Tonträger Reviews M-N

| Dezember 10th, 2008

MACC LADS – Beer & Sex & Chips’n’Gravy + Bitter, Fit Crack / Live At Leeds (The Who?) + From Beer To Eternity / The Beer Necessities + Alehouse Rock
(Jeweils Do-CD, Anagram)
Wenn man alle drei Doppel-CDs kauft, müsste man nahezu das Gesamtwerk der Macc Lads haben. Die Macc Lads gründeten sich Ende der 70er, daher ist es nicht verwunderlich, dass typischer 77er-Punk die musikalische Grundlage bildet. Der Gesang ist aber eher an den 80er-Bands à la No Future oder Riot City orientiert. Manche Refrains könnten auch von den Gonads oder ähnlichen Oi!-Bands stammen. Manchmal klingt das Ganze aber auch wie Half Men Half Biscuit oder wie Serious Drinking. Textlich widmet sich die Band maßgeblich dem Alkoholverzehr. Ob man nun wirklich alle drei Dinger braucht ist fraglich, da die Macc Lads aber gut sind, sollte man schon eine dieser CDs besitzen. Am besten finde ich die „Beer & Sex & Chips’n’Gravy“ und die „The Beer Necessities“. Blöderweise sind die nicht zusammen auf einer Doppel-CD. Das könnte ärgerlich sein… HH

MADLOCKS – Riot
(CD, Broken Silence Rec.)
Hier haben wir es mit dem Debut der vier BerlinerInnen zu tun, die laut Waschzettel bereits „eine 9-jährige Bandgeschichte“ auf dem Buckel haben. Angesichts so unglaublich origineller Songtitel wie „Riot“, „No Future“, „About Playing In A Band“ (hui, klingt ja spannend!), „Fuck You“, „United“ (gähn) oder „Good Night White Pride“ (gääähn!) ist mir ehrlich gesagt im Vorfeld schon die Lust auf den Konsum vergangen. Aber wenigstens musikalisch kann die Bande halbwegs überzeugen. Ob der Bandname nun eine Hommage an den ersten (und aktuellen) Bassisten der Sex Pistols sein soll, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Passen würde aber es zu dem stark 77-orientierten Streetpunk der Hauptstädter, die übrigens, nicht genug der Wortspiele, unter der Federführung eines gewissen „Tripper John, ND“ unterwegs sind. Als Support für die UK Subs wären sie also durchaus kompatibel… Snitch

ME FIRST AND THE GIMME GIMMES – Have Another Ball!
(LP/CD, Fat Wreck)
Vor 10 Jahren hat die Fat-Wreck-Allstar-Combo ihre erste Scheibe namens „Have A Ball“ rausgebracht und ursprünglich war damals geplant, das Ganze als Doppelalbum zu veröffentlichen, kurzerhand wurde sich allerdings dagegen entschieden und somit verschwanden massenhaft bereits aufgenommene Songs für die nächsten 10 Jahre in den Tiefen des Fat Wreck-Archivs. Nun wurden die Lieder wieder ausgegraben, geremixed, remastert und den Massen zum Fraß vorgeworfen. Ich l-i-e-b-e Me First… und so wird’s auch immer bleiben. Dank dieser Band habe ich seit nunmehr 13 Jahren sämtliche 60er und 70er Rock und Pop-Perlen kennen lernen dürfen, die sich mir – junger Hüpfer, der ich bin – ansonsten wohl zeitlebens meiner Kenntnis entzogen hätten. Somit habe ich in meiner 8. Unterrichtsstunde in Learning Old American Popsongs Lieder namens „I Write The Songs“, „Sodomy“, „You’ve Got A Friend“ und viel mehr erlernen dürfen. Wie immer gibt’s beim Kauf einer LP die CD gratis dazu. Jasmin

MENACE – No Escape From Nowhere
(CD, Sunny Bastard)
Menace sind die Altmeister des 77er Punkrock und gelten mit zu den Pionieren des britischen Oi-Punk. Wer kennt nicht unvergessene Hits wie „GLC“ oder „Screwed Up“. Seit den 90ern sind die Jungs wieder aktiv und nach doch eher durchschnittlichen Alben auf Captain Oi, ist man nun mit dem neuen Album bei Sunny Bastard gelandet. Doch auch hier lassen mich die insgesamt 14 Songs irgendwie die nötige Power vermissen. Was allerdings nicht heißen soll, dass sie schlecht sind, aber irgendwie will der Funke nicht so recht überspringen. Die Platte langweilt mich doch recht schnell. Daher leider nur bedingt zu empfehlen (vielleicht wird’s ja nach längerem Hören besser). Thorsten

MENCER VERMELLO – Krasnyj Rassvet
(CD, Mai Morirem/Redstar 73)
Genau wie ihre Labelkollegen von Nucleo Terco verstehen diese galizischen Redskins sich als „Proletarierrockband“. Und genau wie ihre madrilenischen Kollegen machen sie in politischer Hinsicht keine halben Sachen, sondern feiern ziemlich eindeutig den Kommunismus sowjetischer Prägung ab (inkl. Onkel Jupp) und wettern nicht minder fleißig gegen Dissidenten, Renegaten und die „Terrorlüge“. Ach du grüne Neune… Als gäb’s in unseren Kreisen nicht schon genug bekloppte Polit-Dogmatiker, müssen Bands aus unserer Szene jetzt auch noch menschenverachtende Regime verkitschen? Kommt demnächst vielleicht auch noch Pol Pot zu neuen Ehren? (Bringt wohl nix, wenn ich mir an dieser Stelle die Dead Kennedys zurückwünsche, was?) Dass ihr galizischer Nationalismus und ihre „Palästina wird siegen!“-Parolen bei einem gehörigen Teil der hiesigen Linken nicht allzu gut ankommen dürften, brauche ich eigentlich nicht extra erwähnen… (Ich tue es aber trotzdem, ätsch!) Nach dem Besingen des mit viel Wodka begossenen Siegs der 38. Armee bei Stalingrad („für Lenin, für Stalin, für das Proletariat“) gegen Ende der CD werden zum Abschluss noch Cock Sparrer mit „England Belongs To Me“ gecovert (…aber natürlich umgedichtet auf Galizien). Fazit: So sehr mir innerlinke Streitereien auch auf die Nerven gehen, meine politische Schmerzgrenze ist hier eindeutig überschritten… Alan

MILLOY – Creating Problems While Practising Solutions
(CD, Rookie/Boss Tuneage)
Yorkshire, England. Irgendwie Hardcore-Emo plus sonstiges. Ich find’s ein wenig akademisch angelegt, sowohl musikalisch als auch sonst. Das Inlay zieren PC-Standard-Layout-Programm anmutende Design-Elemente und Druckfahnen vor Chemielabor-hintergrundigem. Die Texte sagen mir nichts, sind glaub ich eher offene Briefe an Leute, die ich nicht bin. Auch wenn es mir musikalisch stellenweise ausgezählt und mathematisch anmutet, finde ich es dennoch nicht gänzlich uninteressant. Vielleicht fehlt mir nur gerade der Zugang und DU findest ihn Ende Oktober auf der einwöchigen Deutschlandtour, weil du weitaus mehr mit Leatherface, Hot Water Music und Samiam anfangen kannst als ich, Captain Mocker

MI SAN DAO – Proud Of The Way
(CD, Saalepower-Records)
Hier gibt’s was richtig Exotisches. Real Skinheads of China nennt man sich selbstbewusst. Das es in einem so menschenverachtenden Land wie China überhaupt Punks und Skins gibt, zollt meinen Respekt für die Leute dort. Die 4 Jungs aus Peking geben sich wirklich Mühe authentisch rüber zu kommen. In jedem Lied ist im 10-Sekunden-Takt ein „Oi!“- oder „Skinhead“-Ruf zu hören, und musikalisch orientiert man sich auch an englischen Vorbildern wie Last Resort oder Condemned 84. Gesungen wird in Chinesisch und in schlechtem Englisch. Textzeilen wie „We wanna drink on the street, we wanna jam on the street, we wanna fight on the street, we wanna walking down on the street“. Großartig! Wenn ich es nicht wüsste, hätte ich gedacht das ist die neue Hard Skin-Platte. Als Bonus zu den 18 Songs gibt’s noch einen sehenswerten Video-Clip. Dieses Album hat größten Unterhaltungsfaktor. Ich glaube nur, dass Mi San Dao das alles wirklich ernst meinen… Thorsten

MITARBEITER DES MONATS – Showing Phoenix the Way To The Queue
(CD, www.mitarbeiterdesmonats.de)
Die Band kommt aus den Untiefen Nordrhein-Westfalens, genauer aus Datteln. Dort ist das Zwangstrio, zwei Member mussten die Band verlassen, sicher nicht unbekannt. Denn der melodische Punk, den sie spielen, ist gut und lädt zum Tanzen ein. Was sich überregional allerdings als Hürde erweisen wird ist, dass die Band letztes Jahr gerade mal zehn Shows spielte. Dieses Jahr sind mindestens doppelt so viele Konzerte geplant. Das will ich ihnen aber auch raten, denn für ’ne Band ohne Label und Vertrieb ist es anders schwer möglich, seine Scheibe unters Volk zu bringen. Das ist es aber auch, was die Band sehr sympathisch macht. Alles ist DIY, sie geben sich Mühe, man merkt ihnen den Spaß an. So soll es sein. Was ich jedoch nicht verstand: Wieso sie sich nicht „Employee Of The Month“ nannten, da alle Texte eh in Englisch sind!? Bocky

MODENA CITY RAMBLERS – Bella Ciao
(CD, Leech)
Wenn’s noch mehr solcher Bands wie diese „Combat Folk“-Truppe aus Modena geben sollte, könnte sich zu meiner Vorliebe für irischen, balkanischen und spanischen Folk auch noch eine für italienischen dazugesellen – so gut laufen mir die einschlägigen Stücke „La Banda Del Sogno Interrotto“ und „La Fiola“ rein. Auch „Ebony“, eine melancholische Ballade über das Schicksal einer illegalisierten afrikanischen Migrantin, geht unter die Haut. Von diesen Highlights und einigen weiteren guten Tracks mal abgesehen dudelt die CD für meinen Geschmack jedoch manchmal ein bisschen arg langweilig vor sich hin, und v.a. die beiden Versionen der Partisanenhymne „Bella Ciao“ kommen eher überflüssig rüber. Alan

MONDO GUZZI – 100% Baumwolle
(Oberkörpertextil)
Ein sehr schönes und dezentes T-Shirt Mannheims Schweinerocker Nr. 1. Der polyesterfreie Stoff ist schwarz eingefärbt, darauf prangt der Bandschriftzug in oberer Brusthöhe in Schmutzgelb. Die Ärmel reichen nicht mal bis zu den Ellenbogen, was ein Tragen bei Temperaturen von über 15º C durchaus ermöglicht. Der Kragenbund ist etwas zu eng ausgefallen, kann aber abgeschnitten werden, ohne dass das restliche Produkt zerfällt. Gefällt. HH

MONKEEMAN – Life In The Backseat
(CD, Rookie Rec.)
Cooler Plattentitel, der sowohl metaphorisch als auch buchstäblich zu gebrauchen ist. Diesmal gibbet aus dem Hause Rookie recht flotten, deutlich Nordbritannien-gefärbten Powerpop, der vom Songwriting her mehr als einmal an den in die Jahre gekommenen Teenage Fanclub erinnert. Auch die üblichen Mod-Verdächtigen sagen öfters mal Hallo, von Supergrass und den Who ganz zu schweigen. Gute Sommerplatte. Snitch

MONSTER SQUAD – Strength Through Pain
(CD, Razorblade)
Was für ein ultrageiles Brett ist das denn? Im Januar oder Februar sah ich die HC-Riot-Amis erstmals live und war so gar nicht angetan. Das lag aber auch daran, dass der Sound viel zu laut war, weshalb ich und einige andere mehr es vorzogen im Vorraum wie wild zu rauchen. Vielleicht sollte ich mir doch mal Ohrstöpsel kaufen, dann würde mir dergleichen nicht mehr passieren und die tollen Bands würden mir gleich auffallen! Wie dem auch sei, dieses Album der Kalifornier erscheint auf dem SS-Kaliert-eigenen Label. Dementsprechend kann man sich wohl vorstellen, was geboten wird. Furios treibende Gitarren mit einem Sänger voller Aggressionen, Wut und Verzweiflung. Auch textlich weiß man mehr als zu gefallen, gibt sich keine Blöße. Selbst ins Deutsche übersetzt klingen die Texte nicht peinlich. Obendrein haben die Melodien Ohrwurmcharakter und die Refrains bleiben leicht in den Ohren hängen. Geiler Faust-in-die-Luft-Pogopunk. Bocky

N’AM HAMMANIT – ADÉ
(CD, HYPERLINK „mailto:namhammanit@gmx.de“ namhammanit@gmx.de)
Na, da hatte ich doch auch mal ein glückliches Händchen als es beim Promoverteilen hieß: „Von der übrig gebliebenen Scheiße muss jetzt jeder noch eine CD nehmen und besprechen.“ Denn N’am Hammanit sind völlig zu Unrecht in der Punkrock!-Redaktion ein unbeschriebenes Blatt und der etwas bescheuerte Bandname lässt ja auch nicht unbedingt die pure Neugier aufblitzen. Mit unverhohlenem Widerwillen also die CD in den Schlitz geschoben und was passiert? Ein Zeichen! Ein Wunder! Die Kölner machen völlig geilen 80er-Jahre-Stakkato-Deutschpunk (mal vom folkloristischen Intro des ersten Songs abgesehen). Wenn Deutschpunk dann bitte so. Notfalls auf Kölsch und sogar in einem Song auf Französisch (zumindest teilweise). Dazu kommt das eher ungewöhnliche Line-Up. Neben Bass und Gitarre wird die Mandoline bedient, das Schlagzeug spielt ein Teddybär via Computer und als Highlight und viertes Bandmitglied zieht Rasta-Heino an der Triangel und den Faxen live sicherlich eine coole Show ab. Endlich mal was anderes. „Adé“ bietet als Demo respektive DIY-Produktion auf CD und sogar als MC 12 feine Punk-Songs in 24 Minuten. Ein Kracher nach dem anderen und wirklich eine sehr sympathische Veröffentlichung. Unbedingt mal anchecken. Da die Homepage im Moment noch eine Baustelle ist am besten über My Space. Und unbedingt auch mal einen Gig mit den Jungs veranstalten… Ich bin ganz hin und weg. Unterstützt die Band wo Ihr nur könnt! Obnoxious

NEUME – Weltuntergangsmaschine
(Demo-CD guckst Du Myspace)
Gerade mal zwei Herren hauen uns hier via Klampfe, Schlagzeug und Gesang sechs Noise-Rock-Nümmerkens um die Ohren, die durchaus was können und zum Teil an alte Mudhoney- und Soundgarten-Klänge erinnern. Zum Glück also nicht so pathetisch, wie es der Titel vermuten lassen könnte. Da dürfte sich wohl in Kürze ein passendes Label für finden. Aber, die Herren, an ’nem Bassisten sollte man wirklich nicht sparen… Snitch

NICHTSDESTOTROTZ – Nichts
(CD, ericmeskes@web.de)
Nichtsdestotrotz, dass wir in dem beigelegten Anschreibe-Brief gesiezt werden, hier nun eine Kritik Ihrer CD, die wir in unserem Magazin veröffentlichen. Nichtsdestotrotz, dass man eigentlich eine Kritik für ein Magazin selbst verfassen sollte, erlaube ich mir, Ihre Bandinfo ein Stück weit zu zitieren: „Name: nichtsdestotrotz, Genre: deutschsprachiger Punkrock, Wohnhaft: Willich am linken Niederrhein“. Nichtsdestotrotz, dass jetzt ein von mir selbstverfasster Text kommen sollte, erlaube ich mir, noch ein weiteres Zitat aus dem Anschreiben an unsere Leserschaft weiterzuleiten: „Desweiteren suchen wir noch allerlei Unterstützung für die Band. Also wenn Sie irgendwie Interesse daran haben, unsere Band zu unterstützen, wären wir sehr dankbar.“ Jo, bitte, was soll ich machen? Ihnen eine Vorlesung über Etikette im Punkrock halten? Oder darüber wie man gute Musik schreibt? Sorry, Jungs, Sie bieten einfach zu viel Angriffsfläche, die es mir in keinster Weise ermöglicht, eine ernsthafte Kritik für unser Magazin zu schreiben. Mit freundlichen Grüßen an den linken Niederrhein,
Frau Jasmin Fußer (Redakteurin, Punkrock!Fanzine)

THE NIGHT MARCHERS – See You In Magic
(CD, Vagrant)
Die Night Marchers sind die neue Band von Ex-Rocket From The Crypt-Frontmann Speedo. Da werden die Erwartungen hoch angesetzt… und enttäuscht, wenn man eine bloße RFTC-Blaupause erwartet. Aber das wäre auch langweilig. Klar, RFTC klingen stets durch, die Handschrift Speedos blieb erhalten, aber die Night Marchers sind eher eine reduzierte, abgespeckte Nachfolge. Die Bläser sind weg und die Chose ist garagiger (Gibt es das Wort überhaupt? Egal, mir gefällt es!). Das Rumgezappel beim Anhören ist immer noch da. Ich bin hochzufrieden. HH

NI JU SAN – Besser als schlecht – Live in Remscheid
(CD, Nix Gut)
Kollege Richard hatte in einer der letzten Ausgaben die Mucke von Ni Ju San als Sozialarbeiterpunk bezeichnet. Jetzt weiß ich: Recht hat er. Es handelt sich sogar um weichgespülten Sozialarbeiterpunk mit scheiß Rockwixersoli, der sich zwischen Terrorgruppe, den Toten Hosen und den Ärzte bewegt, aber nicht annähernd die Qualitäten dieser Bands erreicht. In „Viva Utopia“ wird sogar ein Wizo-Zitat bemüht. Naja, wer’s braucht… Live-Alben durften früher ohnehin nur die Großen machen. Wo sind wir bloß hingekommen? Mit 1 Stunde, 17 Minuten ist der Dreck eh viel zu lang geraten. Muss so was sein? Was technisch machbar ist, muss auch nicht qualitativ die beste Lösung sein. Anfangs klingt ja alles noch einigermaßen okay, aber mit der Zeit geht das hier doch ganz gewaltig auf die Nerven. Typisch Nix Gut, typisch Punk aus Kiel. Weg damit! Obnoxious

NITRO 17 – Onto The Other Side
(CD, Drunkabilly Records)
Da Tex Morton einer der beiden Gitarristen von Nitro 17 ist, ist es fast schon klar, dass Rock’n’Roll, bzw. Rockabilly die musikalische Basis ist. Gepaart wird dieses aber noch mit einer gehörigen Prise Alternative-Indie-Rock der 80er (wie immer das jetzt auch genannt werden will).Was dabei herauskommt ist, ich zitiere, weil sehr treffend, die Rezipienteninfo, „eingängig, frisch, charmant und extrem fluffig.“ Da stimme ich zu, auch wenn ich nicht genau weiß, was „fluffig“ ist. Dieser eigenständige Sound ist anregend, macht Spaß und auch das Smiths-Cover am Schluss ist passend und verwundert daher auch gar nicht. Prima. HH

NO AUTHORITY – Don’t Lose Heart
(CD, Leech)
Ska-Punk-Rock aus’m Schwarzwald, wie man ihn schon Millionen Male gehört hat: glatt wie ein Babypopo. Die südbadische Russenhochburg Lahr hatte früher mal wegen ihrer trinkfesten Punkszene durchaus einen guten Ruf bei mir, aber wenn sie jetzt nur noch solche Sportfestkapellen hervorbringt, ist es wohl an der Zeit, umzudenken… Alan

NO LIFE LOST – Von Santa Fu bis Saint Tropez
(CD, Flat Daddy Records)
Von Santa Fu bis Saint Tropez – ich, Farin Urlaub, bekomme gute Laune von dieser Ska-Musika, von diesen norddeutschen Fußball-, Party- und Alkohol-Alltagsphilosophien, von Rock-O-cHarmonie-Schlagern und diesen Soul berührenden Stücken, so dass ich schon beim ersten Song „HUAH!!“ schreie. Erst recht bei Titeln wie „Ich möchte ein Mädchen kennenlernen“ und „Die Welt und ich“, „Ich fühle Sex in mir“. Hier sind diverse HH-Punkrock-Roots-Urgesteine am Werke, die wahre Größe beweisend, nicht groß auf bereits Erreichtes verweisen, sondern in dieser Zusammensetzung „wesentlich ausgetüftelter, als man das von einer Punkband erwarten würde, schöne Bläser, schöne Chöre und vor allem super eingängige Melodien“ raushauen. Wie beim Fußball ist zwar nicht jeder Schuss ein Treffer, aber man kann auch ohne Tore lustig sein. Einziges Manko, für mich als Balla-Legastheniker, ist der Hang zu runden Lederlobhudeleien. Euer scheinbar seit dem Slackers-Artikel zum Ska-Kompetenz-Center mutierter und sich mit dieser CD als Konsequenz im CD-Spieler sehr wohlfühlender, Captain Mocker

NOMATRIX – s/t
(CD, Deadlambrecords)
Cooler simpler Midtempo-Dorfpunk aus Irland. Schöne Antitexte. Der Gesang hört sich teilweise ein wenig Green Day-mäßig an, die Mucke kommt aber viel dreckiger. Also jetzt kein absoluter Knaller, aber echt sympathischer Punkrock. chemical maze

NO SHAME – White Of Hope Turning Black
(CD, Fullsteam Records)
Mein erster Gedanke war: „Wow, I Walk The Line mit nicht ganz so viel Melancholie und ohne Orgel.“ Und das trifft es, glaube ich, auch sehr gut. No Shame aus Salo/Finnland gibt es mittlerweile auch schon seit über 10 Jahren und haben eine umfassende Discographie im Rücken. Tragisch, dass man sie erst jetzt kennenlernt. Eine Band, die ich sehr gerne mal live sehen würde, denn schon auf Konserve fördern die vier Jungs eine fast unglaubliche Präsenz zu Tage – mal Midtempo, mal als Brett. Wobei sie trotz Labelunterstützung alles so weit wie möglich unter eigener Kontrolle halten. Es gibt keine My Space-Seite, die Konzerte werden bewusst billig gehalten, ihre CDs verkaufen sie zu spottbilligen Preisen auf Konzerten und es gibt ein klares Nein an Majorlabels. Das nenne ich „Punk with an Attitude“. „White Of Hope Turning Black” erscheint als fein aufgemachtes Digipack mit Artwork-Booklet inclusive allen Texten. Das Ganze kommt als apokalyptische Vision der westlichen Gesellschaft und Spiegel der eigenen (depressiven) Lebensgefühle daher, aber nicht hoffnungslos. Ums kurz zu machen: Nach I Walk The Line sind No Shame eine weitere Band aus Finnland, die man uneingeschränkt empfehlen kann und muss. Punkrock wie er aktueller und tiefgründiger nicht sein kann. Unbedingt anchecken, Ihr werdet alles andere als enttäuscht sein! Obnoxious

NOWHITERAG – Nothing Left
(CD, Nuclear Chaos)
Eine der jüngsten Entwicklungen im Punk/HC-Undergroundbereich ist es ja, dass Platten von einzelnen Bands nicht mehr nur von einem, sondern in Co-Produktion von vielen verschiedenen Labels auf den Markt geworfen werden. Dass aber eine Platte gleich von 16(!) Labels getragen wird, wie die von NoWhiteRag, die ich gerade in der Hand halte, das hab ich so auch noch net erlebt. Aber gut so, gut so sage ich, dadurch steigt die internationale Zusammenarbeit und das Netzwerk kann sich weiter ausbreiten und verstärken. Aber genug des Gefasels, legen wir los: NWR aus Modena, Italien spielen hymnenlastigen Hardcorepunk, oder „Chaos Punk“ wie man heute zu sagen pflegt und mir fällt zuerst die große Ähnlichkeit zu den New Yorker Casualties auf, einige Songs könnten echt von denen stammen. Allerdings wird hauptsächlich auf Italienisch gesungen, was dem Sound doch ’ne eigene Note verleiht. Nichts wirklich Neues, aber insgesamt eine echt feine Sache, die live garantiert gut abgeht. chemical maze

NÚCLEO TERCO – La Comision De La Estaca
(CD, Mai Morirem/Redstar 73)
Diese Redskin-Combo aus Madrid bezeichnet ihren Oi!-Punk mit HC-Einschlag selbst als „rock proletario“ und legt hiermit bereits Album Nr.4 vor. Von Anarcho-Seite sind sie wohl schon ein paar Mal für ihre autoritär-kommunistische Ausrichtung bzw. ihre Verherrlichung von Diktatoren wie Stalin und Mao kritisiert worden. Diese Kritik geben sie auf dieser Platte mit dem Song „Lo Tuyo Es Imposible“ zurück, und werfen ihrerseits ihren anarchistischen Kritikern vor, Gedankenzensur zu betreiben und „Marionetten des Kapitals“ zu sein. Naja, also was mich betrifft, wecken derartige Anschuldigungen aus dem Munde pro-sowjetischer Kommunisten gerade im spanischen Kontext äußerst ungute Erinnerungen an vergangene stalinistische Verfolgungsorgien… Davon mal abgesehen bekommen sie jedoch meine vollste Zustimmung für ihre Lieder zu Ehren revolutionärer Frauen („Tres mujeres“) und gegen sog. Unpolitische, die auf beiden Hochzeit tanzen wollen („Mal acaba“), sowie für die auf Italienisch vorgetragene Forderung „Rübe ab für Paolo Di Canio!“, den faschistischen Ex-Fußballprofi von Lazio Rom („Testa in giù“). Wie immer bei spanischen linken Skin-Bands kommt auch die Gewaltverherrlichung nicht zu kurz, und das passt zur Mucke wie die Faust aufs Bonehead-Auge, denn ein tüchtiges Brett bietet die Platte allemal! Alan



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