Jan Off – Unzucht

| Juli 1st, 2009

janoff-unzucht(Taschenbuch, Ventil Verlag, 169 Seiten, 11,90 Euro)
Jan Off ist einer derjenigen Schriftschaffenden, die ihr Wort gern in Stein gemeißelt sehen. So auch bei seinem neuesten Werk „Unzucht“. Wie der Name erahnen lässt, handelt es sich dabei um eine Broschüre, die sich fast ausschließlich mit dem Thema Sexualität beschäftigt. Oder besser gesagt und um nichts zu beschönigen: Eigentlich geht’s nur ums Ficken. Also nix mit Liebe und dem ganzen überflüssigen Gedöns außenrum. Einfach nur ums Ficken. Zumindest fast nur. Ginge es nur ums Ficken, könnte man Herrn Off ja mit Sexismus- und Pornographievorwürfen zuscheißen. Okay, theoretisch kann man das auch so, nur wäre das etwas kurz gedacht und etwaigen Hardcore-PClern kann eigentlich relativ schnell der Wind aus den Segeln genommen werden. Zugegeben, wer möchte, kann sich hier aufgrund der expliziten Wortwahl seitenweise einen von der Palme schütteln oder respektive die Röhre scheuern, aber hinter der rolligen Geschichte versteckt sich doch auch ein tieferer Sinn, den eindimensional denkende Menschen vielleicht gar nicht verstehen können. Aufgeklärte Literaturkritiker, wie ich es einer bin, packen aber schon bald die Python wieder ein und denken so wichtige Worte wie „ah ja“, und „oh, stimmt“, „genau richtig“, „tja, so kann’s gehen“ oder „puh, so hab ich die Sache noch gar nicht gesehen“. Am Ende dann sogar „hihi, jetzt ist er aber selbst der Gefickte“ und „da hat mal wieder einer nicht richtig aufgepasst“. Also wie gesagt: Bei „Unzucht“ handelt es sich nicht um ein pornografisches Machwerk eines Autoren, der mit „Vorkriegsjugend“ eine fabelhafte Punkrock-Jugend beschrieben hat, sondern eher, und jetzt aufgepasst, um einen Anti-Porno!!! Jan Off ist nämlich in Wirklichkeit, und ich kenne ihn jetzt schon einige Jahre, habe etliche Radio-Sendungen mit ihm bestritten und ihn nachtblind über bundesdeutsche Autobahnen und Gehwege gefahren, habe ungezählte Biere und Jägermeister mit ihm vertilgt und in wenigen Stunden mein gesamtes Vermögen beim Pokern an ihn verloren. Außerdem hat er eine sehr gute Freundin von mir gepoppt und das nicht zu knapp … Also Jan Off ist in Wirklichkeit ein großer Denker und Kämpfer für die Unterdrückten, der sich mit sozialer Ungerechtigkeit, Jugendarbeitslosigkeit, Alkohol- und Drogenmissbrauch, sexuellen Fantasien anderer und Computertechnik auseinander setzt. Das alles sind wichtige Themen die in diesem Buch vorkommen und in Zeiten wie diesen auch sicherlich heiße Eisen sind, aber was wird jetzt eigentlich bei „Unzucht“ handlungstechnisch geboten? Stellt Euch vor: Ein Typ, erfolgloser Schriftsteller, Loser, Alkoholiker und Drogenkonsument, der gebenedeiten Liebe überdrüssig gerät mehr oder weniger durch Zufall an eine Tusse, bei der er sich zum Ziel setzt, sie komplett als Sexobjekt benutzen zu wollen. Kontakt und Sex soll es immer nur auf seine Ansagen und Regieanweisungen geben. Alles soll wie nach Drehbuch ablaufen, ein Film, in dem er der uneingeschränkte Herrscher ist. Ficken Oi! Kommt aber dann doch anders, die Sache läuft irgendwie aus dem Ruder und am Ende … Überraschung!!! Tja, kann ja schließlich nicht alles verraten. Mal abgesehen davon, dass nach einer Lesung des Autoren auf der Leipziger Buchmesse, zu deren Anlass im März das Buch herauskam, vor allem ältere Herren den Geldbeutel zückten. Also doch Schundliteratur? Wie man’s nimmt. Ich glaube aber felsenfest, dass es nicht so ist. Und noch auf den Weg: Da Meister Off ja inzwischen Teil des Punkrock!-Kombinats ist, hat er um eine „persönliche Kritik knapp unter der Gürtellinie“ und „ein paar schöne Tiefschläge“ gebeten. Verfickt nochmal, ich hoffe, das kam so rüber… Obnoxious
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