Anti Flag Interview

| November 2nd, 2009

Die amerikanischen Politpunks aus Pennsylvania sind wieder zurück auf einem Indie-Label. Klar ist SideOneDummy kein kleines Label und verdient auch ordentlich Asche. Trotzdem haben sie, neben der Band um die es hier gehen wird, weitere klasse Kapellen am Start: The Casualties, 7 Seconds, The Briggs, Gogol Bordello, Chuck Ragan und noch ein paar mehr.

Wie dem auch sei war ich nicht überrascht von ihrem Schritt wollte aber nach einigen Jahren mal wissen, wie der aktuelle Stand bei ihnen ist, weil ich die Band und ihre Mitglieder nach wie vor interessant finde. Hauptsächlich deshalb, weil sie wie seit eh und je politische Missstände anprangern und dazu eine vernünftige Meinung haben. Anti-Flag reden nicht immer gleich von Flaschen oder Steine schmeißen, sondern sind da etwas konstruktiver in ihrer Herangehensweise. Doch auch wenn ich nicht immer 100% ihrer Meinung bin, muss man anerkennen, dass die Gruppe wohl mehr erreicht hat, als der übliche Plenumsdepp, der mehr Zeit damit verbringt, seinem Gegenüber das Leben schwer zu machen, als sich wirklich damit zu beschäftigen, wovon er ständig spricht.

Jedoch sollte man die Band und Chris #2, der meine Fragen beantwortete, nicht nur auf dieses Thema beschränken. So gab er mir unter anderem Auskunft über ihre Zeit bei RCA – dem bösen Major, wie er zu Bands steht, die Punkmusik machen, aber gar nicht wissen, was dahinter steckt oder wie schwer ihn der Tod Michael Jacksons traf.

Wenn dich jemand fragen würde wie es dir geht und was du so die letzte Zeit getrieben hast, was würdest du antworten?

Ha, mir geht es großartig. Ich habe zwar tierischen Stress damit viel auf Tour zu sein und neue Ideen auszutüfteln, aber es geht mir richtig gut.

Als ihr zu RCA gewechselt hattet sprachen viele Leute von einem Sellout. Wie sind denn jetzt die Reaktionen nachdem ihr wieder bei einem Indielabel unterschrieben habt?
Es scheint das viele Leute geradezu darauf aus sind mit uns etwas zsammen zu machen jetzt da wir wieder auf einem kleinerem Label sind. Wie dem auch sei unsere Zeit bei RCA war ok. Als es dann aber Zeit war zu gehen, sind wir auch gerne gegangen. Wir haben dort gemacht, was wir dort als Teil des Labels möglich waren zu tun. Na und jetzt ist es wieder Zeit was anderes zu versuchen.

Was würdest du sagen habt ihr bei RCA erreicht?

Dadurch, dass wir einen wesentlich größeren Vertrieb hatten und in unserem Tun nicht eingeschränkt waren, haben wir sicher einen Haufen Leute mehr erreicht. Zudem nutzten wir  die Chance und setzten diverse Non-Profit Ideen durch.

Aus welchem Grund seid ihr nicht wieder zurück zu Fat Wreck und habt euch stattdessen für SideOneDummy entschieden?
Wir wollten mit SOD schon seit geraumer Zeit zusammen arbeiten. Als sich die Möglichkeit ergab waren sie ebenso an uns interessiert, wie wir an ihnen. SOD war auch ehrlich gesagt das einizge Label, an das wir das neue Album geschickt haben. Zu Fat ist zu agen, dass wir immer sehr zufrieden waren und wir den Laden auf alle Fälle lieben, aber es war Zeit für eine Veränderung.

Von Beginn an beschäftigt sich Anti-Flag inhaltlich viel mit Politik, wird das nicht mal irgendwann langweilig? Ich frage, weil ich viele Leute, die sich intensiv damit beschäftigten und Zyniker wurden.
Hm, das ist schwer zu erklären, aber wir arbeiten an unseeren Ideen und Vorstellungen anders wie die meisten anderen. Wir sind ständig unterwegs, treffen uns mit Aktivisten, spielen viele Konzerte und bekommen gute Feedback, welches uns wiederum inspiriert. Allein Teil dieser Punkgemeinschaft zu sein gab und gibt uns täglich den Optimismus damit weiterzumachen.

Nach all den Alben kann man behaupten Anti-Flag und Politik gehen Hand in Hand. Was sagst du zu Bands, die behaupten Musik und Politik sind Quatsch?
Ehrlich gesagt juckt mich das nicht die Bohne.

Zusammen mit Greenpeace fordert ihr Barrack Obama dazu auf mehr für das Klima zu machen. Wie stehst du zu dem neuen US-Präsidenten?
Ich finde manche Sachen macht er richtig gut und ist auf alle Fälle die bessere Wahl, als es McCain jemals hätte sein können. Wie auch immer ist es außerordentlich wichtig Druck auf  gewählte Volksvertreter zu machen. Wir müssen einfach die Wachhunde der Mächtigen sein. Es ist an uns Obama ständig auf die Füße zu treten, wenn er sich nicht richtig um ein neues Krankensystem kümmert oder er es nicht zu stande bekommt die Kriege in Irak und Afghanistan zu beenden.

Ok, zurück zur Musik, die nicht nur dein Job, sondern sicher auch deine Leidenschaft ist. Aber was machst du in deiner Freizeit, was machst du als Hobby?
Haha, klar hab ich auch ein Hobby. So oft es mir möglich ist, spiele ich Eishockey.


Hast du schon einmal dran gedacht etwas anderes zu machen als Musik?
Manchmal schon. Aber nicht, weil es mir keinen Spaß macht, was ich mache. Trotzdem mache ich mir da schon so meine Gedanken drüber.

Das A-F Label läuft nach wie vor. Ich kann mir aber so gar nicht vorstellen, dass ihr da noch selbst arbeitet.
Doch, doch, wir arbeiten da schon noch dran. Aber eben nicht mehr die ganze Woche und auch nicht mehr persönlich. Verschiedene Kumpels arbeiten da drei Tage die Woche dran und kümmern sich dann auch um die Dinge die die Band direkt betreffen.

Ich finde heutzutage sind viel Bands unterwegs, die Punkmusik machen, aber von dem was dahinter steckt herzlich wenig Ahnung haben. Ich verbinde mit Punk DIY, Selbstreflexion oder bewusstes Handeln. Was verbindest du damit und findest du auch es sind viele Bands unterwegs, die nur den Stil nachäffen?
Ich versuche mich nicht mit soclhen Bands zu umgeben, die die Ideale von Punk verwässern und vorgeben etwas zu sein, was sie nicht sind. Trotzdem finde ich, ob es nun populär ist oder nicht, Punk muss etwas sein, was für alle offen ist. Für Reiche und Arme, für Schwarz oder Weiß, für Schwul oder Hetero. Ich denke es wird immer genügend Leute geben die zu Punk kommen, um sie selbst zu sein. Ganz egal inwiefern es Mainstream- oder Popbands geben wird, die einen auf Punkrock machen.

Dann lass uns mal kurz zu eurem neuen Album kommen: „Sodom, Gomorrah, Washington D.C.“ wird das eine neue Hymne wie „Die For The Government“ es schon ist?
Na ich weiß nicht, ob man uns auf einen einzigen Song festnageln sollte. Aber sicher hast du damit recht, dass dieser Song im speziellen schon einer ist, mit dem sich wohl sehr viele Fans identifizieren können.

Wieso habt ihr ausgerechnet zu „When All The Lights Go Out“ einen Clip gemacht? Weil der Text so ermutigend ist?
Das Konzept des Songs selbst ist es, was uns auf die Idee brachte dazu ein Video zu machen. Das Zusammenspiel zwischen Musik und Text inspirierte uns sehr zu einer visuellen Umsetzung des Lieds.

Etwas Unnötiges zum Schluss: Wie hast du auf den Tod von Michael Jackson reagiert?
Wenn du mich nicht danach gefragt hättest, dann hätte ich wohl nie mehr daran gedacht, haha.

An sich hätte ich mich noch ewig mit #2 unterhalten können, denn Ansatzpunkte gibt es zig bei dieser extrem umtriebigen Band. Aber mir ging es eben momentan eher um ein paar Fragen, die mir spontan einfielen, als ich mich etwas über den aktuellen Stand der Band informierte und die ich mal beantwortet haben wollte. So lässt der zweite Chris hier nicht ganz die Hosen runter, sondern gibt Auskunft darüber was ich wissen will.

Bocky




Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen