Review 3

| Januar 1st, 2006

KOLLEKTIVER BRECHREIZ – Der Sinn des Lebens
(CD, Höhnie Records)
Das Frontcover ziert ein mit Buntstiften gemaltes Bandporträt, das wohl eine der kleinen Schwestern gemalt hat. Das Positive: Bei den deutschsprachigen Texten kommt eine gute Portion Selbstironie und Humor rüber. Das Negative: Nach dem dritten Lied hat sich der Witz aufgebraucht. Richard

MAD SIN – Dead Moon’s Calling
(CD/LP, People Like You)
Wer kennt die Band um Koefte nicht? Wahrscheinlich jeder, ob man will oder nicht. Nicht nur, weil sie ständig unterwegs sind, sondern wahrscheinlich wegen der vielen Gerüchte, die sich um die bekannteste deutsche Psycho-Punkabilly drehen. Wenn ich da an meine bisherigen zwei-drei Livebegegnungen denke, kann ich mir durchaus vorstellen, dass die stimmen. Der gute Mann hat ein Talent dafür sich wie die Axt im Walde aufzuführen und lässt ganz schön den Rockstar raushängen. Ob das erfolgreiche Auftritte in Japan und den USA rechtfertigen sei mal dahingestellt. Für meinen Teil amüsiert mich das jedes Mal und ich bin echt froh mit denen bisher noch nichts gemacht zu haben. Das Musikalische erfindet das gut getunte Psychorad nicht neu, ist jedoch einmal mehr eine Spur besser als der Rest. Liegt sicherlich aber auch an den gut 18-jährigen Erfahrungen des Frontmanns. Immer wieder großartig sind die Samples, wie beim Intro, die man entweder selbst produziert oder mit Liebe hinbiegt, damit sie passen. Mein persönlicher Hit „Not Invited“ ist, wie übrigens die ganze Scheibe, sehr punklastig. Somit erneut ein Psychopunkalbum, dem man anmerkt, wo es herkommt und über seine Genregrenzen hinweg Erfolg haben wird! Bocky

Menace – Punk Singles Collection
(CD, Captain OI!)
Die Story von meinem dritten selbstorganisierten Konzert will ich hier nicht weiter ausbreiten, aber kurz erwähnen muss ich es trotzdem. Scheiß Selbstbeweihräucherung, doch war es ein super Abend mit geilem Konzert und extrem netter Band! Dementsprechend kann man sich denken, dass diese Besprechung nur mit Superlativen gelesen werden kann. Den Überhit „GLC“ kennt eh jeder und meine persönlichen Favs „Last Years Youth“ und „Carry No Banners“ sicherlich auch. Was soll ich noch sagen? 25 Songs, einige davon in neueren Versionen und der ganz neue Sänger ist bei keinem Song dabei. Von daher alles super! Wer „Menace“ schon vorher kannte, fragt sich ohnehin nicht, ob man diese CD braucht. Wer sie nicht kennt testet gefälligst „GLC“ an und besorgt sich die CD daraufhin ganz von alleine, Denn „Ob Punker oder Glatze, alles hört Menace“ (damaliger Knock Out Records Werbeslogan!). Bocky

METEORS – Don’t Touch The Bang Bang Fruit
(CD, Cherry Red)
Das Psycho-Trio Infernale aus Großbritannien mit dem Re-release aus dem Jahre 1987. Obwohl scheinbar – laut Linernotes – viele dachten, die Gang hätte ihren Höhepunkt erreicht. So musste man umso überraschter sein dieses Album sieben Wochen in den Indie-Charts zu finden. Die beste Platzierung war sogar der achte Platz! Erfolgreichste Singleauskopplung des Werkes war das Cover des Stranglers-Song „Go Buddy Go“. Wahrscheinlich aber wegen seiner Massenkompatibilität. Denn darüber hinaus ist das Album gespickt von einigen Psychoperlen verschiedenster Genre-Spielarten. Obendrauf gibt’s noch vier rare Bonustracks und ’ne schicke Digipackverpackung inkl. Linernotes. Für den Psychofan ein Muss und für den Anfänger gleich ein richtig guter Einstieg. Bocky

Meteors – Sewertime Blues CD
(CD, Cherry Red)
Tja, was soll man zu dem Meteors noch viel sagen? Sie sind die Band, die Anfang der 80er den Psychobilly erfunden haben. Somit also die Väter von aktuell erfolgreichen Bands wie bspw. Mad Sin. Übrigens passt der Vergleich auch ziemlich gut. Denn beide Sänger, P.Paul Fenech/Meteors als auch Köfte/Mad Sin, sind von Veranstaltern gefürchtet, weil sie sich regelmäßig aufführen die „Axt im Walde“. So gesehen passt das aber auch schon wieder zu der Musik und den Stil den sie repräsentieren. Die jungen wilden Rebellen eben. Obgleich beide Bands ihren jeweiligen Zenit erreicht zu haben scheinen. Wie auch immer, so war „Sewertime Blues“ 1986 in den Top Ten der Indiecharts. Außerdem auf der CD zwei rare Tracks – The Edge und Johnny’s here – als Remixe. Bocky

MOITEREI – Jeder Hund hat seinen Tag CD
(DSS Records)
Musikalisch gesehen ist das fetter Oi-Punk den die 4 Braunschweiger mit dieser Scheibe abliefern. Klingt gut, ist gut … Nur mit den Texten hätten sie sich etwas mehr Mühe geben können. Die Band versucht hier Inhalte zu vermitteln. Zum Beispiel das Lied „Gequält & Geprügelt“ setzt sich mit dem Thema auseinander, wie Tiere behandelt werden, die als Schlachtvieh geboren wurden. Durch die komplizierten Texte, die ich trotzdem nicht besonders gut finde, geht der Mitsing-Effekt verloren. Bei einem Live-Konzert wo man nur die Hälfte der Texte versteht, hat man aber bestimmt seinen Spaß. Die Lieder klingen aber auch alle sehr ähnlich. Übrigens hat sich die Band Unterstützung geholt. Bei den Chorgesängen sind unter anderem Pedder von Daily Terror, Schulle von Toxpack, Jörg und Imo von Brutal De Luxe mit dabei. Alles in allem ein durchschnittlich zu bewertendes Album. Nicht besonders schlecht, aber auch nix was mich total vom Hocker haut. Metulski

MUFF POTTER – Von Wegen
(CD, Hucks Plattenkiste/Universal)
Oh, oh, wenn das mal keinen Ärger gibt. Die Angry-Pop-Punks aus Münster sind wie schon viele vor ihnen bei Universal gelandet. Wenn ich das aber recht verstehe lediglich mit dem Vertrieb, was bedeutet sie behalten die Rechte an den Songs. Quasi gar nicht so dumm, die Toten Hosen haben sich mit so ’nem Deal krumm und buckelig verdient. Vom politischen mal abgesehen ist die neue Scheibe wieder ein großer Wurf geworden. In ihrem ganz eigenen Stil (Sound und Lyrics) wird klargestellt was nicht passt – ihnen, in Deutschland und in der Welt. Herausragend sind für mich dabei die Songs „punkt9“ und „antifamilia“. Ersterer tritt dem neudeutschen Patriotismus ordentlich in die Eier und der zweite spielt darauf an, dass die angebliche „Szene“ auch nicht gerade spannender ist als die Geburtstagsfete von Tante Erika. Muff Potter waren eigensinnig und sind es immer noch. Bleibt zu hoffen, dass Universal sie nicht versaut. Bocky

The Negatives – No Truth-NoJustice
(CD, Core Tex)
Ganz dunkel kann ich mich noch an ne 7´´er von denen erinnern, die ich recht gut fand. Den Silberling eingelegt wusste ich, dass ich mich nicht getäuscht hatte. Der Vierer aus Schweden macht schnörkelosesten Streetpunk und hält sich knallhart an dessen Konventionen. Textlich ist es typischer Punk, der mehr als Bier, Sex und dergleichen zu bieten hat. Wobei mich Lyrics gegen die USA eher den Kopf schütteln lassen, wenn man nicht auch vor der eigenen Haustür kehrt. Trotzdem finde ich den Song „Greatest Punk Rock rip off“ echt klasse. In dem wird die Untugend alte Bands mit maximal 1 Originalmitglied auftreten zu lassen angeprangert. Da hat er wohl recht. Sollten einige dieser Vereine wohl besser als Coverbands auf Tour gehen. Wird wohl aber nimmer so viel Kohle damit zu machen sein. So legen Negatives eine zweites Album hin, dass nicht besser, aber auch nicht schlechter ist, was man aus dieser Richtung kennt. Bocky

NEIN NEIN NEIN – s/t
(MC, www.neinneinnein.com)
Mönchengladbach hat also doch mehr zu bieten als EA 80 und Die Strafe. Die neue Band ist dafür aber um einiges jünger, in Zahlen 2 x 17 + 1 x 24. Mathematisch rationell sieht das wohl aus. Das scheint es aber auch zu wollen, sofern ich das recht verstehe. Man verzichtet auf jeglichen Schnickschnack, vom „Plüschumhang“ der MC mal abgesehen, der mir einiges abverlangte bis ich das Teil offen hatte, ohne es zu zerstören. Vielmehr beschränkt man sich auf ganz wesentliche Sachen: Man macht Punk und keinen Punkrock, was etwas mit Attitüde zu tun hat; es wird deutsch gesungen, weil das die Sprache ist, in der man redet und sich am besten ausdrücken kann; vor allem wird das Rad aber nicht neu erfunden und hat es nicht nötig sich posermäßige Adjektive zuzulegen. Im Gesamten sehr sympathisch, wie auch die Musik. In der Tat nichts neues, aber eben sechs frische Songs, die bei einer 10-minütigen Gesamtlänge bei mir auf offene Ohren treffen! Ende dieses Jahres möchte man in Sachen Tonträgerevolution ’nen Schritt nach vorne tun und ne 12“-Scheibe veröffentlichen. Ich bin gespannt. Bocky

THE NOW – Fuzztone Fizzadelic
(CD, Damaged Goods)
Die Band existierte von ’77 bis ’79, hatte zwei Singles und verschwand wieder im Untergrund. Wäre keine große Sache, wenn ihre Songs nicht groß gewesen wären. Das präsentierte Liedgut hat Klasse und erinnert an die frühen Upstarts und Newtown Neurotics. Die vier Punkrock-Greise wurden also aus ihren Vorgärten und Ohrensesseln gerissen und genötigt ihr altes Set einzuspielen. Die guten alten Songs, kombiniert mit moderner Studiotechnik machen die CD absolut hörenswert. Richard

OHL – Wir sind die Türken von Morgen
(CD, Tennage Rebel)
Ich persönlich hätte das Re-release dieser Scheibe ja nicht gebraucht, wenn ich bedenke, was der Sänger „Deutscher W.“ für ne Flachpfanne ist. Wie dem auch sei, nun ist die Scheibe da und wird besprochen: Im Gegensatz zu der vor drei Jahren erschienenen LP hat die CD, wer hätte es gedacht, diverse Bonustracks. Damit meine ich eine 4-Song EP, die 1981 zeitgleich mit der LP veröffentlicht wurde, vier Samplerbeiträge aus der Zeit und der Song „Belzen war ein KZ“ aus dem Jahre 1982,aber in einer neueren Version. Das Booklet hat neben den kompletten Texte viele Bilder und auch Zeitungsartikel. Quasi fast eine „Weird System“ Produktion, die dem geneigten „Kernkraftritter“ wie ne MG Salve den Hals runtergeht. Bocky

PERIFERIA SA – s/t
(CD, Dirty Faces)
Die Band kommt aus Brasilien und dort spricht man portugiesisch, eine Sprache, derer ich nicht mächtig bin. So werde ich rein auf die musikalischen Aspekte, dieses künstlerischen Produktes eingehen. Schnelle, harte Rhythmen bestimmen das Tempo, ein Stakkato-Gesang prägt den Charakter der Stücke. Musikalische Vorbilder sind G.B.H. und Exploited. Die drei Mitglieder sind das Original-Line Up von „Ratos Do Poroa“. Richard

The Priscillas – Aloha From Holloway
(MCD, Damaged Goods)
„Aloha From Holloway“ soll nach zwei 7“es den ersten „Longplayer“ der Priscillas darstellen. Doof nur, dass es außer den vier Songs der beiden Singles gerade mal ein weiteres Lied auf die MCD geschafft hat. Dazu gibt es wohl noch die dazugehörigen Videos zu den Titeltracks der Singles. Sind aber auf der Promo-CD nicht drauf, kann ich nix zu sagen. Okay, die Priscillas sind eine (das liegt nahe) All-Girl-Band (muss man das immer so betonen?), die sicher auch bei Thunderbaby, respektive Thunderwoman oder dem Frauenband-Sampler von Wolverine hätte erscheinen können. Poppy, bubblegum-lramonesker Sound mit einem Schuss Glam. Irgendwie fehlt aber der nötige Drive und die Priscillas kommen ein bisschen handzahm daher. Live sollen sie ganz gut sein, aber mit dieser Veröffentlichung hätte man doch lieber noch gewartet bis die angebliche Live-Power im Studio umgesetzt werden kann. Andere Bands haben das mit Sicherheit schon besser gemacht. Obnoxious

The Professionals – Best Of
(Captain OI!)
Na, wem sagen denn die Namen Steve Jones und Paul Cook etwas? Jaja, ganz tief im Innern ist da was, richtig? Genau, es sind die anderen 50 % von den Sex Pistols neben Johnny Rotten und Sid Vicious. Die hatten 1980, knapp zwei Jahre nach dem Boygroup-Split, ne neue Combo gegründet um auch weiterhin ihre Brötchen kaufen zu können. Logischerweise auch nicht nur annähernd mit dem Erfolg der „Pistolettos“. Für mich aus der Zeit eines der ganz langweiligen Alben. Wahrscheinlich fehlt mir der Spirit und ihnen wie es scheint auch. Da wird einfach zu viel Musik gearbeitet. Für Sammler aber trotzdem ein Muss. Bocky

Propaghandi – Potemkin City Limits
(CD, Fat Wreck)
Aha, die Gutmenschen des Betroffenheitspunks mit einem neuen Album … 4 Jahre hat’s gedauert und jetzt ist der vierte Longplayer der Kanadier auf Fat Wreck fertig. Wenn mich nicht alles täuscht, hat sich die Band von ihrem ursprünglichen Sänger Chris Hannah getrennt und mit Glen Lambert einen mehr oder minder würdigen Ersatz gefunden. „Potemkin City Limits“ bringt über 41 Minuten und 12 Lieder einen politisch extrem engagierten, aber leider trotzdem extrem langweiligen Mix aus … ja aus was eigentlich?? Punkrock, aber recht verhalten, Emo-Gezuchtel, was weiß ich … Nix für meinereiner, die Fans der Band werden’s wohl lieben. Ach ja, um auch mal das Positive zu sehen: Sehr liebevoll gemachtes Booklet mit Erläuterungen zu den Lyrics … AndiSocial

RAMONEZ 77 – Rest In Pace
(CD, Mata Hari/Rodrec)
Zum 20-jährigen Bandjubiläum hat es die Hamburger Ramones-Tribute-Band jetzt also doch noch geschafft ihren ersten Longplayer zu veröffentlichen. Anders als andere Ramones-Epigonen vollbringen es Ramonez 77 den Stil des Originals nicht nur zu kopieren, sondern noch mit eigenem Leben zu erfüllen und den New Yorkern ein gebührendes Denkmal zu setzen. Super, das. Zwar auch nicht mehr in der Originalbesetzung von 1984, aber was die vier Jungs, die den Punkrock in legendären Hamburger Bands wie SS Ultrabrutal, Torpedo Moskau, Razors, Rubbermaids und so weiter bereits mit der Muttermilch aufgesogen haben, hier abliefern ist einfach nur mit „Hell, Yeah!!!“ zu beschreiben. Spielwitz pur, drei Akkorde für ein Halleluja. Neben zu erwartenden Titeln wie „I Want You Around“, „20th Century Boy“, „Gone Today, Here Tomorrow“ huldigen sie auch mit „Mr. Ramone“ (Joey) und „Dee Dee’s Dead“ (mit Bela B. als Gastsänger) ihre verstorbenen Helden. Johnny starb zu spät, da waren die Aufnahmen wohl schon im Kasten. Absoluter Höhepunkt ist aber „Beat On The Bush“ eine Persiflage auf George W., der sich hier mit seinem Lieblingsfeind Osama rumärgern muss. Zu diesem Song gibt’s als Bonus auf der CD auch noch ein absolut geiles Video, das schon allein die Kohle wert sein sollte. Allerbeste Unterhaltung! Obnoxious

The Real McKenzies – 10.000 Shots
(CD, Fat Wreck)
Dass die kanadischen Schotten immer Durst haben beweisen sie nicht nur mit dem Titel ihrer nunmehr fünften Platte, sondern anders gesagt ist es ein „Tribute to Alcohol“. Wer die Gang schon einmal live gesehen hat, weiß wovon die Rede ist. Ständig sind deren Liveshows gut get änkte Nächte, wie man sie nicht häufig erlebt. Aber wer glaubt man habe es dann nur mit einer Horde besoffener zu tun, täuscht sich. Doch was versuche ich etwas zu erklären, was man besser selbst mitmacht. Die Kanadier, deren Vorfahren in der Tat aus Schottland kommen, sind ab September sechs Wochen auf Tour! Die Mischung auf der aktuellen Scheibe stimmt auch dieses Mal hervorragend: Lustige Punknummern, musikalische Umsetzungen von Gedichten des schottischen Poeten Robert Burns und natürlich auch traditionelle Songs die den Dudelsack eindeutig in den Vordergrund stellen. Außerdem merkt man der Band das viele touren und die mittlerweile feste Besetzung. Das wirkt sich wiederum auf ein harmonisches, perfektes Zusammenspiel aus. Meiner Meinung nach das Beste, was die fünf bisher gemacht haben. Ein Album, das nach dem nächsten Whisky geradezu verlangt. Bocky

REVOLUTION RIOT – Blues For The Spiritually Retarded
(CD, Feedback Boogie)
Wenn ich nicht kotzen würde, würde ich jetzt weinen. Ich spüle mir erst mal die Ohren mit Essigessenz aus – Heavy Metal Rock! Mit was habe ich das verdient? Richard

RIOT BRIGADE – Here`s Our Answer
(CD, MSM 1279 Records)
Eine angenehme Überraschung ist diese Band aus dem Großraum Stuttgart. Eine Punkcore-Geschichte, die mich im positiven Sinne an die holländischen Antidote erinnert, wobei bei ihnen der HC-Anteil höher ist. 16 Titel, 37,55 Minuten Spielzeit, macht durchschnittlich 2,35 Minuten pro Lied. Das ist definitiv kein Balladenalbum. Richard

ROCK’N’ROLL STORMTROOPERS – On Fire
(LP/CD, Hulk Räckorz)
„We’re the Rock’n’Roll Strormtroopers / Raisin’ hell… Blowin’ your city down!“ Endlich, endlich, endlich!!! Und ich hab’ schon geglaubt, ich erleb’s nicht mehr. Aber so kann man sich täuschen: der erste Longplayer von meinen absoluten GlamPunkRock-Faves liegt jetzt doch noch auf meinem Schreibtisch. Bisher waren lediglich zwei 7“es von den Stormtroopers erhältlich und die dürften ja auch schon längst vergriffen sein, aber das lange Warten hat sich gelohnt. „On Fire“ trägt seinen Namen zu Recht. Die vier Schwaben liefern hier ein wahres Feuerwerk ab. Viel Glam, viel Rock und die notwendige Prise Punk. Man fühlt sich um 30 Jahre zurückversetzt. Kiss winken um die Ecke und Slade fahren auf ihrem Highspeed-Fahrrad vorbei. Aber die Rock’n’Roll Stormtroopers nehmen keine Gefangenen, der Bandname ist Programm. Songs wie „Bulldozers On The Loose“, „We’re Gonna Rock You“, „Keep Rock Clean“ oder „Hanging Out With The Boys“ sagen alles: Wir wollen Party bis zum Umfallen, aber nach unseren Regeln, wer was dagegen hat, bleibt auf der Strecke!!! 34 Minuten, die vor klischeehaften Texten nur so strotzen und ein genial bescheue rtes Cover-Artwork, das es problemlos in meine All-Time-Top 5 geschafft hat, lassen vermuten, dass es das beste wäre, die Rock’n’Roll Stormtroopers würden demnächst die Weltherrschaft übernehmen. 100% Bulldozer Rock’n’Roll – Play loud until your eyeballs get catapulted out of your Skull!!! Unbedingt auch ansurfen: www.bulldozer.de. Obnoxious

Ruefrex – Capital Letters … The Best Of
(CD, Cherry Red)
Tja, diese CD habe ich mir geschnappt, bevor der Kollege Obnoxious sie in seine schmierigen Finger bekam. Eine große Band aus Irland mit ihren besten Liedern, die sich allesamt im Spannungsfeld zwischen Stiff Little Fingers und erträglichem Wave der Früh-Achtziger bewegen. Im Gegensatz zu anderen nordirischen Bands kommentierten die vier aus Belfast mit ihren Texten auch immer die politische Situation ihres Heimatlandes, was ihnen nicht nur Freunde einbrachte. Bestes Beispiel ist ihr wohl erfolgreichster Song „Wild Colonial Boy“, der die Einmischung der amerikanischen Exil-Iren in die Situation in Irland auf’s Korn nahm und Anlass zu heftigster Kritik bot. Ein nettes Booklet mit Texten und Bandhistory runden diese gelungene Veröffentlichung ab. Ein Muss für Freunde des Punks von der grünen Insel … AndiSocial

Ruts – Grin & Bear It
(CD, Captain OI!)
„Yeah die Ruts“ war mit mein erster Gedanke, als ich in der Vorankündigung las, dass die CD bald in meine vier Wände flattern würde. Grund dafür ist, dass sie das Original von „Babylon’s Burning“ geschrieben haben. Vorher kannte ich das nur als Cover von „Menace“ und war seither von dem Song angetan. Als die CD dann kam war ich nicht wirklich begeistert, da das Lied lediglich live drauf ist. Aber alles halb so wild, denn von den restlichen 15 Titeln ist nur noch einer live. Ansonsten kann sich der Silberling sehen lassen und neben den Hits „Starring At The Rude Boys“ und „In The Rut“gibt’s noch mehr zu entdecken. Im booklet gibt es übrigens zu den Songs die entsprechenden Linernotes aus heutiger Sicht. Bocky

SCHLEPPROCK – Learning To Fall
(CD, People Like You)
Diese „Best of“ der US-amerikanischen Band, beruht auf dem traurigen Umstand, dass ihr Gitarrist Jeff Graham verstorben ist. Die CD bietet ein breites Bild ihres Schaffens, das 1991 mit ihrer ersten Veröffentlichung durchstartete. Teile der Band spielen auch bei den Generators. 21 Titel, die sehr stark vom guten, alten, englischen Punkrock inspiriert sind, aber auch neue Elemente einfließen lassen. Richard

Die Schwarzen Schafe – Wir haben noch lange nicht genug
(CD, Teenage Rebel)
Gleich vorne weg, die LP erscheint auf dem Label des Sängers Achim, Campary Records. Der unterschied ist jedoch nicht nur „die Sache“ mit dem Vinyl, sondern auch die 11 Bonustracks auf der CD. Ja, da ist man mal wieder in der Zwickmühle. Denn normalerweise ist man ja punkrocktechnisch konservativ und greift gleich zur Platte, aber bei dem starken Gegenargument, hm? Worauf aber verwiesen werden soll, ist, dass das vorliegende Material keine Best Of Scheibe darstellt. Stattdessen Songs aus allen Schaffensphasen der Band von 1987 bis heute. Grund dafür sind die vielen Besetzungswechsel der letzten 18 Jahre. So, und wer jetzt also auf deutschsprachigen Politpunk steht, hat die Qual der Wahl in punkto Format. Bocky

SCREECHING WEASEL- Weaselmania
(CD, Fat Wreck)
Screeching Weasel legen hier ihr Vermächtnis vor. 34 Songs aus 13 Veröffentlichungen in 74 Minuten, wobei ein guter Überblick über alle Schaffensphasen der Band von 1986 bis heute geliefert wird. Screeching Weasel hatten oft mit den Unbillen des Punkrocks zu kämpfen. Gegründet in einer Zeit, die von Straight Edge-Doktrinen und Hardcore-Muskelaffen geprägt war, wollten sie eigentlich nur rotzigen Punkrock in Ramones-Tradition spielen, dem man den Spaß anhört. Schwerer Stand zu dieser Zeit. Dazu kamen über die Jahre häufige Besetzungswechsel, Auflösungen, Reunions und Stress mit dem Label. Irgendwie haben sie es trotzdem geschafft sich über die Jahre eine Fangemeinde aufzubauen (nicht zuletzt durch Ben Weasels Kolumne im Maximum Rock’n’Roll-Zine), aber so richtig bekannt wurden sie eigentlich nie. Diese „Best of…“ bietet jetzt allen Ignoranten und Spätgeborenen die Möglichkeit Screeching Weasel kennenzulernen oder sich mal wieder ins Gedächtnis zu rufen… und das zum Cheapo-Preis, incl. 16-seitigem Booklet mit vielen Fotos, Coverabbildungen und ausführlichen Linernotes der Beteiligten. Value for money! Obnoxious

Skids – Scared to Dance
(CD, Captain OI)
Naja, wie mein Schreiberkollege Andi Social finde ich nicht, dass das eine New Wave Band ist. Denn sonst könnte ich mich mit dem Sound der Band nicht anfreunden. Dem ist aber so, vor allem mit dem Titelsong. Der Rest plätschert so als softe Powerpop-Version vor sich hin. Vielleicht doch NewWave? Auf jeden Fall kommen zu den 12 offiziellen Liedern noch 8 Bonustracks hinzu und im Booklet einleitend die obligatorische Bandstory. Ein guter Soundtrack für Herbsttage, an denen man Musikbücher über 80er liest. Bocky



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