The Vaders Interview

| Oktober 2nd, 2009

November 2003 war es angeblich, als die Jungs aus Ibbenbüren ihr selbstbetiteltes Album auf die Punkgemeinde losließ. Die Reaktionen und auch Reviews waren alle einer Meinung, The Vaders sind die große neue Hoffnung in der deutschen Punkrockwelt. Sie sind melodisch, knallig, haben trotzdem etwas räudiges von einem Straßenköter und mit Plastic Bomb ein fähiges Label gefunden. Dementsprechend war es an sich nur eine Frage der Zeit, bis die Kapelle vollends durchstarten würde und sich eine beachtliche Fan-Gemeinde erspielt.

Jetzt ist es Mitte 2009. Weit über 5 Jahre nach ihrem Debüt erschien vor einigen Monaten ihr zweiter Longplayer „A Link To The Past“. Darüber freute ich mich sehr, weil ich die Band nämlich aus den Augen verloren hatte und bis dahin dachte sie hätten sich aufgelöst. Falsch gedacht! Wie sich herausstellte sehen die vier Kerle, was sie betreiben viel zu sehr als Hobby, als es beispielsweise mir lieb ist. Denn auch die zweite Platte ist wieder eine Wucht. Doch den Antworten von Johannes / Gitarre nach wird sie das von ihrer bisherigen Vorgehensweise auch nicht abrücken lassen. Insofern auch schon wieder sympathisch!

Ihr seid aus Ibbenbüren, einer eher kleinen Stadt in NRW. Bandtechnisch ist dort einiges geboten. Wie kommt‘s, gutes Grundwasser?

Das Grundwasser ist einfach ein Traum! Geht einmal komplett durch den Teutoburger Wald und dann geht’s unsere Zeche runter und wieder rauf! Die Qualitätsprüfung übernimmt das hockende Weib! Spaß beiseite: Ibbenbüren ist mit ca. 51000 Einwohnern eine vergleichsweise eher kleine Stadt, dafür aber im Tecklenburger Land die größte und im Kreis Steinfurt die zweitgrößte.

Das ändert aber nichts daran, dass man als Jugendlicher nicht die allermeisten Freizeitgestaltungsmöglichkeiten hat.  Wenn man dann noch „Rock-Musik“ hört, wird’s noch etwas schwieriger. In Ibb gibt es aber seit eh und je das Jugendkulturzentrum Scheune – dort hängen dann solche Kids eben ab. Und natürlich auch wir, wobei früher natürlich noch mehr als heute.

Es gab schon recht früh relativ viele Bands in Ibbenbüren und man bekam schnell als Kid mit, dass eine Band gründen ja gar nicht so schwer sein kann.  Und schon hat man als hyperaktiver Jugendlicher eine poduktive Möglichkeit gefunden Dampf abzulassen und kreativ zu sein bzw. etwas für sich und mit anderen aufzubauen. Mittlerweile kommt es mir so vor, als dass jeder aus Ibbenbüren quasi in einer Band spielt – das liegt aber auch nicht zuletzt am Verdienst der Donots, die natürlich gezeigt haben, was man alles erreichen kann und somit sicherlich auch für viele in irgendeiner Hinsicht ‚Vorbild sind. Dabei fällt mir ein, dass die Donots jetzt am 16.04. ihr Jubiläum feiern – 15 Jahre! GLÜCKWUNSCH VON UNS! Viele der Leute die früher selbst als Kids zu Shows gegangen sind, engagieren sich in der Scheune und veranstalten selbst Konzerte und bieten somit vor allem auch jüngeren Bands eine Plattform – ich denke, das ist auch mit der Hauptgrund dafür, dass es so viele Bands aus Ibbenbüren gibt.

In euren Anfangstagen habt ihr euch mit Poppunk begnügt. Was brachte euch zum Umdenken. Die meisten Schlagerpunker sind doch mit ihrer lokalen Bekanntheit zufrieden, warum ihr nicht?

Im Prinzip gab es kein Umdenken, da es sich einfach so entwickelt hat. Man lernt neue Bands kennen und wird natürlich auch davon beeinflusst. Die Frage ist nur, versucht man dann die Anfänge auszuklammern oder als Altlasten zu betrachten? Ich denke dass das bei uns nicht der Fall ist, da wir ja keinen Hehl daraus machen. Außerdem hören und schätzen wir auch heute noch Bands die Poppunk machen. Dabei ist es auch egal ob es nun alte Bands sind, welche uns überhaupt erst dazu bewegt haben eine eigene Kombo zu gründen, oder ob es nun neue Bands sind. Oft macht es auf mich den Eindruck dass Leute solche Entwicklungen gerne aufgreifen, um sich die Bandlandschaft einfach und überschaubar zu halten. Dann kann man sich gegenüber anderen schnell mal hervorheben, da man ja keine „Möchtegern-Bands“ oder „Wannabe-Punks“ hört, und diese in der „eigenen Szene“ nichts zu suchen haben. Macht man sich dann einfach mal die Mühe und schaut bei einigen Bands hinter die Kulissen, so ist man oft erstaunt dass viele Entwicklungen überhaupt nicht forciert waren, sondern einfach nur mit der voranschreitenden Entwicklung der einzelnen Mitglieder zu tun hatte. Allerdings scheint es Leute zu geben, die so etwas nur schwerlich akzeptieren zu können scheinen, denn wer sich weiter entwickelt kann doch wohl kaum den eigenen Idealen treu bleiben, oder?

Da habt ihr wohl recht. Aber wie kommt man denn auf die Idee sich nach Darth Vader zu benennen? Das ist doch eher was für böse Metaller! Seid ihr wenigstens so richtig böse?

Wenn du wüsstest, WIE böse wir sind, dann würdest du jetzt erstmal ganz schnell die Straßenseite wechseln! Zwinkerzwinker. Mit dem Namen hab ich jetzt persönlich zum Glück nichts zu tun. Das nahm vor meiner Zeit seinen Lauf. Die Jungs haben damals abgehangen und nach einem Namen gesucht und dann hat Johann Grimstein, der alte Drummer, den Star Wars Soundtrack auf den Plattenteller gelegt, und dann kam eins zum anderen… so war es und nicht anders!

Den kalten Angstschweiß mir von der Stirn wischend die nächste Frage: Vor fünf Jahren erschien euer Debüt. Da habt ihr euch ja ordentlich Zeit gelassen mit dem Nachfolger. Was habt ihr denn so lange gemacht. So viel auf Tour wart ihr doch nicht, oder etwa doch?

Tja, das ist eine wirklich sehr gute Frage die wir uns auch mehr als einmal gestellt haben. Wir waren wie du schon sagtest nicht die ganze Zeit auf Tour, haben aber auch nicht grad auf der faulen nicht-live-Spiel-Haut gelegen – da ist schon gut was an Shows zusammengekommen in der Zeit. Bevor wir 2008 mit den richtigen Aufnahmen zum Album anfingen, haben wir in der Zeit davor insgesamt drei pre-Aufnahme-Sessions gemacht, in denen jeweils ca. ein Drittel der Songs vom Album aufgenommen wurden. Wir wollten jeden einzelnen Song vorher einmal (semi-)professionell aufgenommen haben um zu wissen, wie der fertige Song auf CD klingt. Das Ganze Prozedere hat natürlich viel Zeit in Anspruch genommen, war es aber auch wert, da wir so gut an den Songs arbeiten konnten. Diese drei Sessions haben sich dann von ca. 2004 Ende 2007 gedauert.

Was man ja auch nicht vergessen darf ist, dass wir das alles ja als Hobby machen und zeitlich noch in viele andere Dinge eingebunden sind.

Das brennt natürlich unter den Nägeln, worin seid ihr denn verwickelt?

Worin eingebunden? – ins Leben! Jeder von uns muss ja noch sein Studium, Job, Nebenjob, Freunde, Freundin etc. unterbringen. Die „leiden“ quasi schon oft genug, wenn man öfters mal komplette Wochenenden oder zwei Wochen am Stück unterwegs ist. Wenn ich nur halb so viel Energie und Zeit in mein Studium gesteckt hätte, wie in diese Band… Was auf musikalischer Ebene vielleicht noch interessant ist: Peter und Manuel sind jeweils noch in zwei anderen Bands aktiv. Peter bei „The Affected“ und Manuel bei „Verpilst & Zugetankt“. Könnt ihr euch ja mal reinziehen!

Ja doch so einiges, auch neben dem echten Leben. Du sagst ihr macht das als Hobby. Hattest du aber trotzdem schon einmal das Bedürfnis alles hinzuschmeißen und dich voll der Musik zu widmen? Ich find sowas ja immer total mutig!

Klar, mutig ist so was immer! Manchmal ist es aber auch eher unvernünftig als mutig. Wenn wir „alles hinschmeißen“ würden, also Uni, Jobs etc. dann hätte ich vor allem ein finanzielles Problem, da ich bzw. wir alle unseren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten könnten. Und mit dieser Band verdient man einfach kein Geld – eher das Gegenteil, haha! Wenn du aber nach dem „wollen“ fragst, dann besteht da kein Zweifel: wir alle würden das natürlich unglaublich gerne als Job machen, was schöneres könnte ich mir nicht vorstellen. Aber wie gesagt, ist halt die Frage, wie realistisch diese Ziele sind und inwiefern man die mit seinem Leben vereinbaren kann.

Da hast du wohl Recht. Auf dem neuen Scheiblein habt ihr prominente Hilfe von Waterdown und den Donots. Bestehen da verwandtschaftliche Beziehungen?

Kleinstadt-Aufwuchs verbindet eben! Haha! Man kennt sich eben wenn man aus Ibbenbüren kommt, diese Mucke hört und noch ganz ungefähr das Selbe Alter hat. Es ist aber auch wirklich eine gute Bekanntschaft/Freundschaft die uns verbindet. Bei der ersten Platte hat Phil von Waterdown auch schon den Drum-Sound gemacht und es kam für uns auch kaum jemand anderes in Frage. Vor allem auch, da wir niemand anderen der das auf ähnlichem Niveau wie er macht, hätten bezahlen können.

Ingo von den Donots hat uns im Vorfeld geholfen, als es darum ging ein passendes Label zu finden.
Er hat natürlich durch seine Erfahrung gute Kontakte zu Labels etc. und war so nett uns dort unter die Arme zu greifen. Gitarren-Donotorette Guido ist echt unglaublich fit was Gitarren-Sound und Equipment angeht. Er hat uns sowohl beim Sound geholfen und auch mit Amps und einer Gitarren-Armada unterstützt. Und er bölkt ein paar Zeilen auf Resource & Energy – sollte man sich nicht entgehen lassen!

Ist denn diese hohe Professionalität auch live zu halten? Wohl kaum, oder?

Wenn du Professionalität auf den Sound beziehst, dann muss ich dir die Gegenfrage stellen, wie viele Bands du kennst, die es schaffen, den Sound der Aufnahmen auch live zu haben? Vorausgesetzt natürlich, dass es nicht die totale trash-Aufnahme ist. Ich würde behaupten, das ist fast nur möglich, wenn du eine eher fettere Band bist. Sicherlich kann man mit einem fähigen Mischer auch ne Menge reißen, allerdings macht der das ja auch nicht umsonst. Es kommt ja zum Großteil auch auf die Location an – und wenn du in einem großen, hallenden Raum spielst, wo ein Drumset steht dessen Fälle so alt sind wie die Erde selbst und nichts abgenommen wird – sei es Drums oder Gitarre/Bass – wird es sehr sehr schwer einen wirklich guten Sound hinzubekommen, geschweige denn den Standard der eigenen Platte zu halten.

In dem Song „Hiber-Nation“ warnt ihr davor irgendwann einmal aus einem Dornröschenschlaf zu erwachen und zu erkennen, dass man im 4. Reich lebt. Harter Stoff, oder?

Das mag schon ein wenig hart anmuten. Wenn man jedoch einigen Studien glauben schenken kann, dann ist z.B. die Ausländerfeindlichkeit unter Jugendlichen stark angestiegen. Das bietet leider einen guten Nährboden für rechtsgerichtete Gedankenkonzepte. Diese wiederum werden vom rechten Spektrum zunehmend so formuliert, dass sie gerade bei jungen Menschen leichter zu adaptieren sind. Übel scheint die Zukunftsaussicht, wenn man sich noch vorstellt dass junge Leute die solchen Parolen anheim fallen, evtl. die Eltern von Morgen darstellen, welche dann womöglich solche Gedanken in ihre Erziehung mit einfließen lassen. Dies könnte bei deren Kindern dann zu einer niedrigeren Hemmschwelle führen, sich im rechten Spektrum zu positionieren. Auf der anderen Seite scheint sich die Gegenbewegung zunehmend mit sich selbst auseinanderzusetzen, anstatt sich nachhaltig mit dem eigentlichen Thema zu beschäftigen. So wird oftmals mehr Wert darauf gelegt zu selektieren, wer jetzt nach eigenem Ermessen zur selben Seite gehört, als zu schauen wer sich mit demselben Problem befasst. Wenn dann noch vergessen wird, der breiten Masse ein Bewusstsein zu vermitteln dass z.B. Ausländerfeindlichkeit etwas schlechtes ist, und zu honorieren dass Leute sich auch im direkten Umfeld, also auf der Arbeit, in der Schule oder der eigenen Clique dagegen aussprechen, dann kann ich nur hoffen dass es nicht unwahrscheinlich wird, dass wir einmal aus einem „Dornröschenschlaf“ aufwachen.

Ok. Wie findest du dann die Vermutung, dass viele Kids einen auf Fascho machen, weil man mit nem Iro niemanden mehr hinter dem Ofen herlocken kann?

Das mag bei einigen Leuten durchaus zutreffen. Wenn es um die eigene Profilschärfe geht kann ich mir das schon vorstellen. Vielleicht kommt es dann darauf an, warum man sich der rechten Szene zugehörig fühlt, bzw. fühlen möchte. Sollte der Hintergrund sein, dass man sich von jemandem, evtl. der Gesellschaft, abgrenzen möchte, klingt dass für michschon plausibel. Allerdings vermute ich schon dass dies nur einer von vielen Gründen ist, warum sich Leute in diese Richtung orientieren.

Eine andere Theorie: Ihr klingt ähnlich wie größere Band von weiter weg und werdet oft mit denen verglichen, bloß habt ihr meines Erachtens noch mehr Schmackes in den Knochen. Jetzt, da ja dann bald die Wirtschaftskrise auch bei uns ankommt, wird man die teuren großen Bands nicht mehr zahlen können. Besteht dann endlich für euch die Chance einem größeren Publikum zu beweisen, wie gut ihr seid?

Danke erstmal für die Blumen! Eine ganz nette Theorie und wir würden uns auch sicherlich freuen, wenn dem so ist, allerdings halte ich das eher für unwahrscheinlich, da viele Leute ja schon nicht mehr gewillt sind mehr als 3-4 Eruo für eine Show auszugeben, auch wenn da 5 Bands spielen. Ich habe schon oft Shows erlebt, bei denen draußen vorm Laden unglaublich viele Kids saßen – als die Show aber angefangen hat, saßen die immer noch da. Der Veranstalter hat dann erklärt, dass die wenigsten sich wirklich für die Show interessieren, sondern eher draußen „feiern“. Ich will da den Kids nichts vorwerfen, da viele nun mal nicht wirklich Kohle haben – wobei ich da aber auch denke, dass man überlegen muss worum es einem geht: um die Mucke, Bands etc. oder rumsitzen und Bier saufen. Ich persönlich reagiere auch wirklich sehr gereizt, wenn ich mitkriege dass Leute um den Eintritt der meinetwegen 4 Euro beträgt feilschen, mit der Begründung, dass sie sich sonst statt 8 Bier nur noch 6 Bier leisten könnten… Oder anderes Beispiel: Merch. „Ey, ich will die CD haben, kann dir aber nur 3 Euro dafür geben, sonst kann ich nachher nicht mehr Saufen und Döner fressen“ – da fasst man sich dann wirklich an den Kopf und fragt sich was solche Leute auf Shows machen… naja, muss aber auch jeder für sich selbst wissen. Um noch mal auf deine eigentliche Frage zurückzukommen: Es ist ja nicht so, als dass wir noch nie die Möglichkeit gehabt hätten, uns einem größeren Publikum vorzustellen – allerdings ist das ja auch nicht unser erklärtes Ziel. Sicherlich ist es schön, wenn man größere Shows spielt, keine Frage – allerdings freuen wir uns mindestens genau so, wenn wir vor 20, 30, 50 Leuten spielen und diese einfach Bock haben auf die Mucke und auf die Show!

Nun, die Blumen kamen ja wirklich von Herzen und waren nicht dafür gedacht der Band Honig ums Maul zu schmieren. Wie dem auch sei bin ich in der Tat gespannt, wie sich meine Theorie entwickelt oder ob sich diesbezüglich überhaupt irgendetwas verändern wird. Wünschen würde ich es diversen Bands auf jeden Fall.

Doch davon abgesehen wird sich diese Schnorrer-Mentalität von vielen Bollos leider nie ändern. Das bleiben einfach Idioten, die bei irgendwelchen Konzerten in AZs, Juzes oder ähnlichen Läden nix zahlen wollen, dann aber zu größeren Bands in kommerzielle Läden tingeln, dort ohne zu murren überteuerte Eintrittspreise zahlen und auch abartige Preise für ihr Bier latzen. Ihr traurigen Luftpumpen.

Bocky

http://www.thevaders.net/


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