(Taschenbuch, Ventil Verlag, 112 Seiten, 14,90 Euro)
Wer will hat das Buch in zweieinhalb Minuten durch, denn bei Lucja Romanowskas Buch handelt es sich um einen Fotoband. Einen Fotoband über Straßenpunks – was immer man darunter auch versteht. In zweieinhalb Minuten kann man aber, wenn man will, auch ein Bier trinken. Für „Euch die Uhren – uns die Zeit“ sollte man sich aber mehr Zeit nehmen. In zweieinhalb Stunden kann man viel erleben und viel aus den Fotos herauslesen. In zweieinhalb Tagen, Wochen und Monaten findet man immer neue Details, die den Bildern zu entnehmen sind. Man kann Geschichten lesen und das Leben gerade zu spüren, das Bier die Kehle runter rinnen fühlen und das fließende Blut schmecken. Die Trauer, die Freude, den Spaß, die Wut, den Stolz, den Wahn, die Sucht, den Rausch. Lucja Romanowska ist nicht irgendeine Pressetante, die sich mal einen Nachmittag frei genommen hat und mit ihrer Kamera ein paar Fotos gestellt hat, Lucja Romanowska ist eine junge Frau, die sich jahrelang selbst in der Punkszene rumgetrieben hat und die Leute und ihr Leben kennt. Sie hat zwischen 1999 und 2009 Fotos gemacht, die Geschichten und Schicksale erzählen. Momentaufnahmen, die auf den ersten Blick ein Massenprodukt sein könnten. Fotos, die jeder machen könnte. Aber sie hat sie wirklich gemacht. Punks beim Essen, Punks beim Trinken, krakeelende Punks, besoffene Punks, tätowierte Punks, nachdenkende Punks, Punks in Action, Punks beim Einkauf, küssende Punks, posende Punks, Punks am Schlagzeug. Geordnet, sortiert, ausgewählt und in einem Bildband veröffentlicht. Dem Ventil Verlag sei Dank, dass er die Kraft der Fotos erkannt und ein Erscheinen möglich gemacht hat. Langer Rede kurzer Sinn: „Bei Euch die Uhren – uns die Zeit“ handelt es sich um ein wirklich phantastisches Buch, das fotoformatbedingt mehr breit als hoch ist. Innen drin befindet sich außer einem Vorwort vom da irgendwie verschwippschwägerten Jan Off kein Text. Lucja Romanowska lässt ihre Bilder sprechen und die haben bei der heiligen Jungfrau genug Aussagekraft, um die Bibel in den Schatten zu stellen. Zig Fotos, mal schwarz, mal weiß, mal doppelseitig, mal einseitig sprechen eine Sprache, die den Punk im Herzen trägt. Darum auch, aber nicht nur, ein Buch für Punks, die mit dem Herzen sehen können. Unbedingt anschaffen. Oder bei uns per Verlosung gewinnen. Obnoxious



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