Natascha – Seelenficker

| Juli 21st, 2009

natascha-e28093-seelenficker(Taschenbuch, Ubooks Verlag, 111 Seiten, 9,95 Euro)
Alter Schwede, was für ein bedrückendes Buch. Ich habe mich lange davor gedrückt auch nur ein Wort darüber zu tippen. Zu intensiv und beklemmend sind die Eindrücke und Abgründe, die sich da auftun. Eine umfassende Besprechung ist für mich hier nicht möglich, deshalb habe ich mich entschieden, Euch einfach einen stichwortartigen Auszug der Notizen, die ich mir während des Lesens gemacht habe, zu geben. Anders kann ich das hier nicht bewältigen. Zur Erklärung: Natascha ist 13 als sie hardcoremäßig drogenabhängig wird und sich gezwungen sieht, auf den Kinderstrich zu gehen. Sie beginnt ein Tagebuch zu schreiben, am Ende des Buches ist sie 17. Hier habt ihr Einblicke in ihre Autobiographie, so wie ich sie mir notiert habe und bedenkt immer Nataschas Alter und dass das hier eine wahre Geschichte ist: Kapitel 1: Kein Selbstwertgefühl, nur Drogen helfen Schmerzen und Leid zu ertragen, Selbstmordgedanken, aber auch Zukunftsträume, marktwirtschaftliches Denken über ihren Körper, Zuhälter wird als Helfer wahrgenommen, kann ohne Drogen den Tag nicht bewältigen. Kapitel 2: Nimmt gerne Drogen, will mit Drogen Gefühle ausblenden, braucht jeden Tag 110 Euro für Drogen, geht deshalb anschaffen, will Schule schaffen, ritzt sich, hat Angst vor Nähe zu anderen, sehnt sich aber auch danach, Zukunftsträume, Drogen als unüberwindbares Hindernis, ritzt sich, weil sie sich spüren will, sucht Auswege. Kapitel 3: Ist bereit sich wegen der Drogen auf alle(!) Wünsche der Freier einzulassen, Todesängste bei Freierspielen, manche Sachen zu heftig, da helfen auch keine Drogen. Kapitel 4: Von Freiern angeekelt, gefangen in der Welt der Freier und Drogen, Entzug, weiß aber, dass es nicht auf Dauer ist. Frage, warum Männer so sind. Kapitel 5: Wichtigster Halt im Leben: will Abitur schaffen, Drogen helfen in der Schule und beim Anschaffen, vom Freund der Mutter missbraucht. Kapitel 6: Will weg von ihrem Wohnort, aber das Geld reicht nicht, erfährt, dass sie von einem Freier schwanger ist, macht sich Sorgen als Schwangere kein Geld mehr zu verdienen, macht mit 17 kalten Entzug, Baby stirbt an Folgen des Entzugs, sieht Verfall ihres Körpers als Folge des Drogenkonsums, wünscht sich zu sterben. Kapitel 7: Entschluss mit Drogen aufzuhören, sucht sich Therapieplatz, will nicht mehr ficken müssen, Welt ist ohne Drogen nur grau, Ersatzdroge Ritzen, glaubt, dass sie auch clean anschaffen wird, um ihre Bedürfnisse stillen zu können, fühlt sich scheiße, nach fünf Jahren auf Drogen erstmals clean, fühlt sich leer, ohne Erinnerungen, befürchtet Rückfall, geht weiter anschaffen, um Geld zu verdienen, ritzt sich, um es zu ertragen, geht nur noch selten anschaffen, hofft irgendwann ganz aufhören zu können, ist froh, dass sie nicht mehr abhängig ist, aber ob sie glücklich ist, weiß sie nicht, will schön sein, Gefühlswelt auf Drogen authentischer, will aber trotzdem nicht dahin zurück. Ende!!! Wow, was für ein Hammer, ein wirklich hartes Brot. So knüppeldick ins Bewusstsein geführt zu bekommen, dass das was hier beschrieben wird, der beschissene Alltag sein kann, ist fast unerträglich. Am Ende befindet sich noch ein Nachwort der Herausgeber, aus dem ich mir ebenfalls erlaube einige Stichworte zu zitieren: „Erschütternd und gleichzeitig poetisch, schmerzhaft intensiv, nennt die Dinge beim Namen und um es auf den Punkt zu bringen: Ein Armutszeugnis für die Gesellschaft!!!“ Jetzt mal wieder ich: Das Buch ist hart. Knallhart. Und layouttechnisch hervorragend bearbeitet. Lest es, denn meine beschissene Besprechung hier, kann nicht in Worte fassen, was sich tagtäglich da draußen abspielt und wir bekommen es einfach nicht mit. Es ist zum Kotzen! Okay, das hier ist eine völlig unzulängliche und indiskutable Buchbesprechung. Aber es tut mir leid, irgendwie fühle ich mich total hilflos einigermaßen adäquat mit dem Thema umzugehen. Wer glaubt es besser zu können, werfe den ersten Stein! Krasser Gegensatz zu Jan Offs „Unzucht“! Obnoxious



Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen