young-and-distortedIn der aktuellen fünften Ausgabe des YOUNG & DISTORTED Fanzines ist ein Interview mit Punkrock-Radiosendungs-Machern. Unter anderem mit Rüdi vom Pogoradio:

Seit wann gibt es das Pogo Radio denn genau? In welchem Zusammenhang steht es mit der Entstehung des Bermuda Funks?

Der „bermuda.funk Freies Radio Rhein-Neckar e.V.“ beschallt seit dem Jahre 2000 die Rhein-Neckar-Region. Genau so lange schon gibt es die Sendung „Pogoradio“. Jeden Mittwoch von 23 – 24 Uhr auf 105,4 in Heidelberg und 89,6 in Mannheim und Umgebung. Aber auch als Live-Stream unter www.bermudafunk.org . Der Bermudafunk ist ein Freies Radio. Also unabhängig und Mitglieder orientiert. Es kann sich jede Person für einen Sendeplatz bewerben und das Radio durch Mitarbeit unterstützen. Es gibt im Moment, glaub ich, über 100 Sendungen. Jedes Mitglied arbeitet unentgeltlich, bis auf irgend welche halben Stellen im Verwaltungsapparat. Da kenn ich mich aber nicht so aus. Das steht bestimmt alles auf der Bermudafunk-Webseite ausführlich. Vom Land bekommen wir aber auch Finanz-Zuschüsse und da gibt es ja auch noch die Mitgliedsbeiträge. So können wir uns die Technik und das Inventar bezahlen. Die Studios und die Verwaltung befinden sich in einem städtischen Gebäude (Alte Feuerwache). Dafür müssen wir, glaub ich, keine oder auf jeden Fall kaum Miete bezahlen. Mit so Finanzkram kenn ich mich überhaupt nicht aus. Da gibt es zum Glück beim Bermudafunk ziemlich fähige Leute.

Bist du Gründungsmitglied beim Bermuda Funk? Wie kamst du damals auf die Idee selber eine Radiosendung auf die Beine zu stellen?

Zur ersten Frage: Nein. Zur zweiten: Vor der Radiosendung habe ich Punk-Fanzines mit Freunden zusammen gebastelt. So weit ich mich erinnern kann, ungefähr 30 Ausgaben unter verschiedenen Namen. Zu letzt bei der „Pogo Presse“. Die Möglichkeit mein Mitteilungsbedürfnis auch über das Radio zu befriedigen, war um so interessanter. Das Interesse an dem Medium Fanzine ist aber dadurch auf Null geschrumpft. Zudem pflege ich ja auch noch eine Webseite, www.pogoradio.de. Dort kann ich mich ja auch noch austoben. Diese betreibe ich übrigens mit dem „Punkrock-Fanzine“. Wir teilen uns die Webseite, um dadurch unseren Besuchern mehr anbieten zu können. Aber noch mal auf deine Frage zurück zu kommen: Eigentlich weiß ich nicht wirklich wieso ich jede Woche mich hinstelle und eine Sendung produziere. Aber bestimmt aus dem selben Grund weshalb du ein Fanzine machst und andere Jungs und Mädels in einer Band spielen. Man sucht doch immer ein Grund zum Saufen und sich in der Öffentlichkeit zu blamieren.

Hehe, ja irgendwer muss es ja machen. Erzähl doch mal überblicksmäßig von den ersten Sendungen, wie waren die Anfänge für dich?

Keine Ahnung. Ich schätze mal es muss eine aufregende Zeit gewesen sein. Aber es interessiert mich nicht, sonst hätte ich schon mal darüber nachgedacht. Ich finde es sehr mühselig irgendwelche alten Zeiten nachzuhängen und Revue passieren zu lassen. Der letzte Abend, die letzte Sendung, das sind die Dinge über die ich nachdenke und mir Gedanken mache. Aber was vor 8-9 Jahren war, ist nicht meine Baustelle. Die Sendungen liegen übrigens alle noch im Internet auf meinem Server. Wenn irgend ein Wahnsinniger mit extrem vielTagesfreizeit Lust hat, kann sie gerne alle anhören. Zum Zeitpunkt diese Interviews wären das 432 Stunden Gelaber mit Punkrockgedudel. Viel Spaß! Aber ich versuche trotzdem deine Frage zu beantworten: Das ist wie beim Sex. Beim ersten mal voll aufregend, aber schlecht. Danach dann immer besser mit Blick nach vorne. Dann gabs schon paar Mal ein paar Hänger und dann lief’s Mal wieder überraschend gut. Jede Sendung ist irgend wie vergleichbar mit einem Date. Und es macht süchtig, weil irgendwann klappt die perfekte Sendung: Großartiger Gast, flotte Sprüche, super Punkrock, geile Message, Abrechnung mit allen Arschlöchern und fertig. Dann hör ich auf.    Aber so weit bin ich noch nie gekommen.

Nagut, nach neun Jahren noch genau zu wissen was damals so passierte dürfte wohl wirklich nicht ganz einfach sein. Hast du von Anfang an die Sendung alleine, also als einziger Moderator gemacht? Wenn ja, warum machst du die Show überwiegend allein? Ist wahrscheinlich einfacher weil man sich mit niemanden absprechen muss… !?

Ich verstehe die Frage nicht. Eigentlich hab ich doch immer mindestens ein Gast in der Sendung. Hast du die Sendung überhaupt schon mal gehört?

Natürlich, die letzten 10 hab ich mir sicher angehört. Mir ist klar, dass du Gäste in der Sendung hast, aber ich wollte darauf hinaus dass du der einzige bist der für den aufbau und die vorbereitung der Sendung zuständig ist. Heißt du scheinst keinen zweiten Moderator zu haben der praktisch auch mal mitmacht. War das schon immer so? und wenn ja, warum?

Also meine Erfahrung ist die, wenn man was auch alleine machen kann, dann sollte man das auch tun. Das geht schneller und kostet weit aus weniger Energie und Nerven als vielleicht einer denken mag. Es heißt ja auch „Do it yourself“ und nicht „Such ne andere Person, die deinen Job macht.“. Zudem weiß man wer’s verbockt hat, wenn mal was daneben gehen sollte. Das gilt natürlich nur für die Sendung. Im Bermudafunk bin ich ja nicht alleine, sondern eins von vielen fleißigen Rädchen im großen Getriebe.

Du hast ja schon einen ganzen Haufen an Gästen im Studio gehabt, gibt es ein besonders einprägsames Erlebnis mit einem Gast??

Es gab welche, die habe ich erst während der Sendung kennen gelernt und mit denen bin ich seitdem befreundet. Andere fahren extra für eine Sendung über 500 km und da ist die Freude meinerseits dann besonders groß. Da ich die Sendung zu hause vorproduzieren kann, wird dann meist so eine Sendung am Wochenende aufgezeichnet. Die Band „Kriminal Pogo“ aus Los Angeles, machten bei mir einen Abstecher auf ihrer Europa Tournee. Die kannte ich vorher nur übers Internet. Dann riefen sie kurz vorher an und quartierten sich bei uns in die Küche. Aufgrund des Alkoholpegels kam es dann leider nicht mehr zur Sendung. Brutal Polka aus Israel schauen regelmäßig – also ein mal im Jahr – vorbei. Festivalveranstalter wie Daniel vom „Back to future“ oder Alex vom „Punk im Pott“ scheuen keine Mühen und fahren hunderte von Kilometern wegen einer Sendung extra nach Mannheim. Das empfinde ich als großes Kompliment. Man lernt einen Haufen interessanter Menschen kennen. Während dem Gespräch in der Sendung kommen auch ganz andere Themen auf den Tisch wie wenn man sich abends auf einem Konzert trifft und zuquasselt.

Sehr fein, das hört sich ja recht spannend an. Gibt es noch etwas offensichtlich wichtiges und spannendes aus deinem Leben als Radiomacher zu erzählen? Ansonsten danke ich fürs schnelle beantworten meiner fragen.

Wenn’s was wichtiges geben sollte werde ich die Gelegenheit nutzen und es in meiner Radiosendung kund tun. Auf meiner Webseite www.pogoradio.de haben auch Menschen außerhalb der Rhein-Neckar Region die Möglichkeit jederzeit meinen Sendungen als Podcast zu lauschen. Viel Spaß!

www.provinzpunk.at



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