sternstunden(Taschenbuch, Rowohlt Verlag, 250 Seiten, 8,95 Euro)
Nach dem autobiographisch geprägten Roman „Dorfpunks“ war ich auf das neue Buch von Rocko Schamoni sehr gespannt und immerhin ließ der Titel einiges erwarten. Buch aufgeschlagen, gelesen und – schwupps – durch gewesen. Doch, doch, ich muss schon sagen, auch „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ finde ich wieder ein sehr unterhaltsames und kurzweiliges Werk aus dem Hause Schamoni. Auch wenn es vordergründig nicht so viel mit „Dorfpunks“ zu tun hat, ist es für mich persönlich doch auch eine gewisse Fortführung, nicht zuletzt auch weil ich mich sowohl mit dem Erzähler in „Dorfpunks“ als auch mit der fiktiven Romanfigur in „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ einigermaßen identifizieren kann. Zur Handlung: Michael Sonntag ist ein absoluter Tunichtgut, eingeschriebener Kunststudent, aber eigentlich mit null Interesse an gar nichts, außer sich nicht in diese Gesellschaft einfügen zu wollen. Stattdessen streift er lieber nächtelang durch das Kneipen Hamburgs (in meinem Fall Mannheims) und macht sich dicht. Eigentlich hat er große Pläne, aber andererseits resigniert er auch an der Einsicht, diese nicht erfüllen zu können. Also entschließt er sich für ein Leben in der Bedeutungslosigkeit und zieht sich erstmal raus aus der ganzen Scheiße. Und dabei ist er nicht mal in schlechter Gesellschaft. Michael Sonntag ist nicht dumm, eher intelligent, belesen und wissbegierig, aber er hat halt einfach keinen Bock, sich auch nur ansatzweise irgendwo im Bildungsbürgertum einzubringen. Dafür ist er sich auch ein bisschen zu gut. Ehrlich gesagt, habe ich in den letzten zwanzig Jahren einen ganzen Haufen dieser Menschen kennen und lieben gelernt. Menschen, die sich beharrlich dagegen wehren, ein weiters Rad im Getriebe zu sein. Sich verweigern, lautet die Maxime. Stattdessen sitzt man lieber mit den anderen Wohlstandsverwahrlosten am Tresen, schaufelt sich einen nach dem anderen in den Kopf und philosophiert über alles was nicht bei drei auf dem Baum ist. A propos bei drei auf dem Baum sein. Natürlich ist Michael Sonntag auch ständig auf der Suche nach potentiellen Sexualpartnerinnen, aber irgendwie steht er sich damit auch selbst im Wege, wenn er denkt: „Ich baue ganz auf die Kraft des Alkohols. Er und ich zusammen sind für eine Frau unwiderstehlich…“ Genau solche Ideen hatte ich auch schon mal. Das Ergebnis angedachter Frivolitäten tendierte gegen Null. Aber um es kurz zu machen: Wer z.B. an Büchern wie „Herr Lehmann“ Gefallen gefunden hat, dem kann man „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ nur empfehlen. Allerdings könnte ich auch Meinungen verstehen, dass dieses Buch und die Lebenseinstellung des Protagonisten scheiße ist. Dieser Meinung tunnelblickender Spießbürger bin ich allerdings nicht, denn Rocko Schamoni hat mit „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ eine Blaupause dafür geliefert, wie ein anderes Leben auch aussehen kann: Zwar scheiße, aber immerhin anders. Es muss ja nicht im herkömmlichen Sinn erfolgreich sein. Aber es ist doch ein Lebensentwurf, der Leuten wie dem potentiellen Punkrock!-Leser näher steht als 99,9% aller anderen Buchveröffentlichungen mit denen die Welt zugeschissen wird. Ich jedenfalls, habe mich prächtig amüsiert. Oft bleibt einem zwar beinahe das Lachen im Halse stecken (vor lauter depressiver Ertapptheit), aber andererseits ist Rocko Schamonis neuer Roman besser als in Kasten Freibier. Und das will schon was heißen. Obnoxious



Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen