Deadline Interview

| Juni 3rd, 2008

Was bei dieser Fragerunde heraus kommen sollte wusste ich nicht, als ich auf die glorreiche Idee kam die Londoner zu befragen. Denn ich wollte von Deadline ein Statement zur Oi!-Szene haben. Nur meiner Meinung nach haben die mit Oi! gar nicht mehr so viel am Hut, wie noch zur Zeit ihrer ersten beiden Scheiben. Trotzdem interessierte es mich brennend, wie sie heute zu den Vorkommnissen von damals stehen. Hinzu kam meine positive Haltung ihrer Mucke gegenüber und wissend, dass sie sich eigentlich nie mehr derartige „Untugenden“ erlaubten. So ist ein Interview mit zwei Schwerpunkten entstanden.

Vor circa fünf Jahren unterhielten wir uns das erste mal. Seither war die Stimmung zwischen uns nicht gerade die beste. Hattet ihr eigentlich viel Reaktionen auf dieses Interview?

Und ob. Ich bekam massig mails von Leuten die sich wunderten, wieso das Webportal Turn It Down (turnitdown.de) und das Fanzine Pogopresse behaupten wir seien eine rechte Band. Das war sehr ärgerlich, weil:
1.Als Band geben wir uns nicht politisch,
2.Jeder einzelne von uns ist alles andere als rechts!
Doch das ist jetzt fünf Jahre her. Mir ist das mittlerweile egal.

Damals machte Deadline einige merkwürdige Dinge, wie bspw. ein Konzert in der belgischen Vorzeige-Nazispelunke „De Kastelein“. Nach unserer „Disskussion“ scheint es, habt ihr schon genauer geschaut, was ihr macht.
Wenn ich damals zu Beginn von Deadline gewisse Sachen gewusst hätte, dann hätte ich die Band dort niemals gebucht. Aber ich habe  zuviel Zeit damit verbracht, mich für diesen Ausrutscher zu rechtfertigen. Ich meine es haben uns seitdem tausende von Leute live gesehen, sprachen mit uns oder tranken mit. Die wissen wie weit wir davon entfernt sind anrüchig zu sein.

 

Heißt das ihr checkt alle Clubs in denen ihr spielt, wenn der nicht von MAD gebucht worden ist?

Genau so ist das! Wenn MAD das machen, dann traue ich ihnen. Die machen das schon so lange für uns und die arbeiten nur mit Leuten zusammen, die sie kennen. Wenn ich die Show selbst buche, schaue ich immer erst, wer derjenige ist, der uns da will. Generell macht das aber MAD und ich buche nur die Konzerte auf der Insel.



 
Wie steht es denn um die OI! und Skin Szene im Königreich? Ist die auch so separiert in Unpolitische, Sharps und Nazis?

Also, die Leute hier scheren sich weniger um Politik. Ich denke Nazis haben hier ihre eigenes Umfeld und vermischen sich nicht mit Oi! und Punk. Derzeit hat man solche Leute schlicht nicht auf Konzerten. Zum Glück! Auf „normalen“ Punkshows, bei denen wir auftreten, ist das sehr unterschiedlich und multikulturell. Da besteht auch keine Notwendigkeit sich andauernd über Antirassismus zu unterhalten. Da soll man sich einfach mal die Leute auf Konzerten in London anschauen. Dort sind alle Nationalitäten vertreten. Es ist sozusagen kosmopolitisch und im Punkrock ein wirklicher Schmelztiegel. Das lieben wir, das ist London. Der Rest UK’s ist wesentlich langweiliger, weswegen wir heutzutage eher selten in England spielen.

 

Wie stehst du persönlich zu Politik?
Hm, als Band versuchen wir uns da weites gehend rauszuhalten. Das ist unsere Wahl. Andere Bands entscheiden sich genau anders herum und machen das auch wirklich gut. Uns geht es in den Songs eher um persönliche Dinge. Klar haben auch wir sozialkritische Songs, aber mindestens 75% der Texte handeln eher von zwischenmenschlichen Dingen. Themen, zu denen die meisten einen Bezug haben.
Als Individuum halte ich es für essentiell eine politische Meinung zu haben. Nur Politiker selbst hasse ich! Für mich sind das alles Typen, die Worte verdrehen und Menschen manipulieren. Ich habe mein Interesse für politische Parteien komplett verloren. Ich versuche lediglich jeden Tag die richtigen Entscheidungen zu treffen und erwarte dabei keine Unterstützung von einer Partei.

 

Auf eurem dritten Album „Getting Serious“ ist der Song „Come Out To Play“. Der handelt von Leuten, die sich nur über das Internet äußern und nur so wahrzunehmen sind. Klingt vielleicht etwas arrogant, aber ist der Track etwas von unserem ersten Interview „inspiriert“?
Ja. Und allen weiteren Internet-Kriegern gewidmet, die aus uns etwas machen wollen, was wir nicht sind. Wenn Leute mir was zu sagen haben, was ihnen nicht passt, dann sollen sie mir das ins Gesicht sagen. Ich bin der Bassist, haha.

Seit „Getting Serious“ kommt ihr bei „People Like You“ heraus. Das ist nicht gerade das typsche Oi!-Label. Mit dem Wechsel scheint ihr euch in die Rock’n’Roll Richtung zu entwickeln. Seht ihr das auch so?
Nicht wirklich. Ich finde nicht, dass wir mehr Rock’n’Roll-Style haben als zuvor. Alle Elemente, die wir in die aktuellen Songs einfließen lassen, sind die gleichen wie vom ersten Tag an. Aber, nach sieben Jahren haben wir es besser raus interessante Songs zu machen. Obwohl die Tracks auf einer simplen Basis funktionieren (Intro, Vers 1, Refrain, Vers 2, Refrain, usw.). Rock’n’Roll haben wir in unsere Gitarren aber ebenso mit eingebaut, wie auch Hardcore.
Was sich seit der Zeit auf PLY änderte ist, dass wir uns mehr Zeit nehmen einen Song zu schreiben und mehr Geld ausgeben für die Aufnahmen. Da ich das erste Album selbst zahlte, musste alles sehr schnell gehen. Ich glaube Liz’s Gesangsparts nahmen wir in nicht mal einem kompletten Tag auf. Deswegen klingt das Album aufgrund der Eile, in der es aufgenommen wurde, ein bißchen nach einem „Notfall“. Das nennen manche Punk oder Oi!.Beim aktuellen Album nahmen wir den Gesang in vier bis fünf Tagen auf. Wir arbeiteten mit viel Harmonien und konnten viel mehr frickeln. Das widerum nennen viele Rock’n’Roll oder gar Pop. Grundsätzlich ist es aber so, wir sind immer noch die selben Leute – Liz und ich, die die Songs schreiben, die wir hören wollen.

In einem Interview las ich, ihr wäret nie eine Skinhead-Band gewesen. Ich denke der Interviewer hat sich bei der Übersetzung vertan, oder?

Nein, denke ich nicht. Ich startete Deadline nie mit dem Gedanken „Hey lasst uns ne Skinhead-Band machen“. Klar, Liz war damals äußerlich ein Skingirl, doch ist das gleichbedeutend damit eine Skinhead-Band zu sein? Ich finde nicht. Unser Sound beinhaltete schon immer mehrere Genres. Aber ich sagte auch immer mir sei es egal in welche Schublade uns die Leute stecken. Wenn Skins sagen wir sind eine Skin-Combo, dann ist das o.k. für mich. Ich sehe Skins auch gerne bei unseren Shows, die sind immer ein großartiges Publikum. Wenn dann Leute die Band nicht mehr hören wollen, weil Liz sich die Haare wachsen lässt, dann soll mir das auch recht sein. Fuck, uns interessieren keine Leute, die sich nach dem Aussehen einer Band richten. Ich dachte immer wir sind eine melodische Punk-Kapelle, mit Einflüssen aller möglicher Art, sei es Hardcore, Oi!, Ska, Pop, Soul, Rock, Psycho, etc..

Die Kritiken zum aktuellen Album sind überwältigend. Kommen jetzt noch mehr Leute zu euren Shows?

Ja, in der Tat kommen seit dem mehr Leute. Vor allem in Deutschland. Es ist cool zu sehen, dass die harte Arbeit nicht unbemerkt bleibt.

Was ist denn eure meistgestellte Frage in Interviews?

Wahrscheinlich die im Bezug auf unser Line-Up und der Bandhistory. Da verliere ich regelmäßig den Überblick, haha.

Oft liest man von euch, dass ihr mit der  Band Spaß haben wollt. Ich finde die Parties im Anschluss zu einem Konzert oft besser. Wie seht ihr das?

Nun, da wir uns mit der Band nicht das Leben finanzieren, muss die Band ja Spaß machen, sonst würde das ja keinen Sinn ergeben. Gut, wir machen auf Tour mittlerweile kein Minus mehr, kommen eher mit etwas Geld zurück und können damit Miete und Rechnungen zahlen. Aber wichtiger ist es unterwegs eine gute Zeit zu haben und zu sehen, dass die Show auch dem Publikum Spaß macht. Ich liebe es meine Songs live zu spielen, genauso geht es Liz. Das ist ein großartiges Gefühl und das wichtigste für mich. Ab und zu feiern wir schon nach dem Auftritt, doch manchmal bleibt gar nicht die Zeit. Wenn dann halt das nächste Konzert gerade mal acht Stunden weg ist, dann gehen wir meist recht schnell ins Bett. Oder du bist nach einem Konzert einfach total ausgepowert, weil du auf der Bühne deine Party hattest. Und das ganz ohne Alkohol.

Auf eurer ersten Single mimte Liz Sohn Zac den Coverboy. Wie sieht er denn heutzutage seine Mom. Ist er eigentlich nicht alt genug, um mit auf Tour zu gehen? Oder mag er Deadline nicht und hört andere Mucke?

Zac ist heute 13 Jahre alt und hört keine Punkrock. Zu unseren Londoner Shows ommt er auch nicht regelmäßig. Er bevorzugt da ganz klar seine Playstation. Ich denke sein Weg gegen uns zu rebellieren besteht darin viel R’n’B und Radio zu hören. So in die Richtung Shakira, Gorillaz. Aber manchmal hört man ihn im Bad unsere Songs singen. Außerdem hat er mein Madness Shirt und die CD’s gezockt. Wie man sieht ist er noch nicht ganz verloren.

Hervé du bist Lehrer. Wissen deine Schüler von der Band oder haben sogar eine Band von der sie behaupten, dass sie von Deadline beeinflusst sind?
Ich schaffte es lange die Band geheim zu halten. Aber einige der Punkrock-Kids auf der Schule fanden das über das Internet heraus und verbreiteten die Info vor einigen Jahren. So wissen das mittlerweile alle und manche kommen sogar zu den Gigs. Das führt natürlich öfter mal zu lustigen Situationen. Einmal kamen drei Jungs zu einer Show, die ich in einer Bar organisierte. Sie standen draußen in der Schlange und durften nicht rein, weil sie noch zu jung waren. Als sie mich sazhen riefen sie: „Sir, Sir bitte lassen sie uns rein“, haha. Ich habe sie dann schnell durch den Hintereingang reingelassen, weil so als „Sir“ vor unserem Publikum betitelt zu werden war schon ziemlich peinlich.An einem anderen Tag geriet ein total besoffener und nerviger Punk an einen riesigen Skinhead. Schnell kam es zur Schlägerei und als der große Skin den Punker so richtig eindosen wollte, going ich dazwischen, weil ich den Skin kannte. Der auf dem Boden liegende Punk meinte zu mir: „Mr. Laurent, was soll die Scheiße“. Tatsächlich war das ein Typ, den ich vier Jahre vorher unterrichtete, der mir aber nie auffiel.
Aber von Bands, die von uns beeinflusst sein sollten, von denen hörte ich bisher noch nichts. Ehrlich gesagt glaube ich kaum, dass überhaupt jemanden von denen in einer Band ist.

Nun, als Internet-Krieger sehe ich mich selbst absolut gar nicht. Denn da bin ich mit Hervé einer Meinung und ziehe den direkten Kontakt vor. Bloß ist das nicht ganz so einfach jemanden dann zu treffen, wenn man gerade will und London ist nicht wirklich um die Ecke. Aber was soll es olle Kammellen aufzukochen. Ich meine, ich traf die Band vor nicht all zu langer Zeit persönlich. Hervé war ungeachtet des ersten Interviews von Anfang an nett. Auch scheint er als ständiger Vertreter der Band verstanden zu haben, worum es damals ging. Für meinen Teil werde ich der Band nichts mehr vorwerfen und stattdessen auf das fünfte Album warten!

Bocky

www.deadline-uk.com



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