Fanzine-Reviews

| August 25th, 2007

Bad Rascal #2

(A5, 44 Seiten, 1,50 Euro + Porto, Julian Schulte, Am Kupferofen 34, 52066 Aachen)
Jules und Bobso sind zurück mit ihrer zweiten Ausgabe aus Aachen. Weswegen ich diese Nummer nicht an Kollege Obnoxious weitergab, der den Erstling lobte, ist ganz einfach. Die Jungs befragen meinen Polit-Hip Hop-Nachbarn Chaoze One. Da wollte ich natürlich wissen, was der so zu sagen hat. Die gleichen Q&R-Spielchen trieben die beiden noch mit Versus, Ausgang Ost und Keine Ahnung. Politischer wird es bei einem Bericht über die Vorratsdatenspeicherung und Onlinedurchsuchungen, die unsere kompetente Regierung anstrebt. Diesbezüglich finde ich den Vergleich mit den 80ern gut, als es damals zu einem breiten Widerstand gegen die gewollte Volkszählung in der Bevölkerung gab. Vielleicht war ja damals doch alles besser? Darüber hinweg trösten kann man sich mit ’nem Festival-Bericht über das Force Attack. Oder mit Frustfressen, denn in der Mitte des Hefts gibt es zwei Rezepte. Einmal für Vegetarier und einmal für Fleischesser. Witzig. Rundherum ist es eben ein nettes Copy & Paste-Fanzine. Nicht mehr, nicht weniger und nett für zwischendurch. Bocky


Big Shot #2
(A5, 64 Seiten, 2 Euro + Porto, http://www.bigshotzine.tk)
Geiles Heft! Die erste Ausgabe machte mich schon sehr neugierig auf die Fortsetzung. Magazin für Reggae, Soul und gehobenen Skinheadzeitvertreib, nennt man sich. Die Schreiber haben eine Art von Humor, den ich absolut genial finde und der mich sehr an das gute alte SkinUp erinnert. Besonders die Kolumne „Skinhead Plattitude“, in der Fundstücke und Texte (oder besser Verirrungen) aus dem Internet rund um das Thema Skinhead gezeigt und kommentiert werden, ist wieder total lustig und erschreckend zugleich. Diesmal fehlt leider die Geschmackspolizei, die ich in der ersten Ausgabe so großartig fand. Dafür gibt’s ein Interview mit den Aggrolites (genial!!), ein Bericht über einen jamaikanischen Plattendealer (sehr informativ), die History des Wail‘n Soul’m Labels, die Vorstellung des kleinen neuen Reggae-Labels Lava Records und die Fortsetzung der Bibeltexte in Reggae-Songs (echt witzig). Als Musiker wird diesmal der Bassist als solcher behandelt, einige Bands werden vorgestellt (Squid 58, Skaos-Jubiläum, Kalles Kaviar) und Attila The Stockbroker zeigt einen exklusiven Auszug aus seiner Autobiographie. Live-Berichte vom Potsdamer Ska-Festival dürfen natürlich auch nicht fehlen und eine absolut geniale History der Four Tops. Alles in allem ’ne Menge interessanter Themen und einfach ein MUSS für jeden Kurzhaarträger! Thorsten

 


Brainwashed #3
(A5, 36 Seiten, kostenlos gg. Porto bei brainwashed77@gmx.de)
Nachdem der Jenz bei seiner aktuellen Nummer etwas Probleme hatte, diese zu kopieren, erschien sie zwar später, aber glücklicherweise überhaupt! Denn betrachtet man sich die Fanzine-Szene ist zumindest im Punkrock-Bereich nicht all zu viel geboten. Das Zine aus Niedersachsen wuchs mit der Ausgabe um acht Seiten, was mit diversen neuen Mitschreibern zu tun hat, von denen einer sogar aus Neuseeland kommt! Die Hirnwäschler halten sich strikt an ihren Untertitel „ Punkrock, Pauli und Promille“. Bei Letzterem finde ich es oft ziemlich schade, dass die Gang oft am kommenden Tag nicht viel zu berichten hat, da die Kaltschalen-bedingten Aussetzer früh beginnen und lange anhalten. Mit meiner Liebe zu St. Pauli ist es ehrlich gesagt auch nicht weit her, kann sie aber durchaus nachvollziehen. Mich hatte nach der letzten Ausgabe vor allem die Fortsetzung der USA-Reise interessiert. Da kommt man voll auf seine Kosten und lernt, dass man „Wick VapoRub“ besser isst, weil es so wesentlich besser wirkt! Die Story über einen Hauskauf in Gießen bleibt weiterhin spannend, da die Leute dort jetzt schon in einem Haus wohnen und ein Kauf tatsächlich in Sicht ist. Schön, wie es Jenz und Konsorten schaffen, auch mit einer eher dünnen Ausgabe die Leute nett zu unterhalten! Bocky

 


Moloko Plus #31
A4, 64 Seiten, 2,50 Euro + Porto, Feld 10, 46286 Dosten)
Huh, das Moloko Plus hat 12 Seiten abgespeckt, seit ich die vorletzte Ausgabe in der Hand hatte. Macht ja nichts, denn es kommt auf den Inhalt an! Und den finde ich angenehm abwechslungsreich. Klar liegt der Schwerpunkt bandtechnisch gesehen wieder im Streetpunk/Oi!-Bereich, aber davon abgesehen bietet sich ein sehr breites Spektrum von Artikeln, und da ist mit Sicherheit für jeden der ein oder andere interessante Artikel dabei. Am neugierigsten war ich auf die Halb 7 Records-Story zum 15-jährigen Jubiläum und die Biografie von Rock’n’Roll-Künstler David Vicente. Daneben bieten sich kalten Büffet aber noch viele andere Leckereien zum Verzehr an, so z.B. die politischen Hintergründe des Bloody Sunday 1972 in (London-)Derry, Infos zum weltbesten Fußballstümer aller Zeiten Arthur Friedenreich aus Brasilien, Lords Of The New Church, Shoemakers, Bay City Rollers, die Springtoifel-Biographie, Smelly Caps und und und. Plus Kolumnen, Reviews etc pp. Weiß nicht, ob ich froh und traurig sein soll, dass von dem ursprünglich geplanten Fanzine-Special nur Opa Knacks-Artikel übrig geblieben ist. So was kann leicht in die Hose gehen. Egal. Der PinUp-Contest ist allerdings mehr als überflüssig. Und das Cover ist ziemlich doof. Trotzdem ist die aktuelle Ausgabe wieder eine sehr gelungene, mal abgesehen von ein paar Fragwürdigkeiten, die beim Moloko Plus immer mal wieder auftauchen. Obnoxious

 


My Choice #15
(A5, 40 Seiten, ? Euro, jerkgoetterwind@web.de)
Lyrik ist ja nicht jedermanns Sache und wird oft mitleidig belächelt. Betroffenheitszeux oder Hippiedreck sind noch nicht mal die gröbsten Bezeichnungen, die man hört, wenn die Sprache auf Gedichtbände kommt. Wenn man dann aber weiter drüber redet, geben die Meisten dann doch (z.B. nach dem fünften Bier) zu: „Najaa, ich hab ja auch mal welche geschrieben, aber sag das nich weiter…“ oder so. Für diese Leute (also die Meisten) ist das Heft My Choice da. Lyrik eben, von ganz normalen Menschen wie Du und Ich und der Typ da hinten in der Ecke auch, hähä. Nummer 15 präsentiert ca. 29 Texte von ca. 9 völlig unterschiedlichen Autoren plus einige Besprechungen anderer Werke und ruft Leute wie dich und mich dazu auf, auch mal was einzuschicken. Allein dieses Sammeln von Texten anderer Leute verdient Respekt. Helmut van der Buchholz

 


Non Plus Ultra #1
(A5, 40 Seiten, 2 Euro, nur Handverkauf)
Wenn ich jetzt was Schlechtes schreibe, dann sind wir direkt unseren Spezialisten für Ska los. Das will ich natürlich nicht. Aber das brauche ich auch nicht. Inhaltlich finde ich dieses neue Heft nämlich sehr interessant. Thorsten und Dominik verschreiben sich eher älterem Stoff, der in die Sparte „partytauglich“ passen könnte. Denn ohne gewisse Grenzen zu ziehen, geht es von Punk über Oi! auch zu Northern Soul. Dies wiederum in einer ausgezeichneten Mischung aus Bandstories (Major Accident, The Rebels, Antisocial), Artikeln (Northern Soul, Slasherfilme) oder auch Konzertberichten (The Opressed, Hard Skin), etc.. Auch optisch ist das Erstlingswerk auf jeden Fall o.k., vor allem weil es mit vielen Bildern aufwartet. Der Rest des Layouts ist sehr aufgeräumt, was wohl am PC liegt. Sprich hier wurde keine Schere zur Hand genommen und glücklicherweise blieben abenteuerliche Entwürfe aus. Einzig finde ich es schade, dass wohl niemand so leicht an das Zine rankommt, da es keinen Kontakt gibt und selbst mir als Monnemer die beiden Macher am Wochenende eher selten über den Weg laufen. Trotzdem warte ich gebannt auf die zweite Nummer des anderen Mannheimer Fanzines und hoffe dann auf eine Kontaktadresse! Bocky

 


Ox #70
(A4, 132 Seiten + CD, 4,50 Euro, an jedem Bhf.)
„Jetzt ist es so weit, ich kündige mein Abo“, war kürzlich die Aussage eines Freundes bzgl. des Ox. Das hatte aber nix mit der Hatecore-Geschichte zu tun, oder damit, dass man sich das Heft problemlos besorgen kann, sondern damit, dass ihn schlicht sehr wenig interessiert was bspw. in dieser Ausgabe steht. Gut, Napalm Death kann man durchaus vertreten, wenn man weiß, wie die Death Metaller begannen oder, dass sie politisch extrem fit sind. Aber ein Interview mit dem Slayer-Schlagzeuger Lombardo in einem selbsternannten Punk-Fanzine finde ich schon etwas komisch. Da macht es auch nichts, dass der Gute ab und an mit den Melvins zusammen Mucke macht. Denn deren Projekt Fantomas ist auch mehr HC-Metal-Freejazz, als Punkrock. Wie dem auch sei, finde auch ich, dass das Heft nicht mehr all zu viel mit Punkrock zu tun hat. Denn bis auf Asta Kask und Mönster oder die Alte-Geschichten-Aufwärmerei mit den Neurotic Arseholes hat die Gazette nicht viel von dem zu bieten, was sie vorgibt zu sein. Schlimm finde ich das nicht, denn deren Redaktion wird genauso älter, wie die jahrelangen Leser. Mir kommt das Ox vor wie auf einer Schwelle zu einer Neuorientierung, die Punk künftig nur marginal bedienen wird. Außerdem sehr schade, dass anderen Zines nur noch eine Unter-Unterrubrik zwischen den Tonträgern gewidmet wird, obwohl genügend Hefte für eine eigene Seite vorhanden sind!? Bocky

 


Plastic Bomb #58
(A4, 80 Seiten + CD, 3,50 Euro + Porto, Plastic Bomb, PF 100205, 47002 Duisburg)
Das Cover zeigt Ullah, den Sänger von Auweia bei deren Wochenend-Tour zusammen mit den Pestpocken in Wien. Den passenden Bericht dazu verfasste Märchenonkel Micha wieder so gekonnt, dass ich das nächste Mal auch unbedingt mit möchte. Neben diesem persönlichen Highlight fand ich die Befragung der Brixton Cats richtig gut und werde denen sicherlich mal mehr Aufmerksamkeit widmen. Schön auch, dass sich mal jemand traut/erbarmt Charlie Harper von den UK Subs das Mikro unter die Nase zu halten. Ein Interview, das mich etwas verwunderte, war jenes mit Casualties. Also dass es so unkommentiert blieb, wenn man bedenkt, was da vor gut sieben Jahren los war. Ansonsten schicken die Bomber noch die Russen What We Feel auf die Bahn, ebenso wie das Berliner Bierkistenrennen. Logisch war das noch nicht alles in der wieder dicker werdenden Fachzeitschrift. Helge Schreiber wartet mit einem etwas faden, dennoch okayen Neuseeland-Bericht auf und Kuwe wurde nach 8 Jahren reanimiert. Halt wieder ’ne solide Ausgabe und Pflichtlektüre für alle, die wissen wollen was geht. Bocky

 


Sabbel #14
(A5, 72 Seiten + CD, 3,50 Euro + Porto, Ingo Rohrer, Hofackerstr. 80, 79110 Freiburg)
Oh oh, das Vorwort hört sich ja recht düster an. Ingo spielt mit dem Gedanken sein Egozine an den Nagel zu hängen. Die Gründe hierfür sind vielfältig und ich kann sie im Großen und Ganzen auch etwas nachvollziehen. Grob gesagt fehlt ihm ein frischer Wind in der Szene, der von den Jüngeren ausgehen sollte, aber es nicht mal zu einem lauen Lüftchen packt. Trotzdem ruft Ingo in dem Artikel „Old Punx“ dazu auf, den Kids lieber unter die Arme zu greifen, anstatt in Alterstarrheit zu verbleiben und arrogant auf sie herab zu schauen. Recht so, schließlich waren wir keinen Deut besser, schöner oder kluger! Neben weiteren Artikeln in dieser Richtung, und einen über den Idioten „Crocodile Hunter“, befasst sich auch diese Ausgabe fast ausschließlich mit Südamerika. Wer den Schreiber oder das Heft schon etwas länger kennt, weiß, dass der Gute gerne und oft dort unterwegs ist. Deswegen gibt es diverse Stories über verschiedene Großstädte (Buenos Aires, Santiago) und deren ansässigen Bands (Reconcile, La Armada Roja, La Miseria De Tu Rostro) oder einen ehemaligen chilenischen Freiheitskämpfer, der jahrelang im Knast saß. Schon jetzt hört sich das nach viel an, es ist aber noch mehr. Deswegen kauft dem Ingo das Heft ab und zeigt ihm damit, dass es nicht gut wäre, wenn er jetzt aufhören würde! Außerdem fehlen zu der Südamerika-Punkhistory noch die letzten 17 Jahre! Up The Punx. Bocky

 


Non Plus Ultra #2
(A5, 56 Seiten, 2 Euro + Porto, D. Schell, Jeßnitzer Weg 9, 
67240 Bobenheim-Roxheim)
Aha, und schon ist die zweite Nummer des neuen Fanzines aus unserem Umkreis auf dem „Markt“. Und wie! Zum Debut hat sich so einiges geändert. Vor allem hat man nun eine Kontaktadresse, so dass man sich die erste Ausgabe rückwirkend besorgen kann, obwohl die ausverkauft sein soll. Naja ein Versuch ist es sicherlich wert. Was aber mindestens genauso wichtig ist sind die Änderungen im aufgeräumteren Layout und die Qualität der Bilder. Da haben sich die beiden, Dominik und Thorsten, eindeutig verbessert. Was außerdem auffällt, ist, dass dieses mal, bis auf Kleinigkeiten, auch mehr Wert auf die Schriebweise gelegt wurde. Inhaltlich wurde fortgeführt, was begonnen wurde. Band- (Infa Riot, Slaughter and the Dogs, Menace, und Personenbiographien (Desmond Dekker), sowie Reviews über Platten aus der eigenen Sammlung, also keinerlei Neuheiten. Ich fand das Format, was alte Bands betrifft schon zu Zeiten des „Punkrock Guide“ großartig und bin froh, dass es jemand weitermacht. Wie die beiden Macher schon untertiteln „Das Blatt für Punkrocker und Skinheads“. Bocky

 


Shisheria #3
(A5, 52 Seiten, 2 Euro + 0,85 Euro Porto, Holtwicker Str. 138, 45721 Haltern)
Habe ich innerhalb von anderthalb Stunden im Wartezimmer von der Frauenklinik gelesen, wobei sich die Begeisterung ziemlich in Grenzen gehalten hat. Zum Optischen: Das großzügige Schnipsel-Layout ist viel zu eintönig, da größtenteils schwarzer Hintergrund verwendet wird. Darunter leidet nicht nur der Kopierer im Copy-Shop, sondern auch das Auge des Lesers. Die Schriftgröße dagegen ist okay zum Seitenschinden in der Volkshochschule, nicht in einem Punkrock-Fanzine. Im Heft befinden sich zwei Themenschwerpunkte: Shisha rauchen und Bandinterviews. Für Wasserpfeifen (Tabak selbst herstellen und was tun, wenn die Shisha nicht das macht, was sie soll?) interessiere ich mich so sehr wie Roland Koch für Rechtsstaatlichkeit und die Bandinterviews (Fahnenflucht, Zaunpfahl, Beatsteaks und Cumbersome) bewegen sich auf Schülerzeitungsniveau, was den gelangweilten Antworten auch anzumerken ist. Ausnahme ist Cumbersome, aber die sind ja auch genau so drauf wie Fanziner Micha. Alles wahrscheinlich der Orientierungslosigkeit des jugendlichen Alter geschuldet. Bei der Wahl zum „Hero of the Ausgabe“ beweist Micha aber doch noch guten Geschmack, denn Joe Strummer wird hier auf zwei Seiten gewürdigt. Kurz gesagt: In der Shisheria ist noch viel verbesserungsfähig, aber schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Also: Weitermachen! Obnoxious

 


Stahlwerk Nr. 5
(A5, 112 Seiten, 2,50 Euro, Postfach 2030, 66520 Neunkirchen, stahlwerkzine@yahoo.de)
Fettes A5er-Teil aus dem Land des Erbfeindes. Obwohl mein Pfälzer Erbe in mir aufschreit, kann ich leider nicht anders, als dieses Heft der Saarländer Damen gut zu finden… Mein Vater wird mich verstoßen, aber das Stahlwerk ist das erste Oi!-Zine, das ich seit Ewigkeiten gelesen habe und obwohl es aus dem Saarland kommt hat es mir einige höchst interessante Stunden verschafft: Derkov Bois, Evil Conduct, Gerbenok und außerdem noch mindestens 20 Seiten über Skinheads in der DDR, insgesamt über 100 gut leserlich kopierte Seiten, die sogar die Herkunft der Macherinnen vergessen lassen!!! Andi „Skinheads aus der Vorderpfalz-Sha-lalalala“ Social

 


Stuttgarter Scheißhaus-Journal im Berliner Exil #5
(A5, Seiten hab ich nicht gezählt, liegt aber gut in der Hand, 50 Cent, big.kick@web.de)
Ein sympathisches und kurzweiliges Egozine. Neben Konzertberichten, den Erfahrungen als Plattenaufleger mit dem werten Publikum, diversen Leserbriefen, Reviews, einer Auflistung der Besprechungen anderer Zines über die Vorgängerausgabe und dem üblichen Kleinkram, stellt die Erfahrung eines Exil-Schwaben mit dem ostdeutschen Fußball, oder besser mit deren Anhängerschaft, den Schwerpunkt dieses Heftes. Sehr interessant und schon vor den, in den öffentlich-rechtlichen Medien durchgekauten Geschehen in Leipzig (oder war’s Dresden?), also in Sachsen, erlebt und beschrieben. Gut – und angeblich die letzte Ausgabe. Schade, aber toll. HH

 


Union Jack #4
(40 Seiten, Preis ?, Union Jack Fanzine Postfach 2159 29403 Salzwedel)
Oh je! Was hab ich hier für ein Heft bekommen. Schon gleich das Cover besticht mit altdoitschem Schriftzug und eisernen Kreuzen. Der Stumpfsinn geht aber noch weiter. Drinn gibt’s, neben Bands wie Riot Company, Dowina, Combat 84 (History), Duisburger Jungs, 7er Jungs, Gerbenok und (natürlich) Rabauken, einen Bericht über „Fuck Political Correctness“. Hier steht unter anderem folgender Satz: „Mir ist es scheissegal ob ein Skin links, rechts, oben, unten oder was weiß ich was ist, solange das Skinheadsein im Vordergrund steht und nicht die politische Ideologie.“ Was für ein Bullshit! Ich bin selbst Skinhead und mir ist es eben nicht egal wie jemand denkt, schließlich unterhält man sich ja mit einem Mensch und nicht mit einer glatzköpfigen Puppe ohne Hirn. Obwohl das bei manchen sogar zutreffen könnte. Ansonsten gibt man sich natürlich schwer unpolitisch, was auch nicht davon abhält für einschlägige Labels und Versande wie z.B. DIM (dumm) Records Werbung zu machen. Da werden unter anderem Endstufe-CDs dreist angeboten. Sowas geht absolut gar net! So Hefte braucht kein wirklicher Skinhead (oder sonst irgendjemand mit Hirn)! Thorsten

 


Toilet Paper #15
(A5, 40 Seiten, ? Euro, c/o Alva Dittrich, Joh.-Kohlmann-Str. 8, 53913 Swisttal)
Ich mag das Toilet Paper nicht. Kann ich nichts mit anfangen. Das Heft ist mehr oder weniger eine One-Woman-Show, in der es größtenteils um Geschlechterfragen, Gender-Kram und Identitäten geht. Toilet Paper sollte eigentlich weich und dreilagig sein, das Heft von Alva ist aber eindimensional und auch sonst eine ziemliche Spaßbremse. Alva treibt sich oft und gern auf irgendwelchen Ladyfesten und ähnlichen Veranstaltungen rum und erzählt uns danach von ihren Erlebnissen und allem was sie dort so gelernt hat. Oder sie verarbeitet es in Kurzgeschichten, strapaziert als Beweis wissenschaftliche Untersuchungen von verpickelten Soziologie-Studenten und macht Interviews mit starken Frauen aus starken Frauen-Bands (in dieser Ausgabe The Shocker und The Sharp Ease, beide aus L.A.) Dabei ist sie immer cool, witzig, intellektuell und kultiviert. Mich langweilt das alles. Dass das Heft komplett auf Englisch ist, macht es auch nicht spannender, aber das ist wohl dem globalen Anspruch geschuldet, den das Toilet Paper hat. Really not my cup of beer. Obnoxious

 


Underdog #19
(A5, 84 Seiten, 2,50 Euro incl. CD + 1,45 Euro Porto, c/o Fred Spenner, Narzissenweg 21, 27793 Wildeshausen)
So, als allerletztes Review für diese Ausgabe habe ich mir das Underdog aufgehoben, und das nur um Fred mitzuteilen, dass ich sofort danach wieder in Irland abtauchen werde, um die Punkrock!-Millionen in Sicherheit zu bringen und endlich mal die Bibel zu lesen. Da steckt viel Wahrheit drin. In 33 Stunden geht es los. Vorher aber noch zum Underdog: Absoluter Themenschwerpunkt ist in Ausgabe 19 Rechtsextremismus. Das ist wichtig und das ist gut. Im Einzelnen gibt es viele Informationen zu Rechtsextremismus in Niedersachsen, dem Hin und Her zum NPD-Verbots, einen Frontbericht von der NPD-Demo in Bremen vom 04.11.06 plus Hintergründen, Entwicklungen im Rechtsrock und Asylpolitik. Ein geballtes Paket an politischem Input also. In der Fülle fast niederschmetternd, aber hochinteressant und auf alle Fälle mehr als lesenswert. Da tut es auch gut, dass alles kompetent und leicht verständlich geschrieben ist. Ein Mal mehr Hochachtung und Respekt vor so viel Arbeit und Einsatz. Dazu kommen noch die Underdog-üblichen News und Kolumnen, ausführliche Musik- und Fanzine-Reviews und als Highlight zum Entspannen ein ausführliches Interview mit den heiß geliebten Spermbirds, von denen ich an dieser Stelle jeden Einzelnen grüßen möchte. Nicht zu vergessen auch die Präsentation der vertretenen Bands auf der CD-Beilage. Musikalisch mal wieder nicht mein Ding, da zu Hardcore-lastig, aber mit Ablärm und den Bordsteinschwalben auch mit zwei Bands, mit denen ich mich durchaus anfreunden kann. Dazu liefern Krautbomber noch eine sehr geile deutsche Coverversion von „You’re Not A Punk“ von den Spermbirds ab. Passt ja. Ein herzliches „Well done“ von hier aus in Richtung Norden. Bitte immer weiter machen! Obnoxious



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