kv2_cover(Taschenbuch, Kopfnuss Verlag, 167 Seiten, 9,90 Euro)
Als die berüchtigten Tagebücher von Ox-Urgestein Tom van Laak irgendwann mal begannen, sich einer wachsenden Fangemeinde zu erfreuen, war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis auch diverse andere Vasallen von Hiller mit ihren privaten Abenteuern in der Kolumnensparte glänzen würden. Erwartungsgemäß kam erst einmal niemand so wirklich an das Original ran, so dass zumindest ich die Epigonen meist geflissentlich ignorierte. Allerdings war der „Keith Moon Andernachs“ dabei so schlau, seinen Lifestyle-Testberichten relativ ansprechende Headlines zu verpassen – und mal ehrlich, wer kann bei Titeln wie „Jegliche Versuche, mich zu resozialisieren sind fehlgeschlagen“ oder „Auszug aus einem Klinikbericht“ schon widerstehen? Eben. Und so wurden auch seine Ergüsse für mich zu einem der wenigen Gründe (u.a. zusammen mit oben genanntem und natürlich Herrn Tonk), mir die Postille regelmäßig zuzulegen. Und anders als bei den Altmeistern, die hier und da schon ein klein wenig im Punkrock- Elfenbeinturm logieren, wird hier noch an der „Basis“ gearbeitet, will heißen, der Protagonist ist sich für nix zu schade und denkt nicht einmal im Traum daran, trostlose, erbärmliche oder einfach nur peinliche Situationen auszuklammern oder auch nur ansatzweise schön zu schreiben. Was dazu führt, dass man sich hin und wieder dabei ertappt, einiges davon besser nachvollziehen zu können, als einem lieb ist. Oder, unfrei nach Genosse Alex Pascow: „… und so spiegelt sich die eigene Unzulänglichkeit doch am ehesten im Schicksal des Herrn Gräbeldinger.“ Letzteres dreht sich natürlich nicht selten um den Umgang mit der holden Weiblichkeit, was, wie sollte es auch anders sein, nicht immer mit überragendem Erfolg einhergeht. Meistens in Kombination mit diversen Exzessen, deren Beschreibung allerdings erfreulicherweise in keinster Weise prahlerisch daherkommt. Im Gegenteil, das Elend, der Frust und die Enttäuschungen rund um die wenigen sonnigen Momente springen einen förmlich an, so dass man hier dem geschriebenen Wort Authentizität in Überdosis bescheinigen kann… Passenderweise fiel die Wahl des Herausgebers dann auch auf die emsige Bande vom Kopfnuss-Verlag. Gäbe es jetzt noch ein wenig Gerechtigkeit auf Erden, dann müsste das Werk schon baldigst solche Grütze wie „Fucking Berlin“, „33 x schlechter Sex“ und andere Roche-Imitationen aus den Druckwerk-Charts kicken, und der Verlagssitz könnte endlich von Bonn nach Maui verlegt werden. Und möge vom Zielpublikum jetzt keiner mit Argumenten wie „Stand ja alles schon im Ox“ kommen – dafür ist das Buch viel zu liebevoll gestaltet, wobei sich besonders Illustrator Arne Kulf hervorgetan hat, der die Storys einfach nur kongenial bebildert hat. Eine Augenweide hoch drei, ganz zu schweigen vom Cover. Als Dreingabe gibbet noch Senf dazu von Powerplauze KK Mechenbier, einer Leidensgenossin des Autors namens Madame Unbedarft, sowie ein vom „Tante Guerilla“-Doppelkopf geführtes Interview. Also, mehr als genug Gründe für die sofortige Anschaffung, zumal es sich auch hervorragend als Geschenk eignen tut. Fragt mal meine Jehova bezeugende Arbeitskollegin, die gerade Burzeltag hatte … snitch

www.kopfnuss-verlag.de



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