richterbuch(Taschenbuch, IP Verlag, 240 Seiten, 14,90 Euro)
DPs Firma ist in Folge des New Economy-Crashs Ende der 90er den Bach runter gegangen. Was machen? Klar, erst mal in Sachen Schwarzhandel und Schmuggel einsteigen. Von Drogen über Waffen und Pelze wird im Auftrag einer höheren Organisation alles über die Grenzen gefahren, was nicht niet- und nagelfest ist. Und schon bald arbeitet DP auch so nebenbei in eigenen Sachen. Ein Krimi? Ein Halbweltroman? Naja, im ersten Teil kommt das Romandebüt von Henning Richter eher etwas träge daher. Im zweiten Teil wird’s dann besser. Zwar nicht so richtig mitreißend, aber immerhin kann man den Roman dann ohne größere Lähmungsanfälle durchlesen. Das beschaulichste sind aber über die gesamte Länge die Passagen in denen es um Musik geht. Kein Wunder, ist doch Henning Richter im wahren Leben Musikjournalist und kennt sich in dem Metier recht gut aus. Wenn DP mit seinem besten Freund Kaffee trinkt, Platten hört und sich über Bands wie New Model Army, Motörhead oder über Iggy Pop und Johnny Cash unterhält, dann hat „Das Buch des Schmugglers“ zweifellos seine besten Passagen. Andererseits driftet das dann auch schon des Öfteren beinahe wieder in althergebrachte Allgemeinplätze ab. Und wenn man dann denkt: „Hoppla, jetzt wird’s spannend“, also wenn DP mit seinen Geschäften, sagen wir mal, etwas ins Schlingern gerät und der Leser auf mehr Action hofft, dann, ja dann, wird’s doch nicht so richtig spannend. Irgendwie ist das alles dann doch etwas lahm. Man ist zwar nicht direkt dazu geneigt über dem Buch einzuschlafen (dazu ist es dann doch etwas zu gut) aber der richtige Burner wird der Roman eben nicht, schon gar nicht mal für die Halbwelt. Spannend? In Maßen. Unterhaltsam? Okay. Aber mehr auch nicht. Wer ein Buch braucht, das man so eben mal nebenbei lesen kann und dabei auch noch Wert auf musikalische Nebeneffekte hofft, der ist mit diesem Buch gut bedient. Für mehr reicht es aber auch nicht. Also, ich meine, vielleicht ja schon. Man muss eben nur in einer seiner vielfältigen Persönlichkeiten dafür offen sein. Neben der Affinität zu musikalischen Bezügen innerhalb eines Romans oder der Vorliebe für Stadtrundfahrten per Velo durch Berlin, könnte es helfen, wenn man sich in seiner männlichen Spätadoleszenz, also kurz vor der Mittellebenskrise, befindet. Man mag es ja dann träge. Vielleicht kann man auch gar nicht mehr schneller und steht darauf, wenn man die eigen manifestierten musikalischen Eckpfeiler zwar ungern aus den Angeln gehoben sieht, aber trotzdem darüber schmunzeln kann, wenn sie etwas ins Lächerliche gezogen werden. Ich gestehe, zu dieser Zielgruppe könnte ich zählen. Tue es aber nur bedingt. Gleiches gilt für die sprachlichen Mittel die Henning Richter hier einsetzt, das ist nicht immer meine Baustelle. Wenn ich schlüpfrige Trivialromane oder das Happy Weekend lesen möchte, dann tue ich das. Das ist aber äußerst selten der Fall. Und wenn doch, hat das Kiosk schon geschlossen. Das klingt jetzt zwar alles eher negativ, aber wie bereits erwähnt, hat „Das Buch des Schmugglers“ auch andere Seiten. Nämlich die ungeraden, also die links. Was ich damit sagen möchte? Keine Ahnung. Man kann das Buch lesen (in der Hängematte, am Strand oder beim Kacken), am Leben wird sich nichts ändern. Obnoxious

www.henningrichter-online.de



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