Roman Dirge – Lenore - Noogies(Taschenbuch, Ubooks Verlag, 110 Seiten, 12,95 Euro)
Endlich hat es auch mal wieder ein Comic zu Besprechungszwecken auf meinen Schreibtisch geschafft. Bei „Noogies“ handelt es sich um die ersten vier Ausgaben von den „Lenore“-Comics des US-Amerikaners Roman Dirge, die jetzt in der deutschen Erstausgabe als Sammelband veröffentlicht wurden. Für all diejenigen, die Lenore nicht kennen: Sie ist ein kleines, zartes, introvertiertes Mädchen mit großen Augen. Leider ist sie schon tot und hat einen ausgeprägten Hang dazu, andere zu quälen. Dabei geht sie ziemlich rücksichts-, skrupel- und gefühllos vor. Kein Wunder, denn sie ist ja tot. Ihr Lieblingsopfer ist Mr. Gosh, eine arme Sau, die bis über beide Ohren in Lenore verknallt ist und als Dank dafür schon 1000 üble Tode sterben musste. Ein Schicksal, das er aber mit etlichen anderen Figuren teilt, die Lenores Weg kreuzen. Ihr merkt schon, es geht reichlich morbide zu im Reich von Roman Dirge. Schwarzer Humor führt seine Zeichnerhand. Seine Comics glänzen durch ihren knappen Stil. Sowohl gestalterisch, als auch in der Länge. Sein Markenzeichen sind Kurz- und Sehrkurzgeschichten, die durch den sparsamen Einsatz von zeichnerischen Mitteln bestimmt werden. Hintergrundgestaltungen gibt es meistens nicht. Es gibt keine Farben. Nur schwarz, weiß und grau. In verschiedenen Schattierungen. Dirge konzentriert sich in seinen Comics auf das Wesentliche: Den inneren Stumpfsinn, Eintönigkeit und, wie bereits erwähnt, Gewalt. Und das ist super, denn wie sich Lenore durch ihre kleine schizophrene Welt meuchelt, ist eine wahre Pracht! Zur Person Roman Dirges und der Entstehung von Lenore und ihrer Geschichten gibt es in den Vorworten der beiden ersten Ausgaben von ihm selbst verfasste Linernotes. Die sind zum halbwegigen Verständnis nicht ganz unwichtig, aber im Vergleich zum ansonsten eher geringen Einsatz von Sprache nahezu eine Bleiwüste. Heißer Tipp: Man sollte sie trotzdem lesen. Für einen Typen, dem schon in der Schule sein eher begrenzter Zeichenstil vorgehalten wurde, hat es Roman Dirge inzwischen in den USA weit gebracht. Anfangs musste er seine Comics noch selbst veröffentlichen, natürlich mit geliehenem Geld. Inzwischen ist Lenore in der amerikanischen Comic-Welt eine Kultfigur über die sich die Geister streiten. Roman Dirge ist inzwischen bei einem großen Verlag untergekommen und veröffentlicht dort seine Comics in großen Auflagenzahlen. Außerdem wurde er schon mehrfach für irgendwelche Preise nominiert, bekommen hat er aber glaube ich noch keinen. Kein Wunder dürften sein schwarzer Humor und seine blutrünstigen Geschichten nicht unbedingt den Geschmack einer voll wichtigen Jury treffen. Ich finde die Comics klasse und meine Ex hat sich halb tot gelacht, aber die hat sich ja auch während der Endphase ihres Studiums vehement mit Untoten und Wiedergängern in Transsylvanien beschäftigt. Gruselig. Genau wie das Buch. Menschen, die denken, dass Literatur und Artverwandtes wehtun muss, kommen an Lenore und ihren „Noogies“ nicht vorbei. Ich geh jetzt ins Bett und heute Nacht hab ich bestimmt Albträume … Obnoxious



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