Frontkick Interview

| Januar 22nd, 2007

Marti, zweiter Gittarist und Sänger, von Frontkick kenne ich tatsächlich schon so lange, wie es die Band gibt. Ich kann mich an das erste Frontkick-Konzert in Mannheim noch recht gut erinnern. Marti, Victor (der erste Sänger) und ich saßen im Keller des JUZ und versuchten unser erstes Interview zu führen. Ich wollte unbedingt wissen, wieso sie nicht als „Oi! the Arasse“ unterwegs sind, weil ich diese OI!-Streetpunkband aus Mallorca damals wie heute wunderbar fand. Bis wir aufgrund der Verständigungsprobleme heraus fanden, dass das mit ihrem Umzug nach Berlin zu tun hatte, waren einige Minuten vergangen. Denn Victor sprach kein Wort Englisch geschweige denn Deutsch und Martis Englisch war nicht viel besser. Mittlerweile ist das ganz anders. Marti spricht fast fließend Deutsch und wenn das mal nicht klappt, dann klären wir es auf Englisch, was er momentan besser spricht als ich. Deswegen ist es im Gegensatz zu damals wesentlich einfacher gewesen miteinander zu sprechen und konnte so auch unterhalb der Oberfläche Sachverhalte klären.

Seit einiger Zeit habt ihr zwei Bandmitglieder, die man von der letzten Platte her noch nicht kennt. Stellt die doch mal vor
Na dann, das sind Martin B. (Gitarre, „Ex-Electrocutions“), der spielt ca. seit zweieinhalb Jahren bei uns, vielleicht ein bischen länger; und Vovka M. (Drums) unser Russe, der ist seit fast zwei jahren bei uns. Er ist ein alter Kumpel von Stephan und kennt uns schon seit Jahren. Vovka wohnt auch in dem gleichen Haus in dem Stephan auch lebt und hat ewig bei mehreren Berliner Bands gespielt.

Was ist aus Hardy und Veit geworden? Gingen die im Streit?
Na ja, Hardy ist früher ausgestiegen, es war eigentlich kein Streit. Ich habe fast alle Lieder bei bei der Platte „Underground Stories“ geschrieben und er war es gewohnt, von seiner Zeit bei Scattergun, selbst viel zu schreiben. Patti und Hardy waren ein gutes Team, die haben gute Lieder zusammen geschrieben. Sein Herz liegt bei solcher Musik, also Richtung Scattergun. Darum ist er jetzt wieder glücklich mit „Cut My Skin“. Das geht ein bißchen mehr in seine Richtung und er kann auch wieder das team-up mit Patti geniessen. Ich habe ihn aber ewig nicht mehr gesehen.. Veits Thema war ein anderes. Er war einer meiner besten Freunde und wir haben viel, viel Zeit miteinander verbracht. Es hat dummerweisse nicht gepasst, ich will eigentlich nicht über Veit reden. Ich habe ih nie mehr gesehen und vermisse ihn. Er war das FK-Mitglied, mit dem ich am meistens rumgehangen bin .

Letzten Sommer sah ich euch das letzte mal live und stellte mal wieder fest, dass ihr noch ne Kante besser geworden seid. Leider seid ihr aber nur selten auf Tour. Warum ist das so? Ich glaube nämlich, dass ihr mit mehr touren wesentlich bekannter werden könntet!
Wir haben eine zeitlang viele Probleme mit Agenturen gehabt, schlechtem Management usw.. Seit wir bei Destiny’s Booking sind fängt die Sache an zu rollen, die kümmern sich um uns, wie eine Familie. Denkst du wir sind eine Kante besser? Danke, haha! Die Sache ist auch, dass wir mit der letzten Platte direkt zwei mal durch Deutschland und Spanien getourt sind, plus mehreren Konzis und Minitours in anderen Ländern. Die Platte ist nun seit 2004 raus und wir brauchen neues Material zum touren, wir hoffen das geht jetzt ab.

Naja, habt ihr wirklich ein professionelles Booking gebraucht? Kanntet ihr nicht genügend Leute außerhalb Berlins?
Das hatten wir auf jeden Fall nötig. Jeder von uns muss sich noch um seinen Job kümmern und hat noch anderen Schnick-Schnack zu tun. Deswegen haben wir dafür keine Zeit. Außerdem bin ich nicht der Typ, der etwas von Geld und Handel versteht und ich will das auch nicht machen. Dafür bin ich nicht geschaffen. Eine Tour zu buchen ist auch nicht so einfach, da man immer ein Minimum braucht, um von A nach B zu kommen. Wir wollen uns halt von der Businessseite der Musik fernhalten. Angie war dann die richtige Ansprechperson. Weil A, kannten wir sie schon und B, macht sie ihren Job gut. Wir machen was wir am besten können, nämlich Musik und sind froh jemanden zu haben, der seine Ausgabe mit Leideschaft erfüllt und bei der wir uns in guten Händen fühlen!

Mit eurer neuen Scheibe seid ihr bei PLY gelandet. Wie kam das zustande?
Wir haben eine gute Beziehung mit den Jungs von 2nd District. Eigentlich kam das in Mannheim zustande, als wir mit denen gespielt haben. Tobbe, der Drummer und auch Teil von PLY, meinte wir sollen eine Demo schicken, weil er denkt, dass wir gut zu ihrem Label passen würden. Es ist echt geil, weil momentan finde ich ist PLY das beste oder eines der besten Labels in Europa. Wir sind echt stolz auf dem gleichen Label zu sein wie US Bombs, Generators, Hunns etc.. Das sind eigentlich gleich mehrere meiner Lieblingsbands.

PLY sind ein großes Label. Erhofft ihr euch davon etwas? Vielleicht auf der nächsten „Bad Boys For Life“-Tour zu spielen?
Dass PLY sehr groß ist, wissen wir auf alle Fälle. Das motivierte uns auch extrem, ich hatte Bock wie noch nie, die neue Scheibe aufzunehmen. Es ist eine neue Besetzung und wir haben ein klasse Label. Ich hoffe sie sind zufrieden mit unserem Material und freue mich auf die Zusammenarbeit. Ich meine es ist schon klasse zuwissen, dass das Album dann fast überall zu bekommen ist! Wg. dem letzten Album erhalte ich so viele mails von Fans, dass sie die Scheibe kaum finden. Das Label ist eben aus Spanien und hat nur dort gute Vertriebsstrukturen.
Was die Tour betrifft würden wir die natürlich gerne spielen, denn die ist auf jeden Fall ein geiles Fest!

Die neue LP konnte ich bis jetzt leider noch nicht hören. Erzähl mal was zur Produktion – wie wird sie heißen? – und worin der Unterschied zu den ersten beiden Alben besteht.
Es war eine Menge Arbeit! Wir haben in Berlin Ende Nov. 06 angefangen und es hat lang gedauert, weil wir zwischendurch auch auf Tour waren. Momentan sind wir noch am Mastern und der letzte Teil des Artworks wird fertig gestellt. Wir waren diesen Winter sehr, sehr beschäftig. Aber na ja, ich hoffe es lohnt sich. Momentan habe ich immer noch nicht einen Überblick vom Gesamten. Es kann auch gut sein, dass wir ein bißchen überfordert sind, weil es eine Menge Arbeit war, wir die Lieder viel zu oft gespielt und gehört haben und die Platte ist immer noch nicht raus ist. Über die Unterscheide kann ich dir echt nicht viel sagen. Ich glaube das ist der Job von denen, die es hören. Als wir die „Underground Stories“ rausbrachten, dachten viele wir haben irgendwas total anders gemacht. Es gab verschiedene Meinungen, Leute, die sagten es sei das gleiche nur klingt es besser und Leute mit der Meinung wir sind plötzlich auf diesem Clash-Trip gelandet. Man hat uns in der 77 Punkrock-Schublade gepackt haben. Ich habe damit kein Problem! Trotzdem denken wir, machen wir was eigenes. Vielleicht ist das in der kommenden Platte ein wenig mehr betont. Übrigens wird sie „The Cause Of The Rebel“ heißen. Wie immer wird über viele personliche Geschichten geredet. Manchmal etwas schräge Texte, ein bißchen wie bei dem Song „Out Of Control“, auf der „Underground Stories“ Scheibe, oder wie „Straight Razor“ von dem gleichen Album. Du musst mal ein Ohr riskieren!

Wird es zu neuen Scheibe auch wieder ein Video geben?
Nein leider nicht sofort. Aber wir wollen unbedingt wieder eins machen, weil es unglaublich viel Spaß macht. Außerdem ist es toll mit bildern Musik zu komplettieren. Ich stehe sehr darauf mit Bildern und Artwork einen Videoclip zu basteln, um die Texte lebendiger zu machen. Ich schaue viel Filme und stehe auf Kino, deswegen hoffe ich…ach, JA wir werden sicher was für die neue Platte drehen.

Marti, du bist auf der Scheibe von den Radio Dead Ones als Gitarrist aufgeführt. Aber auf deren Homepage oder bei MySpace nicht. War das nur ein Gastspiel für die Scheibe, oder ist das nun deine zweite Band?
Die Sache bei den RDO war circa vor zwei Jahren oder so. Ich hab mit denen ungefähr 5 oder 6 Konzis als Gittarist gespielt, dann war für uns alle klar, dass ich Teil von Frontkick bin und ich meine Sache durchziehen muss. Ich glaube ich hab die gleichermaßen weitergebracht und zurückgehalten. Wegen meiner Frontkick Verpflichtungen war ich mehrmals unzuverlässig. Aber wir sind gute Freunde. Wir wollten es noch mal probieren, doch es gab nie den richtigen Zeitpunkt, um das zu machen. Jetzt haben sie einen neuen Gittaristen, auch ein Latino, der kommt aus Italien und ich hab gehört er ist sehr gut.

Marti, du bastelst immer mal wieder als „Neurotic Graphics“ Plattencover. Was geht da noch?
Na ja, an sich mache ich das ganze Artwork von Radio Dead Ones und Frontkick. Alles was mit T-Shirts oder Plattencovern zu tun hat. Ich mache das seit Jahren und ich hab ein gutes Gefühl für Grafik. Hoffe ich zumindest!!! Außerdem habe ich ein paar Plakate für Shock Nagasaki aus Syracuse (NY) und ein paar Sachen hier oder da gemacht. Zudem habe ich ein paar Anfragen von ein paar Labels, die wollen, dass ich für sie ein paar Arbeiten mache. Aber ich verrate nix, denn das bringt Unglück!! Drück mir bitte die Daumen deswegen! Ich meine von Musik zu leben ist brutal utopisch. So versuche ich meine Kohle mit Design zu machen. Es macht mir Spaß! Was will man mehr. Ahhh, wenn sich jemand interessiert für günstige Designs… www.myspace.com/neuroticgraphics… nach Angeboten fragen!

Was Kunst betrifft, kennst du die „Strychnin Galerie“ in Berlin?
Ja, die kenne ich. Dummerweise war ich nur einmal dort. Ich glaube das war bei der Eröffnungsparty. Ich kann darüber aber wenig erzählen, weil nach einer halben Stunde war ich total angesoffen. Ich glaube die machen mehr so dunkle Sachen wie Paul Booth (DER Hammertattoowierer aus NY, Anmk. Bocky). Es ist o.k. dort, aber ich stehe nicht so auf diese „Arty-Farty“ Bewegung in der Kunstszene. Ich meine, ich stehe auch auf Kunst, auch minimalistische Sachen, was wiederum diese Leute nicht als Kunst anerkennen. Das ist jetzt aber keine schlechte Kritik über die Galerie, sondern mein ganz persönliches Gefühl dieser Szene gegenüber.

Auf der „Underground Stories“ gibt es den Song „36 Guns“ der wohl Kreuzberg gewidmet ist. Was hat es mit dem Berlin Mythos auf sich? Lebt der noch, bzw. wie lebt ihr ihn?
Den „Mythos“, den ich in dem Song besinge, den kenne ich natürlich nicht, weil ich noch gar nicht so lange in Berlin wohne. Aber wenn man den Älteren zuhört, wie geil und hart die 80er und 90er waren. Da werden Geschichten zum Mythos mit Königen und Rebellen. Naja, Szenekönige gab es ja nicht. Doch wenn diese ältere Generation darüber spricht, dann klingt das immer wie ein kaputtes Märchen, mit allen nötigen Charakteren. Was ich damit sagen möchte, ist, dass obwohl wir in einem „langweiligen“ Jahrzehnt in Berlin wohnen, so sind es trotzdem wir, die die derzeitige Geschichte schreiben. Es ist wie ein Aufruf an die Leute und jüngere Generationen, denen ich sage, es ist nicht vorbei, wir sind immer noch Teil dieser Geschichte.
Damals als ich den Text schrieb, handelte der von meinen Kumpels. Leute, mit denen wir zusammen rumhangen und ich nannte sie „36 Guns“. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist eine Clique, die in Berlin X-Berg wohnt.

Marti, du bist ursprünglich von Mallorca. Bist du dort noch regelmäßig zu Besuch?
Immer weniger, ich hab immer weniger Freunde da, und die damalige Szene ist auseinander gegangen. Sicher habe ich dort meine Familie, aber beispielsweise mein Bruder ist auch abgehauen und spielt in Barcelona in einer HC/Punkband. Es ist nicht mehr viel da, das mich an die alten Zeiten erinnert, was mich traurig macht! Naja, ich meine es gibt noch eine Szene da, sie ist sehr groß und es gibt sehr viele Kids, viel mehr als damals. Aber es ist nicht mehr richtig das, was es einmal war. Nicht besser oder schlechter. Halt anders und ich kenne immer weniger Leute. Meine alten Kumpels sind zur Hälfte verheiratet, haben Häuser gekauft und machen nicht viel. Die andere Hälfte meiner Gang ist, wie ich, weggezogen.

Heißt das Berlin ist jetzt deine Heimat?
Klaro, ich wohne jetzt seit 8 Jahren in Berlin und fände es schwer diese Stadt jetzt verlassen zu müssen. Momentan ist alle Top, ich habe hier meine Freunde, meine Musik und eine Stadt, die ich liebe.

Marti, du hattest dort die Band OI! The Arasse zusammen mit Victor. Ihr kamt 1999 zusammen nach Berlin. Doch Victor verließ Berlin recht schnell wieder. Wie geht es ihm, hat er eine neue Band?
Er war fast 2 Jahre in Berlin und er hatte Schwierigkeiten mit der Sprache. Er konnte kein englisch oder deutsch. Ich half ihm zwei Jahre mit übersetzen. Er war sehr frustriert und ging wieder nach Mallorca. Dort hatte er ein paar Bands, wie „The Sub-Boys“ oder „The Last Dogs“. Weil das aber mit beiden Bands nicht so lange klappte, ist er vor einem Jahr nach Lanzarote auf die Kanaren abgehauen. Danach ging er nach Valencia, dort arbeitete er bei IKEA und hat seit Jahren keine Musik mehr gemacht. Ich glaube der hat keinen Bock mehr. Während einiger Besuche von mir haben wir ein paar Lieder aufgenommen. Victor am Bass, ich habe gesungen und Gitarre gespielt und mein Bruder saß an den Drums. Das waren die „ The Last Dogs“, haha, aber es war nie was ernsthaftes! Ich hoffe ihm geht es gut. Ich habe auch nur noch sehr selten Kontakt ihm.

Hey Marti, dann viele Grüße an den Rest der Band. Hast noch was zu sagen?
Vielen Dank für das Interview und ich hoffe wir sehen uns bald mal wieder.

Ich wünsche Marti und dem Rest der Gang wirklich viel Glück mit ihrem neuen, das sicher für einen gesteigerten Bekanntheitsgrad sorgen wird. Wofür es Zeit wird und ich es der Band gönne, da die Jungs das Herz am richtigen Fleck sitzen haben.
Bocky



Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen