gluecifer(Taschenbuch, IP Verlag, 192 Seiten, 17,90 Euro)
Frithjof Jacobsen dürfte den meisten Punkrock!-Lesern eher unter seinem aka Biff Malibu und als Sänger von Gluecifer bekannt sein. Okay, Ex-Sänger, denn die Band gibt es ja seit geraumer Zeit nicht mehr. Genauer gesagt seit 2005. Im Jahr zuvor gingen Gluecifer auf eine gigantisch lange Tour (bei der sie sich unter anderem mit den Toten Hosen, den Ärzten und Monster Magnet die Bühnenbretter teilten), vielleicht auch um sich von ihren Fans zu verabschieden. Biff Malibu nutzte die oft erschlagend langweilige Zeit zwischen den einzelnen Auftritten um ein Tagebuch dieser Tour zu führen. Der Titel des Buches rührt von den genau 101 Konzerten, die die Band zu diesem Anlass in ganz Europa gab. Grob geschätzt schreibt Biff Malibu zu jedem der Auftritte etwas mehr als eine Seite, der Rest der Seiten geht für die zahlreichen Fotos drauf. Das ist gut, denn wen interessiert es schon wirklich, was in 101 verschiedenen Städten sich täglich wiederholt? Also ich meine, wer kann da mit ständigem Ohrenschlackern dabei bleiben? Okay, Herr Malibu hat wenigstens die Gabe auch die Szenen am Rande in sich aufzunehmen und darüber einigermaßen lustig, ja sogar trocken-lustig zu berichten. Nicht immer nur das sich ständig wiederholende Geseier von Sex & Drugs & Rock’n’Roll, sondern schon auch die ironischen Seitenblicke und –hiebe. Nicht alles ist Gold, was glänzt. Nicht einmal im Glamour des Musik-Biz und schon gar nicht bei der Abschiedstour von Gluecifer. Das verdeutlicht sich beispielsweise auch wenn der Norweger darüber berichtet, wie viele Menschen, die man auf so einer langen Tour trifft, jobmäßig eigentlich völlig fehl am Platz und überfordert sind. Das größte Plus des Tourberichts ist aber Biffs anfangs zwar eigenartiger Schreibstil, aber man gewöhnt sich an alles. Sogar am Dativ. Das ist jetzt mal wirklich lustig geschrieben, was der Ex-Sänger sich da aus den Fingern saugt, und man kann sich dann doch schon des Öfteren auf die Schenkel klopfen. Ganz egal, ob er ins philosophieren über die Menschheit kommt oder irgendwelche Knallschoten und Tourerlebnisse zum Besten gibt. Trotz aller Witzigkeit habe ich aber auch mal wieder erfahren, dass ich – was ja auch häufig beim Lesen von viel kürzeren Tourberichten in Fanzines passiert ist – irgendwann mal das Interesse verliere. Da hilft auch keine skandinavische Witzigkeit und kein Konterbier. Mir fehlt für diese Art Literatur einfach das Durchhaltevermögen, das Standing. Kann sein, dass sich die Armee der Gluecifer-Fans jetzt kopfschüttelnd abwendet. Allein, ich kann nichts dafür. In therapeutischen Dosen vielleicht ja. Vielleicht sollte man das Buch ja als treuen Begleiter für das Jahr 2009 nehmen und an den entsprechenden Tagen den dazugehörigen Eintrag lesen. So wie andere Menschen jeden Tag ein Kapitel aus der Bibel lesen oder sich einen runterholen. Keine Ahnung, aber das wäre ein Weg. Wenn ich es mir richtig überlege, werde ich auch genau das machen und das Buch ein zweites Mal lesen. Und nächstes Jahr wieder. 2011 dann auch, 2012, 2013… Obnoxious



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