New York Hardcore Doppel-DVD

| März 16th, 2009

New York Hardcore – The Legendary Documentary About The World’s Hardest Music
(Doppel-DVD, Sunny Bastards Films)
Die Original-Doku ist von 1995 und viele werden sie schon kennen. Hier jetzt als Doppel-DVD erhältlich, wobei auf der ersten DVD noch komplette Live-Auftritte von u.a. Madball, 25 Ta Life, 108, VOD enthalten sind und auf der zweiten DVD finden sich Interviews die ca. 10 Jahre nach der Doku entstanden sind. Sehr interessant was die einzelnen Musiker so über die Entwicklungen des NY-HC in den vergangenen 10 Jahren zu berichten haben.

Natürlich ist hier alles enthalten was wir an NY-HC lieben oder auch nicht: Harte Musik mit sehr metallischem Unterton, martialische Gesten gepaart mit viel Macho-Gehabe, Publikum das Tanzen mit Nahkampfsport verwechselt (krass ist die Szene bei einem Gig von No Redeeming Social Value als ein Fan beim Stagediven auf das Genick kracht und tot vor der Bühne liegen bleibt). Das führt uns zu der Frage woher diese szenettypischen Verhaltensmuster kommen und dabei geben uns die Interviews einzelner Protagonisten von Bands wie Agnostic Front, Madball, VOD, Murphy’s Law, Crown Of Thornz usw. Aufschluss. Fernab der hochglanzpolierten Wolkenkratzer ist NY ’ne runtergekommene dreckige Stadt. Dreiviertel aller Gebäude in NY sind mit Nato-Stacheldraht gesichert, selbst die Autocarports sind dick mit Stacheldraht umwickelt, damit der heiß geliebte Straßenkreuzer nichts abbekommt. Viele leben in völlig runtergekommenen Nachbarschaften, Vater Alkoholiker, Gewalt in der Familie, Drogen, Alkohol usw. Also das übliche Programm, das Menschen runterzieht und fertig macht. Um diesem Teufelskreis und der Frustration zu entkommen entwickelt sich diese extreme Form des Hardcores als Reaktion auf die Lebensbedingungen und die kaputte Umwelt. Um nochmal zum Anfang zurückzukommen: Viele der oben erwähnten Bands existieren heute nicht mehr und NY-HC ist von einer Lebenseinstellung zu einer musikalischen Stilistik verkommen, die überall auf der Welt gespielt wird, außer vielleicht in NY, wo viele der legendären (z.B. CBGBs) Clubs zugemacht wurden und die Szene keine Anlaufpunkte mehr hat. Letztendlich ist dies der übliche Kreislauf der Ausbildung von Subkulturen zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort. Menschen mit vergleichbarem Lebensgefühl treffen sich in den Clubs, eine gemeinsame Musik entsteht, nach einigen Jahren Entwicklung machen die Clubs zu, die Szenemacher haben unterschiedliche Perspektiven und verlieren sich aus den Augen und das Ganze ebbt ab. Die klassischen Beispiele sind ja die Entstehung des Punk im CBGBs 1975 als Reaktion auf den unerträglichen Bombastrock der 70er oder auch die Entstehung des 80er Amihardcores als Reaktion auf die Reagan-Ära und die Rückbesinnung auf die Dinge, die Punk einmal ausmachten bevor der Sellout Ende der Siebziger begann. Um nur einige zu nennen. Der Film beschäftigt sich ja überwiegend mit dem Umfeld von Agnostic Front und kann deshalb nur einen kleinen Ausschnitt dessen beleuchten, was wir so unter NY-HC verstehen können. Das ABCNoRio, SFA, Yuppicide, Necracidia usw. finden hier keine Erwähnung, obwohl das sehr spannend gewesen wäre. Ok, lange genug geschwafelt, seht euch den Film an und bildet euch eure eigene Meinung, denn der Film bietet vieles Interessante zum Entdecken. Ralf
… mehr Reviews in der aktuellen Ausgabe des Punkrock-Fanzines



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