Tonträger Reviews S-Z

| Dezember 10th, 2008

SPLIT – Neue Katastrophen / Oräng Attäng – Schöne Scheiße
(7´´, Keine Ahnung/Kalte Platte)
Die derzeit schönsten, coolsten und bestausehensten Schraddel-Punkrockgurken aus Hamburg schnappten sich die Freunde von Neue Katastrophen, um ne feine kackbraune Vinylscheibe zu machen. Auf dem Fladen sind das insgesamt 7 Titel, wovon jede Combo einmal die andere covert. So macht man das nämlich, wenn man sich gerne hat. Welche Seite mir besser gefällt, brauch ich nicht zu erwähnen, is aber auch nicht wichtig. Denn das Gesamtwerk lohnt sich einer der 300 Besitzer zu sein, öfter gibt’s das Teil nämlich leider nicht. Außer dem braunen Plastik gibt’s nen Wende-Patch – wie der Tonträger, pro Seite eine Band – für alle, die gerne ihre Aufnäher nur mit Sicherheitsnadeln festmachen und wie immer wichtig ein Textblatt! Das lustige Artwork will ich auch erwähnt haben. Super Gerät im kompletten liebevollen DIY-Gewand, so macht Punkrock richtig Spaß! Bocky

SPLIT – Volxsturm / Maul Halten
(MCD, Sunny Bastard/Contra)
Vor einigen Jahren kam diese CD schon einmal heraus und ist daher nix Neues, sondern ein Re-Issue. Sellemols dachte ich nicht im Traum daran, dass dieses Teil mal so begehrt sein würde. Also so sehr, dass es wieder neu aufgelegt wird. Von jeder Band werden abwechselnd 4 astreine Oi!-Songs geboten. Textlich würde man heute behaupten: Das Rad wird nicht neu erfunden. Damals war es sicherlich nicht anders, doch wahrscheinlich nicht ganz so inflationär. Egal hier ist die EP in neuem Layout wieder und wird aufgrund des Bekannheitsgrades von Volxsturm schon für Aufsehen sorgen. Bocky


STAN OR ITCHY – Sweat’N’Suits
(CD, Flat Daddy Records)
Wer das erste Album der Schweizer von vor zwei Jahren nicht kennt, kennt sie eventuell von ihren vielen Samplerbeiträgen, wie beispielsweise auf „Skannibal Party“ oder „United Colours of Ska“. Sprich der Berner Siebener mit weiblichem Gesang dürfte auch hierzulande nicht mehr gänzlich unbekannt sein. Auf die Lauscher gibt’s funkigen Ska-Pop, womit man in der Heimat bei einigen Contests landen und abräumen konnte. Wer also gerne mal das Becken schwingt und keine Angst vor Ohrwürmern der Marke neuerer Ska hat, sollte hier unbedingt mal rein hören. Bocky

STATIC THOUGHT – The Motive For Movement
(CD, Hellcat)
Am laufenden Band rotiert diese Scheibe vor sich hin und ich bilde mir ein danach die Band adäquat beurteilen zu können. Klappt natürlich nicht, wie man sich schon denken kann. Sicher liegt das an der Vielschichtigkeit des Quartetts, man kann es schlecht vergleichen. Darin besteht wohl die Stärke sowohl der Gruppe als auch des Albums. Einmal ist es sehr gitarrenlastig und sägend, um dann furios treibend nach vorne zu gehen. Trotzdem geht dabei nie der rote Faden verloren. Der ist vor allem in den absolut politisch geprägten Texten zu finden, wie man dem Titel der Scheibe schon entnehmen kann. Das kommt alles relativ subtil, wie man es eventuell von The Jam oder neuer von The Movement kennt. Jedenfalls eine sehr interessante und vor allem saumäßig eigenständige Platte. Bocky

STRESSOR – Burn Out!
(CD, Crazy Love Records)
Stressoren sind Stressfaktoren, die entstehen wenn der Körper auf innere oder äußere Reize reagiert. Stressoren können positiv oder negativ sein. Stressor sind eine Neo-Rockabilly-Band aus Tula in Russland, die kräftig Stress verursacht. Sicherlich keinen negativen, sondern eher Tanzstress. Und ein kräftiges Zucken in den Beinen auslöst, wie bei einem gekreuzigten Frosch auf dem Weg ins Jenseits. Apropos Frösche: Froschfresser san’s keine die Russen. Was ich damit sagen will, weiß ich selbst nicht genau. „Burn Out!“ ist ein solides, sehr nettes Album, vor allem für ein Debüt (ich nehme an, es ist eines). Aber kein Überhammer. Igor Frost

STUPIDS – Violent Nun / Peruvian Vacation / Retard Picnic / Complete Peel Sessions
(4 CDs, Boss Tuneage)
Nachdem BossTuneage uns schon mit Wiederveröffentlichungen von Perlen des England-Hardcores wie Ripcord und Heresy verwöhnt hat, legen sie nun eine umfangreiche Sammlung von den Stupids vor. Diese von 1984-87 aktive UK-Hardcore-Legende spielte einen stark von US-Punk beeinflussten Hardcore und lieferte vielen Skate Punk-Kids den Soundtrack. Hier ist nun auf vier CDs (alles schicke Digipacks) so gut wie alles, was die Stupids veröffentlicht haben, versammelt. Sie waren die erste Hardcore-Band, die eine Peel Session spielte und auch das ist hier dokumentiert. Für Freunde des gepflegten UK-Hardcore also Pflicht. Ralf

SUBSISTANCE – Bleed, Sweat & Strive
(CD, Arisen)
Diese drei Gesellen aus Montreal, Quebec, spielen wirklich flotten Hardcore-Punk mit Anarcho-Attitüde. Die Texte sind größtenteils auf Englisch, aber ein paar Mal darf’s auch Französisch sein. Als ich sie neulich in Schwäbisch Gmünd live gesehen hab (bei ihrem ersten Deutschland-Gig überhaupt), kamen sie irgendwie nicht ganz so fit rüber wie auf dieser Platte. Aber vielleicht waren sie da ja auch nur völlig platt angesichts der – laut Eigenaussage komplett ungewohnten – Rundumversorgung mit Bandessen und Freibier… Alan

SUBZERO TOPDOGS – Time To Win
(CD, Subdog Productions)
Rock im Schweinekostüm mit einem recht hohem Scum-Anteil, der versucht wie V8 zu klingen es aber nur knapp bis zum FiatPanda schafft. Die Band gibt es nun schon seit 14 Jahren und „Time To Win“ ist die vierte CD der Bamberger. Was soll ich sagen, ich find es zu eintönig, der Sänger klingt wie Subdog und 17 Tracks sind knapp 16 zuviel. Dennisdegenerate

DIE SUPERFREUNDE – Apfel Birne
(CD, Trash 2001 Rec.)
Tja, was lange währt… Seit nunmehr einer halben Dekade erfreuen die kosmopolitanen Emsländer die Kulturbewanderten unter den Homo Sapiensen, und erst jetzt ist die erste Vollzeit-Langspielplatte im Handel erhältlich. Natürlich sind unter einigen neuen Songs auch viele Remakes alter Klassiker vorhanden, die im neuen Gewand nun durch noch mehr Drive und filigranes Spiel begeistern. Alleine der umwerfend gefühlvolle, melancholisch-mitreißende Gesang von Bauer Bühl sorgt dafür, dass dieses Album einen Ehrenplatz im Regal eines jeden Musikkenners erhalten wird. Auch die melodischen, aber dennoch powervollen Riffs von Berten, sowie das treibende, nahezu kommunizierende Schlagzeug von Neiss, der zurecht als hiesiges Pendant zu Bill Stevenson gilt, sorgen dafür, dass Songs wie „Man findet keine Freunde mit Salat“, „Bier is leer“, „Kein Bock“ oder vor allem Megahit „Unsere Fans sind Schweine“ in die Annalen der Pop-Geschichte eingehen werden. Von Bühls elegantem Wortwitz ganz zu schweigen. Da müssen sich Muff Potter warm anziehen… Snitch

SWALLY OR SPIT – Affenzirkus
(CD, Hicktown Records)
Aus der nähe von Rosenheim, aus Bayern dem Mekka der ewig gestrigen, kommt die sympathische Pogopunkkapelle Swally Or Spit – zu deutsch: schlucken oder spucken. Die Debüt-CD kann man getrost schlucken. Klar vorkosten bietet sich an, aber alles in allem kann man da nix falsch machen. Stellenweise wird es mir zu bunt in punkto Doublebass, da wäre weniger mehr gewesen. Mir persönlich gefallen die Songs mit dem Mädel an Gesang am besten, speziell „Vernetzt“ ist ein richtiger Ohrwurm. Dennisdegenerate

TALCO – Mazel Tov
(CD, Mad Butcher)
Nach dem großartigen Vorgänger-Album „Combat Circus“ war ich gespannt wie ein Flitzebogen, wie wohl die neue Platte der Venezianer klingen würde. Denn der Polka-Skapunk, der in der Tat an einen Zirkus erinnerte, hatte etwas unglaublich Frisches und Belebendes, was unheimlich viel Spaß machte und von dem ich unbedingt mehr hören wollte. „Mazel Tov“, eigentlich ein jiddischer (Hochzeits-)Gruß, steht der Zirkusnummer in nichts nach, legt vielmehr noch ’ne Schippe Geschwindigkeit nach. Das ist wohl auch der Hänger dieser Platte. Man muss aufgedreht sein bis zum Anschlag, um mit dem Tempo mithalten zu können. Kann und will man das, gibt’s ’nen wilden Ritt durch eine aufgepeitschte See, die auf dem Cover angedeutet ist. Wer am Ende noch wissen will, worüber die Italiener singen, bekommt im Booklet die Texte auch in Englisch. Stürmischer Skapunk, der mir seinen Fanfaren zum fröhlichen Gelage einlädt. Bocky

TEAM TYSON – Jump Start My Head
(CD, Matula Rec./Rewika Rec.)
Auch bei Falk Fatal von Matula kann man sich darauf verlassen, dass kein Kappes in seinem Stall beherbergt wird. So auch bei der Nachfolge-Combo von Tigers Of Doom bzw. Ten Butt Fuck, die hier mit einem Garage-Trash-Rotzbalg daherkommen, das man als Freund jener Richtung sofort ins Herzken schließen muss. Wer die ersten beiden Hives-Platten abfeiert, sollte hier sofort lange Finger bekommen. Snitch

TRASHCAN DARLINGS – Real Fucking Make-Up
(CD, Strange Dolls Records)
Vergleichbar mit den New York Dolls, Ramones, Kiss oder Backyard Babies rocken die (zu gutem Recht) selbsternannten „Pioniere des Glam-Punk“ aus Oslo seit nunmehr 13 Jahren durch die Lande, im Juli angeblich zum letzten Mal auch durch Deutschland und passend zu ihrer angekündigten Auflösung, die Ende 2008 anstehen soll, hier noch mal eine schicke Compilation mit allen Hits der mittlerweile legendären „Gore Gore Boys…“-10“ und der längst vergriffenen Singles „I Just Wanna Die“, „Johnny Is A Drag-Queen“ oder „Holiday In My Head“. Zusätzlich gibt’s noch ein paar bisher unveröffentlichte Songs und ein paar ganz neue Stücke zu hören. Verfeinert wird das Ganze noch mit einem liebevoll gestalteten Booklet mit vielen Infos zur CD und den Songs. Jasmin

TRASHCAT – Too Much Ain’t Enough
(CD, www.trashcat.co.uk)
Überraschung!! Ein Teil der Restarts, eigentlich genau ein Drittel ist hier am Cut. „Too Much Ain’t Enough“ macht einen himmelweiten Unterschied. Sau rockig, stellenweise sehr repetitiv, sich wiederholend, speziell bei dem Song „Rock & Roll“. Sonst geht’s schwer in Richtung Dead Boys. Gefällt mir gut! dennisdegenerate

TROUBLEKID – s/t
(MCD, www.myspace.com/hitthetroublekid)
Straigthen Punkrock mit Punk’n’Roll, der gut nach vorne geht, bietet das Leipziger Trio Troublekid. Auch wenn die Band wohl derzeit wieder einen Drummer sucht, die beiden verbleibenden Damen werden sicher weiter machen und ihr Ding durchziehen.
Für ein Demo (4 Songs) ist das Album erstaunlich gut produziert und die Stücke professionell arrangiert. Insgesamt gar nicht schlecht, leider nicht aus der Masse anderer Band herausragend. Ich denke, in der Band steckt jedoch noch einiges drin. Igor Frost

TURBONEGRA – L‘ Ass Cobra
(CD, Wolverine Records)
TurbonegrA ist eine All Girl-Punkband aus San Francisco. Die Drummerin gründete die Band da sie auf einer der Euro-Touren mit ihrer Band Fabulous Disaster eine Mix-CD von Turbonegro hörte und sich sofort in die Musik verliebte. Es dauerte ein wenig, aber dann hatte sie genügend Frauen zusammen getrommelt, um den Songs von Turbonegro ihren Stempel aufzudrücken. Sie beleuchten das Turbonegro-Universum mal aus weiblicher Sicht- was Hits wie „Age Of Pamparius’“, „Don’t Say Motherfucker“ usw. sehr gut bekommt. Sie werden im Oktober hier auf Tour sein und mit Sicherheit dem geneigten Hörer ordentlich einheizen. Die TurboJugend wird eh dort sein aber auch allen anderen kann ich eine gepfefferte Portion Death Rock nur empfehlen. Ralf

TURBONEGRO – Small Feces Vol 1 + 2
(Do-CD, Edel Records)
Wir alle kennen und lieben Turbonegro. Wer noch nix von den Jungs gehört haben sollte, legt sich zum Einstieg die „Ass Cobra“ und die „Apocalypse Dudes“ zu. Für alle anderen die nie genug vom musikalischen Universum Turbonegros bekommen können, gibt es hier eine Doppel-CD im Digipack mit allerlei Material von Vinyls, Live, Coverversionen usw., das zwischen 1989 und 1997 aufgenommen wurde. Die Songcompilation war schon mal 2005 über den Mailorder von Bitzcore erhältlich und wird jetzt hier von Edel Records noch mal neu aufgelegt. Wem also noch die geniale St. Pauli-Version von „I Got Errection“ oder Black Flags „Six Pack“ mit Banjo fehlt sollte hier zugreifen und Spaß haben. Ralf

THE TURNPIKE CRUISERS – Rockin’ Possessed 1984 – 1986
(CD, Cherry Red)
Der Titel verrät es schon. Man hat es mit Stücken aus den Jahren 84 bis 86 zu tun. Schlecht waren die Turnpike Cruisers nicht. Eine Vergleichbarkeit mit King Kurt drängt sich auf. Und das liegt nicht nur an den Bläsern, wobei bei den Cruisers eindeutig zu viel getrötet wird, sondern oft auch am Gesang und am Stil überhaupt. Ein guter Irgendwas-billy, nur King Kurt waren doch etwas besser. Darum ist Kurt auch König und die Turnpike Cruisers sind höchstens eine Prinzenrolle. HH

USE TO ABUSE – Jesus Made My Rock’n’Roll
(LP, Brokenheart Records)
Will ein Vinyl-Freund einem Digitalfetischisten seinen Hang zur LP erläutern, landet dieser früher oder später bei den Vorzügen des großen Covers. In diesem Fall hat der Besitzer eines MP3-Sticks gewonnen. Eine Nachahmung der Kreuzigungsszene von Salvador Dalí. Nur der Herr hängt hier nicht am Kreuz, sondern an einer E-Gitarre (halbakustisch), welche eine Dornenkrone aufgesetzt hat. Musikalisch bewegt sich die Band zwischen Old School-Amihardcore und Turbonegro. Kann man ja machen, wenn man will, aber etwas mehr Abwechslung würde den Stücken schon gut tun. Etwas eintönig. Aber das Vinyl ist gelb mit schwarzen Flecken. Und da wären wir schon wieder am Anfang des Reviews… HH

V.A. – A Tribute To… Die Goldenen Zitronen
(CD, Major Label/SM-Musik)
Als steinalter Zitronenfan war klar, dass ich diese CD besprechen muss. Beim Verteilen des Reviewmaterials musste ich auch gar nicht lange um die CD kämpfen. Niemand hatte daran Interesse außer mir. Jetzt weiß ich warum. Die anderen Punkrock!er sind nicht so doof wie ich. Sie wussten schon im Voraus: Diese CD ist scheiße! Denn größtenteils befindet sich dort neben einigen wenigen würdigen tributierten Songs nur verfickte arty farty Kunstkacke, Elektrogedöns und Hamburger Schule-Lalala. Die Lichtblicke sind ganz klar Die Strafe, Los Banditos, Khmer, Rainald Grebe (coole „Für immer Punk“-Version), die Jungs die den Ghosttrack „Die chinesische Schubkarre“ gecovert haben, Japanische Kampfhörspiele und Guts Pie Earshot, die allesamt eher ältere Songs der Zitronen adaptieren. Die restlichen 15 Darbietungen gehen mir ganz gewaltig auf den Sack und klingen eindeutig nach den „neuen“ Zitronen. Klar, die DGZ lassen sich nicht auf ihre ersten vier Alben reduzieren, aber muss mir das gefallen, was sie danach noch gemacht haben. Nein! Und schon gar nicht das, was mir hier sonst noch in die Ohren gequetscht wird. Nennt mich rückständig, aber das hier braucht kein Mensch. Da hilft auch das hübsch aufgemachte Digipack mit Bio- und Diskographie nix. Hat nur aus Nostalgiegründen einen Platz im Regal verdient. Und da auch nur ganz hinten… Obnoxious

V.A. – Knock Out The Compilation Vol. 1 & Vol. 2
(CD, Knock Out)
Vor rund 15 Jahren erschien Teil 1 der Sampler-Reihe aus dem Hause des Ruhrpott-Lables. Wie man sich vielleicht denken kann, so sind beide Teile nicht mehr, oder nur schwer zu finden. Dies trifft ebenso auf Veröffentlichungen von Combos zu, die hier mit einem Song vertreten sind: Braindance, Short ’N‘ Curlies, The Blaggers ITA, Oimelz, Red Flag 77, Discocks und wie sie alle heißen. Außerdem sei noch anzumerken, dass die Compilation ein Cover von Sucker (Oxymoron) verpasst bekam und zum Preis einer CD vertickert wird. Also ’nen Haufen Value für ’nen Klicker und ’nen Knopf! Bocky

V.A. – Solidarity With The Antifa In Russia
(CD, Mad Butcher)
Seit langem mal wieder ein Soli-Sampler! Ein Brauch, der eher am Aussterben ist, wenn ich das recht bedenke. Komisch eigentlich. Dieser hier ist schon der vierte in der Reihe „Das ZK empfiehlt“ von dem Göttinger Traditionslabel. Entsprechend der Solidarität entstand die Compilation nicht in Alleinarbeit, es beteiligten sich ferner Sozialistische Kultur Arbeitsgruppe (SKA) aus Gütersloh, die dort auch ansässigen Cable Street Beatler und das international tätige Antifa-Net. Na und ebenso beeindruckend wie dieser Zusammenschluss liest sich auch der auf der CD enthaltende Bandmix: Los Fastidios, Talco, Microphone Mafia, Angelic Upstarts, The Oppressed, Rejected Youth, Red Union. Klar waren das nicht alle, die sich daran beteiligten, sondern insgesamt 21 Bands haben ihren Beitrag dazu geleistet. Zwei weitere Argumente neben dem ursprünglichen Grund weshalb man die Scheibe kaufen muss, sind zum einen der unschlagbare Preis von nur 7 Euro und das dicke Booklet. Darin bekommt man eine Einführung in die russische Nazi-Szene und wie krass jene ist. Also kauft den heißen Scheiß, denn der ist tatsächliche und direkte Solidarität! Bocky

V.A. – Start The Fire
(CD, Maniac Attack)
Haargh, was für ein geiler Sampler, das gleich mal vorne weg! Auf dem Silberling betürklinken sich 15 Bands, die momentan für Stylo-Frisuren, Nieten und hervorragende Unterhaltung garantieren. Darüber hinaus sind fast alle Songs exklusiv und noch nicht veröffentlicht. Doch das alleine soll nicht der Beweggrund zum Kauf sein, hier ’nen kurzen Einblick wer alles 2 Mal mitzockt: Pestpocken, Rejected Youth, Bakfiets Boys, The Ruffianz, Azrael, Sucubus, The Infected und noch 8 weitere Bands, die denen hier in nichts nachstehen. Wie gesagt, ganz schön wuchtig und Gefangene werden eh schon lange nicht mehr gemacht! Bocky

V.A. – Waffenbrüder – A Tribute To OHL
(CD, Sunny Bastards)
Wieso ich das hier bespreche? Na, wenn im Booklet 6 Negativ-Kritiken zitiert werden und 2 davon auf meine Rechnung gehen, dann lass ich mich natürlich nicht lumpen. Also was ich von Deutscher W. wirklich halten soll, weiß ich nicht. Seine letzten Standpunkte auf der „White Terror“-DVD fand ich sogar größtenteils richtig und so beschränkt, wie in seinen Texten gab er sich auch nicht. Er ist eben ’ne kontroverse Wurst, die sich in ihrer Rolle gut gefällt. Ich denke, das ist es auch schon. Was mich außerdem wunderte ist, Rawside und SS-Kaliert auf dem Sampler zu finden!? Schließlich noch eine Frage: Wieso macht man Tribute-Platten von noch bestehenden Bands? Bocky

WHITE FLAG – Wild Kingdom (Expanded Edition)
(CD, Empty Records Europe)
Re-Release des 1987er Albums plus das “Zero Hour”-Album von 1986 plus diverse Demos und Outtakes dieser Aufnahme-Sessions, davon sieben bisher unveröffentlichte Tracks. Von einigen werden White Flag als Erfinder des Pop-Punk gehandelt. Ihre erste Single erschien 1982. Die beiden hier versammelten Alben bilden wohl das Hauptwerk der Band (1999 erst erschien „Eternally Undone“). Zwischendurch und danach gab es immer wieder diverse Sampler-Beiträge und Singles. White Flag sind mehr Beatles als The Boys und andererseits mehr USA-Punkrock und davon die poppige Seite, um mal blödsinnige Vergleiche zu führen. Auf der Habenseite verbuche ich Ihnen einige nette Nummern und GANZ FETT ihre Version von Jefferson Airplane’s „White Rabbit“ mit Kim von den Muffs am Gesang (zu finden als Video auf der offiziellen Seite). Negativ finde ich den Overkill an Material (34 Stücke sind zuviel) und die Popcore-Songs (dann lieber Descendents) – aber das kann sich auch noch ändern! Diese Scheibe gewinnt bei mehrmaligen Hören, die Melodien graben sich wie Spulwürmer in deine Gehörgänge und sie jucken bis du sie blutig gekratzt hast. Captain Mocker

WILDE ZEITEN – Aufgeräumt wird später
(CD, Impact Records)
Wilde Zeiten ist so ’ne Band, genauso wie sellemols noch das Untergangskommando. Eigentlich will ich sie nicht mögen, weil wegen Tote Hosen-Abklatsch und so, aaber ich habe es noch nie in meinem Leben geschafft eine CD bei der Frontmann Michel seine Finger im Spiel hatte anzuhören ohne danach gleich noch mal auf Play zu drücken und gefallen an der Sache zu finden. Genauso ist es hier auch wieder. Die Musik geht aufgrund ihrer Einfachheit schnell ins Ohr, Punkrock mit großen Pop- und Schlagereinflüssen, die sehr stark an alte Hosen-Sachen erinnert. Dazu deutschsprachige Texte, die beim ersten Hören bereits zum Mitgrölen einladen, trotzdem aber Hirn haben. So sehr ich mich auch dagegen wehre, verdammte Scheiße, mir gefällt es einfach und ich kann nichts dagegen tun…. Dazu kommt allen Übels auch das absolut gelungene 1A Layout… Einziger Ausrutscher: Beckenbauers „Gute Freunde“ sollten sie wohl lieber den Superfreunden überlassen. Jasmin

X ONE WAY X – Start Whenever / YOUTH OF STRENGTH – We’re Not In This To Break Down The Walls Alone
(CD, Rookie Records)
Wie die Namen schon verraten gibt es hier Straight Edge-Hardcore von zwei Bands zu hören. X One Way X sind aus Amiland und Youth Of Strength stammen von der Insel. Wer seine Youth Of Today und Gorilla Biscuits gehört hat, weiß was ihn erwartet. Die Texte von Youth Of Strength lassen mich des Öfteren etwas schmunzeln, ist wohl nicht so ernst gemeint, sehr unterhaltsam. Wen euch das straighte Feeling etwas abhanden gekommen ist, dann gibt es hier ’ne Frischzellenkur. Ralf

ZAUNPFAHL – Ich war dabei
(CD+DVD, Fischkopp)
Reichlich ungewöhnlich finde ich Monster-Veröffentlichungen, die nicht für ein Jubiläum gemacht wurden. Doch ist es diese Art und Weise, was sie sympathisch macht, oder? Einfach nicht nach Regeln arbeiten, sondern so wie man es für richtig hält und dann halt machen. Genau das passt zu dem Trio aus Teterow. Die Jungs machen nämlich auch sonst alles so, wie sie es für richtig halten. Haben das eigene Label, machen das Booking selbst und kümmern sich immer noch selbst um die Fans. Quasi alles, was Punk und DIY ausmacht. Auf der CD ist fast das komplette Konzert in Stavenhagen und geht über 78 Minuten. Die DVD hingegen geht sogar knapp 2 Stunden und darauf sind dann sogar die Songs vertreten, die die FSK nicht auf dem Tonträger haben wollte. Wie das zusammenpasst wissen die sicher mal wieder selbst nicht. Wie dem auch sei, für den Zaunpfahl-Fan ein Deluxe-Paket, weil aus all ihren Schaffensphasen was mit dabei ist. Bocky

ZWAKKELMANN – Vollhorst
(CD, RilRec)
Die CD, die hier als „Singspiel in 20 Liedern“ angepriesen wird, stellt tatsächlich eine Art „Miniatur-Punkrock-Oper“ dar. Titelheld der Story ist Horst, ein sympathischen Loser vom Niederrhein, der einen Wochenendausflug in den Pott unternimmt, um dort sein Glück zu finden. Lustige Idee, bei deren Umsetzung es leider etwas hapert. Einerseits haut mich die Story nicht sonderlich vom Hocker, andererseits wird mir die Musik schnell zu eintönig. Letzteres kann allerdings auf meine Abneigung gegenüber melodischem, gitarrelastigem Pop-Punk zurückzuführen sein. Für wahre Schließmuskel-Fans stellt diese CD dennoch ein Highlight dar. Deutlich ist zu hören, dass Ex-Sänger Schlaffke Wolff auch hier den Ton angibt. Zechi

ZWAKKELMANN – Vollhorst – Singspiel in 20 Liedern
(CD, RilRec)
Wie eine Pfütze vom Autoreifen des vorbeifahrenden Wagens in die Richtung meiner Hose verdrängt wird, so klebt auch dieses Gefühl von trautem Heimweh an mir. Zwakkelmann hat in seinem dritten Sololangspieler einen Weg beschritten, den ich aufgrund der selben regionalen Herkunft wie meine Jackentasche kenne. In zwanzig Liedern reist der Protagonist Horst, hin und her gerissen, aus seinem niederrheinischen „Dorf im Grünen“ mit dem Regional Express nach Duisburg um dort auf einer Party eines Kumpels eventuell der Tristesse zu entfliehen. Währendessen schweift sein Blick durch die Stahlwurst und er trifft kuriose Gestalten, besingt das „Barfly“ in Wesel, eine hübsch hässliche Kaschemme mit Assi-Charme, in der man so wunderbar am Tresen kleben kann. Horst saust ins Ruhrgebiet, schön is’ anders… Es geht um verlorene Liebe um das Körnchen Hoffnung DIE große Liebe doch noch irgendwo zu finden und sei es im Gorki Park in Moskau. Dieses Album macht so viel Spaß wie ein gesungener Jim Jarmusch-Film, lakonisch und herzlich, traurig und zum Lachen. Die Gestalten, die Horst trifft, kennt man von Deix oder aus der Bahn. Das was der Schlaffke hier mit „Tommy“ von The Who vergleicht, ist ein ganz persönliches Ding, das seines Gleichen sucht. Vor kurzem war die Release-Party im besagten Zug und ich war leider nicht da, aber was ich jedem ans Herz legen kann, ist in der aktuellen Plastic Bomb Nr. 64 Michas Vorwort zu lesen. Der war dabei und ich musste laut lachen über das was er da beschreibt. Diese, im Ansatz autobiographische Miniatur-Punkrock-Oper, ist ganz und gar wunderbar. Der Sound ist unheimlich abwechslungsreich, von Gabba Gabba Hey bis melancholisch, trifft’s den Nagel auf den Kopf. dennisdegenerate



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