Los Fastidios im Interview

| August 2nd, 2009

Mit den Norditalienern verbindet mich in der Tat schon eine ganz lange Freundschaft. Die geht in die Zeiten zurück, als Elena und Lippo noch in der Band spielten, also bis zurück ins Jahr 2000 oder 2001. Ich kann mich sogar noch dunkel daran erinnern wie es passierte, dass sich Elena und Lippo von der Band trennten und Inerdzia wiederbelebten. Irgendwie gab es da nämlich einen Vorfall nach einem Konzert in Mannheim, bei dem Elena wie eine Geistesgestörte auf Tommy, den einzigartigen Merchandiser, der Band losging.

Jedenfalls ist es die Gang um Mastermind Enrico, mit der ich in meinen rund 10 Jahren Konzertveranstaltungen auch die meisten Konzerte veranstaltet habe, wodurch auch eine gewisse Zuneigung entstand. Von daher ist es immer klasse ihn und die Band irgendwo zu treffen und kurz miteinander zu reden oder ein Bier zu trinken.

Doch nicht alleine das ist es, warum ich mal wieder nach langen Jahren ein kurzes Gespräch mit Enrico über die Band halten wollte. Natürlich interessierte mich die neue Scheibe, die in eine gänzlich andere Schiene geht, aber auch die Tatsache, dass man über diese Combo einfach sehr wenig liest. Deshalb wünsche ich euch jetzt viel Spaß dabei etwas mehr über Los Fastidios zu erfahren und was der umtriebige Nudeltunker sonst noch so treibt.

Ihr seid seit 1991 eigentlich ständig unterwegs. Hast du einen Überblick wie viele Konzerte ihr bis jetzt gemacht habt.

Das ist wirklich ein gute Frage, weil ich schon lange aufgehört habe zu zählen. Ich schätze in den 18 Jahren, in denen wir unterwegs sind haben wir mehr oder weniger 1.000 Konzerte gespielt. Hm, gar nicht so schlecht, wenn ich es mir recht überlege.

Einhundert der Konzerte habt ihr sicher in Deutschland gemacht. Wie findet ihr haben sich die Konzerte hierzulande verändert? Ich frage weil ein guter Freund von mir, der auch in einer Band spielt, meint überall seien die Konzerte besser als in Deutschland. Siehst du das auch so?

Ehrlich gesagt kann ich deinem Freund in keinster Weise zustimmen. Wir genießen es immer bei euch zu spielen. Ich meine bei euch ist das ein bisschen ein anderes Ding. Viele Leute bei euch sind in diese Szene komplett verstrickt, weshalb die ganze Musikkultur anders funktioniert. Bei uns ist eigentlich jedes Konzert eine große Party für alle, bei der wir genauso viel Spaß haben, wie die Leute die kommen. Natürlich müssen wir uns dafür auch bei den Menschen bedanken, die uns seit langen unterstützen und helfen. Also bei Mike von Mad Butcher, Muttis Booking, Fire and Flames und nicht zuletzt bei all unseren Fans.

Wie hast du eigentlich den Mike von Mad Butcher kennen gelernt?

Ich kenne ihn seit unserer aller ersten Veröffentlichung 1994 „Birra, Oi! e Divertimento“. Damals tauschten wir regelmäßig Platten und standen daher ständig in Kontakt. Als wir dann unsere zweite Platte „Contiamo su di Voi“ rausbrachten fragte er uns, ob er sie in Deutschland veröffentlichen kann. Das war der Beginn einer mir sehr wichtigen und intensiven Beziehung. Erstmals traf ich ihn in Mailand im Centro Sociale Garibaldi, wo wir ein Konzert zusammen mit den Stage Bottles hatten, was von mir organisiert wurde. Seit dem Tag sind wir sehr gute Freunde geworden.

Vor einigen Jahren sagtest du mal zu mir Interviews in Fanzines findest du nicht so wichtig, ist das heute auch noch so?

Wie, das habe ich gesagt? Das muss ich wohl einen im Tee gehabt haben! Klar bevorzuge ich es direkt mit Freunden und Fans zu sprechen, aber Interviews sind auch immer gerne willkommen!

Wie stehst du zu Promo-Interviews?

Naja, ehrlicherweise muss man sagen, dass alle Interviews irgendwo reine Promotion sind. Über alles, was ich mit dir rede ist Werbung für uns.

Gut, dann mal ans Eingemachte, das neue Album heißt All’ Arrembaggio, was soviel bedeutet wie ein Schiff zu entern, kannst du mir darüber und etwas über den Song „Bottiglie E Battaglie“ verraten?

Der Titel ist von einem Banner inspiriert, welches ich vor acht Jahren auf einer Anti G8 Demo in Genua gesehen habe. Darauf stand, wie auf der Rückseite der aktuellen Scheibe „Padroni di niente, servi di nessuno, andiamo all’arrembaggio del futuro” was so viel bedeutet wie “Wir haben nichts, wir gehören niemandem, lasst uns die Zukunft übernehmen”.

„Bottiglie E Battaglie“ handelt im weitesten Sinne von einem Piratenleben, wie es viele Leute wie du und ich leben. Eben für jene die jeden Tag unter dieser Flagge ihr Herz geben und jeden Tag für eine Traum leben. Das Lied hat, wie in La Tumba, viele Referenzen an meine Heimatstadt Verona. Eine verschissen faschistische Stadt, von einem Bürgermeister regiert, der tatsächlich schon wegen Rassismus verurteilt wurde! Wir erhoffen und erträumen uns einfach eine andere Welt.

Leider versteht man die Texte nicht, weil diesmal keine Übersetzungen beiligen. Schon doof oder?

Nun auf diesem Album sind circa die Hälfte der Songs in Englisch. Ich dachte mir so kann ich besser Englisch lernen und wollte auf der anderen Seite unseren Fans die Möglichkeit geben etwas Italienisch zu üben, harhar.

Zudem beweist ihr auf dem neuen Longplayer, dass ihr von dem typischen Oi!-Sound weg seid. War es Zeit sich etwas zu ändern? Ich meine schon auf der “Rebels ´n´ Revels Platte hörte man das der Weg immer weiter weg geht von Scheiben wie Guardo Avanti oder Siempre Contra.

Ehrlich gesagt sehe ich da zwischen den alten und neuen Sachen keinen so großen Unterschied. Ich finde All‘ Arrembaggio hat sehr große Ähnlichkeit mit „Contiamo su di Voi“. Beide haben diesen lockeren Sound und die vielen Singalongs. Zugegebenermaßen ist der Klang heute wesentlich besser, doch die Grundstruktur ist auf jeden Fall die gleiche geblieben. Zudem war Los Fastidios nie eine reine Oi!-Band, weil wir von Beginn an verschiedene Stile miteinander vermischt haben, was wir heute auch noch machen.

Einige Kritiker anderer Bands sagen du würdest während der Shows zu viel über Politik reden. Wie stehst du dazu?

Für mich gehört das dazu um den Song besser zu verstehen. Zum besseren Verständnis erzähle ich einfach worum es in den Texten geht und werde das auch weiterhin machen. Diejenigen, die das auf den Konzerten nicht mögen, sollen an die Theke gehen und einen trinken.

Was ist über den Kerl zu sagen, der euer deutsche Fanpage macht?

Ich kenne Markus, der sie macht und kann mich eigentlich nur für seine fantastische Arbeit bedanken!

Zu deiner Person, du machst die Band, das Label KOB und scheinst oft beim Fußball zu sein. Hab ich was vergessen?

Ja, ich habe eine Beziehung und immerhin drei wundervolle Söhne! Aber glaub mir ich habe trotzdem immer wieder genug Zeit, die ich mit ihnen verbringe. Ich bin da besser als jeder Zauberer.

Erzähl mir doch mal was zu deinem Label.

KOB gibt es seit 1998, wobei es einen gleichnamigen Shop schon seit 1996. Ich habe immer an dieses Projekt geglaubt und bekomme auch etwas Hilfe Rückendeckung von meiner Frau. Mit dem Label habe ich vielen Bands in Italien und über diese Grenzen hinaus helfen können. Ich glaube einfach schon immer an Kooperationen mit anderen Labels aus anderen Ländern, was mir vielleicht auch geholfen hat zu wachsen. Durch das Internet heutzutage ist es aber schwieriger geworden als Indielabel. So kann ich weniger Bands veröffentlichen, als ich das früher tat. Trotzdem stimmt nach wie vor Idee und die Attitüde des Labels.

Machen dir Downloads Probleme?

Ja das machen sie auf alle Fälle! Obwohl es auf der anderen Seite auch ein großer Vorteil ist Musik zu teilen oder zu tauschen.

Viele von den Leuten laden ganze Alben runter. Was glaubst du warum niemand mehr für Musik zahlen möchte?

Vielleicht weil sie nicht genug Kohle haben. Kann ja sein, dass sich der ein oder andere das Album runterlädt, dafür dann aber irgend einen Merch-Artikel kauft. So unterstützt man dann ein Band letztlich doch noch.

Seit einer gewissen Zeit weißt du auf Tierrechte hin. Wieso, bist du Vegetarier oder gar Veganer?

Ja, vor 14 Jahren wurde ich Vegetarier und seit 4 Jahren lebe ich vegan. Übrigens sind alle meiner Familie zumindest Vegetarier. Ich ging diesen Weg, weil ich großen Respekt und Liebe für alle Lebewesen empfinde. Ich kann nicht für die Rechte der Menschen kämpfen ohne die Tiere außen vor zu lassen. Für mich sind da Leben und Gefühle das gleiche, wie beim Menschen.


Zum Ende kurz zu den Personen, die ich bei Los Fastidios am besten kenne. La Zia, die Schießbude, wurde Vater. Hat er sich schon geäußert wie sich das auf die Band auswirken wird?

Ehrlich gesagt nicht. Aber ich denke er sieht das ähnlich wie ich, dass er gerade aus dieser Situation heraus die Kraft ziehen wird und genau wie zuvor weitermachen wird.

In eurer Biografie kann ich nirgendwo Tommy, den Mercher finden. Ich meine er ist länger bei der Band dabei, als die Hälfte dort spielt!

Haha, wer Los Fastidios kennt, kennt Tommy und umgekehrt. Sprich die Welt kennt ihn ohnehin.

Im Oktober geht ihr mit Loikaemie gemeinsam auf eine Tour. Ich wusste gar nicht, dass ihr so gute Freunde seid.

Wir kennen Loikaemie schon seit einigen Jahren und respektieren, was sie machen. Zudem haben wir schon einige Konzerte zusammen mit ihnen gespielt. Die Idee dazu hatten wir schon seit Längerem. Vor kurzem erfuhr unser beider Booker Mutti davon und kümmerte sich darum. Ich freue mich da schon tierisch drauf und glaube das wird eine super Sache. Let’s go Antifa Hooligans and Good night white pride!

Nun obwohl ich mich mit Enrico wunderbar verstehe wusste ich bisher nichts über seine Beweggründe vegan zu leben und teile sie auch nicht. Aber das ist auch egal. Schließlich verstehe ich manchmal nicht einmal was ich selbst mache und komme trotzdem mit mir aus. Deshalb geht gefälligst auf die Tour mit Loikaemie und habt Spaß dabei. Vielleicht läuft man sich ja über den Weg und mich will jemand dringend zu einem Bier einladen. Ich wäre auf jeden Fall sehr von solch einer Einladung angetan!

Bocky




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