgendwie hängen. Bin schon gespannt, wie es sich mit dem nächsten Tonträger der Typen verhält. Dennisdegenerate

AHEAD TO THE SEA – Still Angry, Still Happy
(CD, Boot & Leg)
War ich aber mal gespannt was der Kröners Jochen jetzt so macht. Nach Across The Border, den lokalen musikalischen Helden meines frühen Erwachsenseins. Irland, Punkrock und Anarchie. Das waren damals die Ideale und Ideen, die ich in meinem Herzen trug. Across The Border haben das alles irgendwie verbunden. Und dazu kamen sie mehr oder weniger noch aus der Nachbarstadt meines Elternhauses. Across The Border gibt’s – mal mehr, mal weniger – immernoch. Ahead To The Sea ist aber lebendiger was die Aktivitäten betrifft (ja, ich weiß, immer doof, wenn man alte und neue Band miteinander vergleicht, vor allem als betroffene Band, aber hier muss das jetzt mal sein). Ich also gespannt auf das Output der Band, die nach Jochens Umzug und Auflösung von ATB in Freiburg angesiedelt ist. Im Grunde zielt das Schiff noch in die selbe Richtung. Musikalisch sowieso, vielleicht etwas langsamer, textlich nachdenklicher und nicht mehr ganz so mit offenem Visier und dazu noch teilweise auch in Deutsch (sowas gab’s früher nicht). Außerdem teilt sich Jochen mittlerweile den Gesang mit einer weiblichen Person. Kleine, aber feine Änderungen stehen also ins Haus. Trotzdem: Ich muss schon sagen: Zwar kein Punkrock, aber Musik, die mich bewegt. Nach vorne, nach hinten und auf beide Seiten. Oft nach oben, manchmal auch nach unten. Für Neuhörer mit Sicherheit gewohnheitsbedürftig, aber für alte Hasen ein guter Grund noch immer angry, aber auch happy zu sein. Und dies nur zur Warnung: Vor neuen und alten Einflüssen wird auch kein Halt gemacht. Anchecken rules okay. Ach ja, vielleicht ein bisschen zu dünn produziert. Obnoxious

Alarmsignal – Sklaven der Langeweile
(CD, Nix Gut)
Die Band ist nicht ohne Griund eine der bekanntesten Deutschpunk-Kapellen. Sie haben eigentlich alles, was diese Fraktion des Punkrocks wollen: vernünftige Texte, nen fetten Bass und leicht metallige Gitarren. Die 18 Songs gehen in der Regel ab wie die Lutzi und werden in den Linernotes erklärt, worauf ich ja total stehe. Aber was ich nicht verstehe ist der Titel „Song X“, in dem Mitglied Ben froh ist von Drogen los zu sein. Schonmal Kollege Steff gefragt, ob Religion nicht auch etwas wie ein Ersatz/Droge ist? Dafür hat Steff, was absolut tolles nach der Frei.Wild Aktion von Nix Gut gemacht, nämlich das Taugenix eingestellt! Bocky

ANTICOPS – Out In The Streets
(CD, Puke/SN Punx)
Was ist das denn für ein Bastard? Dick und fett steht „Berlin Hardcore 2009“ im Booklet und das dürfte es auch ziemlich gut treffen. Die Anticops haben sich keineswegs die Mühe gemacht selbst einen Arsch voll Songs zu schreiben. Vielmehr ist bei „Out In The Streets“ eine Ansammlung von Coverversionen zu hören. Intoniert in Sinne der Bandpolitik. Als Unterstützung haben sich die Jungs auch zu fast jedem Song einen Gastmusiker mit ins Boot geholt und so ist die CD schon fast sowas wie ein Allstartreffen. Gecovert werden z.B. Songs von den Misfits, Troopers, Payback, Slumlords und Troublemaker. Als Gäste am Start sind Mitglieder von Rykers, Payback, Troopers (huch, die Namen wiederholen sich), Walls Of Jericho, Final Prayer und Death Before Dishonor. Im Endeffekt bleibt ein gute halbe Stunde Hardcore-Geballer, das jede Mauer zum einstürzen bringt. Ob ich das ästhetisch finde? Nein! Aber wenn mal kein Stein auf dem anderen bleibt, ist das doch auch schon mal viel wert!! Obnoxious

ASHPIPE – Waiting For Wave
(CD, Diffidati Records)
Das Frankener Label mausert sich langsam aber sicher zu einem direkten Konkurrenten zu Mad Butcher, was italienischen (Ska-) Punk betrifft. Diffidati hat mit Ashpipe eine wirklich großartige Band in unseren Breitengraden veröffentlicht, die mit „Tu Non 6“ einen meiner momentanen Lieblingshits spielen. Darin steht ganz untypisch eine Geige im Vordergrund. Also nicht so hektisch wie vielleicht bei Gogol Bordello, sondern mit viel melancholischer Atmosphäre. Exemplarisch ist das Lied aber nicht, da regelmäßig Bläser und auch eine Orgel den Ton abgeben, respektive abrunden. So entstanden 16 melodische Punk-Nummern, die jede für sich ein kleiner Hit ist. Was meine Begeisterung allerdings etwas schmälert: Die Songs, die nicht in Englisch gesungen sind, wurden leider nicht übersetzt. Aber bei einer solch fantastischen Punkrock-Party ist das Jammern auf hohem Niveau. Bocky

ATEMNOT – 20 Jahre Punk
(CD, Pukemusic/SN-Punx)
20 Jahre haben die ursprünglich fränkischen, jetzt dank Umzug zur Ostpunkband gewordenen Atemnot also nun auf dem Buckel. Auch wenn Einhorn, Kopf der Band, selbst soweit ich weiß nicht von Anfang an dabei war und die Band auch eine ganze Weile pausierte – „20 Jahre“ macht auf dem Cover halt mehr her. Aber ich schreibe das Review ja nicht, um hier über Einhorns mathematische Fähigkeiten herzuziehen. Auch musikalisch hat sich bei Atemnot einiges getan. Bestachen die alten Werke dieser Band durch Rumpelcharme, einfache Texte und den Hang zum Unperfekten, liefern die „neuen“ Atemnot einen sauberen 90er-Jahre Deutschpunk-Sound ab und textlich wird es stellenweise persönlicher und vor allem durchdachter. Die CD enthält 13 Songs, wovon zwei Covers sind, betitelt „Tribut an Hass“ und „Tribut an Zanpfahl“. Hass kann man ja meinetwegen Tribut zollen, aber wozu den Pfeifen von Zaunpfahl, die vor Onkelz-Landjugend bei „Deutschrock-Festivals“ auftreten? Chris

Atemnot – Unvergessen
(CD, myspace.com/atemnotband)
Der König der Nix Gut Deutschpunksampler, also der Mensch, der sie meist zusammenstellt, gibt sich zusammen mit seiner Band die Ehre und feiert 20 Jahre Bandbestehen mit einem neuen Album. Wenn ich richtig gezählt habe, dann sollte dies die neunte Platte dieses Deutschpunkurgestein aus dem Jahre 1989 sein. Musikalisch, wie auch inhaltlich, hat man sich nicht groß verändert. Über die Jahre wurden an den rumpelnden Ecken der Instrumente ebenso gefeilt, wie bei den Texten. Logisch kommt dabei nichts bahnbrechend Neues heraus, muss es ja aber manchmal auch nicht. Ne bodenständige Deutschpunk-Scheibe. Bocky

Atlas Losing Grip – Watching The Horizon
(CD, Horror Business)
Schon vom ersten Ton aus dem Mikrophon ab, weiß ich, dass mir diese Band viele schöne Minuten bescheren wird. Denn die Stimme Rodrigo Alfaros, Ex-Sänger der 2007 aufgelösten Satanic Surfers, finde ich schon seit jeher einen richtigen Hammer. Nur sehr wenige Sänger haben es wirklich drauf derart einzigartig zu sein und immer wieder erkannt zu werden! Musikalisch ist das schwedische Allstar Projekt auch nicht allzu weit von den erwähnten Satanic Surfers entfernt. Allerdings sind die 5 Tracks um einiges knackiger und wesentlich mehr auf den Punkt gebracht. Trotzdem verliert man die nötigen Melodien keineswegs aus den Augen. Für mich ein perfekter Start und melodischen Hardcore und Punk-Frühling 2010. Bocky

Common Enemy – Living The Dream?
(CD, Horror Business)
Seit nunmehr 11 Jahren hauen die Amis mit ihren extrem kurzweiligen Trashcorepunk um sich. Dieses Mal dauert die Reise bei immerhin 20 Tracks gerade mal gut 27 Minuten. Auf Album Nummer 5, das 3. Auf Horror Business, geht es gewohnt querbeet ein durch die Prärie der Themen. Horror Filme werden ebenso beackert, der Alltag. Der Spaß auf dem Skateboard steht aber eindeutig im Vordergrund. Sympathisch dabei ist, dass die Jungs dabei wohl auch öfter mal die ein oder andere Dose Bier dabei haben und mit SXE nicht wirklich viel am Hut haben. In diesem Sinne verpasst bloß nicht deren bevorstehende vierte Europatour und bewerft sie mit leeren Bierdosen! Bocky

Copy Of A Copy – This Is It
(CD, Flix Records)
Wenn das die Familie des verstorbenen Michael Jackson oder Sony noch mitbekommen, dass das Album einer französischen Punkrockband ebenso benannt ist, wie die Doku und letzten Aufnahmen des King of Pop, dann gäbe es sicher Ärger. Wie so etwas ausgeht habe ich keine Ahnung, obwohl es genügend Beispiele dafür gibt. Die 8-Song EP der Franzosen knallt guten zeitgemäßen Hardcore aus den Boxen, der ordentlich nach den 1980ern riecht. Leider flattert die CD erst nach der Tour mit den Derby Dolls hier rein, ansonsten hätte ich mir dieses energetische Trio gerne einmal in live angeschaut. Bratzender Brocken mit gutem Coverartwork, aber leider etwas lieblosen Booklet. Bocky

COWBOY PROSTITUTES – Let Me Have Your Heart

(CD, Sunny Bastards)

Hier erwartet einen Rock’n’Roll mit einer ordentlichen Portion Punkrock. Das zweite Album der Schweden ist auf jeden Fall eine runde Sache, jedoch fehlt mir leider der letzte Funke und die nötigen Hits dazu. Kay

DALLAX – Big Proud
(CD, Pork Pie)
Japsen-Ska. Der Sechser aus Tokio dürfte in der einschlägigen Szene inzwischen auch in Deutschland bekannt sein. Wer auf Bands wie Mighty Mighty Bosstones oder Less Than Jake steht, der kommt an den Schlitzaugen nicht vorbei. Uptempo Ska oder auch Ska Core? Wie immer man das Kind beim Namen nennen möchte – Dallax rules okay. Und selbst ich – der mit dieser Gemüsesorte eigentlich relativ wenig am Hut hat – muss schon sagen: „Yepp, das kracht ganz gut!“ Die Jungs haben es drauf, einen in ihren Bann zu ziehen. Live stelle ich mir das noch einen ganzen Batzen besser vor und von einschlägig Vorbestraften habe ich mir diesen Eindruck auch bestätigen lassen. Anfang des Jahres waren der ausdrucksstarke Sänger Numb und seine Jungs in Bescheuertland unterwegs und wer sie da verpasst hat (wie doof kann man eigentlich sein? So doof wie ich?) kann sich jetzt wenigstens die Thunfisch-Konserve an Land ziehen. Vorher aber anhören, ob man wirklich so viel Ska Core am Verkraften sein tut…   Obnoxious

EDDIE AND THE HOT RODS – The Singles Collection
(CD, Captain Oi!)
Ich könnte dieses Review mit der hier obligatorischen Geschichtsstunde beginnen. Und da ich das gerade gemacht habe, gibt es sie nun doch, aber nur in der Kurzfassung: GB in den 70ern: Pubrock → Punkrock. Auch wenn Eddie stets Pubrock war, waren sie vom Punkrock schön infiziert. Das macht die Sache angenehm. Eine Mischung aus Punkrock und klassischem Rock’n’Roll-Boogie. Status Quo meets The Damned, oder so… Jedenfalls gibt es hier die Singles der Band auf einer CD, im Booklet einige Kommentare zu selbigen und viel Spaß – das Zeug ist nämlich sehr, sehr gut. Wooly Bully! HH

LORD BISHOP ROCKS – Construction Planet
(CD, Dirty Earth Records)
Der klerikale Edelmann wettert gegen blöde Politiker (maßgeblich hat er sich von Bush noch nicht erholt und schmettert ihm ein kräftiges „Fuck You!“ hinterher), das böse Musikbusiness, gegen Dummheit und Intoleranz, usw. Das ist o.k. Darf er – soll er sogar! Das hat was von Punk. Nur musikalisch bewegt er sich in einer anderen Welt: Rockmusik. Einfach nur Rockmusik. Nicht schlecht gemacht, aber es bleibt halt Rock, welcher in den besten Momenten in Richtung Stonerrock geht. Schade, aber toll, da der Bishop was zu sagen hat. Punk im Herzen und Rockmusik in den Händen. Wer aber, bezogen auf musikalische Hörgewohnheiten, ein größerer Freigeist ist, als ich es bin, sollte mal antesten. Die CD ist eine Compilation, quasi eine Art „best of…“. HH

MUCKY PUP – A Boy In A Man’s World/Now
(CD, I Scream)
Eine echt lieblose Wiederveröffentlichung kommt mir hier auf den Tisch. I Scream hat die zweite und dritte Platte von Mucky Pup zusammengepappt und ohne irgendeine Linernote, Erklärungen oder Bonus-Stuff rausgebracht. Bevor ich „A Boy In A Man’s World“ und „Now“ hier zum ersten Mal seit locker zwölf Jahren wiederhören durfte, habe ich nicht mehr einen Gedanken an die, später teilweise zu Dog Eat Dog gewordenen, Crossover-Veteranen verschwendet. Ist auch nicht wirklich schade drum. Okay, ich gehöre zu der Generation Crossover, habe Anfang/Mitte der Neunziger schlimme Sachen gehört und darunter waren auch Mucky Pup, aber bis auf ein paar Aha-Effekte und einige goldig schimmernde Erinnerungen ist da nichts. Okay, die erste Scheibe ist von 1986 und noch mehr Richtung Hardcore, aber die ist ja hier nicht drauf. Hits wie „Hippies Hate Water“ machen immer noch Spaß, aber ergeben keinen Sinn, das später von Jellybean gecoverte „Little Pigs“ ist natürlich auch dabei. Von dem homophoben und saudummen Song „Homosexual“ hat man sich klugerweise verabschiedet. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Leute außerhalb meiner Generation die Band mögen könnten. Für diejenigen, welche Mucky Pup nicht kennen, hier ein Querschnitt: funky Bass, Stimme ähnlich des Offspring-Sängers, gelegentlich gerapte Textpassagen mit Metalgitarren, Rock und Punk-Sauce – Crossover. dennisdegenerate

OUT OF LUCK – Walking Down 10th Street
(CD, Wolverine)
Kopf dieses Trios ist Karl Cloey K., auch bekannt durch seine Aktivitäten bei Up To Vegas oder den Flintstones. „Walking Down 10th Street“ ist der zweite Longplayer seiner neuen Band. Es ist wenig erstaunlich, dass der Hörer hier soliden Psychobilly präsentiert bekommt. Dieser Musikrichtung wird ja des Öfteren vorgeworfen, wenig abwechslungsreich oder innovativ zu sein. Na ja, ganz kann man das nicht abstreiten, aber ich mag das Zeugs halt und daher ist es mir egal. So bleibt nur ein Fazit: Ein solides Psychobilly-Album ist eine große Sache. Toll. Klasse. Und die Band, die Innovativität am besten ignoriert hat, waren eh die Ramones – gefolgt von AC/DC und Mötörhäëd. Also… HH

The Pikes – No-Name Street
(CD, Dirty Faces)
Die Berliner The Pikes machen Mod-lastigen Powerpop, wie man ihn aus den 1960er und 1970er Jahre kennt. Meinem Erachten nach ist unverkennbar, dass sie bei Smail, dem Sänger der auf Eis gelegten The Shocks, aufgenommen haben. Denn der simple, etwas scheppernde Sound der Punk-Minimalisten, kommt schon ganz gut durch. Da ich aber ein großer Fan dieser anderen Berliner Band bin, finde ich das bei den Pikes so gar nicht wild, weil es eben lediglich vom Sound her ähnlich klingt. Was den Beat, die Melodien und vor allem den Gesang angeht, so sind The Pikes wiederum selbst unverkennbar. Na und da ich selbst die Mod-Götter The Jam sehr gerne mag, kommen mir solche Retro-Modder gerade recht. Alle 6 Songs sind klasse Mod-Nummer, die locker schon 40-50 Jahre auf dem Buckel haben könnten. Bocky

Profit And Murder – Mother Nature’s Afterbirth
(LP, Risin Riot)
D-Beat Kruste eben genau so, wie man sie sich vorstellt. Schnell, laut, böse vor Nihilismus und Endzeitstimmung strotzend – „Contaminated By Man“, „Botox Zombies“ oder „War – Pest“ sprechen dabei eine deutliche Sprache! Tut wirklich gut, sich mal wieder so ein fettes Kaliber schlechter Laune einzufahren und bringt mich auf die Idee, meine Ohren mal wieder meinen Alltime-Favourites Aus-Rotten zu widmen. Keine Ahnung, wie es heute in dieser Nische aussieht, aber PAM gehen gut ab und haben es echt drauf ne hasserfüllte Atmosphäre zu verbreiten. Bocky

PYRO ONE – Tränen eines Harlekins
(CD, Twisted Chords)
Conscious-Rap aus Berlin, das heißt Rap, der sozialkritisch oder politisch motiviert ist. Und das ist der von Pyro One definitiv. Pyro One und seine Crew Monkey Mob grenzen sich nicht nur klar von sexistischen, rassistischen, homophoben Inhalten ab, was allein ja schon reicht um als Müslirapper abgestempelt zu werden, nein, sie sagen auch noch laut und deutlich ihre Meinung und die ist oft unbequem, von Reclaim The Streets bis zur Hoffnungslosigkeit im Kiez, Bullengewalt… Pyro One und Gastrapper, wie z.B. Chaoze One, Holger Burner (übrigens auch Müslis…) hauen 17 düstere Tracks raus, die angepisst und kämpferisch klingen. Ebenso düster ist das Artwork der CD welches, wie die ganze Produktion von LeijiONE stammt. Der Albumtitel „Tränen eines Harlekins“ kommt thematisch zwischen den Songs immer wieder vor, toughes Pennergehabe sucht man hier vergebens. Wer offen für deutschen, unpeinlichen Rap ist, sollte hier unbedingt mal reinhören. Die Cuts der Platte stammen von DJ Boogie Dan & Dylon Camero. dennisdegenerate

RÄMOUNS – Rockaway Beach Boys
(CD, Wolverine)
Darauf hat die Welt ja wohl auch noch gewartet: Die Originalaufnahmen aus dem Jahr 1980 als sich die Ramones und die Beach Boys rein zufällig in einem ostdeutschen Studio trafen und zusammen gejammt haben. Herausgekommen sind Coverversionen von Beach Boys-Songs mit 12 bpm mehr als im Original der Surf-Nazis. Oder ist das alles doch nur ein Fake? Jedenfalls braucht das kein Mensch, denn erstens ist es nicht besonders einfallsreich, haben die Ramones doch eigentlich schon genug 60er Jahre-Schinken verwurstet und die Welt weiß, wie sowas klingt und zweitens ist es auf die Dauer sowas von ermüdend, dass selbst Opas Hund hinter dem Kachelofen einschläft und der leidet eigentlich unter chronischer Schlaflosigkeit. Der Hund, nicht der Opa. Falls ich irgendwann mal am Huntington Beach in der Sonne liegen sollte, dann ganz bestimmt nicht zum Sound der Rämouns, schon eher zur Platte der Ramonetures, die haben vor etlichen Jahren nämlich schon so was ähnliches viel besser gemacht. Nur eben ohne Gesang. Weg damit! Obnoxious

REMEMBER – Death To All Of Us
(7“, Rising Riot)
Ganz schön hoher Metal-Anteil in der Keule, die die Dortmunder Hardcore-Kids da schwingen. Aber nicht nur dort, auch aus den Boxen schwappt der Sound wie Blei. In den fünf Songs gibt’s zwar genügend fixe Parts und die Mitglieder mögen live der Schwerkraft ein Schnippchen schlagen, doch der Gesamteindruck wiegt doch ganz schön schwer. Wenn man will, kann man da schon wieder etwas Doom-HC-Metal hören. Vorbildlich finde ich bei solchen Kapellen immer, dass sie ihre Instrumente einwandfrei beherrschen. Fünf Tracks, die auch vom Artwork her wie gemacht für diese Jahreszeit zu sein scheinen. Hat was von Tagen, die über eine Dämmerung nicht hinaus kommen und bei denen maximal Kerzen etwas Wärmendes vermitteln. Die atmosphärischste Single der Ausgabe. Bocky

The Skatoons – High Noon am Hansaplatz
(CD, Rotlicht Records)
Was die Busters für komplett Deutschland sind oder Frau Doktor für den Wiesbadener Raum, sind The Skatoons in Hamburg, nämlich die Ska-Punk Institution vor Ort. Deshalb schafften sie es bspw. Ende Januar ihre Releaseparty gleich an zwei Tagen zu machen. Fairerweise muss man aber sagen, die mittlerweile zehnköpfige Band hat nicht nur im hohen Norden begeistertes Publikum. Mit ihren zackigen Offbeats können sie es sich durchaus erlauben auch die Stadtgrenze zu überschreiten. Um ihr nunmehr drittes Album, was erstmals in Eigenregie erscheint, vorzustellen, werden sie das ab März auch ausgiebig tun. Sollte man also Lust verspüren sich überaus gepflegt und temporeich unterhalten zu lassen, informiert man sich wo man die Band sehen könnte, schnappt sich seinen Pork Pie und dann heißt es „die Beine hoch“. Bocky

SOCIAL DISTRUST – Who Is My Killer?
(CD, Wanda)
Kann ich nicht wirklich was mit anfangen. Okay, für Anfang 20-Jährige, die seit über sieben Jahren zusammen rummucken, ist das schon ein ganz gutes Stück Arbeit. Aber irgendwie erwartet man bei dem Namen und dem Alter schon etwas aggressivere Musik. Mir ist das alles viel zu harmlos. Melodisch? Ja, aber Kick Ass – wie der Info-Zettel verspricht – nein. Da hilft auch kein Digipack! Und auf die Bands (Spermbirds, Real McKenzies, Turbo Acs) für die man als Vorgruppe aufgetreten ist, kann man sich auch nicht unbedingt berufen. Da hatten die Veranstalter wohl auch nichts besseres oder passenderes am Start. Hab ich mir ehrlich gesagt mehr von erwartet. Die Gitarrenriffs nerven teilweise ganz gehörig und das, zugegebenermaßen ziemlich gute, Schlagwerk hilft auch nicht viel. Einigen Bands würde weniger Melodie und mehr Krach schon ganz schön gut zu Gesicht stehen. Nett ist der kleine Bruder von scheiße. War ich jetzt Dein Killer, Social Distrust? So weit wollte ich nicht gehen, denn das wiederum würde mir Leid tun, den in Dir steckt viel mehr Potenzial, als Du hier vorlegst. Obnoxious

SPLIT – Liberty Madness / Derby Dolls
(7“, That Lux Good)
Das einzige und deshalb auch beste Label Tübingens vereint auf 7-Inch schwarzem Gold, zwei taufrische Kapellen, die nach Elektrosmog gieren. Liberty Madness haben gerade mal Bartwuchs und sind entsprechend hektisch unterwegs. Die haben sich auch der gerade wieder modernen Ami HC-Schule der frühen 1980er angeschlossen. Ehrlich gesagt machen sie das richtig gut und wirken vor allem nicht so verbissen wie ihre alten musikalischen Idole. Derby Dolls gibt’s schon ’ne Ecke länger und die sind auch nicht so zackig unterwegs. Is aber gar nicht schlimm, da sie ihren simplen Punkrock sehr erfrischend und ohne unnötige Schnörkel rüberbringen. Bei der Single muss man eben vorher überlegen, wie man aus dem Haus will: Mal locker einen Trinken gehen, oder ordentlich die Flaschen aufreißen und mit blauen Auge aufwachen. Egal wie, Spaß ist garantiert! Bocky

SPLIT – MDC / The Restarts – Mobocracy
(CD/LP, Dirty Faces)
Auf das Bochumer Punk-Qualitätslabel ist einfach Verlass! Denn auch mit dieser Veröffentlichung wird bewiesen, warum man eines der besten deutschen Labels ist: Weil dort mit die besten Punk-Platten erscheinen! MDC und ihr Sänger Dave Dictor sind schon seit den frühen 1980ern in den USA unterwegs und wurden damals in einem Atemzug mit den Dead Kennedys erwähnt, bloß blieb ihnen der große Bekanntheitsgrad verwehrt. So gesehen weiß man schon in welche Richtung MDC geht, ballernder HC aus den Gründerzeiten. Für den Nachwuchs eine Geschichtsstunde einer Ikone der ersten Stunde des amerikanischen Hardcore. Etwas jünger, aber keinen Deut weniger authentisch sind die Londoner The Restarts. Kein anderer Sänger auf diesem Planeten rotzt dermaßen geil im Stakkato-Stil seine Wut heraus wie Kieran Plunkett! Für mich seit über 10 Jahren einer der Reißer der politischen HC-Anarcho-Bands. Das Manifest, dass auch 2010 politischer Punk alles andere als tot ist. Bocky

Split – Sense Of Urgency/Stand Out Riot/Awaragainstsound
(CD, TNS)
War ich zu Beginn etwas von dem straight nach vorne gehenden ersten Songs irritiert, dauerte es nicht wirklich lange, bis das erste Gehupe losging. Denn TNS sind in England der Gegenpart zu unserem hiesigen ANR Label. So geht es insgesamt im Schweinsgalopp durch 10 rasante Skapunk-Nummern. Persönlich gefallen mir dabei Stand Out Riot, deren komplettes Album wir vor zwei Ausgaben besprochen haben, am besten, die in ihre Band von 8 auf 7 Mitglieder geschrumpft haben. Doch glücklicherweise ist nicht die Violine getürmt, die den Songs noch einmal eine ganz andere Note verleiht. Bocky

STOMPER 98 – 4 The Die Hards
(CD, Sunny Bastards)
Die CD ist eine „Best Of…“ der Göttinger Band, an der sich diverse Gäste sowohl im Booklet als auch im Studio beteiligten. Mag man der Band nicht nachsagen wollen, sie seien Neo-Nazis, so muss man aber auch erwähnen, dass sie ein gewisses Faible für Fettnäpfe bis hin zu Badewannen haben. Zumindest trifft das zu 100% auf ihren schwarzen Schlagzeuger zu, der bekanntermaßen im Sommer mit dem Shirt der französischen RAC-Band Haircut hinter dem Schlagzeug saß und jetzt im Booklet prangt ihm Close Shave von der Brust. Close Shave ist eine englische Combo, die nach eigenen Aussagen Patrioten sind und stolz darauf weiß zu sein! Herzlichen Glückwunsch dazu! Darüber hinaus törnt es ziemlich ab, dass über S98 der Name Böhse Onkelz wieder öfter zu lesen ist. Denn waren die Frankfurter in ihren letzten Tagen „nur“ die musikalische Untermalung zur Bild-Zeitung, so waren sie in den 1980er Jahren, die Jahre auf die sich S98 beziehen, musikalische und geistige Brandstifter im rechten Sinn! In diesem Sinne mehrere weitere Minuspunkte! Bocky

STRIKE ANYWHERE – Iron Front
(CD, Bridge Nine)
Die neue Platte der Richmond/Virginia-Punker kommt aus einem Guss daher und macht Laune. Der erste Song startet direkt im Turbo und Song um Song schiebt sich mit massig vielen Chören und Sing-a-long-Parts, linke Spur mit Blinker in die Rübe. Ein bisschen Anti Flag, ein wenig Comeback Kid… sie haben definitiv zu einer gesunden Härte zurückgefunden, da passt auch der Labelwechsel zum Bostoner Hardcore Label Bridge 9. Die Lyrics sind, wie von Strike Anywhere gewohnt, politisch und kritisch, behandeln Krieg, Menschenrechte und Polizeigewalt. Diesmal nehmen sie im Albumtitel auch Bezug auf die Eiserne Front, dem ehemaligen SPD/Gewerkschaftsbund der Weimarer Republik, der versuchte sich gegen die Nationalsozialisten zu stellen, denen sie schon ihr Bandlogo in Fragmenten entliehen haben. Nach ihrem eher seichten Album auf Fat Wreck, nun eine moderne, ausgegorene, vor Sing-a-longs strotzende und vor allem Hardcore-lastigere, catchy Punkplatte. dennisdegenerate

STROM – Zwischen den Stühlen
(CD, R.E.F.F. Records)
Strom kommen ursprünglich aus Hagen und Hagen ist nicht nur die hässlichste Stadt Deutschlands, nein, sie hat auch so tolle Sternchen wie z.B. die Stripes inklusive Nena hervorgebracht. Ja und aus dem Dunstkreis dieses späteren Topsellers, also des Produktes Nena entstammt also die Band Strom, zumindest 2/3. Sofern diese Aussage nicht in das Reich der Mythen und Sagen gehört und ich ihr aufgesessen bin. Das ist aber eigentlich völlig egal, denn Strom sind nicht Nena und auch nicht ansatzweise so bekannt. Wer ist das schon? Einzig der Hang zum Pop erinnert an die vorher Genannte. Strom fabrizieren gut gemachten, seichten Poppunk, der mich allerdings überhaupt nicht berührt. Deshalb sitze ich auch nicht zwischen den Stühlen, sondern eher daneben in einem Sessel. dennisdegenerate

THE UNTAMED – Delicious Death…
(CD, Heptown Records)
Wochenlang an einem einsamen Bahnhof in ungeselliger Umgebung auf einen Dampfzug warten, dann die ankommenden Ortsfremden beim Aussteigen zu erschießen, um letztendlich wieder einsam zurückzubleiben… Dieses Unternehmen könnte man mit dieser Scheibe hervorragend musikalisch untermalen. Trotzdem haben wir es hier nicht mit Spaghetti-Morricone-Sound zu tun, sondern mit einem überwältigenden Mix aus Rockabilly, Garagepunk, Country, Blues und was weiß ich noch allem. Mal erklingt ein Honkytonk-Piano, mal ein Banjo. Mal tauchen die Dead Brothers im Gehörgang auf, mal die Raymen und immer wieder der Gun Club. Das ist von morbider Schönheit. Und wenn es niemand anderes macht, werde ich diese Scheibe persönlich vergolden. Ach Quatsch – Platin! HH

V.A. – Mainstream Music Is Shit! Vol.2
(DCD, TNS Rec.)
Der in die zweite Runde gehende Labelsampler von TNS ausm Kingdom befasst sich nach wie vor in erster Linie mit Kick-Ass-Punk der gehobenen Güteklasse. Und das bewerkstelligen – mal rechter, mal schlechter: The Shadowcops, Sounds Of Swami, die nach wie vor keine Gefangenen machenden Revenge Of The Psychotronic Man, Smack Rats, Just Add Monsters und und und. Jedenfalls ist auf Anhieb spürbar, dass bei TNS Leuts am Werk sind, die sich DIY hinter die Ohren gekrakelt haben und nicht auf den schnellen Penny aus sind. Allerdings – das muss auch mal gesagt werden – war der Titel der ersten Runde mit „Music By People Who Drink Cider In The Gutter“ doch ’n Tacken origineller. Cheers. Snitch

THE VIBRATORS – Under The Radar
(CD, Captain Oi)
Yak, das ist eine absolute Schnarchnasen-Veröffentlichung und knüpft leider nicht an die kürzlichen Erfolge vor 33 Jahren an. Wer Songs wie „Baby, Baby“, oder „Stiff Little Fingers“ im Kopf hat, sollte diese nicht mit den neuen Ergüssen behelligen. „Under The Radar“ ist nicht mehr als netter Punkrock ohne den geringsten Wums, völlig langweilig und belanglos. dennisdegenerate

THE VALKYRIANS – The Beat Of Our Street
(CD, Pork Pie)
Seit 2002 liegt Helsinki in Jamaica! Wer es nicht glaubt, sollte sich mal anhören, was die Finnen der The Valkyrians seit 2002 verzapfen. Sonnengetränkter 2-Tone und Rocksteady direkt aus der Karibik. Hatte mich damals das Debüt „High & Mighty“ schon umgehauen, setzen die 15 Stücke von „The Beat Of Our Street“ noch einen oben drauf. Man glaubt wirklich, die Jungs säßen den ganzen Tag in der Sonne, lassen sich die Birne bretzeln und heraus kommen dabei herrlich gereifte Melodien, die wärmer nicht sein könnten. Entsprechend sieht man das Dead Kennedys-Cover von „To Drunk To Fuck“ aus einem ganz anderen Blickwinkel. Das ist ganz großer traditioneller Ska, der nicht unnötig hupt oder aufs Gaspedal treten muss, um einen 50 Minuten lang wirklich aller bestens zu unterhalten. Bocky

WIENS No. 1 – … Zügellos
(LP, Crazy United Records/Sunny Bastards)
Wiens No. 1, die Truppe um Ex-Panzerknacker Stefan hat sich seit ihrem ersten Album deutlich verbessert. Und wie! Wiens No. 1 machen sehr melodischen, deutschsprachigen Oi!-Punk mit hohem Mitsing- und Wohlfühlfaktor. Klingt ein wenig wie andere deutschsprachige Combos à la 4 Promille, Junge Römer, Gumbles – nur oft melodischer und mit stimmlich höherem Gesang. Der (zum Teil etwas bis deutlich schiefe) Gesang war nie meins und wird’s auch in Reinkultur nie sein. Bei „… Zügellos” passt er jedoch deutlich stärker und ist gut in die Melodiebögen und die Backings eingepasst.Bei „3 Akkorde“, leider der einzige wienerische Song, passt sogar die leichte Schiefe. Gut so. Die solo-Backingvocals allerdings… Insgesamt: Die melodischen Songs sind ausgereifter. Musikalisch runder und sauber abgemischt. Mit einigen potentiellen Ohrwürmern. Sunny Bastards goes Vinyl: Mit dem Sub-Label Crazy United bedienen sie erstmals auch die Vinyl-Sparte. „… Zügellos” gibt’s 500 mal im roten Vinyl. Igor Frost

Zerfall – Blaue Möwen

(CD, Puke Music)

Hier gibt es Deutschpunk, wie er besser nicht sein könnte, auf die Mütze. Zum 25. Jubiläum liefern die Jungs 15 Live-Songs von ’84 (in Ost-Berlin aufgenommen) zwar nicht gerade professionell, aber dafür umso authentischer. Die ersten 8 Songs, inklusive Intro, wurden neu eingespielt und zwischen ’83 und ’85 geschrieben, weshalb das Lied „Besatzer raus“ dem ein oder anderen ziemlich sauer aufstoßen wird. Ich find’s gut! Kay

Die Contra Records Nachzügler in aller Kürze:

Arthur And The Spooners
Die Combo is ne Punk Jukebox, die Klassiker in Offbeats packt und sie auch gerne mal umbenennt wie bspw. Agnostic Fronts „Gotta Go“ heißt hier “Gotta Ska“, dafür dürfen „The Jinx“ oder „GLC“ immerhin ihren Titel behalten, aber der Sound wird geskat. Ne feine Party, Halli-Galli, Täteretätä Scheibe in edlem weinrotem Vinyl, die CD gibt’s gratis obendrauf.

Gumbles – Wild And Punk
Die Barney-Army veröffentlicht schnell vor dem 10. Geburtstag ne giftgrüne 7-inch. Daruf zu hören sind 2 Tracks, die sie noch aus ihrer Zeit haben, bevor sie sich nach dem gelben Trunkenbold benannten und weitere 2 bekommt man nur hier direkt aus dem Proberaum. Rumpeliger Punk, bei dem man willenlos säuft.

Hateful – Killbowie Road
Astreiner Punkrock aus dem Mutterland des Streetpunk. Wobei, die Jungs sind aus Schottland und würden das sicher nicht gerne hören. Der frühe Sound der 80er liegt ihnen im Blut, da Teile der Band schon bei Distorted Truth zockten. Insofern authentischer 80er Sound auf farbigen Vinyl, der wie ein Schinken aussieht. Die CD gibt’s für lau obendrauf!

The Gonads – Glorious Bastards
Garry Bushell, zweifelsohne einer der kontroversesten Personen, die mit Punk je etwas zu tun hatte, veröffentlicht 27 nach dem Debüt eine weitere LP. Es gibt Personen, die würden ihn töten, für andere ist er ein Held und würden für ihn töten. Ne Partypunk-Platte in schickem weiß gesprenkelten Vinyl. Die CD gibt’s umsonst obendrauf!

The Guv’nors – The Pint Of No Return
Ich würde mal aufgrund des Sängers behaupten das ist Rock ´n´ Oi!, von einer Combo, deren Mitglieder etwas in die Jahre gekommen sind und die einen versierten, aber leider langhaarigen Gitarristen haben. Extrem rockiger Gitarren-Oi!, gibt’s sowas schon?

Harrington Saints – Dead Broke In The USA
Wie der Titel schon verrät ist die Band aus den Staaten. Ihrem Sound nach kann man vermuten, dass die Kapelle große Fans alter Oi!/Hardcore-Bands ihres Landes sind. Pate standen dabei sicher Agnostic Front und Bonecrusher, wobei der Gesang um einiges sauberer und deshalb passender ist. Ansonsten wummst es ordentlich fett aus den Boxen.

On The Job – Rock ´n´ Oi!
Schwedischer Streetpunk, der alten Schule. Saubere Melodien sicher gespielt, die gut ins Ohr gehen und förmlich zum Trinken auffordern. Wird man als Kurzhaarträger sicher nicht enttäuscht, weil die Jungs ihre Instrumente beherrschen.

Produzenten der Froide – Ready For Love
Antifascist Feiermeier Oi! aus Stuttgart dröhnen einem die Schwaben in die Ohren. Das Songwriting ist so einfach wie die Aussagen schlicht sind. Hier muss nicht zwischen den Zeilen gelesen werden „die Zahnfee“, „Golden Shower White Power“ und „Produzenten Assi Rock“ sprechen eine deutliche Sprache! Der Longplayer ist in blutroten Vinyl. In rot-orange gesprenkeltem Plastik gibt es übrigens auch ne taufrische 7´´, mit 5 Tracks neueren Datums.

Razors In The Night – Carry On!
Traurig, dass Paul Bearer und Sheer Terror das zeitliche gesegnet hat und niemand weiß, was mit Blood For Blood wirklich ist. Dann könnt ihr froh sein, dass Boston wie immer ein Quell guter Bands ist und RITN den Part der beiden vorher genannten Kapellen ab jetzt übernehmen wird. Hymnenhafter und zugleich hardcorelastiger Oi! aus der neuenglischen Küstenstadt. Die 10-inch ist transparent rot gesprenkelt und in ein Klappcover verpackt, sehr fein!

Slick 46 – Young Love
Erinnern mich an die rotzigere Variante der ersten beiden Deadline Scheiben, da sich Bassistin Flea den Gesangspart mit Tim teilt. Wünschen würde ich mir, dass sie das Mikro alleine übernimmt, dann hätte man mal wieder ne geile Punkband mit Sängerin! Zwar aus Australien, aber immerhin! Die 10-inch kommt in saftigen rot-transparenten Vinyl.



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