Tonträger Reviews A-D

| November 3rd, 2008

A MODEST PROPOSAL – Direct Action Beats Legislation

(CD, Endless Grind Records)

Ist das jetzt Emo oder was? Ich habe keine Ahnung, habe ich mich doch nie ernsthaft mit der Sub-Subkultur befasst, die für ihren schlechten Geschmack betreffs Frisuren, Kleidung, Geldbeutel und Holzkettchen bekannt ist. Der Quoten-Jan-Mann aus Mannheim, der ansonsten aus dem Raum Köln stammenden, sehr melodischen Kombo, konnte mir diesbezüglich auch keine Auskunft geben. Er weiß jedoch: Der Bandname lasse sich von Jonathan Swifts gleichnamiger Satire ableiten. Jener wollte auf etwas verwunderliche Weise die Hungersnot in Irland bewältigen (bitte nachlesen!) und die Jungs machen hier einen ebenso (verwunderlichen?) „bescheidenen Vorschlag“ von guter Musik. Ob das jetzt auch satirisch gemeint ist (von mir? von ihm?), kann jeder für sich selbst entscheiden, denn alle Songs von „Direct Action Beats Legislation“ kann man sich auf ihrer Homepage anhören. Diesbezüglich mache ich es mir (zugegebenermaßen ziemlich kryptisch und mit vielen Klammern) einfach und halte mich aus Gründen der Befangenheit hier jetzt mal bescheiden zurück…(ist doch okay, oder?)   Obnoxious

A WILHELM SCREAM – Career Suicide

(CD, Nitro Rec.)

Auch im Genre des Galoppgalopp-Hardcore mit poppigen Anleihen vom Schlage Rise Against, Good Riddance, Strung Out und Konsorten ist noch nicht alles ausgereizt. Die Kollegen von AWS veredeln jenen Stil mit originellen Gesangslinien unzähligen Breaks per minute, halsbrecherischen Tempiwechseln und Bassläufen, die selbst Joey de Mayonnaise vor Neid erblassen ließen. Das alles schön klischeefrei und geschmeidig vorgetragen, so dass man ihnen selbst so gewollt snottige Songtitel wie „I Wipe My Ass With Showbiz“ oder „We Built This City (On Debts And Booze)“ nicht übel nimmt. Fundierte Sohseietie-Kritik gibbet dann im Booklet auch noch obendrein mit fingerzeigenden Mahnworten: Awake. Arise. Eat. Work. Shit. Sleep. Awake. Dazu ein sonnenbebrillter Terrassen-Gigolo, der zu allem Überfluss auch noch raucht. Fehlt nur noch ein leinenloser Hund, aber lassen wir das…   Snitch

 

ABFLUSS –  …von Allem und Nichts!

(CD, Nix Gut)

Und noch ’ne Perle aus dem Hause Nix Gut. Von der Band hab ich vorher noch nie was gehört, sind aber wohl schon seit 1991 aktiv. Abfluss kommen aus dem Raum Hannover und machen Deutschpunk wie man ihn mag oder auch nicht. Ich gehör’ leider (oder zum Glück?) zu den Letzteren und kann mit dieser CD so gar nix anfangen. Wer aber zu den Ersteren gehört, dem wird das Ding hier bestimmt gefallen. 13 Mal Deutschpunkgerotze wie man es kennt von denkwürdigen Samplern wie „Chaos, Bier & Anarchie“ oder „Chaostage“. Na dann mal viel Spaß damit!   Thorsten

 

ALARMSIGNAL – Revolutionäre sterben nie!

(CD, Nix Gut)

Ja, es gibt ihn. Guten Deutschpunk. Sogar bei Nix Gut. Wenn auch selten, aber es gibt ihn und Alarmsignal sind meiner Meinung nach so ziemlich das Beste was Deutschpunk zu bieten hat.

Die vier sympathischen Celler Jungs sind mit ihrem dritten Studioalbum am Start, das seinen Vorgängern um nichts nachsteht. Textlich geht’s in erster Linie recht kritisch zu, aber zum Lachen wird trotzdem nicht in den Keller gegangen. Spaß und politischer Anspruch in schönem, ausgewogenem Maße. Musikalisch werden keinerlei Schwächen gezeigt, die Musik geht immer schön straight mitten in den Arsch und lädt zum Mitgrölen ein. Solange es Alarmsignal gibt, werde ich meinen Glauben an Deutschpunk nicht aufgeben.   Jasmin

ANTIGEN – Fluch der Väter

(CD/12“, Zombienation Records)

Antigen werfe ich jetzt einfach mal in einen Topf mit Bands wie Inner Conflict oder Supabond. Von vielen geliebt, von mir aber nicht. Katzenjammer, nix für mich. Vielleicht weil ich ’ne Frau bin und es nicht instinktiv toll finde, wenn der Sänger einer Band Titten und ’nen Arsch hat. Irgendwie erinnert mich das an die Musicals in denen ich als Kind mit meiner Mama gegangen bin, bei denen die Darstellerinnen Engländerinnen waren, die auf grauenhafte Art und Weise versucht haben Deutsch mit einer Aussprache zu singen, die zwar gewollt, aber dennoch unter aller Sau war.   Jasmin

 

DIE ARBEITLOSEN BAUARBEITER – 09113

(CD, Pukemusic)

Mal um die Ecke gedacht versteht man den Plattentitel und weiß, das Trio stammt aus Chemnitz. Dort sind die drei Jungs bestimmt in jeder Kneipe bekannt und weniger in irgendwelchen AZs oder Jugendzentren. Denn was die machen ist solider, alltäglicher deutschsprachiger Rock für jedermann/frau. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei denen eine wild tobende Meute vor der Bühne steht. Textlich unterstreicht man die vorher genannten Attribute und beackert Themen wie Alkohol, Fußball oder Spaß haben. Inflationär.   Bocky

BAMBIX – Bleeding In A Box

(CD/LP, Go Kart Records Europe)

Endlich ist es da, das neue Album der sympathischen HolländerInnen. 13 Songs im gewohnten melodischen Bambix-Style, einer besser und schöner als der andre. Gesungen wird wie immer über Toleranz, Scheinheiligkeit, Beziehungen usw. Das warten hat sich gelohnt und „Club Matuchek“ muss hiermit seinen Titel als bestes Bambix-Album abgeben. Bambix sind für mich nach wie vor eine der besten Female-Fronted-Bands-Ever!   Jasmin

BANDA BASSOTTI – Viento, Lucha Y Sol

(CD, Feier Mettel Records)

Yiha, Banda Bassotti sind zurück, passend zum Frühjahresbeginn. Sommermusik für Sommermonate. Nach zweijähriger Abstinenz präsentieren die Italianos ihr neues Werk, das sich sehen und hören lassen kann. Gesungen wird in der Heimatsprache, weshalb ich leider keine Auskünfte über die Texte geben kann. Musikalisch gibt es sowohl schnelle, melodische Ska-Nummern, als auch schöne Reggae und Rocksteady-lastige Songs, Gastmusiker wurden ebenfalls an Bord geholt, wie z.B. PulPul, seines Zeichens Sänger von Ska-P. Allerdings hängt die CD auf all meinen Playern. Ich hoffe, dass das daran liegt, dass ich nur ein Promo-Exemplar habe.   Jasmin

BENUTS – Bavarian Ska Maniacs

(CD, Southbell)

Die Bayern, die öfter mal im Land der aufgehenden Sonne unterwegs sind, legen in ihrem 13. Jahr ihre sechste Scheibe vor. Dementsprechend fit sind die Jungs an ihren Instrumenten. In den Ska-Rock-Nummern steckt viel Spielfreude drin. Das Zusammenspiel mit den Texten ist insofern interessant, weil das positiv gesinnte Gemüt zu manchen Inhalten nicht passt. Doch wie gesagt ist das nicht blöd, da es oft besser ist, nicht mit dem Zeigefinger in der Luft rumzufuchteln! Richtig klasse finde ich, dass sie trotz ihres weltweiten Erfolges (unter anderem auch Hintergrundmusik einer Fußballsendung im TV) immer noch unabhängig sind und daher machen können, was sie wollen.   Bocky

 

THE BIG HEAT – The Return Of The Blank Generation

(CD,  HYPERLINK „mailto:Rudeboy79@t-online.de“ Rudeboy79@t-online.de)

Die Kinder sind aus dem Haus, die Einbauküche abbezahlt und vom Alltag die Nase gestrichen voll: Man überlegt, was das letzte Mal so richtig Spaß gemacht hat und entschließt sich eine Punkband zu gründen. Die 5 Frankfurter mit einiger Bandvergangenheit gehen diesen Weg im 77er Retro-Gewand, um euch Kidpunk-Fressen drastischen Originalpunk mit Eiern und ohne Limits zu zeigen. Letzteres die Selbsteinschätzung der Band – Kontakt oben.   Richard

THE BLACK HALOS – We Are Not Alone

(CD, People Like You)

Im Gegensatz zum Vorgänger „Alive Without Control“ schalten Billy Hopeless und seine Jungs auf ihrem vierten Longplayer einen Gang zurück. Das neue Album ist nicht mehr ganz so furios und wild nach vorne treibend, ist aber natürlich noch astreiner Punk’n’Roll mit ganz viel Glam und Grease in den Haaren. Bei dieser Mucke stelle ich mir eine ranzige Spelunke vor, in der sich gerade zwei Typen um ein mit Kajal verschmiertes, leicht bekleidetes und äußerst hübsches Krawallweib schlagen. Dazu gehört selbstverständlich ein guter Whiskey oder Portwein und fertig ist die Bukowski-Kurzgeschichte. Wäre nicht schon Tom Waits der offiziell anerkannte musikalische Bukowski, dann wären das diese Kanadier!   Bocky

 

BLINKER LINKS – Der liebe Gott sieht alles

(CD, Subwix)

Für alle, die sich beschweren, dass es in letzter Zeit keine neuen guten Bands mehr gibt: Hier bitte!!! Wahnsinn, gaaanz großes Kino. Schicker, deutschsprachiger Punk, deren Mitglieder nicht verheimlichen können, aus der Chefdenker-Familie zu stammen. Die 12 Titel wie z.B. „Blinker Links Ficken Tod“, „Mein Bruder ist ein Hurensohn“ und „Pimmel raus Mofa fahren“ sagen eigentlich schon alles. Die K.I.Z. des Punkrock. Ich bin begeistert. Mehr davon!!!!!   Jasmin

 

DIE BOCKWURSCHTBUDE – Für eine Handvoll Bockwurscht

(CD, Nix Gut)

Hat schon wat Überwindung gekostet, meinen geschundenen Laser mit diesem Machwerk zu vergewaltigen. Der tollste Bandname seit Schoinenthor bewog mich dann letzten Endes doch noch dazu. Aber, surprise, so schlimm wie befürchtet, war der Tonterror dann doch nicht. Immerhin, die vier Jungs  aus Frankfurt (an der Oder, nicht am Main, wär jetzt ja noch schöner…) beherrschen ihre Gerätschaften fast schon ZU gut für das Genre (um welches es sich handelt, muss ich ja hoffentlich nicht erwähnen). Ihre 15 Lenze Schraddelerfahrung ist ihnen durchaus anzuhören. Anders sieht’s da bei den Texten aus. Alleine schon Songtitel wie „Müssen wir uns gegenseitig bekämpfen?“ oder „Der Schnorrerpark bei Leipzig“ lassen einen bereits erschaudern. Hier werden sogar noch die gruseligsten Schüttelreime von Chris Scholz (auf einem gewissen Messageboard) übertroffen. Kostprobe gefällig? Bitteschön: „Ich onanier’ mit Bild von ihr/ von abends acht bis früh um vier/…und darauf hat sie mir ganz ausdrücklich erklärt/ dass sie mich hasst und einen anderen verehrt/ ich wär’ ein Proll und immer voll/ und das fand sie nicht so toll.“ Na, bei solch eleganter Dichtkunst kann ja eigentlich nix mehr schief gehen.   Snitch

BOMBENALARM – No Mistakes

(LP, Unsociable)

Wenn auch nicht vom musikalischen her – da mir einige Songs zu holprig oder träge sind – ist das eine der ganz großen Platten überhaupt für mich. Von der liebevollen Covergestaltung abgesehen ist es eindeutig die Gesamtaussage der Scheibe, die mich so fasziniert. Denn so wie es aussieht, habe ich Freunde im Geiste im Ruhrpott. Bombenalarm bringen nämlich zu Papier und Vinyl, was ich hier in Mannheim schon seit Jahren anprangere: sinnlose Grabenkämpfe, aufgrund selbst gestrickter Weisheiten, Dogmen und Imperativen ohne Rücksicht auf die gemeinsame Basis. Schade, dass die Musik viel zu wenig „Mainstream“ ist, da sie so an zu vielen Leuten zu weit vorbeiläuft. Trotzdem wird sie immer noch hinreichend „Resistente“ erreichen, da es von denen im härteren Punkrock-Bereich – womit jetzt endlich mal die Mucke erwähnt wird – beileibe mehr als genug gibt!   Bocky

 

BURNTHE8TRACK – Division

(CD, Grapes of Wrath)

Wie von David aus dem Core Tex an anderer Stelle in dieser Ausgabe schon erklärt, sind die Veröffentlichungen auf diesem Label reine Lizenzgeschichten aus Übersee. Bei Burnthe8track handelt es sich um eine sehr melodische und nicht überaus harte Hardcore-Kapelle aus Winnipeg/Kanada. Dort war die Band sogar schon als Support von Sum 41 unterwegs, ist aber auch hierzulande alles andere als unbekannt. Während ihr das hier lest, hat die Band gerade eine ausführliche Festival-Tour mit Ignite hinter sich. Übrigens ist das hier kein Album, sondern die Europa-Fusion aus einer 6-Track-EP und einer 4-Song-Single. Für alle Moshpit-getesteten Anti-Prollos genau das Richtige.   Bocky

THE BUSINESS – Mean Girl

(CD, Bad Dog)

Nach Sham 69 die zweite große alte Oi!-Legende, die etwas Neues auf einem Core Tex-Label veröffentlicht. Glücklicherweise steckt in Micky Fitz aber noch etwas mehr Feuer als in den anderen Londonern. Ein komplettes Album ist „Mean Girl“ dafür nicht, sondern hat „nur“ 3 neue Songs zu bieten. Diese sind eins für das andere sehr repräsentativ für den bekannten Sound. Die Texte sind nicht schwer zu verstehen und die Refrains nach dem zweiten Hören ein Singalong. Die restlichen 5 Lieder sind qualitativ gut aufgenommene aktuelle Live-Songs, die jeder kennt. Welche das sind, wird nicht verraten. Geht und hört selbst! Ein grundsolides sympathisches Lebenszeichen und zum Glück hat sich das Gerücht nicht bewahrheitet, das Micky am Rädchen dreht und die Band in Micky Fitz And The Business umbenennen wollte.   Bocky

 

THE BUSTERS – Double Penetration

(CD+DVD, Ska Revolution Records)

Holla, hier kann man von einem reifen Album sprechen. Dreizehn Titel auf dem Tonträger, die mit eingängigen Ska-Rhythmen im Midtempo dahin fließen. Inspiriert von späten Madness, gemixt mit The Beat und den Specials, ohne an Eigenständigkeit zu verlieren. Auf der DVD sind elf Unplugged-Stücke fürs Auge und Ohr. Hier beweisen sie Vollblutmusikertum und es wird mit allem musiziert, was sich im Instrumentenfundus finden lässt. Sogar vor Sprudelflaschen schreckt man nicht zurück. Ein Muss für den Fan und ein Kann für die Ska-Begeisterten unter euch.   Richard

CAPTAIN DUFF – Herbipolitan Nightmare 

(CD,  HYPERLINK „http://www.myspace.com/captainduff“ www.myspace.com/captainduff)

Das alles andere als ansprechende Cover mit dem ins Auge springenden rot-weißen Bandschriftzug vor einem in düsterem blau-schwarz gehaltenen Bild eines Segelschiffs ließ mich nichts Gutes erahnen. Tatsächlich ist das Ganze auch nicht unbedingt meine Musik. Die fünf Würzburger beschreiben ihre Musik selbst als Kick-Ass Rock’n’Roll, für mich klingt’s ganz schön nach einer mittelmäßigen Danzig-Imitation. Zugute halten sollte ich der Band allerdings, dass das Demo bereits 4 Monate nach der Bandgründung aufgenommen wurde. Mal gespannt, wie sich das weiterentwickelt…   Zechi

CA$HLESS – …Living Between The Lines

(CD, My Redemption Records/Cargo)

Wow, Melodic California-Punkrock mit dem ich mich mehr als anfreunden kann. Und das aus dem tiefsten Bayern. Meine Hochachtung! Ist zwar alles nicht sehr tiefgreifend, aber als Partymucke mehr als tauglich. Würde wunderbar zu Fat Wreck passen. Habe jetzt eigentlich gar keine Lust, mich weiter darüber auszulassen, sondern würde am liebsten eine Kanne Bier aufreißen und wie Hüpfknete quer durch den Raum hopsen. Endlich mal eine positive Überraschung in diesem Wust an Reviewmaterial. Leute, holt Euch die CD, werdet glücklich, macht viele Kinder, lasst Euch tätowieren, bindet Euch Blumen ins Haar, habt Sex mit ständig wechselnden Partnern dreierlei Geschlechts, beschafft Euch diese CD, macht einen Umweg um die Songs 7, 8 und 11 und trinkt einen halben Kasten Bier bevor ihr Reviews schreibt. Trotzdem und ohne Scheiß ist und bleiben Cashless eine meiner ganz großen Punkrock-Hoffnungen für die Jahre 2008-2011. Servus.   Obnoxious

CAVE CANEM – s/t 

(7“, Epistrophy)

„Das licht am ende des tunnels ist ein zug.“, „…und während du in den abgrund blickst…schaut er dir ins auge…“ Cave Canem aus Hannover spielen feinen crustigen D-Beat und scheinen eine Vorliebe für hoffnungsvolle theatralische Zitate zu haben. Entsprechend freudig und positiv trällern sie dann auch los. Läuft gut rein und bringt den Körper zum Zucken. Anders als bei den meisten Kollegen dieses Genres wird hier in Deutsch gegrunzt. Der Song „Break The Chains Of Friendship“ ist ein cooles Statement gegen kritikloses Unity-Gehabe und aussagelosen Einheitsbrei. Die alten Säcke hinter der Band sind sehr sympathische Leuts. Wir wollten auch mal Shirts tauschen, aber von Euch kam keine Rückmeldung, ey! Wie auch immer, geht zu ihren Konzerten und kauft ihren Stoff!   Chemical Maze

CHAOS UK – Total Chaos (The Singles Collection)

(CD, Anagram)

Mal wieder eine dieser Ausgrabungen prähistorischer Punksaurier. Kennt wohl jeder, Chaos UK – eine der geilsten Bands der zweiten britischen Punkwelle. Ihre Singles aus den 80ern sind hier auf dem Silberling vereint. Interessant für die, dies noch nicht kennen, mir persönlich gefallen aber Platten wie „Burning Britain“ oder „100 % 2 Fingers In The Air Punk Rock“ viel besser.   Chemical Maze

CHAOZE ONE – Letztes Kapitel
(CD, Twisted Chords)
Der Mannheimer Hip Hopper mit dem markant, hübschen Gesicht ist mit einem neuen Mini-Longplayer beim deutschen Aushängeschild des intelligenten europäischen Hardcorepunk am Start. Aber nicht wie der Titel vermuten lässt ist nach diesem Output Schluss, es ist nur ein Zwischenstand. Dafür ein recht ungewöhnlicher. Denn neben seinen üblichen Brothers und Sisters Lotta C und dem ehemaligen Anarchist Academisten Deadly T wird mit eher untypischen Bands projektet. Zum einen ist das die Reggea-Ragga Größe Irié Revoltés und zum anderen die Göttinger Ska-Kapelle Rogue Steady Orchestra. Das ist zwar extrem unüblich, finde ich aber gut, dass da Grenzen überschritten werden. Denn letztlich hat doch jede Subkultur den gleichen Antrieb, oder etwa nicht!? Eine undogmatische Platte, die subversiv zum Denken anregt (Anm. Obnoxious: Oder zu subversivem Denken?!).   Bocky 

CHERRY OVERDRIVE – Clear Light!

(CD, Heptown Records)

Ich bin kein Sexist. Ich mag Frauen, am liebsten paniert… Ach Quatsch, das war Schnitzel! Also nochmal: Ich mag Frauen, wirklich. Vor allem wenn sie singen – oder auch als reine Frauencombos. Sie müssen jedoch richtig dreckig und schmutzig sein und auch so klingen. Das machen die dänischen Cherry Overdrive auf ihrem Debüt „Clear Light!“ gekonnt. Die Damen spielen Garage House und Rock. Das sind keine netten Mädels. Die bringen Garage so, wie er rockt und knallt. Zum Teil sind manche der Lieder stellenweise schrecklich psychedelisch. Das ist für den einen oder anderen geneigten Leser dieses Fanzines (und auch für mich!) sicher eine harte Nuss. Aber was soll’s. Antesten lohnt allemal.   Igor

CHIP HANNA & THE BERLIN THREE – Old South Jamboree

(CD, People Like You/SPV)

Chip Hanna, früher Schlagzeuger bei den US Bombs und One Man Army, danach lange Zeit als One Man Entertainer unterwegs, hat nun zusammen mit Andy Laaf (Drums, Mad Sin), Tex Morton (Guitar/Lap Steel, u.a. Ex-Mad Sin) und Valle (Stand-up Bass, u.a. Mad Sin) das zweite Album aufgenommen, mit dem er, in Erinnerung an seine Mutter, die früher, als er noch ein kleiner 6-jähriger Bub war, immer auf Country-Feten gesungen hat, wieder zurück zu seinen Wurzeln geht. Einflüsse von Hank Williams oder Johnny Cash lassen sich nicht verheimlichen, musikalisch ist von lupenreinem Redneck-Country über Dixie oder Surf bis Rockabilly alles vertreten, was das Ganze kein Stück langweilig werden lässt. Man merkt, dass vier ganz großartige Musiker am Werk waren!   Jasmin

CIURMA SKINS – Same

(CD, Conehead Records)

Die Band aus Sardinien erinnert mich stark an den Longplayer von Oi! The Arrase, der bei mir im Regal steht und das nicht nur weil sie beide von einer Insel kommen. Druckstarker Streetpunk ohne Aussetzer, 10 Titel in Italienisch. Schon lange nicht mehr eine so gute Neuerscheinung in Händen gehalten, das gibt mir den Glauben zurück.   Richard

CLERKS – Antenne Offbeat

(CD, Wolverine)

Die CD sieht ansprechend aus. Oranges Cover, ein Funkturm und ein Industrieschornstein. Leider lässt sie sich bei mir nur im Auto abspielen. Mein PC streikt sonst bei keiner CD, hier schon (und das, wo da noch ’n Video drauf is – Mann, Mann, Mann, Mann, Mann). Vielleicht nur ein Einzelfall. Was ich im Auto gehört hab, war jetzt nicht so mein Fall. Ich sach ma: Trallala-Ska mit deutschen Texten.   Captain Mocker

 

COBRA JET – Corazon City

(CD, Merchandise Wonderland Records)

Selbstgenannte Einflüsse der Band: 60s Garage-Rock, Punkrock der späten 70s und früher Wave-Rock der 80s. Für die 2 % der Leser, die jetzt noch weiter lesen: Die machen das gut.   Richard 

 

COCK SPARRER – Here We Stand

(CD, Captain Oi!)

Wow, was war ich gespannt auf dieses Album! Nach 10 Jahren(!) endlich wieder ein Cock Sparrer-Album. Ein wenig war ich ja schon skeptisch, ob „Here We Stand“ das halten kann was die Vorgängeralben geleistet haben, doch dieses Comeback haut mich echt aus den Socken. 14 energiegeladene Songs wie sie sie seit der legendären „Shock Troops“ nicht mehr abgeliefert haben. Auf dieser CD gibt es nicht einen Ausfall! Gleich der Opener „Too Late“, den es auch als superschöne und streng limitierte Picture-Single gibt (mit einer neuen Version von „Because You’re Young“ auf der B-Seite), haut gleich richtig in die Fresse. Das ist hymnischer britischer Punkrock mit ganz viel Pub und Fußball. Weitere Hits sind „Time To Make Your Move“, „Spirit Of 76“ und die Hymne schlechthin für die weibliche Fraktion „Suicide Girls“. Die ergrauten Herren und Godfather of Oi! erteilen hier eine große Lehrstunde an die heute so verbreiteten Schrammel-Kappellen. So muss das klingen! Für mich ganz klar die Veröffentlichung des Jahres 2007. Das Ganze gibt’s auch als Picture-LP, wobei da allerdings zwei Songs weniger drauf sind. Pflichtstoff!!   Thorsten

COCK SPARRER – Did You Have A Nice Life Without Me

(7“, Dirty Punk)

Neben dem einen Song der aktuellen Scheibe gibt es noch „So Many Things“ – ebenfalls  von der neuen Platte – auf der B-Seite. Was soll man also dazu sagen? Richtig, hierbei handelt es sich schlicht und ergreifend um ein Sammlerstück. Für den reinen Hörer ist das kompletter Kokolores. Aber diejenigen, die alles Mögliche der englischen Oi!-Legende haben wollen, sind wohl schon aus ihrer Lesehaltung aufgespritzt und recherchieren woher sie das gute Stück Vinyl herbekommen. Über den Erwerb kann man dann nicht meckern, denn das französische Label hat nicht willenlos einfach ein Produkt zur Abzocke hingerotzt, sondern liefert Qualität plus Textblatt.   Bocky

COMBAT 77 – 100% Oi!
(CD, Sunny Bastard)
Man nehme ein paar Bandmitglieder von Riot Company, Annex 5 und Vendetta, stecke sie in einen Proberaum und heraus kommt diese Band. Etwas abgeschreckt vom Plattentitel, war ich umso begeisterter vom Sound der Scheibe. Das ist eine lupenreine Hommage an den frühen 80er Jahre England-Sound, dem obendrein die entsprechenden Texte verpasst wurden. Das beginnt natürlich mit ungerechtem Bullenstress, geht über in lernresistente Vollsuff-Autofahrten und kommt logischerweise zum Recht auf Arbeit. Erstaunlich aber nicht negativ finde ich, dass man sich zu keinem politischen Song hat verführen lassen. Schließlich ging es dem Stil, dem man Tribut zollt, auch mehr um den täglichen Kampf, den man so lebt. Eine tatsächlich klasse Überraschung, in der sich momentan eher tristen Entwicklung des Streetpunk. Schnörkelloser Punkrock der aufgrund des Alters der Band authentisch ist und live sicher total geil ist.   Bocky

THE CUTE LEPERS – Can’t Stand Modern Music

(CD, Damaged Goods)

Da Teile der Briefs nach dem Stress der letzten Jahre mal eine Phase der Erholung brauchen, lag es nahe eine Pausenband zu gründen. Die Herren nimmersatt Steve E Nix und Kicks von den Briefs scharten deswegen fünf weitere MusikerInnen um sich. In relativ kurzer Zeit entstand so ein Album, auf dem sie dem frühen Punkrock, Wave und Mod auf herrlich poppige Art frönen. Das beschreibt, denke ich recht gut worum es bei der Band geht: den Spaß an der Musik. Logischerweise will der nicht im Proberaum bleiben, sondern stattdessen auf den Bühnen der Welt zelebriert werden. In unseren Gefilden ist das schon im Mai der Fall. Also, hingehen und sich die Zeit bis zum nächsten Briefs-Konzert verkürzen, denn die sind auf alle Fälle durchzuhören. Für alle Nerds gibt es auch eine Singleauskopplung mit dem Song „(I’m) Out Of Order“ und exklusiv „Lonely Boy“.   Bocky

DAILY TERRORISTEN – Tritt in den Arsch

(CD, Dritte Wahl Records)

Nee, tut mir leid, aber mit der Scheibe habe ich mich erst gar nicht groß befasst. Fand ich die echten Daily Terror kurz vor ihrem Split schon nicht mehr lächerlich, sondern ärgerlich, weiß ich jetzt nicht, was ich dazu sagen soll. Das ist Altherren-Rock mit einem Punkanstrich, der nur mit dem Namen funktioniert, ansonsten würde das wohl kaum jemanden interessieren.   Bocky

 

DEAD IN PLASTIC – Suicide: Failed

(CD, Flight 13)

Public Toys sind wiedergeboren. Das war mein erster Gedanke beim Hören dieses sehr lieblos aufgemachten Tonträgers. Englischsprachiger Deutschpunkrock mit Ecken, Kanten und Akzent.   Richard

DEAD KENNEDYS – Milking The Sacred Cow

(CD, Cherry Red)

Naja, wenigstens ist man ehrlich und gibt dem Kind den Namen, den es verdient. Wer diese Best Of…-Scheibe zusammengestellt hat? Keine Ahnung. Aber wem es nicht zu Gute kommt, ist klar: Jello Biafra. Wie man dazu steht, ist jedem selbst überlassen. Zu hören gibt es von jeder Scheibe mindestens einen Hit. Hm, wenn man so will, dann hätte man doch einfach alles komplett im Set wieder veröffentlichen können, oder?   Bocky

DEADLINE – We’re Taking Over!

(CD, People Like You)

Nein, nein, das ist nicht schon das fünfte Album der halbfranzösischen Band aus London. Viel mehr ist es eine 4 Song-EP inklusive 13 Live-Tracks. Entsprechend dem letzten Album sind die ersten beiden Songs, verglichen mit den beiden ersten Alben, sehr ruhig. Titel 3 wird sogar von einer Orgel eingeleitet und das letzte der taufrischen Lieder ist gewohnter Deadline-Stuff. Also mal wieder für jeden etwas dabei und für alle die großartige Stimme von Liz! Der Live-Part ist, wer hätte es gedacht, in Deutschland aufgenommen. Und obwohl die technischen Vorraussetzungen gegeben waren, hat die Band darauf verzichtet ihren rauen Live-Sound zu bügeln. So kann man sich nicht nur gut vorstellen wie die Combo live klingt, sondern die Titelauswahl ist gut getroffen und so etwas wie ein Best Of… der bisherigen vier Alben. Obendrauf gibt es auf der CD noch die Videoclips zu „Take No Chances“ und „Last Night“. Ein zeitloses, vorläufiges Zwischenzeugnis mit Bestnote.   Bocky

 

DEMENTED ARE GO – In Sickness And Health, Kicked Out Of Hell

(CD, Cherry Red)

In Cherry Reds Psychobilly-Collectors Serie tummeln sich bekanntlich massig wiederveröffentlichte Psychoalben. Einige davon könnte man entschieden als nicht gerade notwendig bezeichnen. Ganz anders hier. Die beiden ersten Alben der Kapelle, welche das Wort vor dem Billy ernst nimmt (original 1986, bzw. 1988) sind essentiell und prägend für etliche spätere Bands dieses Genres. Prägnanter Gesang, deutlicher Punkeinfluss und genial wirre Texte machen sie zu Meilensteinen des Psychobilly. Menschen, denen das Flat schon ausgefallen ist, werden die Dinger wohl schon haben. Andere Psychos wohl auch. Der Rest kann infolge der Jugend- und Nachwuchsförderung bedenkenlos zugreifen.   HH

DESTRUCTORS 666 – Sachen lassen mit fremden Machten

(MCD, Rowdy Farrago Records)

Komische Sache das. Aber gut. Die Musik lässt sich am besten als Garagepunk mit einer Prise Schwermetall bezeichnen. Aber warum nicht, wenn’s nicht stört. Und das tut es nicht. Die Scheibe gefällt mir sogar erstaunlich gut. Auch der Mundharmonikaeinsatz ist charmant. Gut!   HH

THE DETECTORS – No Freedom, No Liberty 

(7“, True Rebel)

Von Beginn an bin ich ja mal gespannt, was man so in Zukunft noch von dieser Band hören wird. Denn die Jungs aus Neumünster sind mal so richtig klasse. Die Detectors machen ’ne Mischung aus Melody- und Streetpunk, wie man ihn eher aus Skandinavien oder der Westküste der USA kennt. Dazu beherrschen die Herren an den Saiten ihre Instrumente sehr gut, was sie hier und da mit überraschenden Breaks beweisen. Textlich geht die Sache auch voll in Ordnung. Wohingegen ich die Reminiszenz auf dem Cover – Lady Liberty – nicht so dolle finde. Das wirkt zu einseitig, was es sicherlich nicht soll.   Bocky

DONOTS – Coma Chameleon

(CD, Solitary Man Records)

Wer eine eindeutige Erfolgsgeschichte haben will, sollte sich mal genauer mit den Donots befassen. Die Jungs haben, was das betrifft, alles richtig gemacht. Dementsprechend gehen sie mit dem neuen Output wieder einen Schritt weiter. Das bedeutet Rock wird künftig nur noch in großen Lettern geschrieben, ebenso wie Pop auch. Dazu nutzt man hier mal ein Klavier, dort viel Hall und im Gesamten wird man etwas zarter, was nicht mit seicht zu verwechseln ist. Klar hat das mit Punkrock und dessen Attitüde nichts mehr gemein. Doch das muss es auch nicht immer, wenn man sich auf die Musik beschränkt. Kraftvoller, melodischer, wilder Rock mit erstaunlich viel Ohrwurmcharakter.   Bocky

DRIVE BY SHOOTING – Top Kid
(7“, Beap)
Manchmal habe ich keine Lust über den Tellerrand zu schauen. Yep, so ein Moment ist jetzt. Davon abgesehen, kann ich aber auch in guten Momenten nichts mit Stonerrock anfangen. Hat mit uns nix zu tun.   Bocky

 

D-SAILORS – Between The Devil And The Deep Blue Sea

(CD, Nitroala Records Brazil)

Die Sailors haben einen Booker mit Kölner Telefonnummer, behaupten ihr Album wäre in Brasilien erschienen, der Haupttyp macht auf Kurt Kobain, die anderen sind auf’m Foto unscharf. Zu hören gibt es Whatever-Coast-Gedöns –  knackig, tight, auf’n Punkt, seelenlos eingespielt. Wenn die es nicht mal schaffen ihre gebrannte CD zu beschriften, geh ich bestimmt nicht ins Netz, um mehr zu erfahren. Wenn ihr es tut, sagt nicht, ich hätte es euch geraten!   Captain Mocker



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