The Adicts: Interview mit Monkey

| November 4th, 2009

Gibt es eigentlich unter unseren Lesern Leute, die noch nie den Satz gelesen haben: „The Adicts haben sich 1975 in Ipswich geründet“. Nicht, dass ich damit meine unser Heft „dürfen“ nur Leute lesen, die so etwas wissen. Sondern ich gehe davon aus, dass jene, die unsere Gazette regelmäßig in ihren Fingern halten sowieso wissen, wer die Engländer sind. Wie dem auch sei, am End‘ isses egal, weil Dinge wie „was, das oder die oder den kennst du nicht, musst du aber!“, sind etwas bescheuert, weil subjektiv. Ich jedenfalls war mal überrascht, als ich in Schottland nen Franzosen kennenlernte, der Exploited nicht kannte, dafür aber die Adicts.

Für mich war die Band immer nur ein alter Knaller, den ich von Platten her kannte und ich mir ähnlich dem Antidote Song „15 in ´77“ wünschte die Zeit damals erlebt zu haben. Dementsprechend aufgeregt war ich 2002 als es hieß die Band gibt es wieder und sie kommen für vier Konzerte nach Deutschland. Da gab es kein Halten mehr und rabimmel-rabammel-rabumm saßen wir in meinem mittlerweile selig gesprochenen Corsa Richtung Krefeld. Die folgende Show in der Kufa gehört nach wie vor zu einem meiner Top 5 Konzerte, die ich je erlebte. Zwar war der Laden alles andere als ausverkauft und auch ansonsten waren die Rahmenbedingungen nicht die besten. Doch was auf der Bühne los war, war einfach grandios. Wenn mich heute jemand fragt, dann sage ich immer, das war wie ein Kindergeburtstag für Erwachsene. Soviel Konfetti, Luftschlangen, Seifenblasen und anderen Klimbim kannte ich wirklich nur aus amerikanischem TV, wenn dort Kinder ihren Geburtstag feiern und ein Clown engagiert wurde. Dieser Rabatts gepaart mit den vielen Hits der Band war schlicht unglaublich. An dem Abend hätte ich getrost sterben können. Aber genug des lächerlichen Pathos.

Hi Monkey, na wie ist das Leben, was hast du gerade gemacht?

Ach, eigentlich nichts Außergewöhnliches. Ich stand heute Morgen mit einem Kater auf, quälte mich zur Arbeit, habe ganz normal gegessen, auch was getrunken und als ich heim kam spielte ich mit den Kindern. Wie du siehst ein total verrücktes Leben!

Vor Ewigkeiten bist du von England in die USA. War das wegen einer Frau mit der du jetzt gar nicht mehr zusammen bist? Solche Geschichten kennt man ja zuhauf.
Ne, ich bin schon noch mit der Frau zusammen und wir haben zwei Kinder miteinander. Davon abgesehen, endet doch alles Mal irgendwann in einem Desaster. So ist das Leben.

Nach all den Jahren in Übersee, kannst du da sagen wer verrückter ist, die Amis oder die Europäer?
Verrückte an sich gibt’s ja überall. Historisch gesehen sind die Europäer schon länger beknackt und somit besteht da eine Art traditioneller Schwachsinn. Wohingegen die Amis als Neo-Bekloppte anzusehen sind. Die sind innovativer und bringen neue Ideen mit.

Ja, das sind die Antworten eines Wissenschaftler/Archäologen. Wie bist du dazu gekommen und weshalb spielt die Vergangenheit ein so große Rolle in deinem Leben?

Ich fiel vor Ewigkeiten mal in ein Loch. Dort unten gefiel es mir so gut, dass ich mehr darüber wissen wollte. Naja und ich finde es äußerst wichtig viel über die Vergangenheit zu wissen, um überhaupt eine Zukunft zu haben. Die Meinung der Sex Pistols darüber ist mir ehrlich gesagt total egal.

Was war damals so faszinierend am Clockwork-Style. Klar ihr sagt damals trug jeder schwarz und ihr wolltet etwa anderes. Aber soweit ich weiß haben Glasbläser ein nicht zu verachtendes Dress!?
Hm, ich weiß gar nicht wie Glasbläser aussehen (ich ja auch net wirklich, Anmk. Bocky), ich kann mir nur vorstellen, dass die höllisch schwitzen. Und gut, ich gebe es zu, der Clockwork Orange-Look ist einfach saucool!

Offiziell wart ihr nie aufgelöst, habt lediglich ne längere Pause gemacht. Was brachte euch zurück auf die Bretter, die die Welt bedeuten?
Unsere erste Show nach Langem war damals, als wir auf dem Geburtstag von Skate-Legende Tony Hawks auftraten. Der Abend und das Konzert waren so faszinierend, wir merkten, was uns fehlte und seither sind wir wieder unterwegs. Der Geruch von Schminke und die singenden Massen vor der Bühne sind einzigartig. Derjenige auf der Bühne zu sein und die Leute zu unterhalten ist absolut spannend und erfüllend. Ich könnte das nie machen, wenn es mir nicht so viel geben würde. Sollte jedoch dieser Kitzel einmal nachlassen, würde ich sofort damit aufhören.

Was glaubst du denn wie viel Pfund an Konfetti, Luftschlangen und anderem Zeugs du pro Konzert von der Bühne feuerst?
Also wenn du das jetzt in Pfund Sterling meinst, das weiß ich nicht. Wenn du aber das Gewicht meinst, dann sammle ich das nach dem nächsten Auftritt auf und sckick es dir zum Wiegen.

Könntest du dir ein Festival vorstellen mit anderen „Clockwork“-Bands wie Major Accident oder Lower Class Brats?
Auf die Idee kam bisher noch niemand. Ich könnte mir vorstellen, dass die Reinigungskosten ziemlich hoch werden würden. Außerdem gäbe es hinter der Bühne ne große Verwirrung im Stile von Laurel und Hardy. Du weißt schon, so im Stile wem welcher Hut gehört und ständig hat einer die Melone des anderen auf.

Zum 25. jährigen Jubiläum eures ersten Albums „Songs Of Praise“ habt ihr eben jenes neu aufgenommen. Wieso macht man denn sowas?
Manchmal werden Ideen zu einem Selbstläufer und du machst dann etwas ohne zu wissen, wie es dazu kam. Ich finde was wir gemacht haben klingt richtig gut und einige der alten Songs bekamen eine ordentliche Frischzellenkur. Das ist wie die Zündkerzen wechseln. Jaja, ich weiß, die Kids mit ihren modernen Autos wissen gar nicht mehr, was das ist.

Apropos, wie ist denn dein Bezug zur Szene?
Ehrlich gesagt außer, dass ich in einer Band spiele zu deren Konzerte ein Haufen Punks kommen, besteht da kein Bezug mehr. Ich hab mich immerhin seit 25 Jahren nicht mehr gepierct!

Davor aber schon, oder wie?

Jep, ich hatte viel in den Ohren und in der Nase stecken. In die Backen steckte ich mir außerdem diese riesigen Sicherheitsnadeln. Narben sind davon glücklicherweise nicht zurückgeblieben.

Fühlst du dich noch als Punk?
Punk ist das, was du selbst daraus machst. Doch finde ich die wirkliche Energie und der wirkliche Enthusiasmus liegt bei den jüngeren Generationen. Sobald du die 21 überschritten hast solltest man dich nicht mehr Punk nennen, oder du dich selbst. Du solltest stattdessen, hm, ich weiß nicht. Mach daraus doch mal ne Umfrage!

Über Punk gibt es mittlerweile einen Haufen Dokus, Bücher und anderen Scheiß. Auffällig ist, dass ihr darin kaum vorkommt. Wie kann sowas passieren?
Keine Ahnung, die Journalisten haben wohl ihre Hausaufgaben und Recherchen nicht richtig gemacht. Oder sie haben sie gemacht und fanden es nicht wert über uns zu schreiben. Seit es uns gibt wurden wir von den Mainstream-Medien gänzlich missachtet, aber das ist jetzt nicht so schlimm.

Es scheint ihr habt einen Vertrag mit Draven-Shoes, die einen Adicts-Schuh verkaufen. Ist das die neue Art etwas Geld zu verdienen, da die Songs eh aus dem Netz gezogen werden?
Nein nicht wirklich. Wir bekamen anfangs von Draven einige Dollars, können aber nicht genaues dazu sagen, da wir seitdem nichts mehr von ihnen hörten. Naja und ob die Songs nun aus dem Netz gezogen werden, frei oder für einen gewissen Preis, ist eigentlich nicht so wichtig, weil davon leben kann man ohnehin nicht.

Abschließend die große Bekanntmachung, welches Gerücht über die Adicts stimmt und welches nicht?
Irgendwann kam mal auf, dass einer aus der Band der Vater einer der Spice Girls sein soll. Soweit wir selbst wissen, stimmt das nicht. Aber dass wir alle schwul sind, stimmt natürlich! Bring doch mal das Gerücht in Umlauf wir würden Gerüchte nicht mögen. Sagt bloß immer schön die Wahrheit!

Klar, auch ich hatte mir gewünscht die Antworten wären ausführlicher und länger ausgefallen. Doch habe ich ehrlich gesagt noch nie ein wirklich gründliches Interview mit dieser Kapelle gelesen. Darum ärgere ich mich ehrlich gesagt viel mehr nicht auf eines ihrer diesjährigen Konzerte gehen zu können, als über den wortkargen Monkey. Soll er lieber auf der Bühne ein guter Entertainer bleiben und hier einen auf verschlossenen Rockstar machen. Manchmal ist das vielleicht auch besser so.

Bocky



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