Tonträger Reviews E-L

| Oktober 3rd, 2008

 

EASTSIDE BOYS – The Boys Are Back In Town

(CD, Sunny Bastards)

Das dritte Album der Berliner Jungs, musikalisch wie textlich 1A und ausgereifter als die ersten zwei Alben. Mal schnell, mal langsam, aggressiv oder ganz locker: Für jeden ist was dabei. Eine Platte, die man sich getrost in die Anlage hauen kann. In der auf 1000 limitierten CD gibt es noch einen schicken Aufnäher dazu. Was soll man da noch schreiben? Kaufen und anhören! The boys are back in town, OI!   Kay

THE EASY BROTHERS – Call To Arms

(MCD, Radio Clash Records)

Ui, mal wieder SkaPunk. Lass sehen: In den allerbesten Momenten können die Easy Brothers aus Vancouver tatsächlich mit den Waschzettel-Referenzen Rancid und Operation Ivy mithalten. Manchmal erinnern sie sogar an The Clash (in ihren besseren Zeiten). Egal. Die sechs Songs der Kanadier kommen hier größtenteils beschwingt daher und machen Lust auf mehr. Obwohl man schon ein Freund von Ska sein muss, um das Ganze zu ertragen. Wenn’s allzu sehr in die Reggae-Gefilde oder ins Gefrickel abdriftet, kann’s aber auch schon mal nerven. Das ist zum Glück nur äußerst selten der Fall. Freunde des Genres und der erwähnten Bands sollten das Teil auf jeden Fall mal antesten. Klingt jetzt alles nicht soo begeistert, aber die Jungs können echt rocken. Ich schwör! Und: Live bestimmt auch ein Gewinner!    Obnoxious

EMPTY TRASHCAN BEING KICKED – The Fine Print
(7“, Extreme Life Wasting/Riot Rock)
Ja, Vinyl ist immer klasse! Zudem, wenn man sich noch wirklich viel Mühe damit gibt. In diesem Fall wurden die Labels der limitierten 300er-Auflage in Eigenregie gestempelt. Musikalisch ist man genauso liebevoll und legt mit „Make It Go Away“ ein richtig geilen HC-Hit vor! Die Schulter zu Brei hauen könnte man auch dem Gitarristen, der in den vier Songs ein paar richtig gute Ideen hat. Nur schade leider, dass er ein wenig in der schwachen Produktion untergeht. Das tut dem Sänger auch nicht gerade gut, dessen Stimme man sich satter und kräftiger wünscht. Trotzdem ist das kleine Schwarze sehr gut geworden und man wartet gespannt auf mehr.   Bocky

ENJOINT – Do You Wanna Dance?

(CD, Blind Alley Records)

Beim ersten Ansehen der CD (mit Vinyloptik) und dem gelungenen 60’s Retro-Artwork dachte ich schon: „Oh, wie schön, was Traditionelles!“ Beim Anhören entpuppt sich das Ganze allerdings als 3rd Wave Ska mit Punk-Einschlag. Furchtbar! Dazu wird noch in Italienisch gesungen, was es mir leider unmöglich macht, etwas zum Textinhalt zu sagen. Langweilig und nervig!   Thorsten


FALLOBSTFRESSER – Wieviel denn noch?

(CD, Dreckspatzenrecords)

Das gezeichnete Cover (Punker steigt aus ’nem Gulli) hält was es verspricht, rumpeliger Deutschpunk. Das an sich ist natürlich nicht das Todesurteil für die Scheibe, da ansonsten alles stimmt. Sprich die Jungs sind mit Spaß an der Sache und das ist schließlich wichtig. Was sie eindeutig und ohne Widerruf disqualifiziert: Sie sind bekennende Christenpunks! Ja, stimmt, die haben mal so richtig nichts geschnallt. Punk hat mit Religion soviel zu tun, wie eine Kuh mit Rechnen, und zwar ohne Wenn und Aber. Nur wenige Dinge haben nichts mit Emanzipation, Selbstbestimmung und Aufklärung zu tun, doch Religion gehört eindeutig dazu, wie das sprichwörtliche Amen in der Kirche. Versucht es mal mit Metal oder Weltmusik, aber bei Punkrock seid ihr wirklich völligst Fehl am Platz.   Bocky

DER FLUCH – Geschichten aus der Gruft 

(CD, Fiend Force)

Der Fluch ist als „Nebenprojekt“ von OHL relativ bekannt und braucht an dieser Stelle wohl nicht näher vorgestellt zu werden. Dennoch ist diese Band bisher immer irgendwie an mir vorbeigegangen, was wohl zum einen daran liegt, dass ich von OHL nicht sooo viel halte und auch mit der trashigen Gothic-Musik (trotz einiger Ohrwürmer) nur relativ wenig anfangen kann. Sei’s drum. Auf der neuen CD befinden sich neben drei neuen Songs viele neu eingespielte ältere Hits. Ist also vor allem was für eingefleischte Fans und solche, die es werden wollen.   Zechi 

DIE FROHLIX – Reise nach Süden

(CD, Suppenkazpers Noize Imperium)

Die Frohlix sind wieder da! Ihr erstes Album seit 18 Jahren und ich muss sagen, sie haben geschafft, was äußerst selten eine Band hinbekommt: Eine Hammerscheibe! Wahnsinn! Seit ich vor ca. einem halben Jahr erfahren hatte, dass es eine neue Frohlix-Platte geben soll, war ich gespannt wie ein Flitzebogen und das Konzert im November im Juz Mannheim hat meine Spannung nur noch mehr gesteigert. Und ich wurde nicht enttäuscht. Die Mainzer Fun-Punk-Heroen sind zurück und ich bin ihnen überaus dankbar. Auf der „Reise nach Süden“ beweisen sie, dass sie auch nach zig Jahren nicht zum Lachen in den Keller gehen. Sie sind erwachsener und älter geworden, das ist klar, das verheimlichen sie auch nicht, im Gegenteil, Probleme des Älterwerdens werden in lustigen Texten umgesetzt (z.B. „Reunion oder Klassentreffen“) und die Auswirkungen des Erwachsenwerdens wirken sich in musikalischer Weiterentwicklung aus. Bitte, bitte, liebe Frohlix, macht noch lange weiter so. Hoffe, wir sehn uns im November wieder in Mannheim!   Jasmin

GASLICKER – s/t

(MCD, FinestNoise/Radar)

Die vier Stücke dieser CD erinnern mich alle an die alten Sachen von Kiss. Und nach meinem nun folgenden öffentlichem Geständnis, dass meine erste selbstgekauftre Platte die Kiss „Alive II“ war, und ich diese heute immer noch besitze, ganz im Gegenteil zu meiner zweiten Platte, der „High Voltage“ von AC/DC, kann der rhetorisch versierte Leser nun abschätzen, dass ich Gaslicker schon einiges abgewinnen kann. Aber man muss Kiss oder die ganzen skandinavischen Rockbands schon mögen…   HH

GERIATRIC UNIT – Life Half Over

(CD, Rookie Records)   

Hammer! Ganz klar der Lichtblick meiner Reviews! Großartiger Hardcore der Altpunker aus dem Heresy-Umfeld. Von den zehn Songs haben fünf die magische Eine-Minute-Grenze unterschritten! Da stört es auch nicht, dass die Texte wenig Abwechslung bieten. Grandioses Geballer irgendwo zwischen Poison Idea und Mob 47. Klare Kaufempfehlung!   Zechi   

GEWAPEND BETON – 17 Until I Die

(LP, Dirty Faces/Hate/Attack)

Im Schnitt ist die Gang aus Den Haag gerade mal 19 Jahre alt und nennt sich deswegen selbst „Embryo Punks“ – ebenso wie sie einen Song danach betiteln. Und wie es sich für echte Nachwuchspunks gehört, so haben sie tatsächlich in ihrer Heimatstadt ein Gebäude besetzt, in dem jetzt regelmäßig Partys und Konzerte stattfinden. Na, und genauso ehrlich ist auch die Mucke, die sie machen. Astreiner Pogopunk, mit viel altem Ami-HC-Spirit und manchmal zuviel Gitarrengewichse. Letzteres lässt man aber gerne unter den Tisch fallen, wenn man sich die Vorzüge der Band genau anhört. Schlicht und ergreifend eine super Scheibe, mit ganz viel Credibility! Das Vinyl ist übrigens richtig geil, weil 180g und fetter Karton. Obendrein gibt’s das Cover inkl. Texten als A 3-Plakat. Da fällt die Entscheidung für das Format nicht schwer!   Bocky

GO! – Existence

(CD, Epistrophy)

Go! kommen aus New York und spielen astreinen Endachtziger-Hardcore. Das Ganze ohne zu dicke Oberarme und immer mit einer Prise Humor gewürzt. Textlich hat sich Go! viel mit den Rechten und Problemen von Schwulen und Lesben auseinandergesetzt. Das Ganze ist also gerade für Hardcores interessant, die auch heute noch glauben, sie müssten mit einem dämlichen schwulenfeindlichen Witz ihre Coolness beweisen – lernt was dazu und sterbt nicht dumm. Auf der CD sind 46 Songs aus der Zeit zwischen ’89 und ’94 vertreten. Ein schöner Querschnitt über die musikalische Bandgeschichte. Go! hatten sich ja des Öfteren aufgelöst, aber seit 2006 sind sie wieder unterwegs und haben auch wieder einige Singles veröffentlicht. Empfehlenswert.   Ralf

GOOD RIDDANCE – Remain In Memory, The Final Show

(CD, Fat Wreck)

Da gehen sie hin… Am 27. Mai 2007 verabschiedeten sich die Santa Cruzler in ihrer Heimatstadt vor ausverkauftem Laden und als Abschiedsgeschenk gibt’s nun die dazugehörige großartige Live-Aufnahme, bei der die Jungs ein letztes Mal alles gegeben haben. Mit 31(!!) Liedern, insgesamt 78(!!) Minuten Live-Material bleibt mehr als ein Best Of…-Album einer der dienstältesten Fat Wreck-Bands. Über 12 Jahre Bandgeschichte sind nun zu Ende. Schade. Echt Schade. Der Titel der Scheibe ist Programm, nicht der Bandname! Sollte man sich als kleine Erinnerung an eine großartige Band zulegen!   Jasmin

GOTTKAISER – Krieg und Frieden

(CD, Sunny Bastards)

Deutschsprachiger Pop-Punk, der versucht sich mit Bands wie Muff Potter, Duesenjäger oder Montreal zu vergleichen. Dazu sind sie aber meiner Meinung nach viel zu langweilig. Musikalisch und textlich genauso einfallslos wie bei der Wahl des Albumtitels. Da können sie noch so sehr versuchen kluge Texte zu schreiben, wenn es musikalisch nicht hinhaut, helfen auch keine intelligenten Texte. Nein, gefällt mir nicht, trotz Erstauflage im Special-Digipack mit Booklet.   Jasmin

THE GRIT – Surrender 

(MCD/ 7“, People Like You)

Wow, da hat People Like You ’ne großartige neue Band ans (Fest-)Land gezogen. Man nehme ’ne gehörige Portion Peacocks, mischt die mit ein wenig Living End und Swingin’ Utters und raus kommen The Grit. So in etwa könnte man die Musik der 4 Briten beschreiben. Leider sind auf der 7“ nur 3 Lieder: 1. „Surrender“, quasi die Singleauskopplung des Full Length-Albums „Shall We Dine“, ebenfalls erschienen bei People Like You und wärmstens zu empfehlen!!! Song Nummer 2 hört auf den Namen „Accosted“ und ist bisher unveröffentlicht, 3. „A Geordies Song“ ist eine Liveversion von dem Stück, welches in Studioversion ebenfalls auf dem Album zu hören ist. Klasse Sache, für Sammler sehr interessant, da das Ding auf 512 Stück gelbe Neonscheiben limitiert ist. Klasse Band!! Klasse 7“!!!   Jasmin

GUANA BATZ – Held Down To Vinyl At Last

(CD, Cherry Red)

Guana Batz waren und sind ganz groß. Dass sie zur Speerspitze des Psychobilly zählen, ist gerechtfertigt. Klassischer Psychobilly mit einer genialen Rhythmusfraktion. Rumzappeln ist unvermeidlich. Meistens flott, aber auch mal ruhigere Stücke. Keine Angst vor Akustikgitarren und traditionellem Rockabilly. Wie gesagt: ganz groß. Psychobilly at its best! Ich finde den Nachfolger Loan Sharks zwar noch besser, aber nichtsdestotrotz ist das vorliegende Debüt dieser Band – äh, ich wiederhole mich, dies aber im Sinne glänzender Rhetorik – ganz, ganz groß. Kaufen bitte!   HH

HEITER BIS WOLKIG – Auferstanden aus Ruinen

DIE ROTEN RATTEN – Nichtsalsrocken

(CD, Weserlabel)

Erste HBW-Scheibe seit 10 Jahren und gleichzeitig Kombi-Album der Kombi-(Fun-Punk?-) Bands HBW und Rote Ratten. Immer im Wechsel gibt’s je zwei Lieder von einer Band, unterscheiden kann man das allerdings nicht wirklich, da die Musiker/Sänger bei beiden Bands größtenteils eh gleich sind. Inhaltlich geht’s bei beiden Bands in erster Linie um, bzw. gegen George W. oder Big Brother, also ernstere Themen, als wir es von früher gewohnt sind und es wird wie immer fleißig gecovert, u.a. „Holland“ von Joint Venture oder „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ (Mackeben/Hesse) oder, oder, oder. Zwischendurch gibt’s mittelmäßige Kabaretteinlagen, die genauso mittelmäßig wie das Layout des Booklets sind. Jo, im Großen und Ganzen ganz nett. Als sie noch lustig waren, haben sie mir irgendwie besser gefallen.   Jasmin

DIE HERODES – Wir flitzen

(CD, dieherodes.de)

Herodes machen Funpunk in Reinform, und dass sie mit dem Titeltrack einigen Leuten auf die Füße treten, ist klar. Der juvenile Text handelt vom nackig durch die Gegend flitzen, was jeder mitmachen soll. Wer sich allerdings daran aufhängt ist meiner Meinung nach genauso unreif wie der Text selbst. Die restlichen 4 Songs der CD befassen sich mit ernsthafteren Themen und sind auch gut vorgetragen. Auf mich wirkt der Verein äußerst sorglos, was man ihnen auch weiterhin gönnt. Ob daraus mal mehr wird, zeigt wohl die Zukunft.   Bocky

HIROSHIMA MON AMOUR – No Hope For A Useless Generation

(CD, Dirty Faces)

Die Hiromuschis haben mir ja schon ganz schönes Kopfzerbrechen bereitet, zuerst ’ne chaotische Konzertorga und dann, eine Woche vor dem Konzert in Mannheim, steigt die Hälfte der Band aus und der Gig fällt flach. Aber mit ihrem gelungenen Debutalbum macht die Band um Ex-Revolver und Ex-Public Toy Uwe Umbruch alles wieder wett. Großartiger, melodischer Punkrock, der mit einer Ahnung von 70’s Glamrock spielt und dazu die einzigartige Stimme von Herrn Umbruch. Gefällt mir sogar besser als die letzten Revolvers-Sachen, muss ich sagen. Hoffentlich geht’s bald wieder mit neuem Gitarristen und Schlagzeuger weiter und vielleicht klappt’s dann auch noch mal mit einem Konzert in Mannheim. Erwähnt werden sollte außerdem noch auf jeden Fall das großartige Artwork von Stay Gold GFX!!   Jasmin

HOMECOMING KINGS – How To Punkrock, Lesson One

(CD, Demo)

Als ich die Eröffnungsnummer „Fleischsalat“ zum ersten Mal im Pogoradio gehört hatte, war ich schon schwer begeistert von den Bitburgern, die sich voll und ganz dem Spaß-Punkrock verschrieben haben. Und seit ich das Demo zu Hause habe, bin ich noch begeisterter. 5 Lieder gibt’s zu hören, jeweils gut gelaunter deutsch- und englischsprachiger melodischer Punkrock mit einer Stimme, die teilweise an Millencolins Nikola Sarcevic erinnert, was das Ganze noch mal sympathischer macht. Hoffentlich folgt bald ein vollständiges Album, würde mich sehr freuen. Schön zu wissen, dass es noch neue gute Bands gibt.   Jasmin

HOMICIDAL HOUSEPIG – Riot Brew

(Demo, www.homicidal.de)

Die Band aus Mannheim, deren Mitglieder ich alle kenne, bekommt von mir kein Gefälligkeits-Review! Haben die ein Glück, dass sie so gut sind. Ihr Punkcore-Sound ist druckstark und direkt, musikalisch abwechslungsreich und Frontfrau Tina schafft es mit ihrer Stimme die nötige Aggressivität in die Titel zu bringen. Da stellt sich mir nur die Frage, warum die Labels hier nicht schon Schlange stehen und ich das hier als Demo besprechen muss.   Richard

I WALK THE LINE – Black Wave Rising!

(CD, Rookie Records/Boss Tuneage)

Na, was als Hommage an Johnny Cash und Seitenprojekt von Wasted und Manifesto Jukebox startete, ist nach dem fabulösen Debüt ruckzuck zur Hauptband geworden. Unerwartet gut versteht es die Band eine Orgel in die Songs einzubauen und nicht nach Garage oder 60s Beat zu klingen, aber auch nicht zu wavig zu sein. Letzteres stimmt nicht so ganz, denn ziemlich düster ist der Sound dann schon. Vielleicht lässt es sich in die Neo Wave-Schublade zwängen. Bei mir könnte der Silberling es schaffen sich so lange im Deck zu drehen bis er Rillen hat, um dann weiter als Schallplatte zu laufen. Jedenfalls bin ich mal gespannt, wie weit es die Band diesmal schafft, nachdem sie beim ersten Longplayer directly in die finnischen Charts einstieg. Sehr poppig, sehr wavig und scheißegut.   Bocky

KAMIKATZE – Jag Är Defekt

(7“, Contamination/Drachenwerkstatt Krachpunk)

Yep, die drei obligatorisch blonden schwedischen Gören sind zurück, um uns mit vier neuen Krachern zu beglücken. Und wenn wir schon bei Äußerlichkeiten sind, möchte ich kurz das komplette Teil begutachten. Da haben wir schweres Vinyl, fetten Karton und ein Textblatt. Sprich nicht nur der hingerotzte Punkrock der Damen ist erste Sahne, sondern die gesamte 7“ ist toll gemacht. Wer also wütend ist, aber dabei gleichzeitig nachdenklich bleibt und auf fetzenden Sound steht, ist hier genau richtig!   Bocky

KANN ICH MIT LEBEN – Auf Raten

(CD, Nix gut)

Kann ich mit leben, ich schon. Die Band haut mich zwar nicht vom Hocker, aber wie gesagt, kann man mit leben. 14 Lieder mit reichlich Abwechslung: Ska, Metal und Hardcore verbunden mit Deutschpunk – ist ja nichts Ungewöhnliches, kann sich aber durchaus sehen lassen. Besonders gefallen mir die Ska-Einlagen. Die Freiburger Jungs gibt es seit 1999 und mit dem zweiten Album sind sie auf jeden Fall auf dem richtigen Weg.   Kay

KARATE DISCO – I Killed Bambi

(7“, Kidnap Music)

Ob nun Modulationsdifferenzen im modernen Businessleben oder die mannigfaltigen Exzesse des Gräbel (dem Keith Moon Andernachs) schuld daran waren, dass wir dieses wunderhübsch aufgemachte Scheibchen erst jetzt in den klammen Händen halten dürfen, sei mal dahingestellt. Jedenfalls hinterlassen die versammelten Hits „Au Revoir (Mon Bon Garcon)“, „Mehr Hälse als Köpfe“ und „Aus dem Sinn“ bereits beim ersten Hören no doubts und machen Lust auf Dauerrotation. Darüber, dass die Darbietung hin und wieder mal ein wenig an die Barseros erinnert, kann man da locker hinwegsehen (Familienbande, gleiches Umfeld etc.). Frontkämpferin Ricci hat nicht nur die nötige Angepisstheit in der Stimme, sondern fabriziert auch durch die Bank kompetente Lyrix, die, obschon sie hier und da etwas dick aufgetragen erscheinen („…dein Freundeskreis hat sich dramatisch extendiert“) – sie bezeichnen ihr Erzeugnis ja nicht umsonst als „Deutsch-LK-Punk“ – dennoch zu überzeugen wissen und zum heiteren Parallelen ziehen animieren. Kommt mit rotem Vinyl und superschickem Artwork sowie Inlay mit allen Texten. Limitiert auf 500 Stüx. Longplayer basteln, aber zackig!   Snitch

 

KEEGAN – #1

(CD, Rookie Records)

Als verkappte Gelegenheits-Indypop-Schlampe mach ich mir ja wirklich immer vor Freude die Vorlagen nass, wenn von Rookie-Jürgen mal wieder neuer Stoff aus jenem Sektor in meinen Pranken landet. Und auch sein jüngstes Signing weiß zu überzeugen: Die Kölner Buben gehen so unglaublich kompetent zu Werke, dass man sich drei Mal vergewissern muss, ob es sich nicht doch um ’ne Combo aus Nordbritannien handelt (Neffen von Teenage Fanclub zum Beispiel, die keinen Bock auf Byrds-Einschlag haben und wesentlich mehr Gas geben, um es mal auf den Punkt zu bringen). Für ein Debut erstaunlich mitreißende Songs, denen meist die Sonne aus der Harnröhre scheint, die nach Baggersee und Dosenbier schreien und Laune dazu verbreiten, die nächstbeste Studentenschnalle im Reformhaus anzubaggern, sich Hals über Kopf in allürenbehaftete Antifa-Diven zu verknallen oder was weiß denn ich. Freu mich schon auf die Release-Show im Tsunami, die Herren!   Snitch

KHATARINA – Don’t Hesitate, Be A Bastard 

(LP, Campary/Condom Black Ltd/DeafForever/Khatarina Korporation)

Hm, eine einseitig bespielte LP, so was werde ich nie verstehen, reine Verschwendung wenn ihr mich fragt. Sei’s drum. Die 5 Finninnen spielen nach eigenen Angaben „aggressive hardcore with feminist attitude“. Sie bolzen uns harten D-Beat um die Ohren, der Power und Aggression rüberbringt und Bock macht, die Band in echt und mit Farbe zu sehen. Coole Texte: „She looks so sweet and innocent / you can try to make her behave / but she just looks at you with that grin on her face and says ,I’m gonna shit on you!’“ Ordentliche Sache, auch wenn sich viele Lieder gleichen (was aber bei D-Beat häufig vorkommt und schwer ist anders hinzukriegen).   Chemical Maze

KLEINSTADTCHAOTEN – Geld ist nicht alles…

(EP, Eigenproduktion)

D-Punk vom Dorfe, der sich wie Wizo und Konsorten anhört. Viel zu lange Lieder, gut gemeint aber net weltbewegend. Ein bisschen kürzer und knackiger bitte, dann könnt’s noch was werden.   Chemical Maze 

LADEHEMMUNG – Seid bereit!

(CD, Nix gut)

Neues Album mit neuem Sänger. Bei den Jungs aus Halle an der Saale gibt es Deutschpunk direkt in die Fresse; schnelle und melodiöse Lieder, die reinhauen und Spaß machen, mit Texten, die sich direkt ins Gehirn bohren. Da können andere Bands sich ruhig mal ’ne Scheibe von abschneiden. Wer Deutschpunk mag, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Also: kaufen, zurücklehnen und Bierchen in die Hand!   Kay

 

THE LAST RESORT – A Way Of Life – Skinhead Anthems

(CD, Captain Oi!)

Captain Oi! ist ja momentan dabei, Punk und Oi!-Klassiker, die sie eh schon alle veröffentlicht haben, noch mal in einem fettem Digipack raus zu bringen. Dazu gehört natürlich auch Last Resort mit ihrem ersten und einzigen Album „A Way Of Life – Skinhead Anthems“. Nun fand ich ja die Mannen um Roi Pearce immer ein wenig überschätzt und sie gelten nicht ohne Grund vielen heutigen Schrammel-Oi!-Bands als Vorbild. Zudem muss man sagen, dass das Album selbst für damalige Verhältnisse schlecht produziert wurde. Trotzdem ist es natürlich ein absoluter Oi!-Klassiker und so ziemlich jeder Skinhead dürfte schon Songs wie „Skinheads In Sta Press“, „King Of The Jungle“ oder „Violence In Our Minds“ mitgegrölt haben. Dazu ist die CD natürlich auch wieder mit Bonus-Tracks beladen und die Aufmachung ist mit vielen Fotos und den Texten wie immer beim Captain vorzüglich. Da die meisten kurzhaarigen Interessenten das Album wahrscheinlich eh schon haben, muss jeder für sich entscheiden, ob er das Ganze noch als Digipack braucht.   Thorsten

LEOPOLD KRAUS WELLENKAPELLE – No Parking On The Dancefloor

(CD/DVD, Richie)

Die ersten zwei Singles der Bekenntnis-Schwarzwälder Wald- und Wiesensurfkapelle mit massig Bonustracks auf CD gebrannt. Schöner Pulp Fiction-Soundtrack, der allerdings nach dem vierten oder fünften Lied etwas eintönig wirkt. Irgendwie ist Instrumentalzeug nix für mich und da ich weder mit Hawaii-Hemden noch mit Surfbrettern so richtig viel anfangen kann, rauschen die 17 Lieder an mir vorbei. Handwerklich klasse gemacht, aber nix für meinereiner. Aus demselben Grund kann ich auch mit der liebevoll gemachten 1-stündigen Tourdoku, die als DVD beiliegt, nicht wirklich viel anfangen. Für Fans des gepflegten Twangs allerdings sicher extrem unterhaltsam…   AndiSocial

 

THE LOMBEGO SURFERS – Pagan Thrills

(CD, Flight 13)

Garagepunk vom Feinsten. Und zwar die gröbere, rauere Variante. Dirty Rock’n’Roll. Nix mit Farfisa. Superfuzz Bigmuff. Gitarren ohne Duft. Mehr Dead Moon als Sateliters. Es geht nicht darum, die 60er hochleben zu lassen, sondern nur um die direkte Tat. Klar zum Entern! Und ca. 20 Jahre Erfahrung sprechen für sich. Heute sind wir die Stooges und morgen…   HH

LOVED ONES – Build & Burn

(CD, Fat Wreck)

Wo Fat Wreck drauf steht, ist auch Fat Wreck drin! Das zweite Album der Philadelphianer ist kein Schmierkäse. Um selbst keinen zu erzählen, ziehe ich den Beipackzettel der „peoples punk band“ zu Rate. Es ist jetzt nicht gerade so ein Konzeptalbum geworden wie, sagen wir mal, „American Idiot“, aber wenn man sich anstrengt, findet man auch hier einen roten Faden: Es geht um Menschen und wie sie leben („basic human concept“). Dave Hause, der Sänger (+ Gitarre), hat nämlich festgestellt, dass „das, was den Menschen von anderen Lebensformen unterscheidet, die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen ist.“ Man kann aufbauen und zerstören. Beides macht Sinn. Das weiß er jetzt, der Dave. Sein alter Basser ist nämlich weg, dafür hat er jetzt einen neuen und noch einen Gitarristen dabei – alles super, menschlich top und so, eng halt. Frei nach „Spinal Tap“: „Wenn du denkst drei ist schon saugeil, was kann da noch besser sein? Vier!“ Einzige Frechheit des Review-Bauklötze-Zettels ist die Beschreibung von „Louisiana“ als Johnny Cash-meets-Ramones, die kenne ich nämlich und damit hat das jetzt mal grad gar nix zu tun, vielleicht was mit Bruce Springsteen oder Tom Petty – für die heizten die Loved Ones schon mal die Stadien an. Und der Petty Tom, der hat auch heuer beim Superbowl gespielt und nicht, sagen wir mal, Madonna – denn der rockt und die nicht (irgendwie so war die Begründung). Irgendwie doch ein bisschen „American Idiot“.   Captain Mocker

LÜKOPODIUM – Denk laut oder vergiss es

(CD, Nix Gut)

Hoppla, was ist das denn? Die Nix Gut-CDs hab ich mir mit dem Besprechen bis zum Schluss aufgehoben weil ich zurzeit irgendwie recht wenig Bock auf Deutschpunk habe. Tja, gelitten, denn jetzt merke ich leider viel zu spät, wie gut Lükopodium sind. Hey, die sind ja suuper!! Kein 08/15 öder, Parolen dreschender Assideutschpunk – nein hier wird moderner, aggressiver, druckvoller deutschsprachiger Punkrock geboten. Vergleiche mit Popperklopper oder Fahnenflucht (laut CD-Beipackzettel) hinken meiner Meinung nach gewaltig, da der Sound der Niederösterreicher viel voller, kräftiger und besser ist. Textlich übrigens ebenfalls astrein, da sollten sich viele, viele Deutschpunkbands mal ’ne Scheibe von abschneiden!!   Jasmin



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