lindbergbuch250(Taschenbuch, IP Verlag, 208 Seiten, 17,90 Euro)
Ja, da trifft mich doch der Blitz beim Scheißen. Welch erhellende Erkenntnis sich da schon im Buchtitel offenbart. Bis vor anderthalb Jahren, also bis zur Geburt meiner eigenen Tochter, dachte ich immer, dass Punkrocker, die dumm genug waren, ein Kind zu zeugen, entweder innerhalb von fünf Minuten komplett ihr Leben umkrempeln oder dass dem Nachwuchs erstmal ein Iro gestellt wird. Da aber komischerweise beides nicht eingetroffen ist, wurde ich stutzig. Ich beschloss mich mal bei anderen Leuten umzusehen, wie es da so ist. Aber wo ich nur hinschaute, tatsächlich es war so: Punkrocker sind auch nur Väter. Also nicht dass jetzt alle Punkrocker Väter wären (denn das wäre ja auch komisch, wenn man als Zugabe zum Punker sein auch gleich noch im Vorbeigehen Vater wird, wer will da schon noch Punker sein?), sondern eben dass Punkrocker auch ganz normal Vater sein können und müssen. Sonst klappt das ja auch nicht. Dass es dabei auch zu einigen merkwürdigen Situationen zum Beispiel im Wohn- und Lebensumfeld kommen kann, dürfte klar sein. Oder dass man sich des Öfteren mal selbst hinterfragen muss. Das alles ist nicht einfach. Aber zum Glück hat Jim Lindberg, der Sänger von Pennywise, jetzt ein Buch zum Thema veröffentlicht. Das Buch ist nicht nur ein freundlicher Ratgeber und Seelentröster, sondern eine Anekdotensammlung, denn durch Lindberg erfahren wir vom Interessenkonflikt einerseits „Fuck Authority“ singen zu wollen und andererseits aus Kindersicht ein knochenharter Arsch zu sein. Dieses Problem gibt es, das stimmt. Aber genau so wie mir Pennywise zu banal und flapsig ist, so ist es oft auch dieses Buch. Klar, hat Lindberg eine witzige Schreibe und kann über die Erziehung seiner drei Töchter einige Anekdoten vom Leder ziehen. Klar, finde ich es voll gut, dass seine Kids auf dem Weg zur Schule oder zum Kindergarten statt „Pippi Langstrumpf“ oder „Winnie Pooh“ The Clash, The Ramones und Descendents hören, ist ja auch ein Schenkelklopfer. Und toll auch, dass er ihnen die Freiheit gibt, im eigenen Zimmer dann doch auch Britney Spears zu hören. Knorke. Und er macht sonst auch alles: Arsch putzen, trösten, knutschen, Stullen schmieren. Ein Wahnsinnstyp. Und bei all dem, ist und bleibt er ein echter Punkrocker. Respekt. Schließlich findet er sogar noch die Zeit, ein Buch, sein erstes, über die ganze Chose zu schreiben. Wow. Dazu kommt noch, dass es Lindberg nicht dabei belässt, über die eigene Familie zu schreiben, nein, der Leser erfährt noch viel mehr. Zum Beispiel wie es den Vätern in anderen Punkrockbands so geht, etwa den Jungs von Bad Religion, NOFX oder den Circle Jerks. Jimmy plaudert halt ein bisschen aus dem Nähkästchen, streut noch ein paar Anekdoten aus seinem eigenen Lebenslauf ein, was ihn halt so zum Punkrocker gemacht hat. Ist doch spitze, aber eigentlich halt auch äußerst uninteressant. Trotzdem, ich muss gestehen „Punkrocker sind auch nur Väter“ ist ein netter Zeitvertreib. Man hat es schneller gelesen als einem lieb ist. Nichts tiefgründiges, aber zum die Seele baumeln lassen oder als tolle Überraschung für den nächsten Vater, kann man da durchaus mal zuschlagen. Obnoxious



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