Rejected Youth

| Januar 3rd, 2008

Samstags auf dem Pestpocken-Festival traf ich erst Keks den Drummer der Nürnberger Band und wir unterhielten uns über den Gig von Angry Samoans in der Frankenmetropole. Die Kaltschale leer geschlabbert und beruhigt nichts zu verpassen wenn ich die Amis nicht sehen würde, musste der Bedarf befriedigt werden.

Auf dem Weg zur Theke wackelte mir Mastermind Matze über’n Weg. Er wirkte relativ gestresst, da er direkt aus seinem Plattenladen in Bayern kam und gleich nach der Show wieder Richtung Süden verschwinden musste. Dementsprechend kurz verlief das Schwätzchen. Auf dem Rückweg von der Zapfsäule blieb ich an Sancho dem Mantafahrer und neuen Basser hängen. Letzteres wusste ich gar nicht und wurde mir erst bewusst als er auf der Bühne stand! Kurz über seinen Autowahn lästernd, schmissen wir auch schon mit tolldreisten Sprüchen um uns.
Wie dem auch sei, meine Einleitung kommt total bescheuert rüber – wen ich alles kenne. Aber darum geht es gar nicht. Viel mehr will ich vermitteln, was die Band für nette Einzelcharaktere sind. Entgegen vieler anderer Bands kommen die bayrischen Jungs zu nem Konzert ohne großes Aufsehen im Vorfeld zu erregen. Die sparen sich lieber ihre Energie für Dinge, die ihnen wirklich wichtig sind! Welche das sind, erklärt euch der Matze am besten selbst:

Nach knapp zwei Jahren sind Rejected Youth wieder richtig fett „back on the map“. Wie kommt’s, bzw. wie kam es zum Split und der neuerlichen Wiederauferstehung? Oder geht der damalige Split als kreative Schaffenspause in die Analen ein?
Ne, das war ganz klar ein Split. Es ging einfach nicht mehr. Zuviel Streit innerhalb der Band und persönlich ging es immer mehr den Bach runter. Dieser Bruch war notwendig und auch gut, sonst hätte es vielleicht noch viel schlimmer geendet. Bei der letzten Show haben wir kaum mehr miteinander geredet. Mittlerweile ist das Verhältnis aber wieder gut. Weis auch nicht mehr genau was da alles schief lief.
Nach einiger Zeit bekam ich aber wieder Lust etwas zu machen, wo ich mich kreativ ausleben kann und so hab ich Keks gefragt ob wir nicht wieder proben wollen. Damals stand aber noch gar nicht fest ob es wieder unter dem Banner „Rejected Youth“ sein soll. Nach langem hin und her haben wir uns dann aber doch dazu entschlossen es noch einmal mit Rejected Youth zu probieren. War keine einfache Entscheidung.

Ja und warum dann doch unter Rejected Youth und nicht mit etwas komplett neuen?
Wir haben mehr oder minder abgestimmt und Ich schätze mal, dass wir nicht 8 Jahre Bandgeschichte einfach so wegwerfen wollten.

Es gibt zwei neue in der Band. Der neue am Bass ist der Sancho aus Schweinfurt. Die knapp 120 km Entfernung nach Nürnberg sind für ihn mit seinem Manta sicherlich kein Problem, aber was macht denn der alte Basser Kalle K.?
Wie schon gesagt, lagen die Vorstellungen über die Zukunft der Band vor allem bei Kalle und mir zu weit auseinander und deshalb war es klar, dass wir getrennte Wege gehen sollten um das persönliche Verhältnis nicht wieder zu gefährden. Kalle macht jetzt mit Kim das VeganWonderland (www.veganwonderland.de). Ein Versand der versucht vegane Produkte möglichst billig zu vertreiben und ich hoffe, dass alles so klappt wie die Beiden sich das vorstellen.

Mal wieder habt ihr ne zweite Gitarre: Anstatt den Andy Braun nun den Andy Chaos. Was hat letzterer, außer nen besseren Nachnamen, zu bieten?
Von Andy Braun mussten wir uns einfach trennen. Da sind Dinge von seiner Seite aus passiert die ich hier nicht kommentieren will aber eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr möglich machte. Eine zweite Gitarre sollte aber schon seit langem wieder her und per Zufall haben wir Sancho und Andy als Package gefunden. [singlepic id=448 w=150 h=240 float=left]

Wie, im Package gefunden? Habt ihr die beiden zusammen auf’m Klo erwischt? Also ich meine beim Haare stellen!
Ja so ähnlich. Das war echt Zufall. Ich hatte schon ne ganze Weile nach neuen Leuten für die Band gesucht und als ich in Nürnberg Sancho und Andy auf einer Show traf, fragte ich die Beiden ob sie nicht einen Basser und Gitarristen kennen würden. Ich war mir in dem Augenblick gar nicht darüber bewusst, dass da jeweils einer vor mir Stand.

In der Vergangenheit gekramt verschleißt du und Keks (Drummer) nicht nur Bandmitglieder, sondern habt noch einen weiteren „dunklen“ Fleck auf eurer weißen Weste. Euer erster Longplayer erschein bei dem im trüben fischenden Label Bandworm Records. Wie kam es denn dazu?
Interessant, dass du das nicht auch Frontkick gefragt hast?! Naja… nachdem Split von Streetmusic hat uns Fx von Halb 7 Records 2001 einen Deal angeboten. Allerdings wollte er es in Zusammenarbeit mit einem anderen Label machen und hat uns Bandworm Records vorgeschlagen, die ich damals überhaupt nicht kannte. Ich muss zugeben, dass ich mich damals nicht wirklich mit dem Label auseinander gesetzt habe – weder mit dem Programm noch den Verbindungen. Erst als unsere Platte bei Dim Records auftauchte ging mir ein Licht auf. Ich versteh es bis Heute nicht so recht… so wie ich Mark kennen gelernt habe, passt das alles gar nicht so recht zu ihm. [singlepic id=447 w=150 h=240 float=left]

Das mit Frontkick stimmt. Hab ich verpennt. Zu Bandworm/Mark. Wie sahst du ihn damals und wie heute?
Naja ich kann es halt nicht nachvollziehen, dass er so viel Patriotismus mit einigen seiner Labelbands propagiert bzw auch über seinen Onlineshop Alben dieser Sorte vertreibt, er einen Label-Sampler gemacht hat auf dem sehr strange Bands aus den USA drauf sind, etc… Andererseits veröffentlicht er dann wieder Bands wie Red Union, Frontkick, Voice Of A Generation, die ja alle ne ganz andere Einstellung haben … Ich versteh nicht wie das zusammenpasst. Bei allem anderen hab ich aber keinen Einblick bzw. hab ich seit der „Not For Phonies“ auch nur ganz selten Kontakt zu ihm und wenn, dann geht es um eben jene Scheibe. Bei Dim Records findet man z.B. immer noch einige seiner Releases. Von Knock Out Records aber auch. Und der Mosh beliefert den ganz bestimmt nicht. Sprich das alleine ist kein Beleg dafür, dass er mit dem Deals macht. Die Scheiben kannst ja auch über Umwege beziehen. Naja… Ich weis nicht ob ihm das einfach alles egal ist oder er es als richtig ansieht. Keine Ahnung.

Irgendwie komme ich nicht umhin an ein Total Chaos Motiv zu denken, wenn ich mir eurer Cover zur neuen Scheibe anschaue. Seht ihr da selbst auch Ähnlichkeiten?
Ja klar. Finde ich jetzt aber nicht schlimm bzw. war das nicht geplant. Das Cover ist über einen Zeitraum von 14 Monaten entstanden und so wie es jetzt ist, hat es uns eben am Besten gefallen. Außerdem schaut es besser aus als jedes Total Chaos Artwork.

Etwas irritiert bin ich von den asiatischen Schriftzeichen. Was hat es denn mit denen auf sich?
Das heißt „Rejected Youth“ auf Chinesisch. Und da die Stadt auf dem Frontcover auch noch Shanghai ist, hat es sich angeboten den Schriftzug mit abzudrucken. Ich mag China und den asiatischen Style. Konnte in den letzten Jahren einige Wochen in China verbringen und bin seitdem ziemlich begeistert – vor allem von der Metropole Shanghai… in der mir übrigens bei meinem letzten Besuch ein Kerl mit Pöbel & Gesocks Shirt über den Weg lief – unglaublich oder?

Textlich ist das Album hochpolitisch. Hat für dich Punkrock, Musik und Politik grundsätzlich etwas miteinander zu tun? Wie stehst du zu Punkbands, die wenig bis gar keine politischen Texte haben?
Klar hat das was für mich miteinander zu tun. Es ist aber nicht so, dass ich nicht auch viel Punk höre der keinen politischen Anspruch hat. Was ich aber gar nicht leiden kann, ist wenn es in die falsche Richtung geht. Wenn selbsternannte Punkbands Scheiße singen die auch von der NPD stammen könnte. Und auf dem Force Attack hab ich mal wieder live mitbekommen, wie viele es von dieser Sorte gibt. Und wenn das Publikum Sprüche a la „Scheiß auf die Antifa“ raushaut, sind das für mich keine Punks oder Skins sondern ganz normale Idioten. Das Beste kam aber von den Krawallbrüder selbst: „Wir sind nicht hier um Politik zu machen sondern Party“. So etwas kommt immer von den Leuten die „unpolitisch“ als Vorwand nehmen um doch ab und zu mit den braunen Brüdern einen zu trinken. Eine Band die zwar nicht politisch ist, aber definitiv auf der richtigen Seite steht würde sich live nicht ständig rechtfertigen müssen.

Ach und was war mit dem angekündigten Boykott den Krawallbrüdern gegenüber?
Was für ein Boykott? Du machst Witze. Ich glaub KB war, neben Loikämie und Pestpocken das meist getragene Merchandise auf dem ganzen Force Attack! Diese Leute haben mit mir und meinen Freunden nichts gemeinsam. Wenn das Punks sein sollen, dann sind wir ganz bestimmt keine. Wobei ich mal behaupten würde, dass es sich genau anders rum verhält…

In den Linernotes zu „Sympathy For The Underdogs“ steht: „…against dump Israel campaigns …against antisemitism…this is an antifascist song. Think about it!“. Gehört ihr den Antideutschen an?
Ich bin der Meinung, dass alle Menschen das Recht auf ein würdiges Leben in Freiheit haben, sprich auch die Palästinenser. Allerdings ist mir erst vor kurzem so richtig klar geworden wie weit verbreitet Antisemitismus bei „antifaschistischen“ Bands und Leuten ist… und das geht mal gar nicht. Für mich war immer ganz klar, dass Antifaschismus auch den Kampf gegen Antisemitismus einschließt. Und um ehrlich zu sein – fast schon peinlich – ist mir durch Myspace zum ersten Mal bewusst geworden, dass viele Anti-Israel und Anti-Juden Kampagnen unterstützen. Mit solchen Leuten steh ich nicht auf einer Stufe. Im Gegenteil. Es ist absurd Antisemitismus zu propagieren und gleichzeitig sich als AntifaschistIn zu bezeichnen. Dieser Song soll Leute zum Denken anregen. Vielleicht gestehen sie sich ja mal ein, dass sie damit falsch liegen. Ob mensch mich nun als Antideutschen einstuft oder nicht, interessiert mich nicht die Bohne. Ich bezeichne mich auf jeden Fall nicht so. Dieses „Black Or White“ Denken ist nicht mein Fall.

„Grand Beat – Bad Words“ erschließt sich mir auch nicht ganz. An wen ist dieses Lied gerichtet?
Es geht ganz einfach um coole Songs die einen scheiß Text haben. Egal ob im Punk, HipHop, Pop, etc… Es gibt großartige Songs die aber so miese Texte haben, dass mir die Lust an der Musik vergeht. Ich verlange ja gar nicht, dass jeder politische Texte schreibt aber dieser ganze Sexismus, Rassismus, Faschismus, Patriotismus, etc ist mir echt ein Dorn im Auge. Es ist wohl eine Kunst für sich, Songs zu schreiben mit coolen Beats UND coolen Texten. Vor allem im Mainstream.

Mit auf der CD ist ein Video zum ersten Track Refuse/Resist. Darin tritt auch Guerilla auf, die auch auf deinem Label „msm1279″ erscheinen. Was hat es mit der Band auf sich, dass sie immer maskiert auftreten?
Das fragst du doch am Besten die Band selber, oder? Ich kann dir nur sagen, dass es kein Marketing-Gag ist (Die ersten Shows waren übrigens noch ohne Maske). Ich habe sogar als Label mehrere schriftliche Aufforderungen bekommen mit der Anweisung alle Bandmitglieder namentlich zu nennen. Vorladungen kamen auch. Außerdem gab es Verhöre, Hausdurchsuchungen und Anklagen bei etlichen Leuten die alle mehr oder minder in Zusammenhang mit der Band bzw. Konzerten von der Band standen.

Neben weiteren Gästen taucht noch Sucker – ehemals Sänger von Oxymoron – auf. Besteht da eine tiefere Freundschaft?
Ich finde, dass Sucker ein ziemlich talentierter Mensch ist was bei mir früher wohl eher Neid hervorrief … Aber das gehört der Vergangenheit an. Weis gar nicht wann wir uns richtig kennen gelernt haben… aber das kann noch gar nicht so lange her sein. Ein paar Jahre maximal aber die haben gereicht um Freunde zu werden – auch wenn man sich nur sehr selten sieht.

Ihr wart mal in den Staaten auf einer US-Ostküsten Tour und kamt auch in New York im damaligen CBGB’s vorbei. Wie war es in solch einem legendären Ort zu spielen und wie fandet ihr New York?
Das war damals für uns großes Tennis. Aber mal davon abgesehen, dass es das CBGBs eh nicht mehr gibt würde ich Heute das ABC No Rio ganz klar vorziehen. Meine meisten Freunde in New York hassten das CBGBs weil es ein Club war der nicht am Punk sondern nur am Profit interessiert war. Ein aufgesetztes Image mit dem die viel Geld gemacht haben. Demnächst kommt auf meinem Label die Stockyard Stoics / The Filaments Split EP raus auf der die Stockyard Stoics (die ja aus New York sind) einen passenden Song dazu haben. Poverty Is Back In The Fashion Pages. Das trifft es ziemlich gut.

Ende diesen Jahres seid ihr mit den US-Amis von The Unseen auf Tour. Wollten die euch unbedingt als Support, oder wie habt ihr die Tour gecheckt?
Hahaha – du glaubst doch nicht im Ernst, dass die bei Muttis-Booking gebettelt haben. Ne, ich habe einfach Mutti gefragt und er war von Anfang an interessiert. War selbst etwas verwundert, dass alles so einfach und glatt lief – denke doch, dass einige Bands in Deutschland gerne diesen Support machen würden aber Muttis Booking hat sich wie schon bei der Casualties / Riot Brigade Tour für uns entschieden was ich sehr cool finde und wofür ich ihnen auch sehr dankbar bin.

Im Plastic Bomb hast du mal nen Artikel über Veganismus geschrieben. Allerdings fand ich den damals zu sehr mit dem vorgehaltenen Zeigefinger geschrieben. Wie strikt siehst du das Thema wirklich und gab es damals Reaktionen auf den Artikel?
Oh ja… eine ganze Menge sogar. Und die waren sehr unterschiedlich. Ich war bzw. bin mir mit meinen Leuten darüber einig, dass der Artikel eigentlich relativ harmlos war aber das sahen die meisten Plastic Bomb Leser wohl anders. Es hat sich aber trotzdem gelohnt. Es gab ein paar die mir geschrieben haben, dass sie seit dem Artikel vegan leben. Und außerdem sollten sich die Leute ja darüber aufregen… so kann mensch am Besten erreichen, dass sie sich mit dem Thema beschäftigen. Erst vor kurzem hat mir einer auf dem Pestpocken Festival mitgeteilt, dass meine Show zwar cool war… der Artikel aber totaler Scheiß… hahaha. Unglaublich. Immerhin ist der Artikel vor über 2 Jahren erschienen.

Neben der Band machst du noch den Punkrockshop „Concrete Jungle“ und das Label „msm1279″. Kann es sein, dass du zeitlich ziemlich eingebunden bist!?
Yo, Da hast du nicht ganz unrecht. Langweilig ist mir nie. Hätte auch noch gerne mehr Zeit um weitere Projekte zu machen. Übrigens bin ich auch selbstständiger Grafiker. Das ganze Rejected Youth oder Guerilla Zeugs stammt ebenfalls von mir. Wer Interesse hat kann sich ja gerne mal die Webseite anschauen www.msm1279.com/artwork. Übrigens ist Concrete Jungle jetzt Label und Mailorder. msm1279 fungiert nur noch als Logo – um der alten Zeiten willen.

So, wer jetzt das Heft rechtzeitig gekauft hat ist aller feinstens informiert und schaut bei uns auf der Homepage, wo und wann Rejected Youth zusammen mit den Amis „The Unseen“ unterwegs sind! Vielleicht trifft man sich ja mal auf nen Bier.
Bocky

www.rejectedyouth.de



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