Young & Distorted #4

| Oktober 27th, 2009

young-distorted-4(A5 + CD, 72 Seiten, 2 Euro + Porto, www.provinzpunk.at )
Gleich auf den ersten Blick hat mir die nunmehr vierte Ausgabe des Young & Distorted-Zines aus Österreich sehr gut gefallen. Feines Cover, feines Layout, durchweg schwarzweiß auf fast schon zu dickem Papier gedruckt. Auch auf den Inhalt war ich nach dem ersten Durchblättern mehr als gespannt. Also schnell die Backen aufgeblasen und so lange gedrückt bis ich zu einem ausdauernden Gang zum Scheißhaus bereit war. Mit einem „Lebewohl bis Übermorgen“ verabschiedete ich mich von meiner geliebten Familie. Schnell war dort klar, dass Smart Alex das Y&D, außer ein paar Gastbeiträgen, mittlerweile fast im Alleingang macht. Auch er selbst beklagt sich im Vorwort über Demotivation und Schreiblethargie, aber irgendwie soll es wohl trotzdem weitergehen, so ungewiss die Zukunft auch ist. Kommen wir zum Inhalt: Interviews gibt’s mit den Tight Finks aus der Schweiz, Frankenstyle (77er Punkrock aus dem Land der Schluchtenscheißer), Ciurma Skins (mit denen man sich vor allem über ihre Heimat Sardinien „unterhält“), der Schweizer Wrestlerin Amy Cooper (Ahh, mal was anderes), The Incredible Staggers (60s Garage trash Rock’n’Roll aus Graz) und Determination (Seewinkel Hardcore). Eigentlich eine sehr interessante Mischung, aber irgendwie ist es größtenteils doch so, dass die Interviews recht oberflächlich bleiben. Über die Basisinformationen kommt man leider nicht oft genug hinaus. Ich vermisse da oft ein Nachhaken und auch einen roten Faden der sich durch die Sprechstunden zieht. Kann sein, dass hier wirklich die Motivation etwas gefehlt hat. Herzstück dieser Ausgabe ist die „Punk in Wien 76-80“-Story, die sich über drei Etappen im Heft verteilt, wobei es sich um einen zwar überarbeiteten, aber dennoch alten Artikel eines Gastautors handelt. Kommt leider auch nicht über den Status einer blutleeren Zeitgeschichte und die Aneinanderreihung von Gedächtnisfetzen hinaus. Mehr als einen Einblick in die Hoffnungslosigkeit der damals sehr kleinen Szene der Wiener Punks mit immer wiederkehrenden Namen gibt es zum großen Bedauern nicht. Schade. Außer den Interviews gibt es auch noch einen unterhaltsamen Tour-Bericht von Determination, eine Horror-Kurzgeschichte, einen Ausflug in die Literatur und in der Rubrik „Less Rock, More Talk“ Tipps zum Weiterlesen, wenn man sich mal punkeradäquat politisch bilden möchte. Den Abschluss bilden ausführliche Fanzine- und ein paar wenige Tonträger-Reviews. Fazit: Im Young & Distorted liegt viel mehr Potential als hier verwirklicht werden konnte. Man kann nur hoffen, dass sich Smart Alex bald mit mehr Enthusiasmus an die nächste Ausgabe machen kann. Ich drück dem grundsympathischen Fanzine jedenfalls alle Daumen und will auf jeden Fall mehr davon. Weitermachen!!! Ach ja: Auf die CD-Beilage muss hier natürlich auch noch hingewiesen werden. Meine Favoriten sind: Nazi Dogs, Elektroboys, 2nd District und Skeptic Eleptic. Insgesamt 23 Songs von 1977 bis HC-Geballer, die auf einen guten Geschmack schließen lassen. Das allein wäre eigentlich schon ein Grund sich das Heft zuzulegen, wenn da am Himmel nicht die alte Maxime „Du sollst Fanzines niemals nur wegen ihrer CD-Beilage kaufen!“ leuchten würde … Obnoxious



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