Sven Regener – Herr Lehmann

| Januar 26th, 2010

herrlehmann(Hörspiel, Der Hörverlag, 2 CDs, 117 Minuten, 19,95 Euro)
„Ach Gott, jetzt auch noch „Herr Lehmann“ als Hörspiel,“ werden einige denken, „tut das wirklich Not?“ Und darauf kann ich nach mehrmaligem Hören eigentlich nur mit einem uneingeschränkten „Ja, das tut es!“ antworten. Der Film hat mir schon sehr gut gefallen, das Buch fand ich noch besser und diese beiden CDs hauen dem Fass eigentlich den Boden aus. Ziemlich genial, was Sven Stricker, der für die Regie und Hörspielbearbeitung zuständig war, hier abgeliefert hat. Es stimmt einfach alles: die Backgroundgeräusche, der Erzählstil und die Stimmen der Sprecher. Grandios wie Florian von Manteuffel als Erzähler durch den Plot führt und wie Florian Lukas (der nölige Herr Lehmann), Bjarne Mädel (Karl, Herr Lehmanns bester Freund) und Uwe Hügle (Erwin, Schwabe und Herr Lehmanns Chef) den Figuren Leben einhauchen. Nicht zu vergessen alle anderen Sprecher und Tonmenschen, die ihr Scherflein beitrugen, um den Roman von Element Of Crime-Sänger Sven Regener zum Nonplusultra des Kopfkinos zu machen. Erste Sahne wie auf den Ebenen Background, Soundtrack, Dialog und Erzählung alles nahtlos ineinander passt und wie Regeners gedruckte Worte umgesetzt werden. Muss ich zum Inhalt eigentlich noch was sagen? Naja, ich mach’s: „Herr Lehmann“ spielt im Jahr 1989, also kurz vor dem Mauerfall, in Berlin-Kreuzberg. Die Hauptfigur Frank Lehmann, von allen aber nur Herr Lehmann genannt, ist in Berlin gestrandet und schlägt sich als Nachtschwärmer und Thekenschlampe in einer herunter gekommenen Spelunke durch’s Leben. Demnächst wird er 30, seine Freunde sind ähnliche Hallodris wie er und schlagen sich mit Kneipenjobs, Saufen und Elektrolyten in Form von Kartoffelchips die Nächte um die Ohren. Eine Flasche Bier gibt es immer noch irgendwo zu öffnen. Doch dann gerät irgendwas aus den Fugen: Herr Lehmann verliebt sich, sein Freund Karl driftet irgendwie, aber deutlich, ab und einer der Stammgäste steht im Verdacht ein Stasi-Spitzel zu sein…
Ziemlich strange, andererseits der ganz normale Wahnsinn, zumindest so wie er sich Ende der 80er in Kreuzberg dargestellt haben dürfte. Am besten gefallen mir die Kneipenszenen, da bleibt bei mir wirklich kein Augen trocken, da ich aus langjährigen Erfahrungen vor und hinter der Theke weiß, dass es genau so ist, wie es ist. Absurde Gespräche, himmelschreiende Argument, halsbrecherische Thesen und Alkohol bis zum Abwinken. Einfach geil. Am zweitbesten gefallen mir die beiden Floriane als Erzähler und Herr Lehmann, deren sprachliche Leistungen wie Arsch auf Eimer passen und am drittbesten gefällt mir alles andere. Kurz gesagt: Ich bin irgendwie schon sehr deutlich von diesem Hörspiel begeistert. Hat mit knapp zwei Stunden auch eine gute Länge. Kommt im schönen Doppel-Digi-Klapp-Cover und achtseitigem Booklet mit Infos zu den beteiligten Personen. Ist das jetzt in etwa angekommen, dass ich der Meinung bin, man sollte sich „Herr Lehmann“ als Hörspiel zulegen? Ich denke, ja. Wer’s immer noch nicht begriffen hat, ist doof! Stay Home? Listen To A Book? Yeeeessssssssssss!!! Obnoxious



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