Moses Arndt – Chaostage

| August 3rd, 2009

chaostage(Taschenbuch, Ventil Verlag, 219 Seiten, 13,90 Euro)
Die erste Auflage des Buches ist bereits 1998 erschienen, zehn Jahre später sind wir bei Auflage Nummer vier angelangt. Das ist ganz respektabel. Eigentlich könnte ich jetzt aufhören zu schreiben, denn bei dem Rummel der in den letzten Monaten und Jahren um die Verfilmung von „Chaostage“ gemacht wurde… wem soll ich da noch das Buch vorstellen? Perlen vor die Säue! Auch der Verlag weiß das und hat auf dem Front- und Backcover seiner neusten Auflage rechtzeitig zum Erscheinen des Films in den Kinos Filmszenen als Artwork abgedruckt. Und preist das Werk selbstbewusst als „Die Romanvorlage zum Blockbuster“ an. Na, aber immerhin kommen wir so auch in den Genuss, den Höflich und den Klaus zusammen auf der gleichen Umschlagsseite eines Buches zu sehen, wie Claude Oliver Rudolph und Martin Semmelrogge. Gratulation, Martin und Claude Oliver, Ihr habt es weit gebracht! Zum Inhalt des Buches sage ich nicht viel, entweder ist er sowieso schon bekannt, davon gehe ich mal aus, oder wenn nicht, dann will ich auch dem Film nichts vorweg nehmen. Vorausgesetzt er hat außer dem Titel inhaltlich noch Film viel mit dem Buch zu tun. Also nur soviel: Erstens dreht es sich bei „Chaostage“ in keinster Weise um die Chaostage in Hannover oder wo sonst auch immer, sondern um die alltäglichen Chaostage, die sich da draußen abspielen. Zwar etwas überspitzt, so meine ich zumindest, aber egal. Und zweitens geht es eigentlich nur ums Ficken und um Gewalt. Aber das ist ja schön, endlich mal ein Buch auf dem Niveau der Durchschnittsbevölkerung Burminghams. Man könnte das Buch auch als Milieustudie bezeichnen: Punks, Nazi-Skins, Autonome, Bullen. Sie ficken alle. Uns sie stehen alle auf Gewalt. Und jeder hält sich natürlich für den geilsten Typen rechts der Isar, obwohl das Buch gar nicht in München steht und auch nicht das Krankenhaus so heißt, in das man auf den nächsten zehn Seiten eingeliefert wird. Der Autor entlarvt hier geschickt wie die Auslegung ein und desselben Problems, des Schweinesystems, auf unterschiedliche Art und Weise interpretiert und Lösungsversuche gesucht werden. Episodenhaft werden irgendwelche wichtigen Ereignisse und Handlungsstränge aneinander gereiht, die zum Schluss in höchst tragischer Weise zusammen laufen. Am Schluss haben wir jedenfalls jede Menge Kadaver in der Gegend herumliegen, aber ich wollte ja nicht zuviel verraten. Stilistisch finde ich „Chaostage“ ehrlich gesagt nicht so den Hammer. Die Sprache ist zu umständlich, da hakt es besonders an den Stellen die besonders lustig sein wollen. Und mit diesen ständigen Wiederholungen sprachlicher und stilistischer Mittel komme ich auf Dauer auch nicht klar. Das wird mir bald langweilig. Aber ansonsten: Kaufen, lesen und ins Kino gehen. Tut was für Eure Bildung!!! Obnoxious



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