DEFEATER – Travels

| Juli 21st, 2009

defeater-travels(CD, Bridge Nine Records)
Lässt man seinen Blick auf die Debütplatte(!) der Bostoner Band Defeater fallen, kommen einem alle möglichen Gedanken, zu welcher Art von Musik das Cover-Artwork wohl gehört. Ich habe im ersten Augenblick auf etwas Roots-mäßiges, Country, Blues oder Songwriter-Musik getippt. Ich finde die ausdrucksstarken Schwarz-weiß-Aufnahmen/-Portraits würden sich gut auf einer weiteren Johnny Cash-Platte aus der American Recording-Serie machen. Nach mehrmaligem Hören der CD und lesen des Booklets erkenne ich die Personen auf den Bildern als die Protagonisten der Story, die hier als Text fungiert. Defeater haben hier etwas gewagt, was ich als solches noch von keiner anderen Hardcore-Band gehört habe. Und zwar handelt es sich bei der „Travels“ um ein Konzeptalbum. Ein hässliches Wort, aber so ist es. Vor allem, ein Konzeptalbum als erste Veröffentlichung. „Travels“ kam in den Staaten schon vor etwa einem Jahr auf Topshelf heraus und nun international auf Bridge Nine. Die elf Songs (plus ein Hidden Track) sind Abschnitte einer zusammengehörenden Geschichte, einer tragischen Geschichte über einen Dropout, der 1945 im Schoße einer kaputten Familie, in irgendeiner dreckigen Stadt geboren wird. Eine trostlose Jugend, eine hilflose Mutter und ein prügelnder Vater bilden sein Elend. Nachdem er seinen Vater tötet, verlässt der Sohn die Mutter und seinen Bruder und zieht quer durchs Land, schläft in Scheunen, auf der Straße, zieht durch Bars… Der versteckte Akustik-Folksong wird von dem Protagonisten vorgetragen und verdichtet die Story und lässt uns und die Band über den Tellerrand blicken. By the way, there’s no happy ending. Die Songs haben keine Refrains und keine Wiederholungen, Text und Musik gehen hier eine absolute Symbiose ein. Wenn der Vater auf die Mutter einschlägt, wächst die Verzweiflung, die man aus Dereks Gesang heraushören kann, ins Uferlose. Tempowechsel, vertrackte Breaks und eine absolut düstere Grundstimmung machen „Travels“ für mich zu einem der, wenn nicht zu dem besten Album des bisherigen Jahres. Die Platte ist zum Teil von der Band selbst, sowie von Converge-Gitarrist Kurt Balou produziert und lässt Reminiszenzen an Modern Life Is War zu. Die CD kommt im schicken Digipack, nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch aus ökologischen. Also wer auf die Idee kommt, die Hülle wegzuwerfen, muss kein schlechtes Gewissen haben. Wenn die Band tourt, tut sie das in einem Van, der mit altem Pflanzenöl fährt. Ökologisches Bewusstsein spielt bei Defeater eine große Rolle. Ich hoffe, das hält sie nicht davon ab, hier rüber zu fliegen. Ein großartiges Album. dennisdegenerate



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