Krum Bums – Tourbericht 2006

| Januar 3rd, 2008

 

23.02.2007 von Justin Hall & Mathieu Villo

AS THE TIDE TURNS TOUR 2006

„Als Weltwirtschaftskrise bezeichnet man den 1929 einsetzenden schweren volkswirtschaftlichen Einbruch in allen Industrienationen, der sich u. a. in Unternehmenszusammenbrüchen, massiver Arbeitslosigkeit und Deflation äußerte. Aufgrund der hoffnungslosen Armut, wurden in vielen Grossstädten provisorische Armenküchen eingerichtet, um die Not der Bevölkerung ein wenig zu lindern. Der Begriff „Krum Bums“ wurde in dieser Zeit, als Bezeichnung für Kinder gebraucht, die die vom Teller der Erwachsenen heruntergefallenen Essensreste vom Boden aufgesammelt haben.“

Zurück in die Gegenwart.

Das erste Krum Bums Album „The Sound“, wurde im Frühjahr 2005 von T.S.O.R. Records aus der Schweiz veröffentlicht. Es folgten für die Krum Bums mehrere USA Touren, unter anderem mit Extinct Governement, den Lower Class Brats, den Casualties, Monster Squad, Complete Control, etc.. Das lang erwartete Debut-Album schlug auch in Europa ein wie eine Bombe und es hagelte von allen Seiten Bestnoten. Im Frühjahr 2006 wurde ebenfalls von T.S.O.R. Records eine Krum Bums / Complete Control Split EP/CD veröffentlicht und kurz darauf das zweite Krum Bums Album „As The Tide Turns“. Der perfekte Zeitpunk für die erste Europatour war gekommen!

Obwohl die Krum Bums in Europa bereits eine gute Fanbasis vorweisen konnten, barg diese Tour für alle Beteiligten ein enormes finanzielles Risiko. Alles was jetzt folgt, wäre ohne die Hilfe von aktiven und engagierten Leuten in den verschiedensten Städten schlicht und ergreifend nicht möglich gewesen. Es ist mir ein grosses Anliegen, mich bei den folgenden Leuten aus tiefem Herzen für ihre Gastfreundschaft und Arbeitsleistung zu bedanken! Eventuell vergessene, bitte verzeiht mir.

 

Tom, Dani, Steffi, Eli, Lila (danke für das Equipment), Danny, Eva (beste Geburtstagsparty der Welt), Maze, Keks, Kristin, Zechi, Gernot, alle von Toxic Nation, Wilco (ich hoffe du hast das Haus deiner Eltern einigermassen Retten können), alle von Nuke Strike (Jan, nochmals sorry für den Fernseher), Franzy & die gesamte Friesen Crew, Astrid & alle von der Köpi, McFly, Benni, Martino, Martin (danke für alles mein Freund) & alle vom Movimento, Brille! Ihr rockt alle!!!

18. September 2006 – 21. September 2006

Für mich sind die Krum Bums ohne Zweifel die mit Abstand beste Band der Welt! Der Begriff „Krum Bums“, kann jedoch auch als Synonym für „möglichst schlechte Organisation“ gebraucht werden. Aus diesem Grund möchte ich auch den Erklärungsversuch weglassen, warum Tom und ich am frühen Morgen des 18.09. nur vier der fünf Bandmitglieder am Zürcher Flughafen abholen konnten. Fakt jedoch war, das Tommy, Trae, Justin und JV heute einfliegen sollten und David der Sänger erst drei Tage später, sprich am 21.09.06. Also Auto in diesem riesigen Flughafenparkhaus abstellen und ab zum Gate mit zwei Flaschen Whisky unterm Arm! Das Wiedersehen (ich habe die Krum Bums ein paar mal in den USA besucht), wurde an Ort und Stelle mit den mitgebrachten Getränken und vor den angewiederten Flughafenbesuchern gebührend gefeiert! Die nächsten paar Tage verbrachten wir ihn Zürich mit den für Punks typischen Aktivitäten. Unsere kleine heile Welt wurde jedoch am 21.09. gehörig erschüttert. An diesem Tag hätte eigentlich der letzte fehlende Krümeljunge landen sollen! Das eben erwähnte Organisationstalent hatte jedoch seinen Flug verpasst, was ihm nichts anderes als den geballten Zorn seiner Bandkollegen einbrachte. 

22. 09. 06 – Zürich 

Während dem Justin, Tommy, und JV versuchten mittels Schlaf das gestrige Besäufnis zu verdauen, setzten sich Trae und ich wieder in Bewegung Richtung Flughafen um David abzuholen. Unsere Gebete wurden erhört und er kam am Tag des Tourauftakts beim zweiten Versuch wie geplant an! Am Nachmittag traf auch Fredz, der beste Tourbusfahrer der Welt, in Zürich ein. Aufgrund des unmittelbar bevorstehenden Tourbeginns, stieg der Adrenalinspiegel bei allen Beteiligten langsam aber sich an! Im Dynamo trafen wir auf die Krum Bums Labelkollegen „Obtrusive“, die uns auf einem grossen Teil der Tour begleiten sollten. 

Die erste Band des Abends waren „Entwaffnung“ aus Baden. Sie lieferten ein solides Set ab, während dem die Halle voller und voller wurde. Danach enterten Obtrusive aus Ravensburg die Bühne und die vier Jungs bewiesen ein mal mehr, dass ihr Streetpunk nichts anderes als Energie pur ist und sie wurden ihrem Ruf mehr als gerecht. Die Stimmung in der Halle war extrem ausgelassen und die Luft Punkrockgeschwängert! Ideale Bedingungen für das erste Krum Bums Konzert außerhalb der USA. Vom ersten Akkord an, war dann auch klar, dass dieser Abend für alle im Saal unvergesslich sein wird. Die 230 Leute die am Konzert waren, drehten wie auf Kommando komplett durch. Die Krum Bums rissen mit ihrer unvergleichlichen Live-Präsenz wirklich jeden in der Halle mit. Durchschnittlich hat wohl jeder Konzertbesucher 2 Liter Schweiss verloren (so roch es jedenfalls im Getümmel). Nach einem viel zu kurz scheinenden Set dachte ich mir: „Scheiße, besser kanns doch gar nicht mehr werden“. 

23. 09. 06 Gießen 

(by Justin Hall)

Nach einem so guten ersten Konzert wie das in Zürich, waren wir uns nicht sicher, ob wir das Konzert überhaupt noch toppen können. Ich wusste natürlich nicht, was uns in Gießen erwarten würde. Schlussendlich sollte es eines der verrücktesten Konzerte der ganzen Tour werden. Die Halle war mehr als voll, extrem heiss und alle drehten komplett durch! Sehr lustig war der völlig besoffene Danny, der alle 10 min in den Backstage kam und alle sprichwörtlich in hohem Bogen rausschmiss! Nach dem Konzert gingen die Leute jedoch nicht nach Hause, sondern alle betranken sich bis zum Umfallen und jeder fing an zu tanzen! Ich meine eine total verrückte DANCE PARTY!!! Zu diesem Zeitpunkt entdeckte ich Chuck Norris. Ein geniales Getränk mit einem genialen Namen. Die Party ging bis zum Morgengrauen und ich fühlte mich nach ein paar wenigen Stunden Schlaf wie ein Stück Scheiße. Chuck Norris hat uns wirklich den Arsch versohlt. Auf dem Weg nach Karlsruhe verlor Tommy dann auch noch seinen letzten Kampf gegen Mr. Norris und die Folge war ein riesiger Schwall Kotze, der aus dem Fenster flog. Sorry an den Fahrer hinter uns. Cheers! Giessen

24. 09. 06 Karlsruhe

Das Konzert heute sollte im AKK steigen. Wie sich herausstellte, darf man in dem Club keinen Eintritt verlangen. Grosses Dankeschön an dieser Stelle an Maze, der uns die Gage aus seiner eigenen Tasche bezahlt hat! Nach dem pippifeinen Essen, spielte vor Obtrusive irgend eine komische Band, von der ich den Namen vergessen (verdrängt) habe. Dies beschäfftigt mich jedoch nicht weiter, da sich die eben genannte Band, nicht durch musikalische Darbietung zu profilieren versuchte, sondern durch Respektlosigkeit und Aggressivität. Obtrusive hingegen lieferten wie erwartet eine grossartige Show ab und die Krum Bums gaben den, für einen Sonntag, recht zahlreich erschienen Leuten den Rest. Trotzdem zog ich es im Gegensatz zu einigen Krum Bums Leuten vor, früh pennen zu gehn und den Tag gemütlich ausklingen zu lassen.

25.-26. 9. 06

Nürnberg 

(by Justin Hall)

Unsere Erwartungen an das erste Konzert an einem Montag waren nicht wirklich hoch gesteckt, aber es sollte ein sehr spezielles Konzert werden. Ich meine, in einer alten Nazi-Kaserne zu spielen muss einfach „speziell“ und auch verstörend sein. Keks und alle anderen bereiteten uns einen warmen Empfang vor und obwohl nicht wirklich viele Leute kamen wurde es ein sehr cooles Konzert. Nach dem Gig rauchten wir einen Joint nach dem anderen und spielten die halbe Nacht lang Tischfussball bis keiner von uns mehr aus den Augen sehen konnte. Aus irgend einem Grund sass der völlig weggeballerte Mat dann für mindestens eine Stunde einfach nur da und hielt nur einen Löffel in der Hand. Nachdem Keks noch Musik organisiert hatte starteten wir unsere eigene kleine Tanzparty! Unser Verhalten stand irgendwie in einem komischen Kontrast zum düsteren Umfeld. Aber bald kam der Schlaf wie von selber.

Am nächsten Tag besichtigten wir die Stadt und erhielten eine grossartige Führung von Kristin! Das Schloss von Nürnberg geht mir nicht mehr aus dem Kopf! Irgendwann landeten wir in einer Bar die Absinth hatten. Ich glaube ich muss nicht erwähnen, dass nachher nichts mehr ging. 

27. 09. 06 Mannheim 

Darf ich überhaupt etwas schlechtes über ein Konzert schreiben, welches der Herausgeber des Heftes, das ihr gerade in den Händen haltet, organisiert hat? Nein, tatsächlich hat er das Konzert an einen gewissen Herrn Zechi abdelegiert und es gibt auch über Mannheim nur Gutes zu berichten. Die Krum Bums wurden fanatisch abgefeiert, obwohl sie einem Großteil der Besucher nicht bekannt waren und wirklich JEDER Juz-Besucher ging total ab! Die im Juz stehende Waschmaschine lief danach die ganze Nacht lang auf Hochtouren (zum Glück, denn die Körpereigenen Ausdünstungen waren im Van bereits schwer zu ertragen) während dem wir uns wieder die Kante gaben!

28.09.06 Schweinfurt 

Als uns in Schweinfurt der Backstage gezeigt wurde, fühlten wir uns alle für einen Augenblick lang wie Rockstars! Dann erinnerten wir uns daran, dass wir heute Abend mit den Pestpocken spielen sollten und wir entschlossen uns, so schnell wie möglich, so viel wie möglich zu essen, bevor die Giessen Crew (so ähnlich stelle ich mir die Hunnen vor) auftauchen sollte. Ich frage mich immer wieder, wie es die Pestpocken schaffen, so viele Auftrittsmöglichkeiten zu finden. Ich habe immer Mitleid mit den Organisatoren, so nach dem Motto: „Wieviele Pennplätze braucht ihr denn?“. Pestpocken: „Ja, also, so 20 bis 30 wären schon nicht schlecht.“

Höhö, Spass beiseite, mit den Pestpocken verbindet mich eine innige Freundschaft und ich freute mich wie ein Kind, sie wieder einmal in Action zu sehn. Zwar war ich erstaunt darüber, dass der eigentliche Veranstalter nicht am Konzert war (Andy Chaos du machst deinem Namen alle Ehre) aber trotzdem stand dem Abend nichts im Wege. Das Publikum war an diesem Abend eindeutig wegen den Pestpocken gekommen und ich begann mich zu fragen, ob es überhaupt Sinnvoll ist, dass die Krum Bums an diesem Abend headlinen. Die Pestpocken zelebrierten ihren typischen und klassischen Mitten-in-die-Fresse Deutschpunk und auch die Krum Bums gaben wieder einmal ihr Bestes. Nach dem Konzert folgte die obligatorische Feier und die Selbstbeweihräucherung der erbrachten Darbietung. Die Welt war wieder einmal in Ordnung. 

 

29. 09. 06 Hameln 

Hameln kenne ich nur aus den Büchern meiner Kindheit (die Rattenfängergeschichte) und ich hatte keine Ahnung was uns hier erwarten würde. Mein erster Gedanke jedoch war: „Ziemlich klein diese Stadt, hoffentlich geht da was“. Meine Zweifel waren jedoch völlig unbegründet, denn an das Line Up an diesem Abend konnte sich definitiv sehn lassen. Obtrusive, Toxic Nation und Nuke Strike heizten dem recht zahlreich erschienenen Publikum ordentlich ein. Jedes mal aufs Neue verzweifle ich jedoch an den Leuten, die lieber vor der Halle sitzen weil 4 Euro für 4 Bands, davon eine aus den USA, ja so dermassen Kommerz ist…nicht meine Welt, kann ich dazu nur sagen. Die Krum Bums jedenfalls gaben auf der Bühne (die im Regenbogen extrem hoch ist) wiedermal alles und wir beendeten den Abend im Toxic Nation Hauptquartier.

30. 09. 06 Spijkenisse, Holland 

(by Justin Hall)

Natürlich stand als erstes ein Besuch im nächsten Coffee Shop auf dem Programm. Für mich war es eine merkwürdige Erfahrung, legal Gras zu kaufen und es gab mir irgend wie einen völlig lächerlichen Kick. Das Konzert verlief klasse und der Abend wurde lustiger. Der Organisator, ein durchgeknallter Typ namens Wilco versuchte plötzlich vom Tisch zu springen und sich Tarzanmässig mit der Hilfe einer Lampe durch die Halle zu schwingen. Das Einzige was jedoch passierte, war, dass er aus einer beachtlichen Höhe mit Anlauf auf seinen Rücken knallte, weil er die Lampe ganz einfach ausriss. Für mich sah das Ganze extrem schmerzhaft aus, aber irgendwie hat es mir auch den Abend versüsst. Nach dem Konzert pilgerten so ziemlich alle Konzertbesucher zu Wilcos Elternhaus und was als „kleine“ Aftershow Party begann, endete in einem Desaster. Nach einer gewissen Zeit, als alle ihr Gehirn bereits ertränkt hatten, ergab es sich, dass man nur noch Oberkörperfrei das Recht hatte sich im Wohnzimmer aufzuhalten. Von diesem Zeitpunk an war klar, dass sich die Dinge nur noch verschlimmern konnten. Ich bin irgendwann ins Bett gegangen, aber als ich mir am Morgen den Zustand der Wohnung angesehn habe, realisierte ich, dass einige wohl noch weitergefeiert haben. Tatsache aber war, dass Wilco selber für das grösste Chaos verantwortlich war.

1. 10. 06 Dortmund 

Nach unserem kleinen Abstecher nach Holland war es wieder an der Zeit für ein Konzert in Deutschland. Das Konzert selber war der absolute Wahnsinn. Der Klub war sehr gut gefüllt und obwohl Traes Verstärker nach 4 Liedern durchbrannte, improvisierten die Krum Bums absolut professionell und rockten so hart, dass das fehlende Mitglied nicht mal aufgefallen wäre, wenn Trae nicht frustriert die ganze Zeit neben der Bühne gestanden hätte. Leider bewies dieses Konzert, dass es nicht alle Organisatoren und Klubs ehrlich mit den Bands meinen. Aus diesem Grund zogen wir es vor, uns nach dem Konzert Richtung Innenstadt zu trollen. Aufgrund von völlig natürlichen, aus Holland mitgebrachten Gewächsen, hatten diverse Mitglieder unserer illustren Reisetruppe das Gefühl, Dortmund stehe unter Wasser und sei irgendwie wie Venedig. Das Kopfsteinpflaster verwandelte sich daraufhin auch urplötzlich in ein Wellenmeer und dementsprechend surften wir los. Ich glaube auf die Passanten haben wir definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich glaube ich brauche nicht zu erwähnen, dass unsere Aftershow Party bei Jan von Nuke Strike zuhause in einer absoluten Selbstzerstörungsorgie endete. Den Höhepunkt erreichte der Abend, als David aus einem unerklärlichen Grund in den Fernseher fiel. Seine Reaktion: „Justin, warum schubst du mich???“. Der ein paar Meter entfernte Justin war jedoch nur noch zu einem verdatterten:“WHAT???“ fähig. 

2. 10. 06 Bremen 

Nachdem ich in Dortmund im Badezimmer aufgewacht bin, fuhren wir ziemlich bald auch schon gen‘ Bremen. Ich persönlich freute mich extrem auf Bremen, da diese Stadt ja eine sehr aktive und florierende Szene nachgesagt wird. Sofort angetan hatte es mir das gemütliche Viertel, in dem die Friese gelegen ist! Die Leute von der Friese erwiesen sich als sehr um unser Wohl besorgte, gastfreundliche Mitmenschen die uns als erstes ein köstliches Essen bereitstellten. Das Konzert selber (wieder in Begleitung von Obtrusive) war auch einfach nur genial. Nach dem Konzert machten wir noch die umliegenden Bars unsicher und die Computer der Friese wurden noch ausgiebig für die obligatorischen „Du fehlst mir“ Mails nach Hause genutz. 

 

3. 10. 06 Berlin 

(by Justin Hall)

Das Konzert heute Abend sollte anscheinend in einem sehr bekannten Squat mit dem Namen Köpi stattfinden. Aus diesem Grund hatte ich persönlich sehr hohe Erwartungen an unser Konzert in Berlin und ich wurde auch nicht entäuscht. Das von aussen extrem „verlebte“ Haus war innen einfach nur der Hammer! Je später es wurde, desto mehr Leute kamen bis die Halle sehr voll war. Ganz bestimmt auch wegen den genialen Stopcox die an diesem Abend mit uns spielten! Zu unserer grossen Freude trafen wir noch auf Freunde aus unserer Heimatstadt Austin. Gegen 3 Uhr wurde JV von einer riesigen Ratte angegriffen, was zum einen sehr lustig war, uns zum anderen aber ein wenig fertigmachte, da wir schliesslich in der Köpi pennen sollten. Ich meine das Haus selber ist mehr als cool, aber mit aggressiven Ratten zu schlafen ist nicht wirklich die schönste Vorstellung. Unser Fahrer Fredz der schon früh in den Van pennen ging wachte am Morgen hingegen mit einem üblen und schmerzvollen Geschwür am Bein auf. Für uns jedenfalls, war Berlin ein grosser Erfolg und ein einmaliges Erlebnis! 

4. 10. 06 Potsdam 

Bei mir kündigte sich heute der eine obligatorische Krankheitstag an, den ich auf jeder Tour habe. Unruhiger Magen, Fiebergefühle, Gliederschmerzen und eine „Lasst mich in Ruhe“ Stimmung versauten mir den Tag ordentlich. Obwohl das Archiv ein sehr cooler Laden ist, zog ich es vor um 10 Uhr pennen zu gehn. Das Konzert selber sei anscheinend gut gewesen und die Krum Bums Berufsalkoholiker wurden auch heute wieder ihrem Ruf gerecht. 

5. 10. 06 Nünchritz 

Immer noch angeschlagen und aus irgend einem Grund völlig verschwitzt bin ich irgendwann aufgewacht und Frühstücken gegangen. Irgendwie wollte meine gute Stimmung nicht wiederkommen. Heute sollten die Krum Bums in Nünchritz bei Dresden spielen. Da ich noch nie etwas von diesem Orte gehört hatte liess ich mich ohne Erwartungen einfach mal von den Ereignissen treiben. Die Plattenbauten zogen nur so an mir vorbei und ich war jedesmal wieder aufs neue froh, wenn wir eine dieser Wohnungsmaschinen hinter uns liessen. In Nünchritz angekommen konnte ich es erstmal nicht glauben, dass an so einem Ort Punkkonzerte stattfinden. Diese Hürde konnten wir jedoch auch überwinden und nach einer warmen Dusche wurden die ersten Biere zusammen mit Bombenalarm getrunken, die heute auch mit von der Partie waren. Die enge Halle füllte sich langsam aber stetig und das Konzert ging glatt über die Bühne.

 

6. 10. 06 Brno 

Das erste was die Krum Bums am heutigen Tag von sich gaben war: „Wir wollen nach Prag!!!“ Dementsprechend verliessen wir Nünchritz recht zeitig in Richtung Tschechische Grenze. Unser bis dahin genialer und fehlerfrei gebliebene Fahrer Fredz hatte eine nette Karte in Buchformat auf der nur immer ein kleiner Ausschitt des Gebietes zu sehen war, in dem wir uns gerade befanden. Während der Fahrt quengelten die Krum Bums von hinten jede zweite Minute: „ Wann sind wir endlich in Tschechien???“. Irgendwann näherten wir uns auch tatsächlich der Grenze und Fredz verlangte von allen Anwesenden die Pässe. Bald war auch schon das erste Schild zu sehen: „Polen 1000 m“. WAS????? Fredz und ich versuchten und irgend eine befriedigende Erklärung einfallen zu lassen um den Kleinkindern im hinteren Teil des Vans klarzumachen, dass es für einen Prag Ausflug eventuell knapp werden könnte. Daraufhin machte sich eine gereizte Stimmung breit, die nicht wirklich besser wurde, als wir die Tschechische Grenze mittels nicht wirklich geteerten Strassen endlich erreichten. In Tschechien angekommen, kippte die Stimmung im Auto und es machte sich eine gewisse Niedergeschlagenheit breit, beim Anblick der verfallenen Häuser und der Armut in diesem Teil von Tschechien. Obwohl ich schon ein paar mal in Tschechien war, habe ich sowas noch nie gesehn. Die Situation hatte trotzdem eine gewisse Komik, da die Amis realisierten, dass das ein Teil vom „bösen“ Osten war, von dem man ihnen immer Angst gemacht hatte. Da wir sowieso schon extrem spät dran waren und um 10 Uhr Ruhe sein sollte, mussten die Krum Bums sofort auf die Bühne als wir am Veranstaltungsort eintrafen. Es blieb gerade noch Zeit für ein Bier und schon gings los. Das Publikum war wie immer begeistert und das Tschechische Bier floss in Strömen. Nach dem Konzert verdrückten wir uns zu Martino von den Mad Pigs nach Hause und futterten erstmal. 

 

7. 10. 06 Wien 

Wien, die Stadt der Städte und DIE Krum Bums Hochburg in Europa. Ich kann gar nicht beschreiben wie aufgeregt ich vor diesem Konzert war. Nicht nur wegen dem Konzert, sondern auch wegen vielen Freunden die ich schon viel zu lange nicht mehr gesehn habe! 

Als wir gegen 20 Uhr endlich im Movimento eintrafen, machte sich für einen Augenblick Ernüchterung breit, da noch fast niemand da war und die Movimentaner die Halle putzten. Wie sich herausstellen sollte, spielten am Vorabend Blok 1A und da Wilco (siehe 30.09.06 Spijkenisse, Holland) in dieser Band mitspielt, verwunderte mich der ganze Müll auch nicht. Das Movimento sollte sich jedoch sehr schnell füllen und die Stimmung hob sich im Space Shuttle Tempo! Leider konnten die als Vorband angekündigten Maltschicks Molodoi heute aufgrund von Bandinternen Schwierigkeiten nicht spielen. Dafür sprang in letzter Minute Frankenstyle aus Wien ein und die lieferten eine beeindruckende Show ab. Die darauf folgenden The Infected waren einfach nur unglaublich. Was die Jungs draufhaben ist schlicht und ergreifend beeindruckend!!! Da wurde grosses Punkrocktennis gespielt. Was soll ich zum Krum Bums Konzert schreiben? Danke Wien, für eines der besten Konzerte an dem ich überhaupt war, trifft es wohl am besten. Das war eine Dauerexplosion von der ersten bis zur letzten Sekunde! Nach dem Konzert konnte man Aussagen hören wie z.B.: „Zam Glück hom die endlich afghört zam schpieln, sonst war i in Ohnmacht gfolln“ oder so ähnlich…Danach war jedoch noch lange nicht Schluß, denn so ziemlich alle Konzertbesucher feierten erbarmungslos bis in den frühen Morgen.

Den nächsten Tag nutzten wir ausgiebig, um uns die wunderschöne Stadt anzusehn. Marius von den Maltschicks erwies sich als ein begnadeter Touristenführer der wirklich jede Frage über „seine“ Stadt zu beantworten wusste! Beim Erklimmen des Stephansdoms musste ich mit Schrecken feststellen, dass diese Tour bereits schwerste Spuren bei mir hinterlassen hat.

Diese zwei Tage Wien waren für mich in absolut jeder Hinsicht unvergesslich! Alles was ich sagen kann: Ich komme wieder!!!

 

9. 10. 06 München 

Als wir an diesem Montag aufwachten, war die Stimmung wieder ein wenig gedrückt. Zum einen weil wir Wien verlassen mussten und zum anderen weil das letzte Konzert der Tour anstand. Die Reise nach München passte aufgrund des Verkehrs dann auch noch perfekt zu unserer Stimmung. Mit einiger Verspätung trafen wir dann in der Monofaktur ein, wo sich vor dem schwerstens an die 60er Jahre erinnernden Clubs auch schon die ersten Besucher eingefunden hatten. Das Konzert entpuppte sich als ein extrem gutes Montagskonzi und das im Schnitt sehr junge Publikum feierte die Krum Bums fanatisch ab. Sehr cool war auch, dass unsere Freunde aus Nürnberg den Weg und den Wochentag nicht gescheut haben und ebenfalls ans Konzert in München gekommen sind! Immer wieder schön zu sehen, wie reisefreudig unsere kleine Szene doch ist. Schwer traurig aber zufrieden schlummerten wir dann bei Brille unserem grosszügigen Gastgeber ein.

 

10. 10. 06 – Scheiße nochmals

Unsere Heimreise nach Zürich verlief wie erwartet ohne grössere Probleme. Alles schien perfekt zu sein. Als wir jedoch Fredz Auto abholen wollten, welches wir mit Erlaubnis auf dem Privatparkplatz eines Bekanntens in der Innenstadt stehen gelassen hatten, kam die längst überfällige böse Überaschung doch noch. Beim Versuch wegzufahren mussten wir schnell feststellen, dass die Autobatterie im Eimer war. Gut, anschieben war angesagt. Leider sprang mir dann diese unschöne, klobige Kette ins Auge die unser aller Freund und Helfer um unser Rad gebunden hatte. Als wir die Spielverderber anriefen, meinten die nur, dass wir zur Wache kommen sollen. Nach einem längeren und völlig überflüssigen Fussmarsch durften wir 250 euro Strafe zahlen, da anscheinend irgend ein Rotlicht vor 4 Monaten überfahren wurde. Die sagten uns zwar, dass sie die Kette sofort lösen würden, dass wir aber wieder zurücklatschen müssten. Ich habe sie dann gefragt ob die freundlichen Herren uns nicht mitnehmen könnten. Darauf willigten sie dann ein. Aber natürlich konnten sie dann kein normales Polizeiauto nehmen, sondern mussten uns in einem völlig blutverschmierten Kastenwagen zurückfahren. Besser gings nicht mehr. Gegen 3 Uhr hatte ich die Schnauze voll und genoss die erste Nacht im eigenen Bett …

Justin Hall & Mathieu Villot



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