Tonträger Reviews E-G

| Dezember 10th, 2008

EATER – The Album
(Do-CD, Anagram)
Eater gehörten zu den frühen Londoner Punkbands. Sie veröffentlichten ein paar Singles und ein Album. Danach lösten sie sich auf, um 1996 beim Holidays In The Sun in Blackpool wieder aufzutauchen. Der vollständige offizielle Studio-Output inkl. einiger Livetracks der Band befindet sich auf dieser Do-CD. Falls jemand der Leserschaft noch nicht weiß, wie Eater klingen: Eater klingen wie typischer 77er-Punk aus England. Das ist nicht originell, aber genial. Das Gerät gehört in jeden Haushalt, welcher ein Faible für alten Punkrock hat. Ohne wenn und auch ohne aber. HH

EINSTURZ – Konfrontation
(CD, Nix Gut)
Eine weitere Veröffentlichung aus dem Hause Nix Gut. Deutschsprachiger mittelschneller Punkrock aus dem Kuhdorf Visbeck irgendwo in der norddeutschen Pampa. Schön zu wissen, dass es da oben in der Provinz noch Leute gibt, die es schaffen ’ne Band auf die Beine zu stellen und seit nunmehr 11 Jahren durchgehalten haben. Weiter so! Besonders erwähnenswert: Die CD ist offensichtlich komplett in Eigenproduktion entstanden – in einer Wahnsinnsqualität, bei der sich so mancher Profi noch ’ne Scheibe abschneiden kann. Jasmin

ENTWAFFNUNG – Life Is A Killer
(CD, Toxx Records)
Entwaffnung kommen aus der Schweiz und machen deutsch-englischen Streetpunk. Als „Revolution in der Ch-Punk-Szene, da es vorher keine andere CH-Band gab, die soviel Ironie und Selbstkritik mit einer schnellen, aggressiven Musik mischte“, wie im Beipack hochtrabend angekündigt, kann man diese Band dann wohl eher doch net bezeichnen, da hier wirklich gar nix Neues zu hören ist. 90er Ufta-Streetpunk, der einfach nur nervt. Und Hauptsache ein paar englische Songs, ey! Und für welch „erheblichen Wirbel“ der Track „Tale About The City“ „schon vor der Veröffentlichung“ gesorgt haben soll, ist mir ebenfalls schleierhaft. chemical maze

FALL OF EFRAFA – Elil
(CD, Alerta Antifascista)
Auf die neue Fall Of Efrafa hab ich ja schon sehnsüchtig gewartet da sie uns ja bisher mit hervorragendem Neo-Crust im Stile von Madame Germen usw. verwöhnt haben. Nach einem gediegenen Intro, das einem die Apokalypse schon mal schmackhaft machen soll, wird zuerst in einen spartanisch instrumentierten Akustikgitarrenpart übergeleitet. Die erwartete Apokalypse fällt also erstmal aus und wird dann aber nach 6:40 Min nachgereicht – volles Brett wie es sein soll. Auch die andern Songs enthalten ausgedehnte Akustikparts, die einem immer wieder mit der eigenen Leere konfrontieren – also nichts für’s schnelle Konsumieren und Betäuben. Diese Scheibe will intensiv und aufmerksam gehört werden, damit sich der ganze Glanz entfalten kann, und sich nach einer Stunde dieses Gefühl von Katharsis breit macht. Carpe diem. Ralf

FAST FOOT – Dead Men Walking

(CD, Rilrec)
Sicher sind die drei Ruhrpottler gute Freunde vom Label oder haben jemanden aus deren Reihen in Geiselhaft. Denn aufgrund ihres musikalischen Vermögens hat es das Trio sicher nicht geschafft die Rilrecer zu überzeugen. Da ist bestimmt einer dem anderen noch was schuldig, anders ist es nicht zu erklären, wie es die Kirmesrocker schafften, jemanden zu finden, der ihren Quatsch veröffentlicht. Oder kann man mir plausibel erklären, warum ’ne Mittdreißiger-Band ungestraft ’nen Song mit dem Titel „667 – The Neighbour Of The Beast“ schreiben darf. Das ist pubertärer Mist, wegen dem sogar Iron Maiden zu kriminellen Schlägern werden würden (Ich habe immer gedacht, Iron Maiden wären kriminelle Schläger und deshalb auch so berühmt, Anm. Obnoxious), würden sie davon wissen. Ich denk‘, ich schick das denen jetzt mal! Bocky

FINISTERRE – s/t
(CD, Contraszt!/Sengaja Rec.)
Wenn sich eine Crusten-Combo schon „Arsch der Welt“ nennt (nach dem gleichnamigen spanischen Kap), könnte es wohl passender kaum sein. Dementsprechend verkünden die sechs MusikantInnen nicht gerade die reinste Lebensfreude mit ihrem energischen D-Beat-Tsunami. Titel wie „Asphalt“, „Depression“ oder „Bauchweh“ sprechen da Bände. Letzteres ist übrigens ein vertontes Gedicht des in Sachsenhausen ermordeten Erich Mühsam. Kommt sehr professionell rüber, was zu einem nicht ganz unbeträchtlichen Teil an Robin liegt, der ja mit den Frankfurtern Confused schon einiges an Handwerkskenntnissen erlangt hat. Mit dabei auch zwei Fünftel von Status//Hysterie. Snitch

FORMER CELL MATES – Who’s Dead And What’s To Pay?
(CD, Householdname Records)
Die Former Cell Mates kommen aus Sunderland/England und sie spielten früher bei Leatherface, The Coyote Men, The Mercury League um nur einige zu nennen. Es verwundert demnach nicht, dass hier high-octane fueled Rock’N’Roll-Punk aus den Boxen schlägt. Sie mischen gekonnt den typischen England-Sound mit Sprengsel von Amipunk und etwas Ketchup, aber alles schön auf den Punkt gespielt – lecker. Die Vocals haben hier und da diesen schönen melancholischen Einschlag der Spaß macht. Mehr davon. Ralf

FREIBOITER – Riot Radio
(CD, Knock Out)
Stuttgart gehört zwar nicht unbedingt zu den größten Städten in Deutschland, aber mit Sicherheit zu den schönsten (Anm. Obnoxious: Waaaasssss? Hackt’s bei Dir? Da könnte man ja gleich behaupten, dass Gerhard Mayer-Vorfelder in seinem Leben noch keinen Tropfen Alkohol getrunken hat! Ach ja, MV ist übrigens am 3.3.33 in Mannheim geboren, lustig oder?!). Außerdem ist Stuttgart das Pflaster der vielleicht besten Punk-Skin-Hardcoreszene (Anm. Obnoxious: So, jetzt reicht’s aber!), bezogen auf den Zusammenhalt. So die mitgelieferte Beschreibung der CD, ich glaub da war jemand noch nie in der besagten Stadt, ein dickes Sorry an die Kaputtgarter. (Anm. Obnoxious: Da hast Du jetzt aber Glück gehabt, dass der Scheiß nicht von Dir kommt…) Gute Partys aber der Rest ist zum Kotzen, nun zur Musik der Freiboiter: Wie gewohnt geiler Sound mit sozialkritischen Texten, jetzt auf dem Knock-Out-Label mit einer super Platte, 1a! Kay

THE GEE STRINGS – No Good (For You)
(7“, Sprinter Records)
Einen richtig heißen Scheiß liefern hier die Gee Strings ab. Lange genug hat man auf eine neue Wortmeldung aus dem Dreieck Köln-Aachen-Bonn warten müssen. Aber was die vier Altpunkrocker hier vom Stapel lassen, sprengt wirklich alle Ketten: Old School Highspeed Punkrock vom Allerfeinsten. Die Gee Strings gibt es jetzt ja auch schon seit Ewigkeiten, aber anstatt auch nur das kleinste Anzeichen von Altersschwäche aufkommen zu lassen, treten sie mit jeder Veröffentlichung das Gaspedal noch weiter durch. Frei nach dem Motto „Live Long, Die Fast“. Wo soll das noch hinführen? Außerdem erfüllt die Single einen von mir lange gehegten Wunsch: Seit Jahrzehnten warte ich nämlich auf eine Coverversion von Iggy Pops „Real Wild Child“ und hier ist sie endlich. Ausgerechnet von den verehrten Gee Strings. Das muss Gedankenübertragung gewesen sein. Und die Umsetzung ist wirklich furios, allein schon deshalb liebe ich Ingi, ihre drei Jungs und Manager Hein. Danke. Zum Höhepunkt bringt mich aber der hauseigene Titelsong. „No Good (For You)“ ist besser als Sex. Und die B-Seite „Makin You Small“… Ach, Arsch lecken, Scheibe unbedingt kaufen und jedes Konzert der Band besuchen! Ach so, beinahe hätte ich vergessen, das astreine Hochglanzcoverartwork von Götzilla zu erwähnen. Das wäre unverzeihlich… Obnoxious

GENE VINCENT – A Million Shades Of Blue
(CD, Rev-Ola/Cherry Red Records)
Gene Vincents Alben sind der feuchte Traum eines jeden Rockabillys. Vincent hat Rock’n’Roll und Americana in Europa mit bekannt gemacht und Elvis auf seinen lächerlichen Platz in Las Vegas verwiesen. Dem kann ich mich nicht entziehen. „A Million Shades Of Blue“ ist eine Wiederveröffentlichung der beiden Kama Sutra Records-Alben „If Only You Could See Me Today“ und „The Day The World Turned Blue“, die kurz vor seinem Tod 1971 in New York erschienen sind – nachdem er in den USA ansonsten völlig aus der Mode war. Es sollten seine letzten beiden Longplayer sein – und nicht seine schlechtesten. Für alle, die noch nichts von Gene Vincent im Plattenschrank stehen haben oder denen diese Alben noch in der Sammlung fehlen, ist „A Million Shades of Blue“ eine lohnenswerte Alternative. Allemal besser als ein Best of mit den immer gleichen Stücken. Igor Frost

GERIATRIC UNIT – Distance And Damage
(CD, Boss Tuneage)
Geriatric Unit aus Nottingham/UK sind sozusagen die Nachfolgeband von Heresy. Sie sind alle über 40 und bolzen schönen UK-Hardcore, als hätte sich Heresy niemals aufgelöst. Auf dieser dritten EP überzeugen sie wieder voll und es macht einfach nur Spaß. Also die Skateboards ausgepackt und ab in den Park und ein paar Stunts hingelegt. Ralf

GLEICHLAUFSCHWANKUNG – Ethno Punx 

(CD, Saalepower)

„Punks Understand No Fun“ ist der einzige Song, den ich bisher von der Band aussem Osten kannte, weil mir jemand von deren Debütalbum abriet. Tja, und was soll ich sagen, mal wieder ein Fall von „sich-besser-selbst-ein-Bild-machen“. Denn die zweite Scheibe „Ethno Punx“ ist ein absoluter Kracher! In 17-facher Ausführung bietet die auf 10 Mitglieder gewachsene Band hauptsächlich Songs über Asien. Die mehr oder minder wahrheitsgetreuen Texte über Asien gehen auf Sänger Geralfs Kappe. Der war wohl für einige Monate in Singapur, Thailand, Indien usw. um ’ne Feldstudie über die jeweiligen Punkzustände zu führen. Den Stil der Band zu beschreiben ist jedoch nicht möglich. Die Scheibe ist nämlich viel mehr eine Inszenierung, wie es die Auftritte der Kapelle wohl auch sind. Jedenfalls finde ich das alles total klasse und spannend. Eine Platte, die es schafft den Hörer zum Zuhören zu zwingen und nicht nur im Hintergrund vorbei plätschert. Bocky

GOLDBLADE – Mutinity
(CD, Captain Oi!)
JAAAAAA!!!! Goldbalde Rocks!! Seit ich vor gar nicht allzu langer Zeit von der Existenz dieser überaus göttlichen Band aus Manchester/GB erfahren habe, bin ich deren weltgrößter Fan. Musikalisch ist das Ganze in die Schublade „klassischer 70er britischer Punkrock“ zu schieben, allerdings reicht mein Wortschatz nicht aus, um diese Band präzise zu beschreiben zu können. Die Band existiert zwar erst seit ca. 12 Jahren, die Mitglieder sind aber allesamt Punkrock-Urgesteine mit ordentlichen Punkrock-Lebensläufen. Mir fehlen die Worte. Kaufen, kaufen, kaufen, hören, lieben, vergöttern und darauf warten, bis sie eeendlich wieder nach Deutschland auf Tour kommen. Jasmin

THE GROOVIES – New Sensation
(CD, Alleycat Records)
The Groovies aus Knäckebrotland hören sich an wie The Hives und erinnern optisch an die Schar The-Bands aus England, die im Intro seit einiger Zeit bis zum Erbrechen gefeaturet werden. Musikalisch geht das Debütalbum der Jungs aus Lulea dann auch straight Richtung Garage-Beat-Punkrock und erscheint im stylischen 60s-Coverartwork-Digipack. Das alles ist nicht unbedingt schlimm, reißt mich jetzt aber auch nicht vom Hocker. Unter anderen Voraussetzungen hätte ich die CD vielleicht gar nicht für den Punkrock! besprochen, aber da der Bassist unter dem Namen Daniel Böckerman firmiert, kann man sich nicht sicher sein, ob sich dahinter nicht Punkrock!-Hitler Bocky in flagranti versteckt und seine Schergen auscheckt. Ist aber nur so eine Ahnung… oder besser gesagt eine böse Unterstellung. Ist die Annahme richtig, dann ist die Groovies-CD natürlich allererste Sahne und unbedingt der Anschaffung wert. Ist sie falsch, dann bringt die CD wenigstens ein bisschen Abwechslung ins CD-Regal. Aber wer will das schon? Obnoxious

GUANA BATZ – Loan Sharks
(CD, Cherry Red)
Ich fass mich kurz. „Loan Sharks“ (original 1986 veröffentlicht) ist eine der besten Psychobilly-Platten. Genau! Lieder wie „Pile Driver Boogie“ oder „No Particular Place To Go“ gehen kompromisslos nach vorne, „Radio Sweetheart“ ist wunderbar smoothy-groovy und das Springsteen-Cover „I’m On Fire“ zwingt einen in die Knie. Überlegener Doublebass, brillante Gitarrenarbeit und entsprechender Gesang… So gut war Psychobilly selten. HH

GUITAR GANGSTERS – Razor Cuts – The Best Of…
(CD, Captain Oi)
Die Guitar Gangsters gehören schon seit Jahrzehnten zum Inventar von Captain Oi und sind so was wie die Hausband. Leider sind sie auch schon immer total unterbewertet gewesen, was ich überhaupt nicht verstehen kann. Keine andere Band spielt so schönen melodischen und hymnischen Punkrock wie die Gangsters. Wahrscheinlich waren die drei Jungs immer zu nett für die Punk/Oi-Szene. Nach 5 Alben und unzähligen Singles ist es nun aber auch mal Zeit für eine Best Of. Von den 21 ausgewählten Songs ist wirklich jeder ein Hit! Meine Favoriten sind „Lord Of The Dance“, „Tarantino’s Son“, „Going To London“ und „Nothing To Shout About“. Dazu gibt’s noch 2 neue Songs, „Fight Alone” und „Happy Now?”. Wer die Band noch nicht kennt, dem sei diese Best wirklich ans Herz gelegt. Großartige Band und tolle Songs! Thorsten

GUITARSHOP ASSHOLE – The Cheapest Pick

(CD, Antstreet)

Schon wieder so ’ne Band die ’ne Crossover-Mischpoke zwischen Rock und Metal ist und behauptet Punk zu sein. Keine Ahnung, wie solche Truppen als auf sowas kommen. Haben die nix, worauf sie sich beziehen können oder denken die es sei von Vorteil in das Promoblatt mal „Punk“ reinzuschreiben. Vielleicht weil das ja immer zieht und alle Welt glaubt „woah, das sind bestimmt ganz wilde Jungs“? Musikalisch ist das ja nicht schlecht, aber mit Punk hat das nix zu tun und mit Punkrock auch nur im Entferntesten. Is eher was für die Turbojugend. Bocky

GUTS N GLORY – Here To Stay
(CD, Sunny Bastards)
Hammer! Allerfeinster Oi/Punk und das aus dem Land wo den Leuten das Sauerkraut aus den Ohren wächst. Musik die einen nicht mehr loslässt, bei der man Stunden später im Kopf noch mitgrölt, eine Platte die ich nicht mehr so schnell aus den Händen gebe. Guts N Glory oder auf Deutsch sowas wie Gedärme und Ruhm, glänzen mit Songs wie “Plastic World” oder “Fuck You”. Eine Band von der man noch einiges erwarten kann. Absoluter Pflichtkauf. Kay



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