Interview mit Kommando Vollsaufen

| Dezember 5th, 2005

Pogo Presse: Wer seid Ihr? Stellt euch mal kurz vor!
Käpt‘n: Käpt‘n.
Kotze: Kotze.
Dose: Dose.
Koma: Koma.
 
Pogo Presse: Euer erstes Album heißt „Penner Rock“. Was habt ihr euch dabei gedacht?
Käpt‘n: Eigentlich ist es nur ein Demo-Tape. Wir haben uns gedacht: „Scheiß auf alle Neckarstädter. Wir machen Sie alle platt“. Ansonsten haben wir nur gesoffen und uns nichts dabei gedacht.
Kotze: Wir stehen halt voll hinter der Penner-Ideologie. Auf jeden Fall.
Käpt‘n: Ich muss kurz dazu sagen, dass das, was Kotze jetzt gesagt hat voll schlecht war.

Pogo Presse: Wie fandet ihr Euren Auftritt bei Bauer Bühl?
Käpt‘n: Also eigentlich war der Scheiße. Ich hab nix gegen Bauern, aber Bauern sind eigentlich voll Scheiße. Allgemein war es ein recht guter Bauernhof. Obwohl er Scheiße war.
Kotze: Der Bauernhof war echt gut. Aber unser Auftritt war Scheiße.
Käpt‘n: Die Idioten haben zu viel Export gekauft, aber das Pils war gut.

Pogo Presse: Seit ihr schon an vielen Orten aufgetreten und wo war es am besten?
Käpt‘n: Ich als Käpt‘n würde mal sagen, unser geilstes Konzert war im Jungbusch. Im Jungbusch, da wo wir herstammen. Da, wo wir am liebsten spielen. Dort ist der Penner Rock geboren und da ist auch unser geilstes Konzert gewesen. Und in Stuttgart war es auch nicht schlecht. Stuttgart ist quasi unsere zweite Heimat. Aber unsere erste Heimat ist natürlich heimatlicher.
Kotze: Stuttgart war am geilsten und da hat der Koma auch ein Zimmer.
Koma: Ich fand es in Darmstadt, in der Oettinger Villa am besten. Nur leider haben wir da jetzt Auftrittsverbot. Ich glaube, weil Alge dort in den Backstage gepisst hat und Käpt‘n die Türen bekritzelt oder so.

Pogo Presse: Ich weiß, dass Ihr diese Frage oft hört, aber ich muss sie trotzdem stellen. Warum gebt Ihr Euch so viel Mühe Penner Rock zu spielen?
Käpt‘n: Ich beantworte diese Frage im Namen von der ganzen Band Kommando Vollsaufen. Es ist eine schwierige Frage. Viel steckt dahinter. Viel kann passieren. Aber wir machen Penner Rock. Wir leben Penner Rock. Es ist nicht nur in unserem Kopf, es ist in unserem Herzen. Alles in uns dringt nach außen und was von uns nach außen dringt ist Penner Rock. Wir leben Penner Rock und wir werden auch Penner Rock sterben. Nichts von uns ist ohne Penner Rock und Penner Rock kann nicht ohne uns sein. Unser wahres Leben ist Penner Rock und Penner Rock ist unser wahres Leben. Es kann nicht anders sein. Penner Rock kann nicht ohne uns sein.

Pogo Presse: Eure Lieder zeugen von einzigartiger Art und Weise. Wie schafft ihr es innerhalb kürzester Zeit so viele gute Lieder zu machen?
Käpt‘n: Das ist eine gute Frage. Metulski, ich bin dir sehr verbunden, dass du diese Frage gestellt hast. Es ist quasi gar kein Thema für uns. Es ist quasi gar kein Problem. Wir sind eine Band und eine Band sind wir. „Kommando Vollsaufen“, dass heißt nicht nur „Vollsaufen“. Sondern es heißt „Kommando“ – „Vollsaufen“. Quasi, wenn wir in einem Raum sind, dann hat das quasi was an sich, was man „Kommando Vollsaufen“ nennen kann. Wir sind quasi eine Band, die sich eine „Band“ nennen kann. Das sind wir wirklich. Wenn ich ab und zu mal so ein paar Einwürfe mache – so textlich- da kommen gleich die anderen und machen Musik und andere Texte dazu. Das ist auch gut so. Und deswegen sind wir so ein Erfolg.
Kotze: Der Koma und ich spielen irgend einen Scheiß, das passt dann gut zusammen, der Dose hat zwei Takte, die wechselt er immer ab und der Käpt‘n labert wie ein Buch.

Pogo Presse: Mein persönliches Lieblingslied von euch ist „eine neue Leber ist wie ein neues Leben“. Was ist Euer Lieblingslied von Euch?
Käpt‘n: Man kann das einfach nicht so sagen. Von Kommando Vollsaufen sind alle Lieder einfach total geil und es gibt kein Lied das schlecht ist, weil wir einfach die besten Penner Rocker aller Zeiten sind. Ich wüsste gar nicht, wenn man mich fragen würde, was mein persönliches Lieblingslied ist, weil ich mag einfach alle Lieder. Das Ding ist auch, ich als Käpt‘n, ich steh auf der Bühne und die anderen spielen ein Lied, – da bin ich froh, wenn ich überhaupt noch den Text weiß. Und dass sind dann auch meine Lieblingslieder, wo ich mir am besten den Text merken kann.
Und jetzt will ich mal, dass der Schlagzeuger was sagen darf. (er gibt das Mikro weiter an den Schlagzeuger)
Dose: Mein Lieblingslied ist „an der Tankstelle nachts um halb eins“ und…(das Mikro wird ihm wieder weggerissen. Allgemeines Gelächter)
Kotze: Mein Lieblingslied ist „Frei sein, politisch sein“
Koma: „Wir sind die Zukunft“

Pogo Presse: (zum Käpt‘n): Du nennst dich ja selber Kapitän. Wieso? Warum hast du immer eine Kapitänsmütze auf und warum hat Koma immer eine Schalke-Hose an?
Käpt‘n: Für meinen Bassisten kann ich quasi sprechen, weil ich ja der Käpt‘n bin. Der Koma ist quasi ein Schalker. Und wir sind alles echte Penner. Mein Bassist ist ein echter Schalker. Er kommt quasi von Schalke. So‘n bisschen. Und ich habe eine Kapitänsmütze an, weil ich der Käpt‘n bin. Ich hab quasi für meine Mannschaft zu sorgen. Das ist quasi wie auf einem Schiff, unsere Mannschaft hier. Ich guck, dass die alle klar bleiben und das ist quasi gar kein Thema. Und dann schau ich immer und dann guck ich immer. Ich sag immer: „Bleibt klar Jungs“.

Pogo Presse: Ich habe gehört, dass bei eurer zweiten Probe bereits die Polizei kam. Erzähl mal!
Kotze: Wir haben geprobt und voll gerockt. Auf einmal klopfen die Bullen an die Tür und meinten, dass der Gesang Scheiße wär.
Käpt‘n: Das ist ein bisschen untertrieben. Es war um einiges krasser. Also: Wir haben geprobt, es war massig was los, es ging ab wie Drecksau, da kamen die vorbei. Eine Stunde lang haben die geklopft und wir haben nicht aufgemacht. Nein, die lassen wir nicht rein. Weil da ist quasi so ein Ding: Penner hassen Bullen. Wir hassen sie. Wir mögen keine Bullen. Noch nie haben uns Bullen was zu essen vorbeigebracht. Sie sind unsere Feinde. Nonnen sind unsere Freunde. Die von der Bahnhofsmission.
Kotze: Und Punks natürlich.
Käpt‘n: Jaaahh, Punks. Die haben ab und zu mal ein Bier über für uns. Das sind unsere Freunde. Die sind cool.

Pogo Presse: Vielleicht könnt Ihr mal was zur Bandgeschichte erzählen. Wie ist das Ganze entstanden?
Käpt‘n: Wir haben da so am Schifferhäusel gestanden, der Koma und ich. Da hat der Koma zu mir gesagt: „Hast du noch Bier?“. Und da hab ich gesagt: „Scheiße, Koma!“ Und Koma hat gesagt: “Scheiße, Käpt‘n!“ Und dann hab ich gemeint: „Scheiße, Koma!“ Und dann hat er zu mir gemeint: „Scheiße, Käpt‘n!“ Und dann hab ich gesagt: „Scheiße, Koma, wir müssen Penner Rock machen!“ Und dann hab ich noch gemeint: „Das ist wohl wahr, Koma!“ Und dann hab ich noch gemeint: Scheiße, klar Koma, wir machen Penner Rock. Und dann… Schnell… Schhh-wwwwup-s-di-w-u-pp….(Gelächter. Der Kapitän bringt kein Wort mehr heraus, außer einem „schh…www…upp…“)

Pogo Presse: Was ist Euer Lieblingsessen?
Käpt‘n: Also quasi hab ich viele Lieblingsessen. Ich muss sagen, wir von Kommando Vollsaufen, wir essen gern und wir essen auch gern viel. Aber auch wenn wir wenig zu essen kriegen, essen wir gern.
Koma: Wir trinken auch gern.
Käpt‘n: Ja, das stimmt auch. Da hat der Koma vollkommen Recht, wir trinken auch gern viel. Also ich mag eigentlich alles. Außer Käse. Aber Steak zum Beispiel. Oder ein großes Stück Fleisch. Aber ohne Käse.
Koma: Ich finde es immer gut, wenn wir was zu essen bekommen auf unseren Konzerten, was nich ganz so scharf is.
Käpt‘n: Ja, also ich muss sagen der Koma hat kein Plan vom Essen. Ein bisschen schon. Aber Bigos mag der Koma überhaupt nich. Also, da hat er kein Bock. So von Schärfe hat er kein Plan, aber Bigos mag er nicht. Nee, dass mag er gar nicht. Geil finde ich Yumyum. Yum yum ist voll das geile Essen und da wird mir auch der Dose Recht geben. (Er hält Dose das Mikro hin)
Dose: Ja, das stimmt.
Käpt‘n: Du darfst ausnahmsweise auch mal drei Wörter mehr sagen. Komm, sag noch drei Wörter.
Dose: Eins, zwei, drei.

Pogo Presse: Habt Ihr irgendwelche Vorbilder, an denen Ihr euch musikalisch orientiert?
Käpt‘n: Vorbilder? Das ist so eine Frage. Also quasi sind wir ja die Vorbilder für alle uns nachkommenden Menschen. Falls noch welche nachkommen… Als menschliche Vorbilder, zum Beispiel für den Koma: Da sitzt immer so ein Typ vor dem Jungbusch-Kiosk, der kann kaum einen Schritt weit gehen. Das ist quasi ein Vorbild für den Koma. Ansonsten sind wir ja die Generation, die Penner Rock erfunden hat Wir sind die Zukunft. Es kommt vielleicht nach uns irgendetwas. Wir wissen nicht was es sein wird. Aber vor uns hat es nichts gegeben.
Pogo Presse: Würdet Ihr euch als eine politische Band bezeichnen?
Käpt‘n: Das ist so ein Ding. Manche sehen uns politisch, manche nicht. Also, so mit dem Dosenpfand, da bin ich ja schon dagegen, obwohl ich auch irgendwo dafür bin. Aber, man muss das alles differenziert betrachten. Wir sind ja auch keine einseitigen Menschen. Wir sind ja Penner Rocker und man muss das von der Penner Rock-Seite her sehen. Und da sind wir die politischsten Penner Rocker, die es überhaupt gibt, weil wir ja auch die einzigsten Penner Rocker sind, die es überhaupt gibt. Und wenn es andere gibt, dann sollen sie erstmal kommen.

Pogo Presse: Was ist euer Lieblingsbier?
Koma: Andreas Pils.
Käpt‘n: Also ich muss sagen, dass ich Andreas Pils noch nie getrunken habe. Aber in unserem Jungbusch-Supermarket, gibt es Paderborner, ohne Dosenpfand. Und das ist mein Lieblingsbier. Das Paderborner ist das beste Bier. Auf jeden Fall zur Zeit. Wenn es was besseres gibt, sag ich Bescheid.
Kotze: Paderborner ist das Preis-Leistungsverhältnis gut. Deswegen trinken wir das.

Pogo Presse: Wo möchtet ihr denn gerne noch spielen?
Kotze: Auf dem Biermarathon.
Käpt‘n: Da spielen wir sowieso. Wo ich gern mal spielen würde, dass wäre quasi Kanada oder Australien. Also da werden wir auch spielen. Vielleicht klappt es dieses Jahr nicht mehr, leider. Das Problem an Kanada ist, dass es so nah an USA liegt. Da darf man Bier nur in Plastiktüten saufen. Das ist für uns nicht akzeptabel. Das finden wir nicht korrekt. Man soll überall Bier trinken dürfen, wo man gerade steht und liegt, wo man gerade ist. Auch wo man gerade essen tut ist Bier immer in Ordnung. Und deswegen möchten wir in USA nicht spielen. Aber Australien wäre ein Ort, da würden wir mal hinfliegen.

Pogo Presse: Wie heißt die Hauptstadt von Usbekistan?
Käpt‘n: Berlin und Bayern. Usbekistan und die Hauptstadt, das wird voll oft überschätzt. Quasi ist das so: Wo ich ein Bier habe, da bin ich zu Hause. Und wo Bier ist sind wir Daheim. Für mich ist es eigentlich egal, wo Usbekistan ist. Oder, wo die Hauptstadt von Usbekistan ist. Die Hauptstadt von Usbekistan ist dort wo es Bier gibt! Usbekistan ist dort, wo Kommando Vollsaufen zu Hause ist. Und wo es Bier gibt.
Pogo Presse: Auf Eurem Demo Tape ist auch ein Hund zu sehen. Seid Ihr tierlieb?
Käpt‘n: Das war schon immer so bei Pennern. Penner und Hunde, die haben sich lieb.

Pogo Presse: Jasmin, du hast Kommando Vollsaufen schon ein paar mal zu Konzerten gefahren. Wie geht es Dir dabei?
Jasmin: Es ist manchmal schon ganz schön anstrengend. Vor allem habe ich noch nie eine Band gesehen, die sich selbst so abfeiert. Die hören auf dem Weg zu Ihrem Konzert die ganze Zeit Ihr eigenes Tape und singen mit und freuen sich. Die können sogar die Intros und alles auswendig.

Pogo Presse: Gibt es Leute, die Ihr gut leiden könnt?
Käpt‘n: Da gibt es einige. Den Papa vom Schifferhäusel zum Beispiel. Der hat auch immer eine Dachdeckerjacke an. Der ist korrekt.
Koma: Ich möchte an dieser Stelle alle Leute grüßen, die das möglich gemacht haben, was wir heute sind. Die dafür gesorgt haben, dass wir Penner Rock machen können, dass wir immer unseren Weg gehen. Diejenigen, die immer dabei gewesen sind, bei all unseren Sachen, wenn wir irgendetwas gebraucht haben, die uns unterstützt haben. Ein Danke an alle, die es möglich gemacht haben, dass wir heute so einen großen Erfolg haben.
Käpt‘n: Ja quasi stimmt das alles. Und ich möchte auch dem einen danken, der immer in seinem Rollstuhl sitzt vorm Kiosk. Der ist der korrekteste Typ der Welt. Der sagt auch ab und zu mal „Hallo“ zu mir. Und deswegen mag ich den. Eigentlich müsste der bei uns in der Band spielen. Aber der kann leider nix. Er ist auch zeitlich verhindert.

Pogo Presse: Mit welchen Bands seid Ihr befreundet?
Käpt‘n: Wir sind mit einigen Bands befreundet. Eigentlich mit allen. Aber mit einigen auch nicht. Wir sind ja quasi die Band, die sich die Freunde selber aussucht. Die Frage ist im Grunde schon falsch. Es darf nicht heißen: „Mit welchen Bands seid IHR befreundet“, sondern es muss heißen: „Welche Bands sind mit EUCH befreundet?“ Und mit uns sind quasi alle befreundet, die keine Deppen sind.
Pogo Presse: Seid Ihr sehr stolz darauf, so etwas großartiges wie Penner Rock erschaffen zu haben?
Käpt‘n: Ja, natürlich. Das ist doch klar. Wir haben Penner Rock geschaffen. Die Idee der neuen Welt. Gerade jetzt wo das Zeitalter des Penner Rock kommt. Viele werden uns folgen, aber nur wenige werden uns verstehen.

Pogo Presse: Warum ist der Käpt‘n Euer Kapitän?
Koma: Der Käpt‘n sagt immer: „immer erst den Käpt‘n fragen, dann nachdenken, was der Käpt‘n gesagt hat und dann weißt du auch was zu tun ist“. Der Käpt‘n hilft uns bei schwierigen Entscheidungen und passt auf seine Leute auf. Aber eigentlich ist das alles ein großer Scheiß. Weil der Käpt‘n nur denkt, dass er das macht.
Käpt‘n: Ich kann da gar nicht viel hinzufügen, außer, dass ich der Käpt‘n bin. Ich achte auf meine Mannschaft, wie der Vater auf seine Jünglinge. Ich muss sagen, ich mach das gut.
Pogo Presse: Nennt mir drei Gründe, warum ich mir ein Kommando Vollsaufen Tape kaufen soll!
Käpt‘n: Wir sind gut, wir brauchen Geld und der Käpt‘n spielt mit.
Koma: Wir brauchen mehr Bier.

Pogo Presse: Vielen Dank für das Interview. Wollt Ihr zum Schluss noch was loswerden?
Kotze: Eine neue Leber ist wie ein neues Leben!
Käpt‘n: Ich weiß nicht was ich gern loswerden will. Von Kommando Vollsaufen will ich eigentlich niemanden loswerden. Wir sind eine Einheit. Wir sind eine Band. Es gibt niemanden den ich davon loswerden will. Dann wären wir nicht mehr Kommando Vollsaufen. Aber das schlechte Wetter will ich gern loswerden. Ich hätte gern jetzt an die 25 Grad im Schatten, ein bisschen Sonnenschein, dazu ein Strand und eine Strandbar. Dann wäre alles wunderbar. 

zu noch mehr Fotos

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