Fanzine Reviews

| Februar 2nd, 2008

Anti Everything # 6666
(A5, 84 Seiten, 2,50 Euro + Porto, Pf.350439, 10213 Berlin)
Der Herr Krysztof mit seinem lang erwarteten Sechser, der natürlich wie gewohnt vor Welthass und Kreaturenwut nur so überschäumt, verfasst in einer Zähne fletschenden Schreibe from hell. Und da wären wir auch gleich schon bei dem Nitrat, das bei mir einen etwas strangen Nachjeschmagg hinterlässt: Das ganze hasserfüllte, nihilistische, alles niederwalzende Getue kommt mir insgesamt ein wenig zu borniert rüber, in Sachen Humor hat der Chef gleich mal die dreifache Iso-Schicht drübergepackt, um nicht gleich beim zweiten Blick als hin und wieder auch mal grinsendes Wesen ertappt zu werden.

Was aber noch schwerer wiegt, ist der Abgang des von mir besonders geschätzten Mitschreiberlings Scrima, der in den ollen Ausgaben immer als ausgleichendes Pendant auftauchte und die Chose etwas auflockerte. Dies wird kurz und knapp als Nachwirkung eines „erbitterten Machtkampfes in der Führungsebene“ deklariert. Du meine Güte… Nun denn, mir persönlich sagen wie immer Krysztofs bestens recherchierten und niedergekrakelten Reality-Kolumnen am besten zu, die sich diesmal um „Modern Urban Legends“ (ihr wisst schon, Ratten als Fleischzulage beim China-Mann, Jesus-Klon-Sekte etc.), die Biografie des „Una-Bombers“, einen tollen Reisebericht aus Manila sowie den komplett zerebral insuffizienten Andrew McDonald drehen. Besonders bei Letzterem lässt sich mehrmaliges an die Birne packen nicht vermeiden. Der anstatt eines Hirns wohl Exkremente im Schädel spazieren tragende Verfasser der „Turner Diaries“ (die u.a. auch den Schwachmaten Timothy McVeigh zu seiner etwas groß geratenen Sandburgen-Kaputtmachung in Oklahoma City inspirierten – Kommentar McDonald: „Da hat wohl jemand das Buch gelesen…“) wird beleuchtet und zitiert, dass einem das ab und an rudimentär auftauchende Lachen direkt wieder im Hals stecken bleibt. Brrr… Dann hat sich der Herr Herausgeber natürlich wieder seiner großen Leidenschaft, dem Rowdy-Groschenroman, hingegeben. Also, bei aller Liebe, aber „Glory White Trash“ mit seinen übers Heft verteilten 10(!!!) Episoden konnte ich mir bisher aus Zeitmangel noch nicht geben. Vielleicht irgendwann einmal, wenn ich keine Rente nicht bekomm’ und unter der Zoobrücke sitzend davon träume, die LVA in die Luft zu jagen – natürlich nach bewährter McVeigh-Manier… Verdikt: Wie immer 1a, klasse Schreibstil, geniales Layout, nur leider diesmal etwas egolastig. Hey Mr.Wrath, vertrag dich wieder mit Scrima, Jung! Snitchcock


Anti Everything #6 
(A5, 84 Seiten, 2,50 Euro + Porto. incl. Aufnäher, Postfach 350439,10213 Berlin, http://www.nihilistjustice.de 
Krzysztof Wrath ist nach zweijähriger Abstinenz zurück und breitet vor unseren nach Sensation geilenden Augen erneut das unendliche Anti Everything-Universum aus. Farbenfroh, verspielt und ausgefeilt wie nie zuvor erwischt uns der erste Teil der Fortsetzungsstory „Glory White Trash“ eiskalt wie ein Leberhacken. Die Neo-Nihilisten Natascha und Case prügeln, schießen und ficken sich durch die an Verbrechen, Korruption und Gewalt zerfallende Großstadt, in der sektiererische Politsplittergrüppchen, korrupte Bullen und die maßlose gesellschaftliche Elite um Macht ringen. Im Kampf gegen die Realität wird diese derart überzogen dargestellt, dass es eine wahre Freude ist. Eine Mischung aus Großmutters Groschenschundroman und blutiger Psychopathenfantasie. Nihilistischer Sprengstoff für den allzeit angepissten Punkrocker von heute. Ebenfalls Hammer ist der Bericht von Krzysztofs Reise nach Manila, der Hauptstadt der Philippinen, wo er sich mit wuchernden Taxifahrern und pflichtbewussten Strandwächtern herumschlagen muss. Eher unnötig (da bekannt) sind die meisten der „Urban Legends“ – könnte man meinen – aber auch ich habe diese dubiose Werbemail von einem Bekannten erhalten (Du Idiot!), für deren Weiterleiten Bill Gates 1000 € verschenkt (irgendein Depp glaubt’s immer). Informativ und passend zum fiktiven Psychopathen-Roman ist die Reportage über die Turner-Tagebücher, ein weit verbreitetes Buch der globalen Nazi-Szene, dass auch den Oklahoma-Attentäter Timothy McVeigh inspiriert haben soll. Wusstet ihr, dass McVeigh und der eigentlich aus dem entgegen gesetzten politischen Lager stammende Una-Bomber im Knast zu Kumpels wurden?
Serviert wird uns das Ganze natürlich wieder in einem wahren Murder-Layout, das uns das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt und wir gar nicht anders können als zubeißen, bis der fatale Happen seine Stacheln in unser Innerstes jagt und unser kleines Hirn zum Rasen bringt. Bleibt nur noch zu sagen: Aufnäher auffe Jacke pappen und das Heft nach dem Lesen schön ins Regal zu Ausgabe 1-5 stellen! chemical maze


Big Shot #3
(A5, 60 Seiten, 2 Euro + Porto,http://www.bigshotzine.tk
Juhu, eine neue Ausgabe des Magazins für gehobenen Skinheadzeitvertreib! Und wie immer ist es ein gelungenes Werk. Äußerst amüsant sind wieder die „Skinhead Plattitude“-Berichte, diesmal sogar mit einem Spezial, in dem ein Originalbericht über Skinheads aus einer deutschen Zeitschrift von 1972 kommentiert wird. Der Hammer! Leider wurde der Bericht nicht vollständig und gut lesbar abgedruckt, was mich sehr interessiert hätte. Vielleicht kann man den ja noch mal in voller Länge abdrucken (Anmerkung an die Redaktion!). Weitere Berichte sind über Clancy Collins’ Down Beat Label, ein Live-Bericht vom Boss Sounds Festival in Newcastle 2006 (ich wäre so gern dabei gewesen…), Festivaltipps Sommer 2007 (Summer Safari fiel ja leider aus), ein Interview mit Laurel Parker, ein Labelportrait von Rude Attack Schweiz, Bass spielen Teil 2, ein Bericht über Acid Jazz, die obligatorischen Reviews und ein Artikel über sozialistischen Reggae. Zu meiner Verzückung gibt’s auch wieder einen Bericht der Geschmackspolizei mit Stylesünden der frühen 90er. Das Heft ist also wieder eine absolut lohnenswerte Sache, und auch wenn ich mich jedes Mal wiederhole, das beste Heft im traditionellen Skinhead-Sektor! Thorsten

 


Moloko Plus #32
(EP-Format, 72 Seiten, 2,50 Euro + Porto, http://www.moloko-plus.de
Sad but true, aber immer, wenn mir eine Ausgabe von Thorstens Blatt in die Hände fällt, muss ich an diesen unsäglichen Premium-Proll Blank Frank denken, der seinerzeit unbehelligt (und unkommentiert) seine „tollen“ Erlebnisse während Sex-Urlauben in Thailand hier ausbreiten durfte (Remember „Gutes muss nicht teuer sein“ etc.?). Nun denn, vom dem Trottel hat man sich zum Glück getrennt, so dass das Grundniveau der Postille wieder etwas gestiegen ist. Allerdings darf man auf zwielichtige Combos wie Perkele und Volxsturm auch hier nicht verzichten, die die Impressionen ihrer gemeinsamen Tour auf’s Blatt gebracht haben. Sowas petz’ ich mir natürlich, is mir die Zeit echt zu schade für. Ganz im Gegensatz zum Reisebericht der Vageenas, die doch wesentlich sympathischer rüberkommen als oben Genannte (die dieser Ausgabe ’nen unguten Beigeschmack hinzu geaddet haben). Interviewtechnisch kommen u.a. die Spittin’ Vicars (bzw. deren Vom Ritchie), Sonic Dolls, Thee Merry Widows sowie Meister Nagel (Muff Potter) zu Wort, der dann im Rahmen eines Mixtape-Blinddates auch gleich mal solche Klopfer bringt, wie den Bubonix zu unterstellen, sie seien „zu retro“, bei Steakknife annimmt, es singe eine alte Dame oder die Beastie Boys für „die japanischen Bad Brains“ hält. Ei jo danne… Format und Layout sind, das muss auch mal gesagt werden, einfach nur superb – besser geht’s wirklich nicht. Durchgehend graziöser Stil, aber dennoch nicht zu penetrant oder überladen. Perfekt. Wenn dann auch der Inhalt irgendwann mal komplett mithalten kann, is alles in Butter. Snitchcock

 


Oi! The Pront # 23
http://www.oitheprint.at , 1,50)
Nummer 23 des einzigen „Austrian Dinkingclass Fanzine“ und das Teil wird immer besser!!! Über 60 Seiten im ulkigen Format mit Storys über Klasse Kriminale (Japan-Tour), Porters, Vortex, Lionshield und etlichen mehr und das Ganze für 1,50 ergeben ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Einzig das selten uninspirierte Last Resort-Interview hätte man sich schenken können. Man muss der Tatsache ins Auge sehen, dass Roi Pearce einfach nix Interessantes mehr zu sagen hat. Ansonsten ein klasse Heft!!! AndiSocial

 


Ox #74
(A4, 146 Seiten + CD, 4,50 Euro + Porto, http://www.ox-fanzine.de 
Auch wenn Hillers Pamphlet von vielen (teilweise zu Recht) verschmäht wird, ich persönlich möchte es nicht missen und stehe hiermit ohne Scham zum vierteljährlichen Konsum (nicht alle zwei Monate? Anm.: Obnoxious) der Bibel für den Sozial-FH-Pöbel. Und das liegt in erster Linie an den Kolumnen der beiden Toms und Monsieur Gräbel, die seit jeher einfach nur auf hohem Levelchen am stagnieren sind. Monsieur Tonk ist eh über jeden Zweifel erhaben, so rangiert seine „Raketen In Rock“-Kolumne bei mir ganz oben auf der Prioritätenliste (Anbei: Wo zur Hölle bleibt eigentlich die „Hullaballoo“-Jubiläumsausgabe, werter Herr?!). Diesmal hat sich das Duisburger Original den Mike Ness für hängengebliebene Altrocker Pit Maffay (mit seiner „Steppenwolf“-Scheibe) vorgeknöpft. Wie immer ganz großes Minigolf. Selbiges gilt auch für Tom van Laak, der wie gewohnt minutiös sein Privatleben mit allen Schikanen sowie Pleiten und Pannen ausbreitet. Dass er deshalb bis heute noch keinen Ärger mit seiner Flamme bekommen hat, wird mir wirklich ’n Rätsel bleiben… Daneben hat’s natürlich auch wieder die (gefühlten) 195 Interviews mit Combos aller Gattungen, unter denen aber auch diesmal einiges an brauchbarem Zeugs am Start ist. Und eben auch Inhalte, die man nur mit Kopfschütteln quittieren kann, so vor allem bei Al Barr von den Dropkick Murphys, der von Frau Luck recht wohlwollend befragt wurde und natürlich – erwartungsgemäß – nicht davon abrückt, den bandinternen Hang zum Patriotismus schön zu reden. Aber immerhin „…kann ich verstehen, dass es Menschen gibt, die Vorurteile uns gegenüber haben, wenn sie hören, dass wir uns als patriotische Band sehen.“ Uff, da bin ich aber echt froh, dass du Verständnis für uns aufbringen kannst, lieber Al… Wesentlich sympathischer sind da schon eher Gestalten wie Joey Shithead von D.O.A., die Dwarves, Icos oder die leckersten und mitreißendsten Indy-Schatzis von Welt, The Weakerthans – allesamt kompetent und kurzweilig befragt. Noch ein Highlight in dieser Ausgabe ist die ansonsten eher zum Gähnen animierende „Meine liebste Punkplatte“-Rubrik, für die sich diesmal Johnny Bottrop die Zeit genommen hat, über die „Back In The USA“-Scheibe der obergenialen MC5 eine halbe Doktorarbeit zu verfassen – allerdings eine enorm unterhaltsame, wohlgemerkt. Summa summarum also mal wieder ’ne lohnenswerte Anschaffung, dat Dingen. Snitchcock

 


Pankerknacker #11.09.07
(24,4 x 17,6 cm, 80 Seiten, 3 Euro + Porto, Postfach 2022, 78010 Villingen)
Schon ewig her, dass ich einen Pankerknacker zum letzten Mal in der Hand hatte und ich kann mich auch schon gar nicht mehr dran erinnern, wie der früher mal ausgesehen hat. Also keine Vergleiche. Als erstes fällt auf, dass in der aktuellen Ausgabe überwiegend irgend welche Geschichten verbraten werden, die die Mitwirkenden im Lauf der Zeit erlebt haben oder sich in ihrer kranken Birne ausgedacht haben. Das Autorenkollektiv liest sich mittlerweile (zumindest teilweise) wie ein Who’s who der Punk-Fanziner unserer Bananenrepublik. Als da beispielsweise wären Klaus N. Frick, Falk Fatal, Meia, Abel Gebhard, Andreas Crack. Dazu kommen Freiburger Musikanten, wie Flo Bollock oder Dominik Boll plus ein Arsch voll anderer Freizeitliteraten, incl dem Heft-Diktator Stefan Stiletti aka Opa Knack und seinen Hausschergen. Dass bei der Vielzahl von Mitarbeitern Qualität, Informationsgehalt und Leseattraktivität sehr schwankend ist… geschenkt. Dürfte trotzdem für jedes Gemüt genug interessantes Material vorhanden sein, dass sich der Kauf auf jeden Fall lohnt. In der epischen Breite in der uns aber vor allem der Chef selbst seine (und seien sie auch noch so lustigen) Sauf- und andere Abenteuer hier beweihräuchernd kredenzt, wird es selbst mir als täglichem Gelegenheitstrinker zu viel. Die Hälfte davon wäre immer noch mehr als genug. Der Rest an Kurzgeschichten, Kolumnen und dem ganzen anderen Gedöns ist kurzweilig zu lesen und bietet einen unterhaltsamen Kackservice. Außer literarischem Geschwafel präsentiert der Pankerknacker in dieser Ausgabe auch Interviews mit Frontkick, Meia (sehr lesenswert), Lurkers, Psychopunch und Jork von Last Crime Nation über Punkrock und den Rest in Sardinien (mit Verlaub: viel zu lang und voller inselbebrillter Widersprüche und Schönfärberei). Fazit: Trotz aller angebrachter Kritik, eines der Hefte, bei denen ich auch in Zukunft wieder zugreifen würde. Hochachtungsvoll Obnoxious

 


Plastic Bomb #60
(A4, 78 Seiten, 3,50 Euro + Porto, http://www.plastic-bomb.de
Wie auch beim Ox sagen mir bei der Bombe die Kolumnen einzelner freier Mitarbeiter am ehesten zu. Hier sind das in erster Linie der Tonk-Buddy Zepp Oberpichler, der in seiner „Zepp’s Zoom“-Abteilung allen Jungspunden dieser Zine-Welt mal wieder showen tut, wie kompetentes Rezensieren auszusehen hat, Vasco, der diesmal die Umtriebe von Mehdorns Reichsbahn in einer halb wissenschaftlichen Abhandlung ausbreitet und natürlich das allseits bekannte Punk-Pendant zu Olli Kalkofe (mit dem er allerdings nicht wirklich mithalten kann), Chris Scholz, der wie immer mit Zynismus um sich schmeißt und bei einigen Szenehelden mal wieder für fallende Unterkiefer sorgen dürfte. Kuwe interviewt die genialen Turbostaat recht holprig und bugsiert Rüdis „Rhein-Neckar-Fuck“-Sampler in die Führer-Ecke, No Respect kommen zu Wort, ebenso der „Movimento“-Mitbetreiber Latti sowie Fili von Scrapy in der „Herstory“-Rubrik. Ronja hat sich der Berliner Köpi angenommen und eine hervorragend recherchierte Chronologie verfasst. Das ist ja schon mal einiges an lesenswertem Zeugs – über den (teilweise etwas belanglosen) Rest, wie Kolumnen, in denen der Schreiber über Ideenlosigkeit jammert oder dem Leser die Finanzierung seines Eigenheimes erläutert, halbherzige/lustlose Reviews oder die Selbstbeweihräucherung des Herausgebers in der Einleitung zu „Anders Leben“, einer ansonsten recht unterhaltsamen Rubrik, muss man sich jetzt nicht näher auslassen. Was Letztere angeht – die von einem gewissen Juri klasse geschriebene Abhandlung der Ereignisse in und um Heiligendamm – decken sich denne auch ziemlich meinen Eindrücken vor Ort. Scheint ’n recht guter Knochen zu sein, der Typ. Verdikt: Nicht durchgehend hohe Quali, aber man kann die dreikommafünf Kröten auch in miesere Sachen investieren. Snitchcock

 


Proud To Be Punk #8
(A5, 60 Seiten, ? Euro + Porto, J. Sobe, Stockartstr. 15 HH, 04277 Leipzig)
Der Jan und seine Gazette stehen voll in der Tradition der typischen DIY-Anarchopunk-Zines. Da fand ich es nett, dass er mich bat an einem Interview teilzunehmen. Dieses wurde nämlich gleichzeitig mehreren Fanzine-Machern geschickt! Ebenfalls äußerst informativ finde ich die Vorstellung kleinerer Distros. Ich persönlich nutze das zum Einen gerne um nach bestimmten Platten zu fragen, aber natürlich auch, um den Leuten mein eigenes Fanzine aufzuschwätzen. Etwas überflüssig fand ich hingegen das Erklären, auf welche verschiedene Weisen man Aufkleber machen kann. Ehrlich gesagt, finde ich es eher etwas befremdlich, wenn Leute selbst dafür zu unbeholfen sind. Außerdem frage ich mich, ob diese Personen sich aus der Bequemlichkeit heraus nicht ohnehin lieber Sticker kaufen? Eine sich immer wiederholende, aber durchaus sinnvolle Kolumne ist die über das Saufen an sich. Auch ich bin der Meinung, dass man sich grundsätzlich nur gutgelaunt abdichten sollte und vor allem über die Jahre hinweg nicht Maß und Ziel verlieren sollte! Worüber ich etwas neidisch bin, ist der Live-Auftritt von Yok/Quetschenpaua. Da wäre ich doch wirklich auch gerne dabei gewesen! Auch wenn wir dem Jan ebbes zu musikalisch und nicht politisch genug sind, so freu ich mich schon auf seine nächste Nummer. Bocky

 


Trust #126
(A4, 72 Seiten, 2,50 Euro + Porto, Postfach 110762, 28087 Bremen)
Dolfs betagte Postille ist ja bekanntlich eher was für bebrillte Hardcore-Nerds, die ihre sexuelle Befriedigung im Auswendiglernen von Labelkatalogen finden und sich deshalb gerne elitär geben. Nee, ganz so schlimm ist’s nun auch wieder nicht. Aufgrund der ausführlichen Interviews, diesmal mit Spermbirds-Frank (der mittlerweile aber aus privaten Gründen dort das Handtuch geworfen hat), Flight 13-Tom und Chuck Ragan (Ex- Hot Water Music) zum Thema „Arbeit – Macht – Freizeit“ ist das Heft mal wieder definitiv das Zulegen wert. Daneben wie immer gekonnte Reviews von Bild und Ton sowie eine Live-Rubrik, die aber nicht allzu ausladend ausgefallen ist. Das einzige Wermutsaerosol ist die Tatsache, dass die Herren beim Basteln ihres Zines wohl die Ernsthaftigkeit eines Kardiochirurgen an den Tag legen (obwohl – die sind offen gesagt manchmal noch etwas entspannter unterwegs…). Aber für kindisches Rumgealbere waren die Nordlichter eh noch nie bekannt. Muss ja auch nicht sein, gelle… Snitchcock

 


Underdog #21
(A5, 76 Seiten, 2,50 Euro + Porto, F. Spenner, Narzissenweg 21, 27793 Wildeshausen)
Also irgendwie kommt es mir so vor, als ob der Fred für diese Ausgabe nicht so fleißig war. Oder es liegt vielleicht daran, dass die vielen Artikel noch kürzer sind als unsere!? Trotzdem komme ich nicht umhin, dem guten Fred, der den größten Teil des Heftes alleine macht, den Rat zu geben, evtl. nicht alle drei Monate zu erscheinen. Denn dann kommen nicht nur längere Artikel dabei heraus, sondern auch vieles wird mehr reflektiert. Dies scheint mir nämlich bei dem Artikel über das „Palituch“ nicht zu sein. Da wird nur mit dem Zeigefinger gefuchtelt, ohne zu berücksichtigen, wie man auf jenen vor nicht all zu langer Zeit bei seinen Eltern reagiert hat!? Ähnlich die Antworten bei dem Interview von Guerilla. Die sind so bierernst (obwohl ich vieles davon unterschreiben würde), dass leider auch künftig nicht mehr drin sein wird als „Parteiveranstaltungen“. Also Konzerte vor Leuten, denen man eh nichts mehr erklären muss. Diese, jene, welche machen die Guerilleros aber immer richtig fein! Positiv fiel mir die Fragerunde mit Feinbild auf. Die wiederum sind nicht so stocksteif, wie ich erwartete! Endlich hat man quasi auch mal ein Gesicht zu dieser Band. Aber der Höhepunkt des Heftes ist natürlich Die Bilanz! Alter Schlappen ist das eine großartige Kapelle mit mindestens genauso einer super Platte. Wer die noch nicht hat und sie nicht nach diesem Review kauft, ist ein Arsch! Ich für meinen Teil komme auf das Heft zurück, bzw. bin gespannt wie die kommende Nummer sein wird! Bocky

 


Wir über uns
(23,8 x 17,9 cm, 44 Seiten, ohne Preisangabe, LKA Rheinland-Pfalz, Valenciaplatz 1-7, 55118 Mainz, Tel.: 06131/65-2379)
Astreines Ego-Zines vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz, das im internen Papiermüll unseres Mietshauses meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit auf sich zog. Schnell zwischen alten Zeitungen und Reklame für rosa Schlüpfer heraus gezogen und den Nachmittag auf dem Pott verbracht. Nicht umsonst, denn die Schlapphut-Redaktion bietet hier hervorragende Einsicht in das Innenleben der Zentrale des Bösen. Angefangen bei einem historischen Abriss in die eigene Vita über die geheimen Strukturen der Organisation bis hin zu den einzelnen Arbeitsbereichen erfährt man hier in einer erschlagenden Offenheit mehr als genug über die tief greifenden Gefühle einer geplagten Seele. Kaum auf Seite 7 angelangt empfindet man schon tiefstes Mitleid mit den Zuständen unserer Heimat. Fast fühlt man sich dazu gezwungen, auszurufen: „Ich fühle mich bedroht… von Ausländern, Drogendealern, Terroristen, Geldfälschern, Kindermördern und Scheinasylanten. Bitte stellt alle Menschenrechte auf die Abschussliste und gebt der Polizei und dem Verfassungsschutz alle Mittel gegen alles vorzugehen, was nicht so denkt wie ich. Schießt ihnen in den Rücken, foltert sie und schlagt sie tot.“ Aber dann merkt man, dass alles gar nicht so schlimm ist und der Staat alles im Griff hat, denn er hat ja vorgesorgt. Sogar in dem Maße, dass er, der Staat oder das Bundesland, ohne Gefahr Einsicht in die Arbeitsweise seines starken Armes geben kann. Also alles im grünen Bereich. Ich bin froh, dass ich in einem so sicheren Staat wie Deutschland lebe, in dem es keine Geheimnisse gibt und man sich Dank fürsorglicher Polizeiarbeit und Gewaltenteilung noch sicher fühlen kann. Über die Arbeitsweisen, technischen Möglichkeiten und Fortschritte erfährt man übrigens auch viel. Plus die raren historischen Abbildungen… Ein Heft, das auf jeden Fall die Anschaffung lohnt. Vielleicht morgen auch in deinem Papiermüll… Obnoxious

 


Young & Distorted #2
(A5, 48 Seiten, 1,50 Euro + Porto, http://www.provinzpunk.at 
Noch relativ frisches Postillchen aus Bruck im Niederöschiland, das mit 48 Seiten (und zwei davon unbedruckt) nit gerade allzu üppig daherkommt. Zumal das etwas einfallslose Computerlayout auch a weng eintönig geraten ist. Jetzt mal zum Positiven: Schreiben können die Männers, das ist schon an den Vorwörters ersichtlich, die Reviews sind schön übersichtlich und auch nachvollziehbar und die Interviews mit Rude Monkeys Booking, der Movimento-Gruppe (denen ja bekanntlich die Hütte unbetretbar gemacht worden ist) oder The Scapegoats sind durche Bank kompetent geführt. Dann hat’s neben einem recht kurzweiligen Tourreport von Red Lights Flash und Rentokill auch noch ’nen Ösi-Patriotismus-Artikel (klar, den Mist haben wir ja nicht alleinig gepachtet) sowie einen (etwas zu neutral geratenen) Artikel über „Punkrock und Porno“, der aber auch nix wirklich Neues verkündet. Okayes Heft, wird bestimmt noch wat besser mit der Zeit. Snitchcock



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