Bocky: Hi Jürgen, du hast mir die Woche die neu erschienene „Die Walter 11″ DVD zugeschickt. Die Aufnahmen sind von 1991 und werden erst jetzt aus rechtlichen Gründen veröffentlicht. Sag mal was dazu.
Jürgen: Ja, das Dokument wurde von den Fans verlangt und dann haben wir es den Leuten gegeben. Das mit den Rechten war so, dass die bei dem Tüpen lagen, der das Konzert filmte. Der wollte uns die Aufnahmen aber nicht geben. Der wollte daraus richtig Kohle ziehen, obwohl vorher ausgemacht war, dass wir den Film bekommen. Logisch hätten wir ihn in irgendeiner Weise daran beteiligt. Doch er meinte sein Geschäftpartner aus Mannheim (keine Ahnung wer, Anmk. Bocky) hat ihm geraten das nicht zu machen, da wir ihn sicherlich über den Tisch ziehen würden! Auf dem Weg waren wir dann.
Viele Jahre später, ich etwas schlauer in der Materie, zu dem Vogel und gefragt, ob es das Band noch gibt. Ich mein, klar hatte jeder der Band nen Abzug von dem Film auf VHS, aber der Qualitätsverlust von dem Master auf ein Band ist schon enorm. Ich wollte eben das Mastertape. Die Qualität jetzt hält sich in Grenzen. Wurde leider nur digitalisiert ohne nach zu bearbeiten. Trotzdem denke ich Preis-Leistung hält sich die Waage.

Oli: Wie kam es damals überhaupt zu dem Video, bzw. den Problemen?
Jürgen: Da waren wir halt alle noch nen Tick jünger, keine Ahnung in rechtlichen Dingen und Verträgen. Das übliche bla, bla. Nach all den Jahren, wir selbst mit nix rechtlichem in der Hand, sah es so aus, dass die Rechte bei ihm lagen. Er hatte das Mastertape, was mit seinen Jungs gefilmt hatte. So gesehen hat man in dem Fall nur zwei Möglichkeiten. A: Man macht von nem Abzug ein eigenes Master und lässt sich ordentlich verklagen, oder Bocky: Man hat selbst die Rechte und bringt es lässig raus.

Bocky: Glücklicherweise isses ja aber jetzt da.
Jürgen: Haha, um den Kultstatus weiter zu erhöhen …

Bocky: Wie steht ihr selbst zu der DVD als Band?
Jürgen: Ehrlich gesagt haben die anderen den Film erst vor zwei Tagen gesehen!

Bocky: Haben sie viel gelacht? Der Bonusteil nämlich ist ein Knüller, mit den Auftritten im dritten Fernsehprogramm.
Jürgen: Allerdings! Chapeau (macht die Bewegung, als ob er einen Hut ziehen würde). Ich würde sagen mutig bis sehr mutig. Ich ließ mal die Rough-Version bei meinem Geburtstag morgens beim Frühstück laufen. Und direkt bildete sich eine kleine Menschentraube vor der Glotze. Das Gelächter über die Frisuren, Kleidung und Art und Weise war schon groß.

Bocky: Bei einer Aufzeichnung sieht man Fritz Walter mit einem Moderator zusammen im Betze (Fuballstadion des 1. FCK). Auf die Frage hin ob der alte Fußballstar euch kennt, verneint dieser. Hatte sich das geändert?
Jürgen: Im Voraus für die Leser Fritz ist tot. Und ja, spätestens seit dem kannte er uns. Beppo lud ihn auch diverse Male ein. Gekommen ist er jedoch nie. Bspw. auf der Releaseparty von „Die Angst Des Torwarts Beim Elfmeter“ hat er uns mit sportlichem Gruß aus irgendwelchen Gründen abgesagt. Dem Schreiben beigelegt waren diverse Autogrammkarten …

Bocky: Wieso habt ihr euch überhaupt nach einer Fußballlegende benannt?
Jürgen: Ehrlich gesagt kann ich dazu ja nicht viel sagen, da ich nicht von Beginn an dabei war. Das wäre wohl die richtige Frage für den Beppo. Er selbst is ja so’n richtiger „Die Hard“ FCK-Fan im Grunde. Aber Moment, ich hab da heut was in der Zeitung gelesen. Da hat der Beppo was von wegen sich hingezogen zur Stadt sich fühlen, aber trotzdem ausgestoßen zu sein, um sich dann im Anflug von Größenwahn auf die Walter Elf aus den 50ern zu beziehen, gesagt.
Bocky: Der Beppo quasi so als Philosoph der Band?
Jürgen: Jo, die graue Eminenz.

Bocky: Wie sind die beiden Shows eigentlich noch zu verstehen, jetzt zwischen Weihachten und Neujahr. So als nette Verbindung mit Heimaturlaub und Besuchen alter Freunde?
Jürgen: Kann man schon so sehen, wenn man mal rausschaut. Davon abgesehen hatte die Kammgarn (der Laden in dem wir gerade hocken, Anmk. Bocky) auch gar keine anderen Termine frei. Erst hieß es nur der 30. Dezember. Als dann aber ziemlich schnell feststand, dass ohne jegliche Werbung, sondern nur über Mundpropaganda und Internet, der Tag schon mehr als ausverkauft sein würde. Im August waren nach vier Wochen 800 Tickets verkauft! Dann war klar, dass wir den zweiten Tag hinzunehmen müssen. Roger kam dann die Idee zu dem Anlass eine Spermbirds DVD aufzunehmen, bei der es im Sommer nicht geklappt hat. So war schnell klar, dass ein Tag hauptsächlich der Walter Elf gehörte und der andere Tag Spermbirds. Die machen jetzt nen 20 Jahre Jubiläumsfilm. Was auch ungefähr hinkommt, wenn man die jeweiligen Pausen abzieht.

Oli: Aber ursprünglich waren zwei Abende Walter Elf geplant, richtig?
Jürgen: Ja, am einen Tag die Walter Elf und am anderen Tag die Walter Elf. An einem Tag hätten noch die Mimmis gespielt, um den Funpunk auf die Spitze zu treiben.

Oli: Wieso hat das mit den Mimmis letztendlich nicht geklappert?
Jürgen: Der Fabsi hatte ne Operation an den Stimmbändern. Die letzte Tour wurde deswegen abgebrochen. Aufgrund logopädischen Trainings geht’s jetzt aber bergauf. Nächstes Jahr wird der gute Mann 50 und feiert in mit allen möglichen Bands, die mir jetzt nicht einfallen wollen.

Bocky: Eine Frage, die sich mir aufdrängte. Vor drei Jahren habt ihr schon mal als Walter Elf ne Show in der Kammgarn gemacht, um das neue Album von Kick Joneses (Walter Elf/Spermbirds Nachfolger) zu finanzieren. Angeblich soll das heute auch der Fall sein. Ist das nicht komisch, was für ne Band zu finanzieren und die ist nicht mal selbst am Start?
Jürgen: Also ich finde das nicht schlimm. Anders herum betrachtet finde ich das sogar ziemlich Punkrock. Denn es ist bekannt, dass es so ist. Somit kann ich nichts schlimmes daran sehen und finde es vollkommen legitim.

Bocky: Bei ner „Fußballband“ muss ich natürlich wissen, ob ihr Karten für die kommende WM habt? Schließlich ist der Betze ja auch einer der Austragungsorte.
Jürgen: Ja, ich hab eine. Ich schau mir hier Saudi Arabien gegen Spanien an. Dann hatte ich mich noch für ein zweites Spiel beworben. Das wurde aber vor kurzem erst bekannt. Es ist Italien gegen die USA. Dafür hab ich aber keine Karte.

Eine kurze Erklärung über das Auswahlverfahren für die WM-Tickets folgt. Aber das will keiner wirklich wissen und falls doch soll er sich den „Kicker“ besorgen!
Frank, sowohl Walter Elf als auch Spermbirds Mitglied setzt sich zu uns.

Bocky: Die abebbende Reunion-Welle für ein schnelles Pfund in England lässt glücklicherweise nach. Habt ihr mit solchen Vorwürfen auch zu kämpfen?
Jürgen: Nicht wirklich. Wir machen alle drei Jahre ein Konzert. Von daher … Wenn man uns aber nicht mag, kann man das natürlich machen
Frank: Vielleicht sollte man sich einfach mal die Shirts von uns betrachten, auf denen unser Motto steht: Don’t forget the fun. Das ist auch noch ernst gemeint. Andererseits zu dem „Holidays in the sun“- Festival, ist es da nicht auch so, dass ein Großteil der Bands auch nur einmalige Auftritte machen? Quasi nur um des Spaßens Willen dort sind? Ich selbst war noch nie dort und kann das nicht beurteilen? War halt nur mal so ne Frage.
Jürgen: Ja, die Welle geht ja schon recht lange. Und es ist in der Tat ärgerlich, wenn dann nur noch ein Gründungsmitglied dabei ist und der Rest Roadies oder irgendwelche Schwippschwäger sind.
Frank: Charlie Harper (UK Subs) finde ich kann man den Vorwurf aber nicht machen, obwohl er noch der einzige ist. Der macht das auch zum Spaß. Den haben wir in England getroffen. Der hat uns im Backstage das ganze Bier weg gesoffen. Der macht das sicherlich so lang, bis er auf der Bühne besoffen tot umfällt. Der is einfach so, glaubwürdig.
Jürgen: Andererseits habe ich 66 Sputnik gesehen und bin da nur aufgrund der Gästeliste hin. Das war wirklich grauenhaft!
Bocky: So ähnlich ging es mir bei dem „Burning Britain“ Festival mit One Way System, Instant Agony etc.. Die sollten fairer weise offiziell als Coverband auftreten. Dann wäre es ja schon wieder o.k.

Bocky: Um mal die Kurve zu den Spermbirds zu bekommen ne Frage an den Frank (Jürgen sagt er muss mal für kleine Engländer und kommt nie wieder). Findest du nicht, dass die Gewichtung bei den zwei Tagen eindeutig bei der Walter Elf liegt?
Frank: Äh, nein. Es ist definitiv nicht so. Spermbirds feiert nachträglich 20 Jähriges Jubiläum. Dass jetzt noch die andere Band im Vorprogramm spielt und umgekehrt war eine Idee, die erst im Nachhinein geboren wurde. Die Feier kommt zwar über zwei Jahre später, doch damals hat es aus irgendwelchen Gründen nicht hingehauen. Jetzt hat sich das so entwickelt und macht auch Sinn. Walter Elf gibt es nicht mehr, Spermbirds, Kick Joneses und andere Bands in denen wir spielen eben auch noch. So ist das wenigstens ein Termin, an dem alle können. Außerdem macht es auch einen riesen Spaß alle an einem Fleck zu haben. So gesehen sehe ich den Stellenwert beider Bands gleich. Klar kommen in Kaiserslautern mehr Leute wegen Walter Elf. Das war aber schon immer so, schon seit 1982. Walter Elf waren hier in der Gegend immer die bevorzugte Band. Zum einen hatte das schon immer was mit dem Musikstil zu tun, aber und vor allem auch, dass wir in deutsch gesungen haben. Außerhalb der hiesigen Gegend waren dann Spermbirds viel bekannter und angesagter.

Oli: Bei Walter Elf kommt auch noch hinzu, dass textlich auf die Umgebung eingegangen wird.
Frank: Klar mit den Songs „Kaiserslautern“ oder „Diese Stadt“ kann sich jeder hier in kürzester Zeit identifizieren. Spermbirds Lyrics handeln eben von ganz anderen Sachen.

Bocky: Wie war denn eure Englandtour?
Frank: Das war ja nicht unsere erste Englandtour. Wir sind dort auch schon früher getourt. Damals war das schon gut und auch dieses Mal kann man sagen es war durchwachsen bis gut. Viel mehr kann ich dazu eigentlich gar nicht sagen. Es war o.k..

Oli: Was ich viel interessanter finde, ihr seid auch durch Südafrika getourt.
Frank: Ja das stimmt. Ich mein das ist natürlich was ganz anderes. Das war schon so ein richtiges Highlight. Denn wann spielt man mal in Südafrika, bzw. wird nach dorthin eingeladen? Erst mal wunderst du dich. Hast du als Band jemals Kontakt nach dort gehabt. Gab es jemals der Interesse von dort gezeigt hat? Heutzutage ist das alles kein Problem mehr. Man bekommt den Namen der Band mal mit und kann sich dann darüber informieren. Aber der Mann, der das für uns gemacht hat, der kennt uns schon ziemlich lange und ziemlich gut. Es war wirklich geil. Es ist halt was ganz anderes als mal kurz in Düsseldorf oder wo anders zu spielen.

Oli: Gibt es dort eigentlich so was wie ne Punkszene, oder kommen die Leute auf die Shows, weil halt was los ist?
Frank: Da gibt’s auf jeden Fall was. Das wusste ich auch schon von früher her. Aber nach 6 Shows und zehn Tagen dort, kann ich dir nichts Genaues sagen. Es gibt eine Punkrockszene, wir haben mit sehr vielen Bands zusammen gespielt, von denen ich viele echt gut fand. Scheinbar gibt es eine rege Skapunkszene. Aber wie die jetzt strukturiert sind weiß ich nicht. Von Johannesburg über Durban, Port Elisabeth bis Kapstadt waren immer viele Leute die interessiert in Punkrock sind.

Oli: Und in welchen Locations finden die Konzerte statt, Juze oder Clubs oder was anderes?
Frank: In Jugendzentren eher nicht. Der Auftritt in Johannesburg, fand in einem, ich würde es schon fast Freizeitpark nennen, statt. Da gab es zwei Bühnen auf denen abwechselnd Bands spielten. In Durban fand alles in einem Club statt. Jugendzentren gibt es glaub ich gar nicht in dem Sinne. Besetzte Häuser waren auch nicht zu sehen. Vielmerh fndet alles in clubs oder größeren Läden statt, die gut besucht sind.

Bocky: Quasi habt ihr, wie das eben so ist auf Tour, nicht gerade viel vom Land selbst sehen können.
Frank: Wobei alleine das schon ein Erlebnis ist. Die 100 km von Johannesburg nach Durban waren schon interessant. Auch die Küstenstrecke nach Kapstadt ist der Wahnsinn. Aber du hast Recht. Man ist ja nicht mal länger in einer Stadt und kann erforschen, was da los ist. Was mir aufgefallen ist, politisch ist das dort immer noch die Katastrophe, meiner Meinung nach. Die Schwarzen haben immer noch keine Chance in dem Sinne. Die Farbigen noch weniger, was dort eine Unterscheidung ist. Das ist schon schlimm. Auch habe ich bei unseren Shows sehr wenige Schwarze gesehen, weil die einfach nicht das Geld haben. Auch wenn das relativ günstig war. Aber die Armut überwiegt. Wenn man das jetzt mal politisch und sozial sehen will, dann ist das noch richtig schlimm. Wobei ich fand, dass die Leute mit denen wir dort was zu tun hatten, auf dem richtigen Weg sind was zu verändern. Aber das wird noch dauern.

Bocky: Um zum Ende zu kommen und dich zum Stretchen vor der Show frei zu geben, was hast du heute noch mit Punkrock zu tun?
Frank: Ich mache Punkrock! Musikalisch, Leben. Oh ich habe soviel aus dem Punkrock übernommen in mein Leben in dieser ganzen Zeit, die sind dermaßen in mein Leben eingeflossen. Ich bin und war zwar sicherlich nie einer der Vorzeigepunks, aber ich habe soviel von der Ideologie einfließen lassen.

Bocky: Ein konkretes Beispiel zum Schluss?
Frank: So oft wie möglich Reflektieren.

www.spermbirds.de



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