EXTINCT – Kill Or Be Killed
(CD, Winged Skull Records / Vertrieb: Radar)
Der Beipackzettel zur CD erzählt die Story der Bandgründung, die zunächst ziemlich sympathisch klingt: 5 Leute aus Olm (Luxemburg), von denen bis auf einen Akustikgitarristen niemand ein Instrument beherrscht, gründen eine Punkband. Sechs Jahre später hat sich an der Zusammensetzung der Band wenig verändert. Dafür haben die Mitglieder mittlerweile gelernt mit ihren Instrumenten umzugehen und bei Winged Skull gerade ihr zweites Album herausgebracht. Das wiederum besteht aus 15 Songs mit einer Gesamtlänge von knapp unter 50 Minuten und bietet ansprechenden Streetpunk, mit gelegentlichem Hardcore-Einschlag. Live bestimmt ein Erlebnis, aber auf Dauer etwas eintönig. Zechi


THE FALL OF TROY – Manipulator
(CD, Equal Vision Rec.)
Was macht man heutzutage nicht alles, um aus dem Einheitsbrei ewig gleich klingender Emo-Kapellen heraus zu stechen und die Aufmerksamkeit der stylebewussten Tattoo- & Piercingmädchen auf sich zu lenken. Die noch nicht allzu betagten Herren von TFOT jedenfalls sind sich hierbei nicht zu schade, ihren HC-/Screamo-Krautsalat mit verkopftem Progrock der Marke Dream Theater, Free-Jazz-Elementen, Falsett-Einlagen (die King Diamond und Robin Gibb gleichermaßen vor Neid erblassen ließen), crustigen Kurzstrecken-Sprints, Rivers-Cuomo-Tralala-Strophen, Mad Caddies-Hooklines(!) und ähnlichem Schabernack anzureichern – vieles davon oft in einem einzigen Song, wohlgemerkt… Kurz und bündig: Für Menschen, die pflichtbewusst die Blood Brothers als Hintergrundmusik auflegen, wenn coole Kommilitonen zum Kaffeeklatsch erscheinen und nach Ende des Besuchs erleichtert wieder auf SWR3 umschalten, genau das richtige Futter. Wie wilde Stilmixe funktionieren können, ohne, dass es allzu aufgesetzt und penetrant rüberkommt, zeigen Bands wie Antitainment oder auch Bubonix nur zu gut. Diesen drei Washingtonern hier hingegen sollte bei Gelegenheit mal jemand beibiegen, dass etwas weniger manchmal mehr sein kann. Meine Güte, Jungs, wir glauben euch ja, dass ihr spielen könnt! Jetzt seid bitte so gut und nehmt mal brav eure Diazepam-Zäpfchen… Snitchcock

 

 


FAR FROM FINISHED – Living In The Fallout
(CD, People Like You)
Oh ja, vom finished sein ist das Genre des „Sonne-aus-dem-Arsch“-Streetpunks wirklich noch weit entfernt, was auch die drei Bostoner hier mit ihrem zwoten Langen unter Beweis stellen. Und das machense dann auch mehr als ordentlich – man ist fast geneigt, ihnen das Ausfüllen der Lücke zu unterstellen, die die verblichenen One Man Army seinerzeit hinterlassen haben. Klingt dann auch mehr nach’m großen Westufer als nach taffem Wörking-Class-Leben am Michigan-Tümpel, und das trotz Jim Siegels Mitwirken als Regisseur (u.a. Knöpfchendreher bei The Unseen und den Futtkick Murphys). Und dennoch sind die begleitenden Worte von Mr. Neary eher angenervter Natur, und zwar von der großen weiten Welt samt Bestimmern, vom sozialen Umfeld und sogar von sich selber („I ain’t a fuckin’ saint / think i’m a fuckin’ disaster…“). Ach komm, Kerle, immerhin kannze singen… Gibt’s absolut nichts zu meckern dran, auch wenn der kritische Nerd nach irgendwelchen „Innovationen“ erwartungsgemäß vergeblich suchen wird. Wem hingegen nach hymnischem Pilsvernichtungs-Soundtrack der Marke U.S. Bombs, V.O.A.G. und eben One Man Army dürstet, liegt hier nicht unbedingt falsch. Snitchcock

 

 


FEINDBILD – Rührt Euch 
(CD, Klartext Records)
Korrekter D-Punk mit authentischen Texten, der voll nach vorne losgeht. Meiner Meinung nach sollte der Frau mehr Gesangsanteil eingeräumt werden (Gänsehaut!). Es werden halt zum Teil die szeneüblichen Themen abgearbeitet (Bier, Bullen, Popper), aber ohne peinlich zu wirken. Gelebter Punk inklusive kritischem Blick auf den eigenen Sumpf, der sich angenehm vom Nix Gut-Schund abhebt. Cover und Gestaltung sind auch sehr schick. Feindbild haben ihre LP und ihre 10“ auf diese Scheibe gepackt, also quasi die Gelegenheit für Nichtbesitzer sich mit dem Stoff einzudecken. chemical maze


THEE FLANDERS – Graverobbing/Freakshow
(CD/DVD, Halb-7-Records)
Zum 10-jährigen Bandjubiläum beschenken Thee Flanders sich und uns mit einem Album voller Coverversionen. Coverversionen sind so ’ne Sache. Sie sind gelungen, wenn eine Band einem alten Lied durch ihren eigenen Sound einen neuen Charakter gibt. Im Idealfall stellt eine Coverversion eine Verbesserung dar. Und hier tritt bei den Flanders Licht auf Schatten: Die Psychobillyversionen von bspw. „Master And Servant“, „Halloween“ oder „Maria“ sind schwer gelungen, aber Psychobillystücke (u.a. „Pervy In The Park“ oder „Transsylvanian Express“) auf Psychobilly nachzuspielen, ist schon zu nah am Original und daher nicht ganz so berauschend. Und auch „51st State“ klingt zu sehr nach NMA. Aber gesamt gesehen ist das eine schicke, tolle Psychobillyplatte. Kein Fehler. Als Bonus gibt es noch ’ne DVD mit Videos und Live-Aufnahmen. Das ist schön. HH

 

 


THE FLATLINERS – The Great Awake
(CD, Fat Wreck)
Okay, das große Erwachen, das der Albumtitel verspricht, ist es zwar nicht, denn wo Fat Wreck drauf steht, ist unumstößlich auch Fat Wreck drin. Aber immerhin liefern die vier blutjungen Typen aus Toronto/Kanada (Durchschnittsalter unter 20) mit ihrem Album eine erfrischende Abwechslung ins Review-Einerlei. The Flatliners scheinen sich trotz ihrer jungen Jahre schon beachtlich weit durch die Punkrock-History gearbeitet zu haben. Das Schöne daran ist, dass die verschiedenen Einflüsse (neben Hardcore und Punkrock, z.B. auch Reggae) nicht zu einem wabernden Brei vermischt werden, sondern tatsächlich eingängiges Material daraus arrangiert wird und der Funke überspringt. Oder sie haben im Hintergrund einen guten Songwriter sitzen. Halt nein, war nur eine böse Unterstellung, die ich sofort zurück nehme, denn ein kurzer Blick aufs Cover beweist, dass alle Songs Eigenkompositionen sind. Respekt! Labelfreunde sollten die Flatliners unbedingt mal anchecken! Obnoxious

 

 


THE FLOOZIES – s/t
(7“, http://www.thefloozies.de)
Vier Mal sixtiesorientierter Garagepunk. Souverän gespielt. Flott. Schöne Riffs. Passender Gesang. Also: Sehr gut, aber genauso originell, wie diese kurze Abfassung. HH

 

 


F-THREE – No Peace, No Justice
(CD, ANR Music/Broken Silence)
Die drei Bremer kreuzen Rancid in ihrer Frühphase mit skandinavischem Arbeiterglatze- Streetpunk der Marke V.O.A.G. und wissen damit zu überzeugen – vor allem in lebendig, wie der dophe Rezensent erst vor kurzem auf der Vaders-Tour erleben durfte. Auf Konserve geben Songs wie „Inner Smile“, „21st Century Freedom“, „Last Bullet“ oder „From The Rooftops“ ’nen super Soundtrack zur Hausarbeit ab. Vielleicht auch zu Hausarbeiten, wer weiß… Snitchcock

 

 


THE GENERATORS – The Great Divide
(CD, People Like You)
The Generators aus Los Angeles gehören mittlerweile zu den besten aktuellen Punk-Bands aus Amerika. „The Great Divide“ ist nun ihr sechstes Album. Für mich sind sie die einzigen wahren und würdigen Nachfolger von Social Distortion, mit deren Sound sie immer (zu Recht) verglichen werden. Die zehn neuen Songs reihen sich anstandslos in die Vorgängeralben ein und überzeugen einfach durch die druckvollen Melodien. Genial finde ich die Cover-Punkrock-Version von „Paint It Black“. Das einzig Negative ist, dass das Album mit nur zehn Songs recht mager ausgefallen ist. Thorsten

 

 


THE GENERATORS – Welcome To The End
(CD, People Like You)
Zum gemeinsamen zehnjährigen Jubiläum von den Generators aus L.A. und den Ruhrpottassis von People Like You erscheint jetzt das Debüt-Album von den Generators, das damals als eine der ersten Veröffentlichungen auf PLY erschien, als Re-Release mitsamt neuem Artwork plus drei Bonustracks (u.a. eine Coverversion von Sex Pistols’ „No Feelings“). Im Vergleich zur aktuellen Scheibe der Band ist das hier noch ziemlich gedrosselt, eher Old School Punkrock in Midtempo-Manier, ziemlich melodisch. Wie gesagt: Im Vergleich zu den neueren Releases mit dem Fuß auf der Bremse. Und mit „Freedom“ ist sogar eine Ballade vertreten. In den besten Momenten („Snake Town“) erinnern die Generators auf ihrem Debüt an die göttliche „Inflammable Material“ von Stiff Little Fingers. Leider nur selten. Ansonsten ist „Welcome To The End“ in der heutigen Zeitrechnung belanglos. Und irgendwo ist wohl auch wieder ein Sack Reis umgefallen. Obnoxious

 

 


GOGOL BORDELLO – Super Taranta!
(CD, Side One Dummy)
Eugene Hutz, Sänger und Mastermind der Band, ist ein Tausendsassa. Neben der Band drehte er vor einiger Zeit zusammen mit Frodo-Darsteller Elijah Wood die Literaturverfilmung von „Alles ist erleuchtet“ und in diesem Sommer wurde er von Madonna gebeten mit ihr zusammen in London den Live Earth-Auftritt zu machen! Letzteres ist natürlich vom Marketing her nahezu perfekt. Dementsprechend war auch der Hype um das Folgealbum von „Gypsy Punks“. Doch wie es sich um einen Hampelheiner der Güteklasse 1A gehört, wurden die Erwartungen locker erfüllt! Wieder weiß die Band mit ihrer Balkanpunkpolka einfach jedem zu gefallen. Diese Kapelle versteht es schlicht den Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Einzige konstruktive Kritik ist die Länge der meisten Songs und die Gesamtspielzeit von gut 60 Minuten. Käme das knackiger und kürzer, wäre ich komplett am Durchdrehen. Bocky

 

 


GREEDY BEES – A Lifetime For The Disappointment 
(CD, 808 Records) 
Skacore nennen die sieben glorreichen Saarbrücker ihre Musik. Gemeint ist damit eine Mischung aus schnellem Punk, Ska-Rhythmen, Dicke-Backen-Instrumenten und rauem Gesang. Die Grundstimmung der Debut-CD (2004) ist positiv – alles Up-Tempo-Nummern mit Melodei und schönen Chorpassagen –, auch wenn die Texte (9 x Englisch, 1 x Deutsch) eher ernst bis melancholisch gehalten sind. Front- und Back-Cover kokettieren ebenfalls mit dem Schmerz des Künstlers: Einsamer Gitarrist auf der Brücke zockelt in den Ort der Trübsal bzw. wartet nachdenklich auf den „Bus nach Nirgendwo“ – unzweifelhaft Schnappschüsse aus der Heimat. Daher lässt sich der Titel als „lebenslange Enttäuschung“ oder als „lebenslanges Warten auf die falsche Verabredung“ interpretieren. Bilanzen, die man in Saarbrücken durchaus ziehen kann – ich selbst lebte zwei Jahre dort –, doch die Stadt trägt meist nicht die Schuld und solche Bilanzen werden auch anderswo gezogen. Die Greedy Bees jedenfalls sind keineswegs „enttäuschend“, „trübe“ oder „abwartend“ und ein Konzert würde ich (der CD nach) nicht als „falsche Verabredung“ einschätzen, sondern sogar empfehlen. Zumal sie bei der Aufzählung ihrer bisherigen Auftritte meinen Heimatort Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) in einem Atemzug mit Städten wie Frankfurt, Freiburg und Hamburg nennen. Das ist für Saarländer sehr tolerant. Zeige dich genauso weltoffen wie die Greedy Bees und öffne deinen CD-Player für sie. You Won´t Be Disappoited! Cpt. Mocker

 

 


GREEDY BEES – Makeshift Wings To The Stars 
(CD, 808 Records)
Das Review der ersten GREEDY BEES-Scheibe wurde wegen diesundjenemzulangumzuerklärendem letztendlich bisher noch nicht gedruckt. In dieser Ausgabe bietet sich also die Möglichkeit dies nachzuholen und gleichzeitig eine musikalische Entwicklung aufzuzeigen. Außerdem gefiel mir die erste Scheibe besser. Diese Zweite (2007) hier ist nicht die Welt. Die Notbehelf-Flügel-Zu-Den-Sternen wirken auf mich zu angestrengt und durchdacht, als dass sie mich zum Schwingen brächten. Bot das Debut eine Band mit homogenen (Skacore-) Stil, scheinen mir hier acht einzelne „Musiker“-Bienen gierig zeigen zu wollen, wo sie eigentlich her kommen oder hin wollen oder was sie könnten, wenn die anderen sie lassen würde wie sie eigentlich wollten. Metallgitarren, Tex-Mex-Parts, Kastagnetten, ein Dudelsack (oder was ähnlich Klingendes), Streicher-Arrangements, eine um den richtigen Ton bemühte Stimme und eine Akustik-Gitarren-Ballade als Bonus versteckt; das wirkt hier nicht wie aus einem Guss, kommt nicht wachsweich rüber, ist auch nicht heiß genug zum Dahinschmelzen – ein zusammengestückeltes Provisorium. Ikarus, der alte Grieche, ist damit auf die Schnauze gefallen. Er hat auch nicht auf die Warnung von Daidalos gehört. Doch wer versteht schon Altgriechisch? „Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund“ sang die in Nohfelden (Saarland) wohnende Grand Prix-Siegerin Nicole immerhin auf Deutsch. Immer noch nicht verstanden? Macht Musik mit Eiern und werdet keine Egowichser! Captain Mocker

 

 


GRIMSKUNK – Fires Unter The Road
(CD, Silversonic Records)
Boah, was ist das denn? Und warum muss ich das besprechen?? Nehmt es mir bitte nicht übel, aber ich hab die Scheibe kein einziges Mal komplett durchgehört. Unmöglich. Die Band aus Quebec (das liegt in Kanada, nur so als Info für alle, die noch nie Risiko gespielt haben) gibt’s seit 10 Jahren und tourte alleine zwischen 1999 und 2004 15 mal in Deutschland. Produziert wurde die Scheibe von Gggarth Richardson (RATM, Ugly Kid Joe, Skunk Anansie) und gemixt von Mike Fraser (AC/DC). Warum kennt man sie dennoch nicht? Tja, muss ich euch das noch erklären? Musikalisch liegt das Ganze irgendwo zwischen FooFighters, Soundgarden und Ugly Kid Joe gemischt mit schlechten psychedelischen Gesängen und öden aaaaazinooozz im Hintergrund. Die Scheibe wird nicht mal in der Visions ’ne gute Kritik bekommen, obwohl das eigentlich genau deren Zielgruppe ist. Weg damit. Jasmin

 

 


GUANA BATZ – Get Around
(CD, Anagram)
Eins der langweiligeren Alben meiner Lieblingshörner wurde hier der Vergessenheit entrissen. Im Original 1994 erschienen, bietet „Get Around“ alles, was man von Batz erwartet: Im Gegensatz zu den Meteors geht’s hier eher traditionellere Wege, bloß erinnert mich die CD leider an ein Auto, das nur auf 3 Zylindern läuft (heißt das so, ich habe keine Ahnung von Autos??): Es rauscht alles irgendwie an mir vorbei und der einzige Song, der hängen bleibt, ist die Live-Version von „King Rat“, dem Hit vom ersten Album. Kann man sich sparen. AndiSocial

 

 


GUFF – Smyphony Of Voices
(CD, Go Kart Rec.)
Immer wieder nett, von noch nicht bekannten Kapellen ’nen amtlichen Surprise-Effekt als Diner geschenkt zu bekommen. So auch bei den Gebrüdern Guff aus Georgia, die hier mit ’ner Gourmet-Konserve daherkommen, die so einiges an zeitgenössischen Arschwackel-Lightcore- / Powerpop-Bands alt aussehen lässt. Dass die Rhythmus-Sektion auch schon mal was von NOFX gehört hat und das Liederschreibing des Öfteren an die Lawrence Arms erinnert, kann man da locker verschmerzen. Erstmal ist die Produktion ideal für amtliche Weight-Watchers- Beschallung dieser Art und lässt weder den nötigen Druck noch die Rotzigkeit der Gesangsspuren vermissen. Als dann auf Track Nummero Zwölfzehn plötzlich eine altbekannte, ganz und gar unrotzige Stimme ertönt, glaubt der Rezensent doch glatt an akustische Hallus: Steve Perry? Plus Punkrock?! Steve motherfuckin’ Perry, einer der genialsten Herzeleidsänger aller Zeiten, der in den 80ern selbst bei hart gesottenen Betonschädeln die Gänsehäute wuchern ließ?! Ein Blick in das von Go-Kart-Nicole schön geschriebene Info bestätigt den Eindruck: Der legendäre Spezialist für zwischenmenschliche Tiefs hat die Jungs tatsächlich spontan im Studio besucht, ihnen einen unreleaseden Track überlassen und gleich mal das Mikro in die Mangel genommen. Wenn sie sich darauf die nächsten drei Jahre einen rubbeln sollten – ich kann’s ihnen nicht verübeln… Aber auch der Rest der Songs, allen voran „Saving The World“ oder „Bleed Like You“ sind mehr als nur ein ordentlicher Soundtrack für’n Weg zur Flammenvisite. Snitchcock

 

 


DIE HABERZETTLS – Plus/Minus
(CD, Vinyl Junkies Rec.)
Das fängt ja schon mal gut an. „Who the fuck is Köthen?“, heißt es da in der Betriebsanleitung. Ja, woher se fagg soll ich das denn wissen? Ach ja, „…Köthen liegt im wunderschönen Sachsen- Anhalt…“, gibt sich die Promo- Tante von Vinyl Junkies ma fein selbst die Antwort. Und warum dann nicht „where“?! Naja, Erbsenzählerei mal beiseite, auf diesem (mit gerade mal 31 Minütchen etwas kurz geratenen) Rundling gehen jedenfalls Dritte Wahl, 4 Promille und die Troopers auf Kaperfahrt zum Seeroiber-Internat und machen das auch gleich mal durch ein aufwändig gestaltetes Booklet und einer Extraportion Pathos auf’s Brötchen deutlich. Verkündet werden die Unheile des Lebens samt Loser-Romantik teils in britannisch, teils auf hiesig. Na, wenigstens nicht in sächsisch, und wenigstens waren sie so frei, im Titel „Böse Nacht“ das „h“ zu vergessen. Das wäre nämlich beinahe der nächste Gedankensprung gewesen, aber wir wollen ja nicht unhöflich werden. Für Freunde oben genannter Combos mit Sicherheit ’ne Bereicherung im Notfallkoffer. Snitchcock

 

 


HACK MACK JACKSON – Pressure Island
(CD, Triggerfish Music)
Sicher nichts für den linientreuen Punkrocker: Eine Kategorie ganz für sich, sind Hack Mack Jackson. Diese Burschen aus Düsseldorf machen Musik – machen die meisten Bands. Sie selbst beschreiben sie abwechselnd mal als „Country-Soul- und Vodoogebolze“ oder als „countryfizierte Swamprockklopper mit Rockabilly-Groove sowie reichlich Swing und Twang-Bereitschaft!“. Ein gewisser Punkrock’n’Roll-Faktor ist außerdem nicht zu überhören. Klingt alles ein bissl wie Hank III, Link Wray, Whiskey Priests gemeinsam aufgeknüpft an einem Galgen in Nashville. Könnt Ihr Euch nichts drunter vorstellen? Macht nichts, einfach reinhören! Bei „Pressure Island“ rumpelt alles und „juhuuut“ und kratzt durch sämtliche Songs. „Pressure Island“ klingt nach langen, trockenen Ritten durch die Trash-Plains, nach Staub in der Kehle, nach durstigen Punkrockern in der Hillbilly-Wüste und nach Einsamkeit ohne ausreichend Alkohol. Wo bleibt die Insel der Whiskey-Seligkeit? Das kennt jeder von uns. Damit es wehtut, wird auch einiges „geschändet“…, äh gecovert. Die Auswahl der Coverversionen verrät auch einiges über die Schubladen-Zum-Wegwerfen-Sammlung dieser Jackson 5: ein weinenswertes „Everywhere I Go“ von Tom Waits, eine sehr eigenwillige Interpretation von „Too Drunk To Fuck“ von den Dead Kennedys, außerdem „This Boots Are Made For Walking“ von Lee Hazlewood/Nancy Sinatra oder etwa „Stuck In The Middle“ von Gerry Rafferty/Joe Egan. Eine eigene Mischung, die der Qualität dieser Band entspricht. Noch gelungener sind jedoch die eigenen, abwechslungsreichen Songs der Hack Macks. Herrliche Musik zum Versacken und um über dem nächsten Whiskeyglas zu brüten. Großartiges Cover-Artwork und gut produziert außerdem. Kann man nicht oft genug hören. Howdy Igor, Howdy!

 

 


HÄNDE WEG JOHNNY! – Bikini Zone
(CD, Crazy Love Records)
Für mich ist „Bikini Zone“, das Debütalbum von Hände Weg Johnny!, schlichtweg einer der größten Knaller der letzten Jahre. Das einmal vorneweg. Hände Weg Johnny! spielen trashigen Rock’n’Roll in Overdub-Geschwindigkeit. Dazu kommt eine große Dosis Garagenpunk mit allen möglichen Surfaus- und diversen Billyeinflüssen. Es ist als hätte ein irres Genie versucht Russ Meyer (unvergessene Klassiker wie „Faster! Pussycat! Kill! Kill!“ fallen mir da ein, wohlige Erinnerungen…!) mit den Ramones, Dementad Are Go, den Ärzten und den Cramps zu kreuzen. Nur warum sollte das jemand machen wollen? Ich sage ja: Geisteskrank! Geisteskrank ist eine Erklärung, geile Musik ist eine andere. Es ist noch nicht einmal übertrieben: die „Bikini Zone“ ist ein ergreifend geiles Album. Die Kombination des erotisch-rotzigen Gesangs von Dani Divine mit diesen drei ausgezeichneten Musikern führt …zielgerichtet (was ihr wieder denkt!) zu genau diesem Ergebnis. Die Texte sind der Musik angemessen: animalischer Sex, unvermutete Todesfälle, traurige Liebe und Kannibalismus. Das ganze Leben eben. Besondere Anspieltipps. „Come Into My Mouth“, „Shaved Angels“, „Lost Love“, „Shimmy Shimmy“, „Wiggelin’ Beat” und das in Deutsch gesungene „Joey Ramone”. Ich habe diesen Silberling mittlerweile schon so oft gehört. Und er wird einfach nicht schlechter oder langweiliger. Im Gegenteil es gibt immer wieder Neues zu entdecken.
Man kann Crazy Love Records nur zu diesem sensationellen Glücksgriff gratulieren. Hoffentlich erscheint bald eine Fortsetzung dieses Debüts… Es bleibt nur den „Wiggelin’ Beat” zu zitieren: „Das hat mir Spaß gemacht!“ Feiert diese Band! Tragt Sie auf Händen! Igor „Haha“ Igor

 

 


HEARTBREAK ENGINES – One Hour Hero
(CD, People Like You)
Bei allem Respekt: Aber was ist das denn für eine verweichlichte Scheiße? Mit ihrem dritten Longplayer gehen die fünf Jungs jetzt vollkommen auf Kuschelkurs mit der ganzen MTViva-Kacke und den Möchtegern-Cool-Jerks-Kotzbrocken, die einem heutzutage aus dem H&M entgegen purzeln. Wobei die Ex-Bands Pitman (Slap-Basser Grischa) und The Other (Sänger Lou) noch zu erahnen sind und wenn ich Einflüsse von den Misfits höre, finde ich das erstmal auch nicht schlecht, wenn dann aber noch Judas Priest oder noch schlimmer die furchtbaren Pseudo-Heavy Rocker Helloween (remember „Keeper Of The Seventh Key“ – spei!) beim Punk’n’Roll der Heartbreak Engines „Guten Tag“ sagen dürfen, ist es Zeit, die CD in die Tonne zu werfen. Dabei versuchen sie alles; von der Hymne bis zum Arschkick. Kurz: Es hilft nichts. Weg damit oder ich langweile mich zu Tode und das will ich nicht. Das Cover ist übrigens auch scheiße. Obnoxious

 

 


THE HEADLESS HORSEMEN – Bonebreak Boogie
(CD, Rausch Recordings)
Vom Label werden die Headless Horsemen als Psycho Boogie angekündigt. Das trifft die Sache: Psychobilly, Rockabilly, Boogie. Stray Flintstones, mehr Rocka als Psycho, viel alte Schule, wenn ihr wisst, was ich meine, Wenn nicht, dann sei allen, welche sich an o.g. Stilen erfreuen gesagt, dass diese CD unentbehrlich ist. Whole lotta shakin’ goin’ on! HH

 

 


HEK – Hauptsache es knallt
(CD, Subnoize Records)
Das Ganze soll cooler Rock’n’Roll sein, wirkt aber viel zu aufgesetzt. Es langweilt einen zu Tode und vermag nicht, das zu erfüllen, was man sich davon verspricht. Bitte, bitte nicht kaufen! Braucht keine Sau. Danke. Der Lollo

 

 


HIGHSCHOOL NIGHTMARE – Santa Crypt
(7“, True Rebel Records)
Einmann-Soloprojekt von Small Town Riot-Schlagzeuger Timo. Small Town Riot lassen sich am besten von ihrer Plattenfirma mit dem Umzug von Buxtehude nach Hamburg, dem Aufenthalt im selben Studio in dem auch mal Razzia waren und dem Spielen von diversen Konzerten im norddeutschen Raum beschreiben. Sollten sie dort bekannt und verehrt sein, so könnte dies daran liegen, dass sie eventuell bessere Menschen als Musiker sind. Mir gefällt da schon weitaus besser was Multitalent Timo alleine fabriziert. Die Idee zu diesem Projekt entstand als Small Town-Timo einen Soundtrack für sein Horrorvideo über kleine Figürchen aus Tierknochen benötigte. Warum sollte er sich da verstaubter Tonkonserven bedienen und sich womöglich noch in eine urheberrechtlich gefährliche Situation bringen? Lieber kurzerhand vier eigene „Horrorpunklegenden“ zusammengefrankensteint. Das ist billiger und obendrein noch besser, denn auf diese Weise konnte er quasi ein Destillat der Crème de la Crème des ihm bekannten kleinen Horroruniversums bilden, selbst Dampf ablassen und zusätzlich seinem Video ebensolchen einhauchen. Denn ihm geht es um Horror pur! Zu den nicht von dieser Welt zu sein scheinenden Stärken von Timo zählt nicht das Verfassen erkenntnisgeladener Infozettel sowie digital-technische Kompetenz. Alle Informationen musste ich mir mühsam größtenteils aus dem grausligen Internet(z) ziehen. Selbst der Titel, der – mir in Form einer selbstgebrannten CD erschienenen – Vier-Song-Vinylsingle versteckte sich für mich lange Zeit im Dunklen. Meister, treib doch nicht ein so grausam Spiel mit uns IQ-Zombies! Zu meinem Erschrecken fand sich das gepriesene filmische Meisterwerk nicht auf der CD. Dabei hätte es dort weder Brot noch Fliegen gefressen. Sollte es mittlerweile ins Netz gegangen sein, so bleibt es in einer teuflischen Ecke verborgen. Den größten Horror bereitete mir jedoch die Vorstellung, dass Timo gar selbst Opfer und zugleich ausführender Bestandteil eines grausamen Welteroberungsplanes geworden sein könnte. Wird hier von finsteren Mächten versucht, die Aufmerksamkeit von den im Untergrund ablaufenden wirklich bedeutenden Ereignissen abzulenken und die vorhandenen geistigen Ressourcen ins Leere laufen zu lassen? Sollen wir alle aufhören in Ehrfurcht vor wirklich Großem zu erstarren, sondern eher mit Furcht auf kleine Horrorprojekte starren? Ein Alptraum (nicht nur für Schüler)! Captain Mocker

 

 


THE HITCHERS – Tees Valley Deadbeats
(CD, Crazy Love Records)
Es ist frustrierend, ich würde so gerne mal wieder einen Verriss schreiben. Leider ist das wohl mit Alben aus dem Hause Crazy Love nur schwer möglich. Denn mit The Hitchers ist dem deutschen Label wieder einmal ein Glücksgriff gelungen. The Hitchers spielen eine ganz eigene Mischung aus 1950ies Rock’n’Roll und Punkrock. Nein, es ist kein Punk’n’Roll, wie er jetzt gerade als Modewelle durch die Subkulturen schwappt, sondern 50er-Rock’n’Roll und Rockabilly mit Punkrock- und Spaßfaktor. Daneben hört man immer wieder Einflüsse von Bubblegum-Pop. Dass sich Inspirationen auch von Brian Setzer und den Stray Cats geholt werden, ist nicht unbedingt zu überhören. Das Ganze geht in Richtung The Peacocks oder Living End. Das Trio aus Leeds macht exzellente Musik. Die Lieder sind sauber arrangiert. Der manchmal mehrstimmige Harmoniegesang ist hervorragend eingespielt und gesungen. Bei den stellenweise a capella gesungenen Stücken (wie „Me And London“) kommt dies besonders gut zur Geltung. Die Instrumentierung sitzt, passt und hat Luft. Und der gewisse Punkrock-Faktor ist häufig dabei. Das aktuelle Album ist druckvoll und auch treibend mit zum Teil witzigen („Anti-Protest Song“) oder sozialkritischen Texten. „Tees Valley Deadbeats“ ist der zweite Longplayer der Band. Ich kann jedem nur empfehlen, sich sowohl den Erstling, als auch dieses Album zuzulegen. Die Hitchers sind sicher nichts für den gestandenen 08/15-Punkrocker (Grüße an Nix-Gut!). Für alle Anderen: Reinhören, Spaß haben und sich immer wieder an „Tees Valley Deadbeats“ freuen. Igor Eberhard

 

 


HI TERESKA – Winter im Herzen
(CD, Flight 13)
Mit Bands die nichts über sich rauslassen (Fotos, Namen, Bandinfo oder so) hab’ ich als Brotloser-Kunst-Schreiberling immer so meine Probleme. Vielleicht ist das naiv, aber ich finde es schwer eine Band oder ein Werk völlig abgekoppelt von den dahinter stehenden Menschen einzuschätzen. Das sind doch die Leute, die das machen und da ist es für mich als Rezensent wichtig zu wissen, wer das macht. Mich interessiert es sowieso auch als Hörer, aber als Schreiberling sehe ich es als Teil meiner Arbeitsgrundlage an. Sagt doch wer ihr seid, ihr habt’s doch auch verbrochen. Oder wollt ihr euch hinter euerer Musik verstecken? Soll diese für sich selbst stehen? Kunst gar? Bitte, ihr habt es so gewollt. Musikalisch geht Hi Tereska in die EA 80- und ein wenig in die Oma Hans-Ecke – allerdings ohne für mich erkennbare Neuerungen, Originalität und Eigenständigkeit. Die Stimme ist – zumindest mal für mich – gewöhnungsbedürftig und die Texte sind derart kryptisch verklausuliert, dass sie alles oder halt eben auch n.i.c.h.t.s. sagen. Phrasendrescherei bleibt Phrasendrescherei, selbst dann, wenn sie gewollt etwas intelligenter klingen soll. Ich erkenn’ wenig Mensch dahinter, grob ein verschlossen Herz im Winter! Wenn du mir sowieso nichts über dich erzählen willst, warum tust du dann so? „Nichts sein wäre schwer erträglich, so trägt man das was klein und kläglich – vielleicht zu pathetisch“ (mal was Konkreteres aus der „Kopfquetsche“). Positive Ausnahme ist „Ich geb’ dich lieber selber auf“. Hier kann ich was erkennen, hier wird die Geschichte (Liebesbeziehungsende) mal erkennbar und hier glaub’ ich sie. Hier sagt jemand was und meint das auch so; und das hört man auch am Gesang, der mir hier gut gefällt. Hier wird nicht versucht clever zu scheinen. Das ist wichtig, ihr vier Jungs und ein Mädel am Gesang aus Heinsberg oder Hannover oder so. Denn höret was die Goldenen Zitronen dereinst über Jens (Oma Hans) sangen: „Wenn er singt vom Tod der Oma, meint er das ernst … Das hat nichts zu tun mit Kunst oder so.“ Captain Mocker

 

 


INFERNO – Pioneering Work 
(CD, Weird System)
Achtung: Geschichtsträchtig und Stil prägend! Fragt man Leute, welche Bands sie von den Anfangstagen der 80er kennen, dann kommt Slime, Toxoplasma, Canalterror und wenn man Glück hat noch VKJ als Antwort. Komischerweise aber nie die erste Band von Terrorgruppe-Archi! Obwohl jene Augsburger Combo damals einen internationalen Rang hatte. Damit diese Wissenslücke geschlossen werden kann, hat sich der gute Archi ’nen Haufen Arbeit gemacht und insgesamt 56 Songs remastert. Zum Schluss noch ’nen Tipp zur Handhabung: Legt die CD ein und schnappt euch umgehend das fette Booklet und lest die Story der Band. Da kommt ein richtig geiles Feeling zur Mucke rüber und man kann fast die Atmosphäre von damals spüren! Bocky

 

 


ISAWS – Burnt Offerings
(CD, Spiral Archive)
Dat is Punkrock, Alter!!! Nordengländer, die sich 1978 aufgelöst haben und jetzt ihre damals nur auf Tape erschienenen Aufnahmen in ultraschlechter Soundqualität auf CD brennen und unters Volk bringen. Irgendwie schon so schlecht, dass es schon fast wieder gut ist, allerdings leider auch nur „fast“. Wer auf Eater oder ähnliches steht, sollte mal ein Ohr riskieren, der Rest von uns schweigt betroffen… AndiSocial

 

 


JINGO DE LUNCH – The Independent Years
(CD, Rookie Records/Boss Tuneage)
Als ich neulich Käpt’n Blabär, einem Kollegen im Pflegeteam, vom anstehenden Gig der wieder auferstandenen Jingos im Prime Club erzählte, fuhr der prustend in sich zusammen: „Waaas? Aus welchen Löchern sind DIE denn wieder hervorgekrochen?!“ Käpt’n Blabär ist jemand, der u.a. auch Black Flag noch livehaftig erleben durfte und da ist dann auch mir mal wieder klar geworden, wie lange die Glanzzeiten der Berliner HC-/Metal-/Poppunk-Vorreiter schon her sind. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich Yvonne und Mannen nicht über konspirative Szenekreise anno ’89 kennenlernte, sondern ganz ordinär über den, ähem, Metal Hammer… Der damals aktuelle „Axe To Grind“-Longplayer bildete jedenfalls den krönenden Abschluss einer Trilogie, die auf diesem von Boss Tuneage gebastelten Sampler in ihren besten Momenten beleuchtet wird, incl. geschmackvoller Coversongs (Bad Brains, Thin Lizzy, D.O.A.). Soll heißen, jeweils 6-8 Probierschnittchen von „Perpetuum Mobile“, der „Cursed Earth“-EP und eben „Axe To Grind“, wobei letzterer bereits deutlich anzuhören war, dass schon ein wenig auf Großmarkt geschielt wurde. Daraus wurde ja bekanntlich nix und den Szene-Puristen war die Chose dann auch wieder zu melodisch. Der kurze Versuch, auf den Crossover-Zug Mitte der 90er aufzuspringen, misslang ebenfalls, woraufhin Mrs. Entenwert (alter MH-Kalauer) erstmal in die Staaten zurückging und die Combo auf Eis legte. Die erste Tour seit über zehn Jahren hab ich dummerweise verpasst, wegen Unpässlichkeiten. Vielleicht war ja Käpt`n Blabär da. Snitchcock

 

 


JINGO DE LUNCH – The Independent Years 1987-1989
(CD, Boss Tuneage/Rookie Records)
Huch, Jingo De Lunch waren Ende der 80er eine absolute Ausnahmeband in Deutschland mit ihrem eigenständigen Style aus Punk/Hardcore/Rock und ihre ersten Scheiben waren der Hammer. Die besten Songs der Anfangstage wurden hier remastert und auf dieser CD zusammengefasst. Endlich ist auch die „Cursed Earth“-EP auf CD erhältlich (allein dafür lohnt sich der Kauf). Der Gesang von Yvonne Ducksworth ist herrlich und erinnert mich entfernt an die genialen Life But How To Live It. Super Scheibe. Ralf

 

 


JOHNNY JOKER & THE TWILIGHT KIDS – Somewhere Far Away
(CD, Crazy Love Records)
Wäre diese CD ein Mädchen, würde ich sie fragen, ob sie mit mir gehen möchte. Und ich würde ihr nicht die Möglichkeit geben „nein“ oder „vielleicht“ anzukreuzen. Feinster Rock’n’Roll. Oder Rockabilly. Alle Songs sind auf den Punkt gebracht. Fortschrittlich und trotzdem wie f*****. Nichts stört. Mein Becken kreist. Ich möchte ein Piano anzünden. Oder in einer Konzerthalle mit Stühlen um mich werfen. In einer Milchbar Alkopops trinken und meine Tanzpartnerin durch die Luft wirbeln. Auch auf die Gefahr hin, dass sie mir entgleitet. Whop Bop A Loo Bop A Big Bang Boom! HH

 

 


JOSIAH – No Time
(CD, Elektrohasch)
Josiah aus England fahren hier ein heftiges Stoner/Doom-Brett. Den Fuzz immer bis zum Anschlag werden die 70er heraufbeschworen. Hier wird den Heroen von Black Sabbath, Pentagramm, Saint Vitus und Motörhead gehuldigt und das ziemlich gekonnt. Die Songs sind überwiegend dem traditionellen Doom verpflichtet, aber hier und da lassen die Jungs auch Rocksoli-Attacken und modernere schwere Doom-Gewitter los. Der Gesang ist natürlich, wie soll es anders sein, an Ozzy angelehnt. Für jeden Doomster ein großer Spaß, der traditionelle Punkrocker wird hier aber seine Schwierigkeiten haben. Ralf

 

 


JUDDER & THE JACK RABBITS – All In
(CD, Cherry Bomb)
Judder etc. sind Psychobillies, welche wahrscheinlich mit Iron Maiden, Judas Priest und ähnlichem aufgewachsen sind – jedenfalls der Sänger und Gitarrist. Wenn Rob Halford im NWOBHM-Sopran Gesetzesbrüche bekreischt, passt es, bei Psychobilly wirkt diese Tonlage exaltiert fehl am Platz. Und die Gitarrenriffs auch. Werdet eine Metall-Band, pilgert nach Wacken und alles wird gut. HH

 

 


KOLOKOL – Flammer & Farger 
(LP, Twisted Chords)
Der Untertitel des Labels „More than Music“ passt ja mal wieder wunderbar auf diese LP. Denn außer Mucke kommt diese Platte vor allem in Vinyl! Außerdem hat das Album ein ziemlich fettes großes Vollfarb-Booklet beigelegt und alle Texte auch ins Englische übersetzt. Sprich hier sind nicht nur die Texte und die Musik sehr überlegt und bedacht, sondern es wird verstanden ein Gesamtkunstwerk zu schaffen! Vom Sound her sind die Norweger rau und heftig. Zumeist schnell und hart, können aber auch mal verspielt sein, wie bei „Kommen“. Alles in allem kann man die Platte von der bestimmenden Stimme her als melancholisch bezeichnen. Was mir allerdings nicht ganz so gut passt, ist jener Sänger. Also die Stimme ist zwar auffallend dominant, bloß hätte man sich beim Mischen etwas mehr Mühe gegeben, dann hätten die Vocals der Scheibe wohl noch mehr Druck verliehen. Bocky

 

 


KOMMANDO SONNE-NMILCH – Jamaica
(CD, Majorlabel)
Wo Oma Hans, Dackelblut und Blumen am Arsch der Hölle aufgehört haben, machen Kommando Sonne-nmilch weiter. Jens Rachut am Gesang und Andreas Ness an der Gitarre sind auch wieder mit dabei. Angeblich haben sich Oma Hans aufgelöst wegen einer wachsenden Massenhysterie. Verstehe nicht ganz den Unterschied zwischen Kommando Sonne-nmilch und Oma Hans. Für mich klingt beides gleich. Aber auch gleich gut, weil ich zeitweise den textlichen Schwachsinn gepaart mit emotionalen Melodien ganz gerne mag. Übrigens wird das erste Album der Band „Hässlich + Neu“ erneut auf Vinyl gepresst und ist wieder verfügbar. Metulski

 

 


KRAUTBOMBER – s/t
(CD, Rising Riot/Elfenart/Tofu Guerilla)
Der bereits im April letzten Jahres auf Vinyl geborene Erstling der Gladbacher HC-Kapelle um Michi von Nein Nein Nein nun auch auf kompakter Scheibe. Und wen wundert’s, allzu weit weg von Letzteren bewegt sich die Chose dann auch nicht, allerdings ist hier ’ne ganze Schubkarre mehr Dreck an Bord, und auch das Tempo wird etwas seltener gedrosselt, ganz zu schweigen von der Angepisstheit der Texte. Mit ansprechendem Booklet ausgestattet, ist das gute Stück eine recht amtliche Bereicherung für jeden gut sortierten Haushalt, in dem die Frühstückskekse zum Sound von Gorilla Biscuits zerlegt werden, das Mittagssüppchen zu alten Hot Water Music gebraut und das Gutenacht-Liedchen von Amen 81 gesungen wird. Gerade die Brecher „Fünfzig Meter Kopfsteinpflaster“, „Sicher Ist Sicher“ oder „Fußball, Sex und Peinlichsein“ sollte man mal gehört haben. Schön, dat. Snitchcock



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